Weshalb geben wir uns beim Datenschutz so widersprüchlich?

19. Januar 2020

Viele zeigen uns umsichtig und schnell alarmiert, wenn es um den Datenschutz, genauer: den Schutz ihrer Daten, geht. Andere verhalten sich erstaunlich indifferent. Wie oft muss die Maus während einer durchschnittlichen Internetsitzung klicken, um alle Keks – Warnungen anzuerkennen?

Wer liest schon die Datenschutzerklärung einer Website oder wenigstens den kurzen Text vor der „OK“- oder „Einverstanden“ – Schaltfläche? Die Popups nerven sowieso und andere Formen der Darbietung sind nicht weniger lästig.

Datenschutz und neue Geschäftsmodelle

Manchmal frage ich mich, ob es nicht ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell wäre, Abos hinter den Schaltflächen „OK“ oder „EINVERSTANDEN“ zu verstecken? Die nötigen Daten wären sicher irgendwie zu beschaffen. Wozu gibt es schließlich die Cookies? Bestimmt gibt es das schon. Oder lest ihr etwa die Texte vor und neben den einschlägigen Schaltflächen? Nicht, dass ihr irgendwann mal eine neue Waschmaschine bestellt, weil ihr den Text vor der Schaltfläche nicht gelesen habt!

Der BND hat als einziger Auslandsnachrichtendienst Deutschlands die Aufgabe, Informationen zu sammeln und auszuwerten, die zur Gewinnung von Erkenntnissen über das Ausland, die von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung für die Bundesrepublik Deutschland sind, notwendig sind (§ 1 BNDG).

was macht der bnd – Google-Suche

Gefahren für den Datenschutz, die unterschiedlich wahrgenommen werden

Erweitern wir den Scope des Themas nur ein wenig, stoßen wir auf erhebliche Widersprüche.

Wir verbieten dem BND seine Arbeit zu tun, stellen uns andererseits aber freiwillig Amazons „Alexa“ oder Googles „Home“ in mindestens ein Zimmer unserer Refugien.

Dass mit dieser Technik privateste Gespräche abgehört (überwacht?) werden können, erscheint den einen (mir übrigens auch!) weniger relevant als anderen jene Cookies, die für unterstellt hinterlistige Zwecke eingesetzt werden könnten oder die Existenzgrundlage des Bundesnachrichtendienstes. Sie besteht nun einmal aus der Informationsbeschaffung. Vielleicht ist für viele die ehrlichere Frage, ob man Nachrichtendienste nicht generell abschaffen sollte. Manche fänden das sicher richtig. Weil sie sich so weit aber nicht aus dem Fenster hängen wollen, fordern sie lieber Dinge, die ja irgendwie populär sind.

Ich bin gespannt, wann das „Problembewusstsein“ in Deutschland soweit fortgeschritten sein wird, dass Gästinnen und Gäste vor dem Betreten der Wohnung eine Freistellungserklärung zur Unterschrift vorgelegt wird. Motto: „Bei uns wird möglicherweise abgehört“.

Schutz der Privatsphäre in der Wohnung

Wer zu Freunden zu Besuch kommt, erwartet schließlich nicht, dass jedweder Inhalt privatester Gespräche bei Google, Amazon, NSA, CIA oder am Ende auf Umwegen doch beim BND landen könnte.

Wir verdrängen, dass solche Szenarien keine Science-Fiction darstellen. Während sich die einen immer noch darüber amüsieren, dass die Datenkrake Internet von Unwissenden als #Neuland bezeichnet wird, zeigt die übergroße Mehrheit nur dann eine gewisse Sensibilität, wenn das Thema sehr konkrete Formen annimmt. Wer schon einem Internetbetrug zum Opfer gefallen ist, ist vielleicht vorsichtiger als jemand, der das Internet nur selten und sporadisch nutzt und auch deshalb noch keine negativen Erfahrungen gemacht hat.

Es gibt viele Aktivisten, die sich für den Datenschutz einsetzen. Wie sie allerdings gegen das Interesse einer großen Zahl von Menschen an hochinteressanten Produktinnovationen ankommen soll, gibt Rätsel auf.

