Ups. Jetzt habe ich auch eins meiner Lieblingswörter benutzt. Bei Youtube gehts vornehmlich ja ums „zerlegen“ und „zerstören“. Der gar nicht so friedvolle Umgang mit diesen Vokabeln ist dort inflationär.

Es gibt Wahlkampfhelfer, die verteilen Kugelschreiber. Andere hängen Plakate auf. Sven Schulze hat Dieter Hallervorden.
Das ist ungefähr so, als engagiere man für die Gartenpflege einen Mann mit Flammenwerfer und erkläre anschließend zufrieden, das Unkraut sei jedenfalls weg.
Hallervorden soll der CDU in Sachsen-Anhalt helfen, die AfD kleinzuhalten. Zu diesem Zweck singt er gegen Friedrich Merz, nennt Boris Pistorius „Kriegsminister“, legt sich mit der CDU-Generalsekretärin an und erklärt der Berliner Parteizentrale vorsorglich, sie habe in Sachsen-Anhalt nichts zu melden.
Ein klassischer CDU-Wahlkampf also, nur ohne CDU.
Sven Schulze steht derweil daneben und vollbringt eine bemerkenswerte politische Turnübung. Er widerspricht Hallervorden dort, wo es gar nicht anders geht, lässt ihn ansonsten aber gewähren. Das wirkt ein wenig wie ein Mann, der im Wohnzimmer neben einem brennenden Sofa steht und erklärt, er persönlich habe eine völlig andere Auffassung von Raumtemperatur.
In Berlin ist man entsprechend begeistert.
Generalsekretärin Franziska Hoppermann erinnert daran, dass Kunstfreiheit auch Widerspruch aushalten müsse. Das dürfte Hallervorden schwer getroffen haben. Der Mann ist 90 Jahre alt, seit Jahrzehnten Kabarettist und hat vermutlich nur darauf gewartet, von einer CDU-Generalsekretärin über das Wesen des Widerspruchs aufgeklärt zu werden.
Hallervorden antwortete denn auch ungefähr so zurückhaltend, wie man es erwarten durfte: Selbst wenn er Pantomime mache, werde Hoppermann vermutlich noch ein unzulässiges Wort entdecken.
Man muss Sven Schulze zugutehalten: Mut hat er. Oder Verzweiflung. Vielleicht ist die Unterscheidung im Wahlkampf inzwischen ohnehin akademisch.
Denn die Strategie besitzt durchaus einen gewissen Reiz. Während die AfD behauptet, die etablierten Parteien seien ein großer Berliner Einheitsbrei, stellt die CDU Sachsen-Anhalt einen 90-jährigen Kabarettisten auf die Bühne, der den CDU-Bundeskanzler verbal durch den Fleischwolf dreht und anschließend die CDU-Zentrale beschimpft.
Mehr Distanz zu Berlin lässt sich eigentlich nur herstellen, indem Schulze bei der nächsten Veranstaltung seinen Parteiausweis öffentlich verbrennt.
Vielleicht kommt das noch. Bis dahin darf Friedrich Merz beruhigt sein: Immerhin macht Hallervorden Wahlkampf für die CDU. Nur eben nicht für seine.
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