Gesellschaft   ·  2 Min.

Ein sympathischer und selbstreflektierter Dieter Nuhr

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Drosten, Nuhr, Lauterbach, Eckart, Laschet, Merkel, Spahn. Das sind nur einige der Namen von Leuten, die in den asozialen Netzwerken jeden Tag aufs Neue beschimpft und verleumdet werden. Vielfach, so scheint es mir, geht es nicht mal um die Kritik an sich. Ich sähe das wohl anders, wenn diese auch nur halbwegs substanziiert wäre. Stattdessen scheint wichtig zu sein, lautes, anschwellendes Gezerre und Geplärre entstehen zu lassen. Ich finde nicht heraus, wer das orchestriert bzw. wem das irgendwas gibt.

Ich hoffe darauf, dass es mehr und mehr Leute sein werden, denen diese Entwicklung auf den Senkel geht.

audience auditorium bleachers chairs nuhr
Photo by Tuur Tisseghem on Pexels.com

Hier habe ich mich mehrfach für Leute eingesetzt, über die ich heute anders denke. Ganz anders. Dafür habe ich ordentlich Kritik bekommen. So habe ich leider sogar manche langjährigen LeserInnen verloren. Ein Sprachwissenschaftler hat sich damals einmal mit einem meiner Texte auseinandergesetzt und mir die Nähe zu denen bescheinigt, die ich von Herzen verabscheue. Er meinte, ich könne das im Text nicht verbergen, obwohl ich mich darum bemüht hätte. Ich fands nicht komisch.

Zeitlicher Abstand

Mit dem Abstand einiger Jahre kann ich darüber lachen. Meine Haltung zu manchen dieser Personen hat sich so stark verändert, dass es mir heute geradezu peinlich ist, wie ich mich seinerzeit geäußert habe.

Sowas gehört dazu, wenn man sich meinungsmäßig stark exponiert.

Immer wieder andere im Fokus

Zuletzt waren Dieter Nuhr, etwas später dann Lisa Eckhart, diejenigen, die ich hier verteidigt habe. Wer weiß, wie sich das weiterentwickeln wird und wie ich in ein paar Jahren darüber denke?

Heute habe ich dieses Interview angesehen, das Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo in der TV-Talkshow 3 nach 9 vor zwei Monaten mit Dieter Nuhr geführt hat.

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Vielleicht strapaziere ich die Gäste der Talkshow etwas über. Aber ich hatte den Eindruck, dass aufgrund der massiven Anfeindungen, die Nuhr vor allem in den letzten Monaten ausgesetzt war, einige Teilnehmer etwas betroffen dreinblickten.

Sympathie oder Antipathie

Es stellte sich nämlich ein sympathischer und reflektierter Mensch vor, der so überhaupt nicht in die Schublade passen wollte, in die ihn gewisse (zuletzt) linke Meinungsbildner in den asozialen Medien mit all den selbsterzeugten und aufgestachelten Vorbehalten hineinzwingen wollten.

Fotos, die aussehen wie Gemälde (fotografiert von Dieter Nuhr auf seinen vielen Reisen)

Vielleicht sieht das der eine oder andere ja ähnlich wie ich, wenn sie oder er dieses 20minütige Video mal angesehen haben.





Artikelautor: Horst

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

8 Gedanken zu „Ein sympathischer und selbstreflektierter Dieter Nuhr“

  1. Ich schaue mir Dieter Nuhr sehr gerne an und höre ihm auch gerne genau zu. Das weißt du ja. Und zwar schon, seitdem er bekannt geworden ist, seinerzeit noch als Comedian.

    Es mag sein, dass ich nicht immer und in jeder Hinsicht politisch oder weltanschaulich mit ihm übereinstimme, aber das macht nichts. Das ist mein gutes Recht, und es ist sein gutes Recht.

    Es gibt (und gab) auch andere Kabarettisten, bei denen es mir so geht (ging).

