Horror und ich werden wohl keine Freunde mehr. Romantische Komödien dagegen mag ich bis heute. Über einen gelegentlich widersprüchlichen Filmgeschmack, die Freude an guten Dialogen und die angenehme Freiheit, mit 72 niemanden mehr mit seiner Filmauswahl beeindrucken zu müssen.

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So gern ich Filme mag: Das Genre Horror bleibt mir, trotz passender Jahreszeit, immer noch verschlossen. Beim Blick auf den Beitrag über die fünf gruseligsten Filmmomente bei Passion of Arts fiel mir wieder ein, wie überschaubar meine eigenen Erfahrungen damit sind. Einige Versuche habe ich vor Jahrzehnten unternommen. Nach einer Viertelstunde, spätestens nach einer halben, war meistens Schluss. Fernseher aus, Versuch beendet. Meine Begeisterung für das Kino hat diese kleine Bildungslücke glücklicherweise unbeschadet überstanden.

Ich kann durchaus nachvollziehen, dass andere Menschen Freude am wohligen Schauer haben. Die Vorstellung, sich auf dem Sofa freiwillig in Angst versetzen zu lassen und dabei jederzeit zu wissen, dass alles nur gespielt ist, hat ja etwas. Bei mir funktioniert diese Verabredung allerdings schlecht. Der Kopf weiß, dass es ein Film ist. Der Rest von mir würde lieber etwas anderes sehen.

Tarantino geht trotzdem. Meistens.

Ganz widerspruchsfrei ist mein Filmgeschmack dabei nicht. Bei Tarantino geht es mitunter derart rau zu, dass «rau» schon eine ausgesprochen höfliche Beschreibung ist. Trotzdem vermag ich dort über gewisse Grausamkeiten hinwegzusehen. Offenbar hängt meine Reaktion stärker von der Art des Erzählens ab, als ich es mit einer einfachen Abneigung gegen Gewalt erklären könnte.

Vielleicht schaffen die Überzeichnung, die absurden Situationen und der schwarze Humor für mich einen Abstand. Ich nehme das Geschehen anders wahr. Beim Horror wiederum genügt womöglich schon ein dunkler Flur, begleitet von der passenden Musik, und ich frage mich, weshalb ich mir diesen Abend eigentlich so ausgesucht habe. Das Warten auf etwas Entsetzliches kann unangenehmer sein als die Szene selbst. Eine besonders schlüssige Theorie meines Filmgeschmacks wird daraus wohl nicht mehr. Damit kann ich leben.

Romantische Komödien? Sehr gern.

Bis heute sind romantische Komödien mein Ding. Zwei Menschen, die sich mögen, es zunächst nur selbst nicht begreifen, ein paar gut geschriebene Dialoge, etwas Situationskomik: Damit bekommt man mich ziemlich zuverlässig. Natürlich kenne ich die Einwände. Vorhersehbar. Wirklichkeitsfern. Zu viel Gefühl. Und selbstverständlich ist auch in diesem Genre längst nicht alles gelungen. Ein Drehbuch wird durch einen abschließenden Kuss nicht nachträglich besser.

Aber warum sollte Vorhersehbarkeit jedes Vergnügen verderben? Bei einem Krimi rechne ich schließlich ebenfalls damit, dass irgendwann jemand den Fall aufklärt. Mich interessiert, was unterwegs geschieht: ob die Figuren miteinander etwas anfangen können, ob ein Gespräch Witz hat und ob sich hinter den Missverständnissen etwas Menschliches zeigt. Ein Film darf mir ruhig einen schönen Abend machen. Ich verlange von einem Essen auch nicht, dass es mich zunächst verstört, bevor ich seine Qualität anerkennen darf.

Dabei berühren mich durchaus Geschichten, die schmerzen. Über Filme über Geschwisterbeziehungen habe ich hier schon geschrieben, darunter «Aus der Mitte entspringt ein Fluss». Auch meine Begeisterung für «Call the Midwife» passt dazu: Menschliche Nähe kann eine Geschichte tragen, selbst wenn sie von schweren Erfahrungen erzählt. Gefühl darf für mich im Kino und im Fernsehen einen großen Platz einnehmen.

Ein kleiner Vorteil von 72 Lebensjahren

Vermutlich werden bei diesem Bekenntnis manche die Augen verdrehen. Früher wäre ich mit einem solchen Outing wohl vorsichtiger gewesen. Man wollte schließlich einen gewissen Eindruck hinterlassen. Ob der eigene Filmgeschmack dafür wirklich so wichtig war, sei dahingestellt. Man hielt ihn gelegentlich dafür.

Mit 72 hat dieses Bedürfnis erfreulich nachgelassen. Ich muss mit meiner Filmauswahl niemanden beeindrucken. Ich darf rührend finden, was mich rührt, über einen albernen Einfall lachen und einen Film ausschalten, dessen hochgelobte Qualitäten sich mir partout nicht erschließen. Das ist eine kleine, ziemlich angenehme Freiheit des Älterwerdens.

Wer Horror liebt, soll sich also mit Vergnügen gruseln. Ich wünsche gute Nerven. Bei mir dürfen sich währenddessen zwei Menschen nach allerlei Umwegen endlich kriegen. Wenn die Dialoge stimmen, bleibe ich dafür auch länger als eine halbe Stunde sitzen.

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