Die verlorene Zeit – und was wir mit ihr hätten anfangen können

Wie viel Lebenszeit haben wir in Staus, vor Bildschirmen oder mit Belanglosigkeiten verbracht? Was wäre, wenn wir all diese Stunden zurückbekämen? Ein melancholischer Gedanke über versäumte Augenblicke, die Kunst des Innehaltens und die Frage, was im Leben wirklich zählt.

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Ich stelle mir vor, dass wir Menschen am Ende unseres Lebens Bilanz ziehen. Nicht über das, was wir verdient, besessen oder erreicht haben. Sondern darüber, wie wir unsere Zeit verbracht haben. Wie viele Stunden standen wir im Stau, warteten auf irgendetwas, saßen vor dem Computer oder beschäftigten uns mit dem Smartphone, ohne hinterher noch zu wissen, was wir dort eigentlich gesucht hatten? Wie viel Lebenszeit haben wir mit Dingen vertan, die uns weder Freude bereitet noch irgendeinen bleibenden Wert hatten? Neuerdings fragen sich manche sogar, ob sie ihre kostbare Zeit mit KI-generierten Texten verschwenden sollten. Als wäre das angesichts all der Belanglosigkeiten, denen wir uns tagtäglich freiwillig aussetzen, eine besonders bedrohliche Form der Zeitverschwendung.

Was wäre, wenn man all diese Stunden zusammenrechnen und sie uns noch einmal schenken könnte? Nicht irgendwann, sondern jetzt, solange wir noch etwas damit anfangen können. Wären es Wochen, Monate oder gar Jahre? Der Gedanke ist ebenso verlockend wie grausam. Denn natürlich gibt es dieses Zeitkonto nicht. Was vergangen ist, bleibt vergangen. Und je älter man wird, desto deutlicher spürt man, dass die verbleibenden Jahre keine unerschöpfliche Größe mehr sind. Vermutlich kämen tatsächlich Jahre zusammen. All diese kleinen, achtlos vertanen Augenblicke, die einzeln kaum ins Gewicht fallen und sich im Laufe eines Lebens doch zu einer erschreckenden Summe addieren.

Ein See, ein Berg und sonst nichts

Ich stelle mir vor, wie ich mit dieser zurückgewonnenen Zeit irgendwo in den Bergen säße. Vor mir ein stiller See, in dem sich die Gipfel spiegeln. Vielleicht zöge eine Wolke langsam über das Wasser. Kein Telefon, keine Nachrichten, keine politischen Aufgeregtheiten, keine Verpflichtungen. Nur die Landschaft, die Stille und das wunderbare Gefühl, nirgendwo anders sein zu müssen.

Dabei weiß ich natürlich, dass auch die scheinbar vergeudeten Stunden zu meinem Leben gehören. Nicht jeder Umweg war sinnlos, nicht jede Stunde am Computer verloren. Manchmal entstehen gerade aus dem Müßiggang Gedanken, die uns später wichtig werden. Und selbst das Warten kann seinen eigenen Wert haben, wenn wir es nicht ständig als Zumutung empfinden.

Vielleicht liegt der Fehler ohnehin darin, Lebenszeit wie Geld behandeln zu wollen. Als ließe sich jede Stunde nach ihrem Nutzen bewerten. Das Leben ist schließlich keine betriebswirtschaftliche Veranstaltung, auch wenn wir gelegentlich so mit ihm umgehen.

Trotzdem bleibt diese leise Wehmut. Die Vorstellung, wie viel Schönes wir versäumt haben könnten, während wir mit Nebensächlichkeiten beschäftigt waren. Vielleicht ist das eine jener Erkenntnisse, die mit dem Älterwerden kommen: dass nicht die großen Ereignisse allein unser Leben ausmachen, sondern vor allem die Augenblicke, in denen wir ganz bei uns waren.

Und vielleicht sollte ich einfach öfter den Computer ausschalten. Der Gebirgssee wird nicht auf mich warten. Aber womöglich gibt es ja auch ganz in meiner Nähe einen schönen Platz, an dem ich sitzen und nichts weiter tun könnte, als dem Leben beim Vergehen zuzusehen. Ohne das Gefühl, dabei etwas zu versäumen.

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  1. Du solltest dir vor allem mal einen „Urlaub“ gönnen – in Anführungszeichen, weil der Begriff für Rentner nicht wirklich passt. Ich meine also eine Reise, zum Zweck neuer Eindrücke, raus aus dem täglichen Immer-gleichen! Neue Eindrücke bleiben als gelebtes Leben im Gedächtnis, nicht aber die täglich wiederholten Routinen. Je mehr Routinen, desto eher haben wir den Eindruck, „dass die Zeit rast“!

    „Nur die Landschaft, die Stille und das wunderbare Gefühl, nirgendwo anders sein zu müssen.“ Ich gebe dem Anblick zehn Minuten, spätestens dann würde ich mich langweilen. Also aufstehen und rumwandern, Gegend erforschen – und irgendwann kommt die Lust auf, irgendwo einzukehren, die Zivilisation und ihre Angebote neu zu umarmen! 🙂

    Wie selbstverständlich das „Sitzen vor dem Computer“ als vergeudete Lebenszeit genannt wird. Es kommt doch drauf an, was man da macht! Ich informiere mich kurz über das Tagesgeschehen, lese dann Blogs, kommentiere hier und da – dich meine ich aufgrund unserer vielen Kommentarkontakte schon recht gut zu kennen – da fehlt natürlich viel, was sich nur f2f vermittelt, aber immerhin! Aber „Horst“ IST jemand in meinem Bekanntenkreis, von dem ich auch mal was erzähle (aus dem Blog und den Gesprächen hier).

    „Neuerdings fragen sich manche sogar, ob sie ihre kostbare Zeit mit KI-generierten Texten verschwenden sollten. “ Das finde ich zunehmend ärgerlich! Und es spricht für mangelnde Erfahrung, womöglich auch für kritiklose Übernahme fremder Meinungen. Als gäbe es da keine Unterschiede und irgendwas wäre per se schlecht und qualitativ minderwertig, weil eine KI beteiligt war. Ich kenne echte KI-Kunst, sehr gute mit KI gemachte Kurzfilme und Videos, an denen die Leute Wochen gearbeitet haben. Es ist nicht alles „mit EINEM Prompt“ getan – und wenn doch, sieht man es den Ergebnissen oft auch an, das ist dann wirklich KI-Slop!

    Kürzlich hab ich einen Test gemacht, eine Anzahl Fotos und man musste raten „KI oder nicht“. Ich hatte nur wenig über die Hälfte richtig. Bedeutet: etliche KI-Bilder waren genauso gut und realitätsnah wie die anderen. Und da meinen die Leute, alles wegen KI verdammen zu müssen!

    Über das Thema des Blogposts werde ich alsbald auch bloggen – aus dem Blickwinkel einer Raucherin, die aufhören will.

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