    Das bedeutet schlicht, dass die Welt (für mich) noch in Ordnung ist. Ich bewege mich nicht in einer Filterblase, ich schließe aus meiner Wahrnehmung nicht all das aus, was nicht in meine Denkmuster passt.

    Anfangs, bei den ersten beiden Auftritten im deutschen Fernsehen, die ich mitbekam, blieb ich bei Lisa Eckhart etwas ratlos zurück. Seit dem dritten Mal ist das nicht mehr so. Ich erinnerte mich einfach an das Prinzip: höre genau zu!

    Ich urteile — für mich — über Kabarettisten*innen (Kabarettiernde??) aufgrund dessen, was ich von ihnen unmittelbar zu sehen bzw. hören bekomme. Bei ihren Auftritten und am Rande dessen, z.B. in Interviews.

    Was irgendwelche „Meinungsbildner“ in irgendwelchen Netzwerken dazu schreiben, interessiert mich nicht. Deren Urteil kann kaum jemals qualifizierter sein als meines, wozu sollte ich meine Zeit damit vergeuden?

    Ja, sie mögen zu einer anderen Einschätzung gelangen als ich. Gerne, das steht ihnen auch unbenommen zu. Einen Anspruch darauf, dass ich diese wahrnehme und mich darauf einlasse, haben sie allerdings nicht. Dazu müssten sie sich schon irgendwie „vor mir“ qualifiziert haben. Was nicht der Fall ist.

    Ich greife mal weiter aus. Ich habe in meinem bisherigen Leben lange und oft genug Feuilleton (aka Kulturkritik) wahrnehmen dürfen, wenn nicht müssen. Meine Erkenntnis daraus ist in der Überschau, dass es insgesamt bestenfalls von mäßiger Qualität ist. Da ich am Arbeitsplatz regelmäßig einige maßgebliche Blätter vor mir liegen habe, kann ich mir dann doch immer wieder ein Bild machen.

    In den Assi-Medien fehlt dann aber sogar noch jedwede redaktionelle Endabnahme, das Geschreibsel entstammt dann grundsätzlich ungefiltert dem schreibenden Schrumpfhirn. Die „Meinungsbildner“, die du meinst, sind der Bodensatz. Schlechter geht’s dann nicht mehr.

    Sie haben die Schreihals-Plattformen schließlich nicht ohne Gründe ausgewählt — sie haben eine willfährige pöbelnde Leserschaft gewonnen. Sie wissen, dass sie nicht mehr bekommen.

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  2. Ich möchte mich dir vollumfänglich anschließen. Du bist weiter als die meisten es vielleicht sind. Ob das nur damit zu tun hat, dass du diesem Stumpfsinn der asozialen Medien konsequent ausgewichen bist? Egal. Jedenfalls beteiligst du dich nicht an den Ausgrenzungsspielchen, die viel von dem Unbehagen verursachen dürfte, das viele in diesen Zeiten empfinden.

    Ich habe eben einen sehr interessanten Podcast von Indubio angehört. Hier der Link. Wenn du Lust hast, kannst du mir dazu mal deine Meinung mitteilen. Es würde mich sehr interessieren, ob du diese Kritik an der gesellschaftlichen Entwicklung im Land teilst.

    https://youtu.be/o3WRfzquWYg

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  3. Ich hab’s tatsächlich geschafft, mir die knappe Stunde Podcast dieser vier Herren anzuhören. Ist mir teilweise schwer gefallen. Die Herren bewegen sich viel und gerne im Schubladendenken, meist auf der klassischen Rechts-Links-Schiene. Früher war man ja links, so richtig links also, da sind sie sich wohl einig. Heute gibt es eine echte intellektuelle Linke, die diskursfähig wäre und Ideen entwickeln würde, nicht mehr. Das ist sicher richtig. Die ist ausgestorben und die vier Herren sind auch rechtzeitig abgesprungen. Man hat sich eben angepasst an den Mainstream.

