Es wurde der ungeheuere Verdacht geäußert, Frau Lewitscharoff sei womöglich Katholikin

7. März 2014

4 3 Min.

Irgendwie stimmt es doch, dass in Deutschland Debatten dann halbwegs sachlich vonstatten gehen, solange sie auf dem Boden der political correctness ablaufen. Wenn das Anliegen aber nicht so blütenweiß links oder linksliberal daherkommt knallst. Und zwar richtig.

Ich denke, dass Thesen, die mit einem Satz wie „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ beginnen, für viele schon Nachweis genug sind, dass da moralisch etwas nicht passt. Weil die Autoren ihre Intention meist mit geradezu unwiderstehlicher Verve vertreten, sind viele LeserInnen sofort mit im Boot. Diese Uniformität schreckt ab. Sie führt oft dazu, dass ich unwillkürlich die andere Position einnehme. Ich kann also aufatmen. Opportunismus kann man mir nicht vorwerfen. Keine Ahnung, was da schiefgelaufen ist. Vielleicht habe ich eine soziale Ader, die ich eigentlich bei meinem Schwesterchen erkannt zu haben glaubte.

Es ist wieder passiert und zwar beim Lesen von Stefan Niggemeiers Artikel über eine Dresdner Rede, die Sibylle Lewitscharoff gehalten hat. Diese Rede war am bereits am Sonntag, den 2.03. gehalten worden. Repliken hierzu gab (soweit ich gesehen habe – jedenfalls im Großen und Ganzen) erst nach Niggemeiers Blog-Beitrag. Das Internet war mal wieder schneller. Huh, da freuen wir uns.

An dem, was wir unserer Gesellschaft an Toleranz verordnet haben, ist nicht zu rütteln. Der von Niggemeier medial skandalisierte Vorgang wurde erst spät durch andere Medien aufgenommen. Dennoch nimmt die Geschichte um Lewitscharoffs Rede in der Wikipedia bereits heute, einen Tag nach Niggemeiers Beitrag, ein sagenhaftes Drittel des gesamten Artikels (Liste der Auszeichnungen und Veröffentlichungen nicht einbezogen) über die Schriftstellerin ein. Sind mit der Rede die Werke und Verdienste (darf man das noch schreiben?) Lewitscharoffs jetzt entwertet?

Die Kritiker kommen gar nicht auf die Idee, dass alle Vorbehalte zum Beispiel gegen Tilo Sarrazin, Matthias Matusseks (Unbehagen gegenüber Schwulen) oder aktuell Sibylle Lewitscharoffs Tirade gegen pränatale Diagnostik und ihren Folgen mit Denkverboten zu tun haben, die sie ansonsten vehement bekämpfen. Unmittelbar und erschreckenderweise erfolgen diese Denkverbote stets überaus dezidiert, keinen Widerspruch duldend. Er wäre sinnlos. In unserer Welt werden DENKGEBOTE auf diese Weise mehr und mehr torpediert. Ich arbeite nach Kräften mit daran. Und das ist falsch, falsch, falsch!

Ich empfinde mich nicht als ein Sachwalter reaktionärer Ansichten über Sexualität, Privatheit oder medizinische Chancen einer künstlichen Befruchtung. Frau Lewitscharoff hat sich heute im ZDF-Morgenmagazin entschuldigt. Dies durfte Wulf Schmiese, ZDF, am Schluss des Gespräches konstatieren. Bis zu diesem Satz war das Interview wirklich gut, Herr Schmiese. Darin spricht Lewitscharoff sinngemäß davon, dass sie sich manchmal selbst nicht traut. Sie ist ein Mensch mit Zweifeln. Einer, der so ehrlich ist, solche Zweifel auszusprechen. Und das geht heutzutage wohl gar nicht mehr.

Vielleicht hat sie sich über die Reaktionen genauso erschrocken, wie wir es getan hätten, wenn wir zum einen oder anderen Thema mal eine Gelegenheit hierzu erhalten würden.

Das Müslifeindbild des Herrn Sarrazin

2. März 2014

4 3 Min.

Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass Übergriffe von Nazis zunehmen. Dabei haben die politischen Parteien, in denen wir die Feinde der Demokratie ausmachen, in der Bevölkerung doch eigentlich kaum eine Bedeutung. Die Wahlergebnisse lassen alles in allem keine anderen Schlüsse zu.

