Sommer: Ventilator, Sandalen, Unterhose und die Contenance


| Aktualisiert: 10. Juli 2020   0 Kommentare 3 Min. Lesezeit

Der Som­mer neigt sich dem Ende ent­ge­gen. Davon spra­chen die Metereo­lo­gen in den Wet­ter­be­rich­ten der letz­ten Tage. Ich glau­be und hof­fe, dass sich die­ser Som­mer gegen den vor­zei­ti­gen Abge­sang wehrt.

Viel­leicht haben wir mal wie­der Glück und bekom­men einen schö­nen Alt­wei­ber-Som­mer tra­di­tio­nel­ler Art. Einen, der nicht ganz so heiß und tro­cken aber trotz­dem rich­tig schön wird.

Vor ein paar Tagen lief der Rudi-Car­rell-Schla­ger «Wann wird es end­lich wie­der Som­mer?» im Radio. Unpas­sen­der kann ein Lied doch nicht sein, dach­te ich. 

2019 soll nach 2003 und 2018 der wärms­te Som­mer der Wet­ter­auf­zeich­nun­gen «gewe­sen» sein. Erst kürz­lich hat­te ich gele­sen, dass 2018 der bis­her wärms­te Som­mer gewe­sen sein soll. Wahr­schein­lich geht es um ein paar ver­steck­te Gra­de in 2003, die die Wet­ter­frö­sche dann noch irgend­wo gefun­den haben. 

Und wir so? Was haben wir gemacht?

Wir haben uns gleich vor der ers­ten Heiß­wet­ter­pe­ri­ode einen gro­ßen Ven­ti­la­tor bei Ama­zon bestellt. Unse­re Fahr­rä­der haben die­sen Som­mer fast nicht benutzt. Schan­de über uns! 

Ich will nicht zu intim wer­den aber soviel sei gesagt: Män­ner haben es zu Hau­se bei gro­ßer Hit­ze leich­ter als Frau­en. Bis auf mei­ne Unter­ho­se habe ich alles aus­ge­zo­gen. Mei­ner Frau erschei­nen der­ar­ti­ge Erleich­te­run­gen nicht ange­mes­sen und mei­ner Schwie­ger­mut­ter (94) schon gar nicht. Die Damen sind auf Con­ten­an­ce gepolt. Ich mach mich nur aus dem Staub, wenns an der Türe klingelt. 

Ansons­ten habe ich drau­ßen nur Shorts getra­gen. Shorts und Bir­ken­stock-San­da­len (ohne Socken). Ab und zu kamen Snea­ker zum Ein­satz (mit Füß­lin­gen, denn ganz ohne Socken mag ich kei­ne fes­ten Schu­he tragen). 

Modi­schen Aspek­ten gegen­über bin ich (65) nicht mehr so auf­ge­schlos­sen wie frü­her. Zu den Mar­ken­freaks habe ich ohne­hin nie gehört. Mei­ner Frau ist zu ver­dan­ken, dass ich in modi­scher Hin­sicht nicht voll­stän­dig auf­ge­ge­ben habe.

Die Hit­ze­pe­ri­oden der letz­ten Som­mer waren so prä­gend, dass ich mir um modi­sche Aspek­te gerad mal gar kei­ne Gedan­ken gemacht habe. Ob Shorts, T‑Shirts oder Socken in San­da­len, mei­ne Sor­ge galt aus­schließ­lich dem Kör­per­kli­ma. Auch oder vor allem alte Bäu­me brau­chen viel Flüs­sig­keit. Dass das selbst dann so ist, wenn der Durst nicht so stark emp­fun­den ist, muss man lernen.

Wir füh­ren kein Haus­halts­buch. Des­halb kann ich es nicht bele­gen. Aber ich habe das Gefühl, dass wir in die­sem Som­mer mehr Mine­ral­was­ser ver­braucht haben als je zuvor. Wir haben die Son­der­an­ge­bo­te inten­si­ver ver­gli­chen als frü­her. Ich trin­ke ger­ne Gerol­stei­ner Spru­del, alter­na­tiv Appo­li­na­ris. Die Sor­ten, die wir sonst aus­pro­biert haben, moch­te ich nicht. Bier trin­ke ich nur noch sel­ten. Meis­tens wird es ein küh­les Gläs­chen tro­cke­ner Weiß­wein – auch beim Gril­len. Das scheint ein Trend zu sein. Der Bier­kon­sum ist deutsch­land­weit zurück­ge­gan­gen, habe ich gele­sen. Oder liegt das dar­an, dass die Leu­te ihre Pfand­fla­schen nicht zurück­brin­gen? Auch das war ein The­ma in die­sem Sommer. 

Kürz­lich habe ich geschrie­ben, wie leicht wir beein­flusst wer­den. Es bezog sich zwar auf Mani­pu­la­tio­nen durch poli­ti­sche Inter­es­sen­grup­pen, aber es bleibt inter­es­sant. Vor allem durch die Mög­lich­kei­ten, die das Inter­net bie­tet. Vie­le sagen zwar von sich, dafür nicht anfäl­lig zu sein. Aber ich glau­be ihnen nicht!

Ich nen­ne in die­sem Fall gern den Ein­fluss (Mani­pu­la­ti­on) der Mode auf unser Leben. Ob Hosen, Fri­su­ren oder Ober­hem­den, Schu­he, Uhren, Schmuck, etc. Wie wohl das Stra­ßen­bild heu­te aus­sä­he, wenn sich wirk­lich so wenig Men­schen beein­flus­sen ließen? 

Schlag­ho­sen, Vokuhi­la und super­eng­tal­lier­te (also luft­rau­ben­de) Hem­den wären bei den Tem­pe­ra­tu­ren sub­op­ti­mal. Die heu­ti­ge Viel­falt in die­sem Seg­ment spricht mei­ner Mei­nung nach nicht dage­gen, dass gera­de die Mode­bran­che zeigt, welch gro­ßen Ein­fluss sie auf Gesell­schaf­ten hat. Ich nen­ne ihn mani­pu­la­tiv (wenn die­ser auch im posi­tiv besetzt ist). Kon­sum­an­re­gend ist der Ein­fluss der Mode­bran­che alle­mal. Womit wir ohne Umschwei­fe bei der Wer­be­wirt­schaft ange­langt wären. War­um kau­fen vie­le Leu­te Pre­mi­um­au­tos? Die­je­ni­gen, die von sich sagen, nicht leicht beein­fluss­bar zu sein, soll­ten dar­über ein­mal nach­den­ken. Übri­gens auch dann, wenn die­ses Pre­mi­um­au­to ein Fir­men­wa­gen ist.

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Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 67 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

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