    Der Mainstream. Das Wort verwenden sie gerne. Medien- und Regierungsmainstream ist wohl damit gemeint. Wird ja allenthalben als plakativer Bashing-Begriff verwendet. Allerdings beruht er auf einer gestrickten Legende, dass es da irgendetwas merkwürdig ‚Linksgrünes‘ gäbe, dass eine Meinungshoheit verträte.

    Tatsächlich ist er rechts, dieser Mainstream. Also neoliberal und rechts. Die heute maßgebliche Rechte — die alles andere als intellektuell und dirkursfähig ist, dazu gleich mehr — rückt sich ins ‚mittige‘ Bild, dass sie mitunter ‚liberal‘ nennt, indem sie den sogenannten ‚Mainstream‘ nach links schiebt. Die angebliche ‚Sozialdemokratisierung‘ der Union entspricht einer Verschiebung vom rechtskonservativen Gesellschaftsbild zu einem Standort irgendwo im ideologischen Niemandsland zwischen rechts und links. Ziemlich genau dort, wo sich die heutige SPD befindet. Links davon ist außer Teilen der Linkspartei nichts mehr.

    Eine intellektuelle Rechte hat es damals nicht gegeben, einen rechten Diskurs auf hohem intellektuellen Niveau auch nicht. Nur leider, heute, also jetzt, gibt es beides auch nicht. Schon gar nicht. Und ein Liberalismus, der geneigt und in der Lage wäre, moderierend und ausgleichend einen dringend notwendigen Diskurs zu führen, ist weit und breit nicht sichtbar.

    Die von den Gesprächsteilnehmern erhoffte und angemahnte diskursive inhaltliche Auseinandersetzung über strittige Fragen der Zeit, abseits des verbalen Totschlags und des medialen Kampfs um die Deutungshoheit des lautesten Geschreis, wird es kaum geben können. Warum?

    Weil sie keiner will. Es geht längst nicht mehr um die wirklichen Fragen, es geht um die Besetzung von verbalen Machtpositionen. Nichts, was der im Podcast auffällig oft (als Opfer) erwähnte Sarrazin medial wirksam und monetär einträglich anzubieten hat, ist in irgendeiner sinnvollen Weise diskursfähig. Rassismus, Biologismus, Menschenhass und Sozialdarwinismus sind keine Positionen, die in einem intellektuell reichhaltigen Diskurs erörtert werden könnten. Von den anderen Protagonisten dieser beschönigend sogenannten ‚Neuen Rechten‘ gar nicht zu reden.

    Ok, damit will ich es mal bewenden lassen.

    Ach so, da fiel mir noch etwas auf:

    In der rechten Youtube-Seitenleiste zu diesem Podcast bietet mir der Youtube-Algorithmus interessanterweise auffällig viel AFD-Medienangebot neben Tichys Einblicken (ins ganz Dunkle…) und diversen populistischen „Corona- und Coronapolitik-Kritikern“ an.

    Sollte ich mir dabei etwas denken??

    Wenn ich es schaffe, gucke ich mir heute aber auch noch den initialen Appell von Gunnar Kaiser an.

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  4. Für dein Durchhaltevermögen mal meinen Respekt. 🙂

    Sie tun eigentlich das, was sie anderen – den Anhängern des Mainstream – vorhalten. Ich frage mich aber, ob nicht die Aussage, also die Behauptung, dass sich der Meinungskorridor verengt hat – einfach stimmt. Wenn ja, müsste die Frage beantwortet werden, wer denn für diese Verengung gesorgt hat. Für mich sind wir alle daran beteiligt, die keinen richtigen Zugang mehr zu denen finden, die sich auf der jeweils anderen Seite tummeln.
    Die Werbung von Youtube funktioniert. Es werden immer die Seiten eingeblendet, die denen inhaltlich nahestehen, die man gerade anschaut. Das führt dann halt unweigerlich zu den geschlossenen Räumen (Blasen und Echokammern). Genau davon müssten wir uns schleunigst lösen, um die sich herausbildende Polarisierung noch zu verhindern. Aber wer ist in der Lage, solche komplizierten Prozesse in Gang zu setzen?