Aber – stehen wir noch zu dem, was unter „Freiheit des Andersdenkenden“ zu verstehen ist? Praktizieren wir Demokratie oder üben wir Meinungs- oder Tugendterror? Ich frage das nicht nur in die Richtung der linke Agitateure, die sich heute in Berlin besonders „engagiert“ haben. Die konservative oder liberale Seite muss sich das genauso fragen lassen. Wir hören auf miteinander zu reden, sondern äußern uns hauptsächlich übereinander. Und das in einer Form, die demokratischen Maßstäben wohl nicht genügt.

Man kann  es mit dem Berliner Piraten Martin Delius halten, der Sarrazin und seinen Gedankenjüngern keinen Fußbreit Boden zugestehen möchte. Sarrazins Thesen sind schwer auszuhalten. Aber sind Handlungen wie die der Demonstranten von heute und Aussagen die richtige Antwort? Einerseits ist eine harte und unnachgiebige Debatte nötig, weil es zu viele Leute gibt, die dabei sind, das Klima in Deutschland zu vergiften.

Beim Lesen von Sarrazins Thesen, denke ich sofort an Brunnenvergifter á la PI-News aber zum Teil auch der Anhängerschaft der AfD.  Hasserfüllte „Leserbriefe“ machen einfach besorgt! So diskutieren Demokraten nicht miteinander. Die Frage wird sich schon bald ernsthaft stellen, wohin wir unsere Gesellschaft entwickeln wollen.

Ich will es mir nicht zumuten, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus als festen Bestandteil unserer Gesellschaft zu akzeptieren und dazu zu schweigen. Die Mittel, die uns Bürgern zur Verfügung stehen, sind begrenzt. Vielleicht bleibt gar nichts anderes übrig, als bei allen Gelegenheiten vehement (mit friedlichen Mitteln) gegen die die menschenfeindlichen Ansichten verbreitenden Personen oder Parteien zu demonstrieren. Das mag nicht allen gefallen. Dafür spricht das Gezeter, das rechte Schreihälse jetzt veranstalten. Es geht um zu viel. Wir dürfen es uns nicht bequem machen.

Vielleicht hat Sarrazin ein ganz eigenes, persönliches Anliegen und macht sich, wie er behauptet, nicht mit denen gemein, denen insbesondere meine Sorge gilt. Im Buch und bei seinen Auftritten stützt er die in rechtsnationalen Kreisen verbreitete Ansicht, dass Deutschland von linksdominierten Medien in eine gefährliche Richtung gelenkt wird. Der vermeintliche Tugendterror der (links-grünen-müsliessenden) Gutmenschen ist nicht nur sein Thema. Sarrazin bietet genügend Andockmöglichkeiten für rechtsnationales, rassistisches Gedankengut und sie werden nur zu gern aufgenommen. Das Internet bietet allen Zweiflern hinreichend Aufschluss darüber.

Youtube Video

Webmaster Friday: Schreibblockade, Faulheit oder bloggerische Desorientierung?

2. März 2014

4 3 Min.

Wenn ich mal eine Weile (d.h. bei mir ein paar Tage) nicht blogge, bin ich entweder zu faul dazu oder ich leide unter bloggerischer Desorientierung. Ich lese was und denke dann: darüber schreiben so viele – muss ich dazu nun auch noch meine Meinung sagen oder soll ich nicht besser „einfach mal die Fresse halten“? In diesem Fall – könnte man sagen – befindet man sich als Blogger in einer kritischen Phase. Woher kommt in einem solchen Fall, dann die Motivation dafür, weiterzumachen? Was inspiriert uns wieder und wieder neue Artikel zu schreiben? Dieser Frage ging der Webmasterfriday in der letzten Woche nach.

Meine Inspiration ist, wenn mich eine Meldung oder irgendein Thema emotional besonders anspricht. Noch effektiver ist es, wenn ich mich darüber richtig aufgeregt habe. Das ist wie die erste Tasse Kaffee (früher mit Zigarettchen) am Morgen. Weil ich aber in der Regel dann nicht gleich bloggen kann, mache ich Sprachnotizen (sehr praktisch!) Ich weiß nicht, ob ihr das kennt? Aber ich kann mich morgens beim Zeitungslesen trefflich über was aufregen und es abends schon wieder vergessen haben. Am Wochenende läuft es anders. Dann kann mich nichts bremsen. Es wird sogleich der Blog aufgeklappt und los gehts.