Cloud und Smart-Speaker

Nehmen wir allein die Debatten um die Cloud-Nutzung oder das aktuellere Beispiel über die Smart-Speaker. Manche verzichten auf die Nutzung von Google-Drive, weil ihnen die Sicherheit ihrer Daten über alles geht, andere hängen sich ihre Wohnung nicht mit „Wanzen“ voll, weil sie dabei ein ungutes Gefühl haben. Aber denken diejenigen auch darüber nach, dass die Gefahren der Nutzung ihres Smartphones nicht noch höher einzuschätzen sein könnten?

Der Verzicht auf ein Smartphone mutet heute fast exotisch an. Wahrscheinlich haben sich die Sicherheitsstandards gegenüber der Anfangszeit von 2007 deutlich erhöht. Aber bieten sie mit all den schicken Features, die wir nur zu gern nutzen, nicht viel höhere Gefahrenpotenziale als ein Smart-Speaker im Wohnzimmer? Ich weiß es nicht. Ganz sicher aber lohnt es sich, die Frage nach der Sicherheit unserer Daten zu stellen.

Der segensreiche Einfluss grüner Politik zeigt sich womöglich auch beim Datenschutz

18. Juli 2019

In hessischen Schulen dürfen „Microsoft Office“ und „Google Docs“ wegen datenschutzrechtlicher Bedenken des dortigen Datenschutzbeauftragten nicht mehr benutzt werden. Das ist eine einzigartige Entscheidung, die in anderen Bundesländern bisher nicht gilt.

Das gilt übrigens für alle Unternehmen (auch für Apple z.B.), die cloudbasierte Daten verarbeiten.

Nix in die Cloud

Ich frage mich, ob die im Trend liegende Cloudnutzung von unseren hessischen Datenschützern auch für die übrigen Anbieter von einschlägigen Softwarepaketen (Open Office, Libre u.s.w.) zu weiteren Verboten führen wird. Jedenfalls klingt das in meinen Ohren wieder arg nach grüner Verbotspolitik.

Dieses Vorgehen überrascht mich schon deshalb nicht wirklich, weil die schwarz-grüne Regierung in Hessen gegen den Vorstoß ihres Datenschutzbeauftragten offenbar wenig aufzubieten hat. Wie auch immer, die Schüler werden damit bestimmt „ihren Spaß“ haben.

Oder glaubt der hessische Datenschutzbeauftragte, dass er mit dieser datenschutzrechtlichen Maßnahme die Unternehmen treffen würde? Wohl in viel stärkerem Maße die Schüler, die in dieser Hinsicht in Deutschland vermutlich im Vergleich ohnehin nicht auf Rosen gebettet sind.

Deutschland entwickelt sich bekanntlich in vielerlei Hinsicht nicht so, wie es das im eigenen Interesse eigentlich tun sollte. Aber hey, Hauptsache datenschutzrechtliche Bedenken werden zum Katalysator aller Stopper unserer fortschrittsfeindlichen Nomenklatura. Der Einfluss der Grünen wird sich noch als sehr segensreich erweisen.

Axel Voss hat geschrieben, dass jetzt alles gut wird

10. Mai 2019

Auf fast jeder Seite müssen wir die Frage beantworten, ob wir die offerierten Kekse mögen oder vielleicht doch nicht. Was eigentlich dann genau passiert, wenn wir sie ausschlagen, bleibt geheimnisumwittert.

Oder liest irgendjemand die Datenschutzerklärungen, die aus verflucht vielen Buchstaben bestehen und deren Sätze die Mitarbeit von Juristen nicht ganz verbergen können?

Wie viele Waschmaschine wir wohl schon gekauft hätten, wäre der Klick auf OK ein Kaufvertrag gewesen?

Die EU steht kurz vor den Wahlen und die DSGVO könnte für uns Blogger durchaus ernstzunehmender Grund dafür sein, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Also ohne uns – versteht sich. Nach dem Urheberrechtsdesaster, an dem CDU, CSU, SPD und mindestens zu 50% auch die Grünen „mitgewirkt“ haben, galt der gehashtagte Schwur „#NieWiederXXX“. Hoffentlich wirkt sich das nicht so negativ aus, dass die Rechten noch stärker werden als es sowieso zu befürchten ist.