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    • „Das führt dann halt unweigerlich zu den geschlossenen Räumen (Blasen und Echokammern). Genau davon müssten wir uns schleunigst lösen, um die sich herausbildende Polarisierung noch zu verhindern. Aber wer ist in der Lage, solche komplizierten Prozesse in Gang zu setzen?“

      Das wäre eigentlich einfach:

      Das Ganze funktioniert nach dem Muster „Besucher/Kunden, die das geguckt/gekauft haben, haben auch das geguckt/gekauft“

      Oder in persönlicher Abwandlung:
      „Du hast dieses Buch gekauft. Also müsste dich auch dieses Buch interessieren“.

      Man glaubt, damit seinen Besucher/Kunden bzw. seine Interessen irgendwie zu kennen, was natürlich kompletter Unsinn ist. Nichts kennt man. Man hat lediglich eine Besuchs- bzw. Kaufhistorie, aus der man algorithmisch einen imaginären Besucher- / Kundenpopanz machen zu können glaubt.

      Nach demselben Modell funktionieren die Asso-Netzwerke und die Nutzer identifizieren sich offenbar meistenteils mit ihren Profil-Identitäten.

      Das Gefährliche daran ist genau diese entstehende Blasenbildung und daraus folgend, dass diesem künstlich erzeugten Profil-Popanz alleinige öffentliche Realität zugesprochen wird.

      M.a.W. gibt es also z.B. einen amazon-öffentlichen Boris-Stumpf-Popanz, der genau dessen Amazon-Profil über inzwischen 15 Jahre entspricht. Aber das bin gar nicht ich, es ist bloß ein berechnetes mehr oder weniger ähnliches algorithmisches Abbild von mir, das mich ausschließlich auf mein Kaufverhalten reduziert.

      Was unser einleitendes Beispiel Youtube angeht, hieße die Konsequenz, einfach diese idiotischen Algorithmen außer Funktion zu setzen, von denen die Betreiber glauben, dass sie auf irgendwelchen ermittelten Erkenntnissen über die Nutzer fußend neunmalkluge Hinweise zu anderen möglicherweise interessanten Beiträgen geben müssen.

      Das ist
      1. rein kommerziell induziertes Clickbaiting
      2. Nutzerverblödung und
      3. Nutzerbevormundung

      Dito ausnahmslos für die anderen Kommerziellen Netzwerke (Twitter, Facebook u.a.m.). Haben wir nicht gelernt, dass wir bloß Klickvieh sind? Wir sind die Ware, nicht die Kunden. Mittel zum Zweck.

      Und Filterblasen sind in den Augen der Betreiber die idealen Behälter für uns, die nahezu perfekte Nutzerkontrolle. Sprich Warenkontrolle.

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  5. Eher hätte ich gern was darüber von dir gehört, welche Möglichkeiten wir haben, uns diesen Systemen zu entziehen. Wie verhängnisvoll diese wirken, lernen wir zwar zunehmend, aber die Kräfte, sich ihnen zu entziehen, sind leider nur äußerst beschränkt. Keiner will aufs Internet verzichten, obwohl die hier mit AI angereicherten Algorithmen massiven Einfluss auf unser Leben erhalten.

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  6. Ich vermute erst einmal, dass die wenigsten da draußen in den Netzen (ähh genau… in den Netzen, also quasi gefangen) sich tatsächlich diesen Systemen entziehen wollen.

    „Wie verhängnisvoll diese wirken, lernen wir zwar zunehmend,“ aber die meisten nehmen das wohl hin oder befürworten es sogar, weil sie glauben irgendwie davon zu profitieren. Sie wissen inzwischen jedenfalls, worum es geht, also können sie sich nicht qua Unkenntnis herausreden.