Schreibblockade

Wie definiert man Schreibblockade? Diese Befindlichkeit ist mir fremd. Wenn ich ein Thema finde, kann ich auch darüber schreiben. Qualitätsansprüche, wie sie Schriftsteller oder Journalisten plagen, sind mir erst mal schnurzpiepe. Stoff gibt es immer mehr als genug. Schließlich ist das hier quasi ein Tagebuchersatz, kein spezielle Themensammlung. Außerdem finde ich es schön, dass wir Blogger nicht „abliefern“ müssen.

Ein Vorteil, den das private Bloggen hat. Aber natürlich kann man sich auch selbst Druck machen. Es gibt Leute, die nehmen sich z.B. vor, mindestens einen Artikel pro Tag zu bloggen. Ich habe das früher so gemacht. Nicht, weil ich es mir vorgenommen hatte, täglich einen oder mehrere Artikel zu bloggen, sondern weil mir einfach so war. Das war, bevor die Sozialen Netzwerke die Bedeutung erlangt hatten, die sie heute haben. Früher verbloggte man halt auch mal einen Link. Heute mache ich das eher selten. Das mache ich heute über Twitter, Google+ oder Facebook.

Unlust

Ich glaube, es war René von Nerdcore, der vor langer Zeit sinngemäß mal geschrieben hat, dass man als Blogger keine Angst vor Redundanzen haben soll. Er meinte damit, man sollte nicht davor zurückschrecken, ein Thema, ein Video – was auch immer – zu verbloggen, nur weil man es vorher schon an einer oder mehreren Stellen gesehen hat. Bestimmt ist das richtig. Aber ich erwische mich manchmal dabei, dass mich genau dieser Gedanke daran hindert, über die eine oder andere Sache zu schreiben.

Manchmal stellt sich bei mir extreme Unlust ein. Die Wirkung solcher unlustigen Phasen verstärkt sich noch, wenn dazu noch eine Sinnkrise aufflammt. Nach einiger Zeit legt sich das gewöhnlich wieder und dann wird weiter gebloggt.

Dem Gequatsche fernbleiben

23. Februar 2014

4 3 Min.

Voreingenommenheit ist blöd. Natürlich auch, wenn man sie bei sich selbst feststellt. Oder vielleicht gerade dann. Aber was ist, wenn diese Voreingenommenheit durch das Lesen „falscher Informationen“ entstanden ist oder gefördert wurde?
Wir lernen ein Leben lang. Nicht weil Funktionäre von Unternehmen oder Politiker „lebenslanges Lernen“ als unabdingbar definiert hätten, sondern wohl eher deshalb, weil wir uns dem zum Teil jedenfalls schlicht und ergreifend gar nicht entziehen können. So ist es, wenn wir unter Leute gehen, die Zeitung lesen, den Fernseher anschalten – vom Internet und seinen multiplikativen Angeboten ganz abgesehen. Das ist vielleicht wenig spezifisches Wissen, das wir uns auf diese Weise aneignen, aber m.E. gehört der Erwerb von Wissen auf diesen Wegen auch mit dazu.

Ich treffe immer wieder Leute, die inzwischen ihren Fernseher abgeschafft haben. Sie setzen dafür voll aufs Internet. Einige sind wahrscheinlich auch darunter, die der ehemaligen GEZ ein Schnippchen schlagen wollten. Für mich klingt das eher danach, als hätte man das sprichwörtliche Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Der Gedanke dahinter hat allerdings etwas, mit dem man sich vielleicht aus ganz anderen Gründen befassen sollte. Mich beeindruckt eine solche Entscheidung vor allem deshalb, weil ich mir persönlich einen solchen Schritt überhaupt nicht vorstellen könnte. Andererseits denke ich so manches Mal, weniger wäre mehr.

