
„Vielleicht funktioniert Blogkultur tatsächlich am besten, wenn niemand versucht, sie zu skalieren.“
via Robert bzw. Bock’s Kommentar – Bocks Blog.
Ich halte diesen Satz für so klug, dass ich mich mit dem Inhalt einen kurzen Augenblick in meinem Blog beschäftigen möchte. 😉
Der entscheidende Begriff ist „skalieren“. Skalierung bedeutet im Netz fast zwangsläufig: mehr Reichweite, mehr Frequenz, mehr Optimierung, mehr Standardisierung – und irgendwann die Frage, was beim Publikum möglichst zuverlässig funktioniert.
Genau das widerspricht einem wesentlichen Reiz des klassischen Bloggens. Ein Blog darf unwirtschaftlich sein. Es darf einen langen Text veröffentlichen, den 10, 20 oder 80 Leute lesen. Es darf heute Politik behandeln, morgen ein Foto zeigen und übermorgen darüber räsonieren, warum der Blogger schon wieder an seinem WordPress-Design herumgeschraubt hat. Ein skaliertes bzw. skalierbares Medienprodukt kann sich solche Launen viel schlechter leisten.
Und darin liegt für mich die eigentliche Stärke des Satzes: Blogkultur lebt nicht trotz ihrer mangelnden Skalierbarkeit, sondern möglicherweise gerade von ihr.
Sobald aus dem persönlichen Blog ein auf Wachstum optimiertes Produkt wird, verändern sich die Anreize. Man schreibt nicht mehr unbedingt das, was einen beschäftigt, sondern zunehmend das, was Reichweite verspricht. SEO, Veröffentlichungsrhythmus, Themencluster, Social-Media-Verwertung, Conversion – alles vernünftige Dinge. Nur kann dabei genau das verschwinden, weshalb Blogs einmal interessant wurden: die erkennbare Person hinter dem Text.
Wenn die nicht gerade KI nutzt, ist eigentlich alles OK. ‼️
Dass Blogger das überwiegend und vermutlich ganz instinktiv beherzigen, zeigt ein Blick auf die Aggregatoren des Metiers. Von den gestrigen Wahlen und ihren verstörenden Ergebnissen ist dort so gut wie nichts zu sehen. Stattdessen schreibt jeder über das, was ihn gerade beschäftigt.
Vielleicht ist genau das Blogkultur. Q. e. d. 😄
Für einige, oder viele, ist das bloggen einfach ein Hobby. Hobbys machen einem meistens Freude. Wenn man jetzt skaliert und optimiert und nach einem schneller, höher, weiter und und und dann wird es Arbeit und die meisten macht Arbeit keinen Spaß.
@Willi: Das ist wahr. Jedenfalls sehe ich es genauso. 😃