Mir fällt auf, dass manche Websites auf Einverständniserklärungen ihrer LeserInnen verzichten. Keine Klickkästchen, keine Belehrungen im Kommentarbereich, Google Fonts und Typekit Fonts, eingebettete Tweets und Statusmeldungen von Facebook oder Videos von Youtube.

Ich will keinen Kollegen aus dem Fenster hängen. Diese Art von liberalem Umgang mit diesen Sachen findet man nicht selten.

Eine weitere staatliche Maßnahme scheint ja wohl verpufft zu sein.

Ich spreche vom Netzdurchdringungsgesetz. Wahrscheinlich hat das Gesetz das Netz so umfassend durchdrungen, dass seine Wirkung jetzt schon fast unsichtbar ist. Von einzelnen kaum nachzuvollziehenden Sperrungen bei Facebook und Twitter jetzt einmal abgesehen.

Das Schimpfen und Hetzen geht indes munter weiter und die Politik schaut zu. Steinmeier hat bei der letzten re:publica noch mal gewarnt – also in etwa so wie Gauck es damals schon gemacht hat. Er wurde noch für diese Warnungen kritisiert. Steinmeier erhielt seltsamerweise Applaus auf offener Szene.

Im Ganzen bleiben die Kontrahenten fair, das Publikum reagiert mehrfach mit Gelächter auf Voss‘ Äußerungen. Einmal muss er sich höhnische „Oohs“ anhören, als er wieder einmal beklagt, niemand habe ihm vor der Reform zugehört. Aus seiner Perspektive war und ist es ein Kommunikationsproblem, kein inhaltliches.

Uploadfilter: „Das halbe Internet getroffen“ – Digital – Süddeutsche.de

Ach ja. Post von diesem Herrn Voss aus Bonn habe ich diese Woche erhalten. Wahrscheinlich hat das ja tatsächlich jeder, der ihm wegen seiner Upload-Filter Plädoyers geschrieben hatte. Ich habe den Brief geöffnet und ungelesen in den Papierkorb gesteckt.

Das freie Internet ist jetzt also bald Geschichte. Aber wenn das beim Upload-Filter genauso läuft wie bei der DSVGO und dem Netzdruchdringungsgesetz, müssen wir uns doch keine Sorgen machen. Diese gut durchdachten Dinge verlaufen sich augenscheinlich im virtuellen Orkus.

Datenschutz und Demokratie

23. März 2018

Nachdem ich mich furchtbar über die Zumutungen geärgert habe, die die EU-Bürokratie vermeintlich nicht nur Unternehmen, sondern auch uns kleinen Bloggern mit dem DSGVO (Datenschutzgrundverordnung) auferlegt hat (gültig ab 25. Mai 2018!), stieß ich bei der Recherche auf einen Heise-Artikel von gestern.

Danach bleibt uns die Umstellerei von Winter- auf Sommerzeit und umgekehrt erhalten. Ich hätte das nicht für möglich gehalten, weil es doch so aussah, als seien sich „alle“ einig, auf dass dieser tödliche Wahnsinn endlich beendet werde. Aber das Gegenteil hat der Bundestag beschlossen. Es bleibt wie es ist.

Und ich hatte so darauf gehofft, dass die EU endlich ein Einsehen hat und diesen Angriff auf den Biorhythmus seiner Bürgerinnen und Bürger endlich abstellen würde. Offenbar war diese Hoffnung schon im Keim erstickt, bevor noch die FDP ihren diesbezüglichen Antrag im Deutschen Bundestag eingebracht hatte. Der Antrag der FDP wurde von der AfD unterstützt, die Grünen enthielten sich. CDU/CSU und SPD lehnten ihn mit ihrer Mehrheit ab. Ähnlich ist es dem EU-Parlament ergangen, das im Februar einen entsprechenden Antrag bei der EU-Kommission gestellt hatte. Auch dort kam keine Mehrheit für dieses unerhörte Ansinnen zustande.