Ich finde nämlich, dass ich zu viele Informationen bekomme. Die Illusion, dass ich sie filtern, geschweige denn ordentlich verarbeiten könnte, habe ich hinter mir gelassen. Mitunter weiß ich echt nicht, ob ich jetzt auch noch meinen Feedreader öffnen und mir die Flut neuer Blogartikel „zumuten“ sollte.

Der Olympiade bin ich erfolgreich ausgewichen. Stattdessen habe ich gelesen. Wo? Hauptsächlich im Internet. Bevor ich morgens im Büro meine E-Mails checke, habe ich bereits die Tageszeitung gelesen (überlesen ist korrekt!). Die Regionalnachrichten haben mich noch nie interessiert. Ich konzentriere mich auf die ersten paar Seiten inkl. dem Wirtschaftsteil. Mehr Zeit habe ich auch nicht. Dabei nehme ich mir für mein Frühstück schon Zeit – immerhin ca. 30 Minuten am Tag.

Dann, wie gesagt, die E-Mails. Wenn ich schon mal dabei bin, sehe ich meinem privaten E-Mail-Account durch. Alles in allem habe ich dann 25-30 Mails im Schnitt geöffnet, bewertet und zu einem gewissen Teil auch wirklich gelesen. 25-30 Mails sind – würde ich sagen – eine verhältnismäßig kleine Anzahl. Ich kenne Leute, die erhalten das 4 bis 5fache. Und sicher ist da viel dabei, was man nicht als wichtig einzuordnen braucht. Ein bisschen Willkür steckt wohl bei solchen Einteilungen immer drin. Man muss Wichtiges vom Unwichtigen trennen, sonst geht es einfach nicht. Das lernt man schließlich schon recht früh. Ob man es auch beherrscht, ist wieder eine andere Sache.

Im Moment laufen die Diskussionen über die Ereignisse in der Ukraine auf Hochtouren. Interessant und gleichzeitig irgendwie charakteristisch finde ich dabei, wie sich die Diskutanten konditioniert haben. Die einen finden die Entwicklung positiv, die anderen beanstanden vehement die Rolle der Europäischen Union und so weiter. Gegenseitig hält man sich vor, einseitig oder schlichtweg falsch informiert zu sein.

In Ägypten wurde ein gewählter Präsident geputscht. Und ist das auch in der Ukranie passiert. Ein gewählter Präsident wurde vom Volk in die Wüste geschickt. Beide Fälle sind nicht vergleichbar, dennoch tun sich in diesem Zusammenhang Fragen auf, auf die sich keine einfachen Antworten finden lassen werden. Viele werden sagen: Hauptsache, das Blutvergießen hat ein Ende.

Nehmen wir die schweizerische Abstimmung, die insbesondere in Europa für viel Diskussionsstoff gesorgt hat. Ein auf demokratischem Weg erzieltes Ergebnis muss akzeptiert werden. Und das wird es ja zum Glück. Nur heißt das eben längst nicht, dass man an demokratisch zustande gekommenen Ergebnissen keine Kritik üben dürfte. Streit gehört nämlich elementar zur Demokratie dazu. In Deutschland ist Streit aber verpönt. Wir mögen es gar nicht, wenn sich unsere Parlamentarier streiten. Das ist komisch, scheint aber zu stimmen.

Kompliziert wird die Sache dann, wenn mit Informationen argumentiert wird, die aus Quellen (überwiegend dem Internet) stammen, die dubiosen Ursprungs sind. Aber was ist dubios? Da fängt es schon an. Immer stärker vermischen sich heute Information und Meinung, ohne dass man als normaler Leser eine wirklich Chance hätte, auch nur halbwegs objektive Informationen zu erhalten. Leider passiert das auch bei den traditionellen Medien. Also, viel lesen bedeutet leider nicht zwangsläufig, dass das Bild, das sich danach ergibt, immer dazu angetan wäre, ein klares Urteil bilden zu können. Was uns freilich nicht daran hindert, es zu tun und damit unsere Diskussionen zu führen.

Am meisten irritieren mir diejenigen, die so tun, als sei das alles ja so positiv und helfe doch nur dabei, unsere Demokratien ein Stück weit voranzubringen. Die Dinge würden sich schon finden bzw. die „Digital Natives“ würden diese Informationsflut schon beherrschen lernen. Einen Scheiß werden die. Man muss sich nur mal manche Kommentare von „Jüngeren“ durchlesen, um zu wissen, wo wir stehen. Falsche Informationen sind und bleiben falsch, und wer nicht in der Lage ist, sie von richtigen zu trennen, ist ausgeliefert. Und das halte ich für sehr gefährlich.

