Wenn Online-Journalisten Noten verteilen

Redakteure von Focus-Online nehmen sich die Freiheit und verpassen Andrea Nahles (SPD) für ihre Arbeit eine Sechs. Im Beitrag wird moniert, besser gesagt wiedergekäut, was in den letzten Monaten zu den Themen Mindestlohn und Rente mit 63 bis zum Erbrechen rauf- und runterdiskutiert wurde. Andere Politiker der GroKo kommen etwas besser weg.

Ob sich die „Berichterstattung“ der Focus-Printausgabe qualitativ noch von der Online-Präsenz unterscheidet? Mit Qualitätsjournalismus hat das Zusammenschreiben längst bekannter Positionen meines Erachtens nichts zu tun und mit spektakulär schlechten Schulnoten, wie sie sinnloserweise ab und zu auftauchen, glaubt man scheinbar, einen Mehrwert für die Leser zu schaffen. Man denkt wohl auch, so die Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger zu erfüllen. Sollten Journalisten nicht höhere Ansprüche an ihre Arbeit stellen?

Von den hauptsächlich im Internet tätigen Journalisten bemühen sich einige darum, ein bisschen zu verkrampft und wohl gerade deshalb ziemlich offensichtlich, die vermeintliche Erwartungshaltung der eigenen Zielgruppen zu befriedigen. Je kritischer es gegen die Regierung, Europa, oder z.B. die Öffentlich Rechtlichen Anstalten geht, desto mehr Beifall in Form von Shares und Likes sind zu erwarten. Das ist auch nichts anderes als Opportunismus, den man z.B. Politikern so gern vorhält.

Auf Sicht fährt man mit dieser Methode nicht besser als die übertrieben hart kritisierten klassischen Medien, deren Leistung man zunehmend mit dem Prädikat Qualitätsjournalismus apostrophiert.

Foto von: Jeroen BosmanCC BY-NC-SA 2.0

Horst Schulte
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Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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