Das EU-Parlament hatte bereits im Februar 2018 bei der EU-Kommission eine Prüfung der Zeitumstellung angefordert. Dies wurde bisher aber noch nicht umgesetzt, da es zu keiner Mehrheit kam, wie sie vom Verkehrsausschuss gefordert wurde. LINK

Eine Aussprache über das Thema fand im Bundestag nicht statt. Der FDP-Antrag wurde per Mehrheit abgebügelt. Ich unterstelle mal frech, dass das nur daran lag, dass die falsche Partei ihn eingebracht hat. Das soll ja nicht nur bei AfD-Anträgen mitunter so passieren.

Dass das Umweltbundesamt die Sinnhaftigkeit der Umstellung längst in Zweifel gezogen hat, scheint unsere Politiker bei ihrer irrsinnigen Entscheidung nicht zu stoppen. 1978 wurde die Sommerzeit mit folgender Begründung eingeführt. Die Begründung ist obsolet, wie das Umweltbundesamt erklärte:

Die Sommerzeit wurde im Juni 1978 mit der Begründung, dass so Strom und Heizkosten gespart werden können, eingeführt. Mittlerweile ist man aber zu der Einsicht gekommen, das man nicht zwangsläufig Energie spart. Das Umweltbundesamt hat dazu einen Artikel veröffentlicht:  Im Sommer schaltet man zwar später das Licht ein, dafür muss man aber im Frühjahr und im Herbst am Morgen mehr heizen.

(Hervorhebung durch mich)

Da es gestern im Bundestag dazu keine Aussprache gab, scheint auch die Begründung für die Mehrheitsentscheidung nicht öffentlich bekannt zu sein. Ich habe ja meine Vermutung dazu geäußert. Wäre ja auch noch schöner, wenn man solche Entscheidungen erst noch mühsam begründen müsste.

Schließlich entscheidet in Deutschland ja auch eine Expertenrunde (der Ethikrat) im Vorfeld der Entscheidung unserer Bundestagsabgeordneten darüber, ob Menschen, die nicht mehr leben wollen, „einfach so“ sterben dürfen. Sterbehilfe bleibt deshalb verboten, weil Politiker uns Bürgerinnen und Bürger bevormunden. Scheiß drauf!

Die 3. Gruppe der Expertenrunde konnte sich halt nicht durchsetzen… Ich sage nicht, dass es sich irgendjemand in Berlin leicht gemacht hat. Im Gegenteil. Ich habe die Debatten intensiv verfolgt. Aber die Entscheidung sollte individuell von den betroffenen Menschen gefällt und nicht von irgendeiner Kommission oder Politikern beiseite geschoben werden.

Die dritte Gruppe um Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU/CSU), Dr. Carola Reimann, Prof. Dr. Dr. Karl Lauterbach und Burkhard Lischka (alle SPD) (18/5374) wollte ärztliche Suizidbeihilfe ermöglichen. Dazu war in dem Entwurf vorgesehen, eine entsprechende Regelung im Bürgerlichen Gesetzbuch zu schaffen, die die ärztliche Assistenz zur Selbsttötung erlaubt und anleitet. Voraussetzung für die Suizidassistenz soll sein, dass der volljährige Patient unter einer unheilbaren, tödlichen Krankheit leidet und ein krankheitsbedingtes Leiden durch Suizid abwenden möchte. LINK

Was interessieren Politiker sich für die Meinung irgendwelcher Mehrheiten bei Internet-Umfragen? Schon gleich gar nicht, wenn solche Mehrheiten lediglich über Umfragen ermittelt worden sind. Dass sie in Wahrheit gar nicht den Mut dazu haben, die Bürger/innen zu wichtigen Fragen direkt antworten zu lassen (Bürgerentscheide), ist aus meiner Sicht ein Anachronismus und wird in dieser rigiden ablehnenden Form nicht mehr lange Bestand haben. Wir verlangen von der Politik gehört und nicht als Stimmvieh behandelt zu werden!

Die Mehrheit der Deutschen ist für die Abschaffung der Sommerzeit. Der Bundestag hats anders entschieden. Für die Umstellung ist der Umfrage nach nur eine Minderheit. Unsere Politiker interessiert das überhaupt nicht. Das finde ich schlimm, wenngleich (oder obwohl!?) dieser Frage natürlich keine wirklich politische Brisanz innewohnt.

 

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