Ich freue mich, dass die Rechtsextremen in Schweden doch nicht gewonnen haben und auch nicht zweitstärkste Partei geworden sind – nicht annähernd!

Gabor Steingart sieht den Negativtrend der Sozialdemokraten bestätigt und gibt seinem heutigen MorningBriefing den Titel: „Abschied von der Sozialdemokratie

Er führt darin die Länder auf, in denen die Sozialdemokraten schwere Niederlagen erlitten haben. Fälschlicherweise, sag ich ganz naseweis, auch Großbritannien. 

Dabei – immerhin! – ist Jeremy Corbyn bei den letzten Wahlen den Tories gefährlich nahegekommen. Bei den Unterhauswahlen gab es 40% für die Sozialdemokraten, ein Plus von 9,5% gegenüber der letzten Wahl. Die Tories hatten lediglich 2,4% mehr Stimmenanteile bekommen. Also, lieber Herr Steingart, Großbritannien bitte aus der Liste der Negativbeispiele streichen. Wie Corbyn das hinbekommen hat, scheinen die deutschen Sozialdemokraten leider nicht wissen zu wollen.

Der ehemalige Sozialist Emmanuel Macron ist der Beweis, dass es ein politisches Leben nach dem Tod gibt.

Steingart schrieb diesen schönen Satz in seinem heutigen MorningBriefing

Die spanischen Sozialisten regieren übrigens trotz Podemos, wenn auch ohne Wahlen (Misstrauensvotum gegen Rajoy) und das mindestens noch ein paar Monate. Vielleicht auch länger, die Umfragewerte sind seit dem Votum ganz ok.

Totgesagte leben länger! Sagt man doch so.

Die schwedischen Sozialdemokraten haben es geschafft. Sie sind mit einem Vorsprung von mehr als 10% gegenüber den rechtsextremen Schwedendemokraten aus den gestrigen Wahlen hervorgegangen. Zugegeben, strahlende Sieger sehen anders aus. Aber man ist ja schon mit kleinen Erfolgen zufrieden.

Nach einer am Samstag vom Schwedischen Radio veröffentlichten Erhebung (3. bis 5.9.) kommt der sozialdemokratische Block auf gut 40 Prozent der Stimmen, das konservative Lager liegt demnach einen Punkt dahinter. Die Schwedendemokraten rangieren bei 17,6 Prozent, damit wären sie die zweitstärkste Kraft nach den Sozialdemokraten. Löfven warnte bei einem Auftritt im Zentrum Stockholms vor „dunklen Kräften, die mobil machten“.

RP Online am Wochenende

Mich macht das froh. Weniger, weil ich den Sozialdemokraten die Stange halten möchte, als vielmehr deshalb, weil die Sozialdemokraten gemeinsam mit den Konservativen in Schweden vor den „anderen“ liegen. Die Regierungsbildung wird sich, wie man liest, schwierig gestalten. Das schlechteste Wahlergebnis seit 100 Jahren haben die Sozialdemokraten eingefahren. Whow. Aber die Rechten bleiben nur drittstärkste Kraft im Reichstag. Gegenüber 2014 haben die Sozialdemokraten 3% verloren, die Rechten gewannen hingegen 5% hinzu. Daran erkennt man leider, was auch in Schweden los ist. 

Ich habe mit Freude gesehen, dass neue Umfragen (vom 8. September) zeigen, dass der Zuwachs der AfD vorerst gestoppt ist. Nach Emnid kommt die AfD nun auf 15, bei Forsa auf 14%. 

Mich hat interessiert, wie sich die Prozentveränderungen in potenziellen Wählerstimmen ausdrücken. Dabei habe ich die Ergebnisse der Bundestagswahl vom September 2017 zugrundegelegt. Hier eine Tabelle, die ich dazu erstellt habe:

Die INSA – Umfrage vom 3.9. sah die AfD bei 17%. Das wäre gegenüber der Bundestagswahl von vor einem Jahr ein Zuwachs von über zwei Millionen Stimmen gewesen. Lege ich aber das Forsa – Ergebnis von vorgestern zugrunde, beträgt die Steigerung ggü. der Bundestagswahl nur 1,4 %, was etwa 653.000 Wählern entsprechen würde. Nun, damit komme ich persönlich besser klar. :-/

Nach den Bildern von Köthen (Sachsen-Anhalt) und dieser ekelhaften Veranstaltung rechter Hetzer, an der wiederum viele „normale“ Bürgerinnen und Bürger teilgenommen haben, beruhigt es mich nur mäßig, dass sich die Umfragewerte der Rechtsextremen in Deutschland wieder nach unten bewegen.

Klar, ein Trend ist das nicht und die Umfragen entsprechen, wie wir auch in Schweden wieder gesehen haben, nicht mehr unbedingt dem, was wir in puncto Genauigkeit von früheren Umfragen gewöhnt waren.

Horst Schulte

Irgendwann Anfang der 2000er Jahre habe ich mit dem Bloggen angefangen. Es ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo.

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