Unsere Lebenswelten sind zum Teil riskant

17. Februar 2014

4 3 Min.

In diesem Beitrag kommen ein Rechtsanwalt und ein Staatsrechtler zu Wort (ab Min. 1:04). Deren Statements werden meinem Eindruck nach in der allgemeinen Diskussion nicht wahrgenommen und bleiben deshalb folgenlos. Aber sonst regen sich die Leute schnell darüber auf, weil der Staat ihnen zu sehr auf die Pelle rückt. Hier, wenn es am plastischen Beispiel passiert, soll das nun plötzlich gar keine Rolle mehr spielen. Weil es ja um ein Schmuddel-Thema wie Kinderpornografie geht. Und natürlich auch deshalb, weil es um einen Politiker geht. Dem Mitglied einer ganz besonders unbeliebten Gruppe unserer Gesellschaft.

Die allermeisten BürgerInnen, für die das Internet zum alltäglichen Informationswerkzeug geworden ist, wissen, welchen gewaltigen Anteil Pornografieangebote im Internet haben. Viele werden sich  schon Gedanken darüber gemacht haben machen, wie wir unsere Kinder vor diesem Dreck schützen können. Damit meinen wir vermutlich nicht einmal die besondere Abart, die wir unter dem Begriff Kinderpornografie ganz besonders abstoßend finden.

Im Web gibt es außerhalb dieses zu Recht stigmatisierten Bereiches allerdings so viele entsetzliche und menschenverachtende Angebote von pornografischen Darstellungen, dass man sich über das Thema an sich durchaus Gedanken machen könnte. Aber wir sitzen nicht auf der Anklagebank. Wir wurden nicht „erwischt“ beim Konsumieren schmuddeliger Fotos oder Videos, etwa wie zuletzt einige Redtube-Kunden. Klar, natürlich war das ein völlig anderer Fall. Aber die Reaktionen – unsere Reaktionen – waren nicht so unähnlich. Davon bin ich überzeugt. Was heißt das für die aktuelle Diskussion?

Ich appelliere an uns alle, nicht so vorschnell zu urteilen!

Die Berufsbeschwichtiger halten nichts davon, Gewalt, Pornos und Widerlichkeiten aller Art vom Internet zu bannen.Sie sind ja „nur ein Spiegel“ unserer Gesellschaft. Wie im normalen Leben sind diese Dinge auch im Internet vorhanden. Dazu passen die krassen Wirkungen nicht, die Staatsrechtler Prof. Jahn im erwähnten Beitrag vorträgt. Kinderpornos darf man nicht angucken. Snuff-Videos und alle anderen Widerwärtigkeiten, die das Porno-Genre offeriert, sind von untergeordneter Bedeutung und werden nicht in gleicher Weise gesellschaftlich geächtet und strafrechtlich verfolgt. Es geht um unsere Kinder, und da verstehen wir (zu Recht!) keinen Spaß. Wenn man aber miterlebt, wie rücksichtslos Medien und Staatsanwaltschaft gegen einen bisher unbescholtenen und als unschuldig geltenden Menschen vorgehen, verursacht mir diese Unterscheidung Unbehagen.

Ich finde es nicht akzeptabel, was die Juristen im Beitrag ausgeführt haben. Wir nehmen anhand aktueller gesellschaftlicher Normen die Vorverurteilung von Menschen mit allen Konsequenzen in Kauf, weil manche Themen (zu denen auch Terrorismus und andere „abstrakte Gefährdungsdelikte“ zählen) ein hohes Potenzial für extreme Empörungswellen besitzen. Das ist jedenfalls mein Eindruck, was die Motivation zu solchen Einschätzungen anlangt. Wir neigen dazu, uns an Fehlern anderer Leute zu laben. Wir schaukeln uns gegenseitig hoch. Dabei wirken die sozialen Netzwerke wie Katalysatoren. Ich hoffe darauf, dass wir irgendwann erkennen, dass das ein Irrweg ist.

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