    Das Dilemma ist altbekannt. Wir wissen in vielerlei Hinsicht, was eigentlich getan werden kann bzw. zu tun wäre (Überwachung, Soz. Netzwerke, Klimawandel, Rechtsextremismus, Verschwörungsesoterik u.a.m.), aber wie immer tut niemand etwas außer ein paar wenigen Einzelnen.

    Dazu muss noch nicht einmal jemand aufs Internet verzichten. Fecesbook, Twitter, Instagram, Whatsapp, Telegram und wie sie heißen mögen sind nicht das Internet. Sie sind nur ein winziger, aber sehr weit aufgeblasener Teil davon (der ständig laut zischt…), und es ist nicht die Frage, ob jemand diese Teile braucht — das ist tatsächlich gar nicht der Fall –, sondern ob jemand es will.

    Jemand könnte sogar z.B. Twitter nutzen, wenn es in seinem beruflichen Umfeld angeraten sein sollte. Man kann Twitter ganz emotionsfrei als rein sachliche Austausch-Plattform für kurze Nachrichten nutzen. Man muss dort nicht (mit-)streiten, nörgeln oder gar anderer Leute Geschrei und Genörgel lesen. Man kann sich aus der Hass-Abladeabteilung für intellektuell Minderbemittelte völlig heraushalten.

    Ein anderer kleiner Punkt: Man muss auf den Plattformen nichts „liken“ oder „disliken“. Das ist völlig überflüssiger und nicht hilfreicher Unsinn. Niemand braucht das. Also einfach darauf verzichten — das macht übrigens auch klug!

    Man muss auch z.B. den ÖR-Fernsehsendern (von den Privaten rede ich gar nicht, die schaue ich nicht) nicht auf deren Fecebook-Accounts o.ä. folgen, worauf sie inzwischen so gerne verweisen, für angeblich mehr Informationen zum jeweiligen Thema. Nö, muss man wirklich nicht. Was TV-öffentlich-rechtlich mitgeteilt werden kann, sollte auch so mitgeteilt werden. Wenn die Sender merken würden, dass ihnen niemand auf die Soz-Netz-Plattformen folgt, würden sie irgendwann schon reagieren und den Unsinn einstellen.

    Es kommt einfach darauf an, was wir tun und was wir lassen. Viele könnten viel tun, aber es sind wie meist nur ein paar wenige, die es tatsächlich anpacken.

    Wie du weißt, nutze ich strikt weder Fecebook, noch Twitter oder deren irgendwelche Ableger. Ich kann es und ich will es so.

    Ich hatte noch nicht eine Minute lang in den zahlreichen Jahren, seitdem es diese zerstörerischen Kraken gibt, irgendeinen klaren Hinweis darauf, dass mir irgendetwas entgangen wäre, dass ich etwas verpasst hätte oder nicht genügend Informationen zu irgendeinem Thema hätte finden können.

    By the way: Ich lese gerne die Bücher des hinlänglich bekannten Soziologen Harald Welzer. Es ist bei seinen Themenstellungen, wie es immer ist: Es wäre durchaus einfach, etwas zu tun, etwas zu ändern. Aber es müssen sich eben möglichst viele Leute entscheiden, es zu tun. Leider sind es meist nur wenige… und ich nehme mich da gar nicht aus.

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  7. Viele wollen sich nach meinem Eindruck vor allem dem entziehen, was die Regierung tut. Das ist gefährlich, finde ich. Nicht, dass wir uns keine gesunde Skepsis erhalten sollten. Aber immer nur draufzuschlagen ist nicht gesund. Zudem sind mir die Motive vieler dieser Leute zu undurchschaubar und deshalb unheimlich.

    Die Ambivalenz zum Netz mag gewachsen sein. Die meisten aber betrachten es (auch oder vor allem übrigens die so genannten Netzaktivisten) als Spielzeug. Sie kämpfen mit allen argumentativ gegen das Offensichtliche an. Sie möchten halt auf ihr Internet nicht verzichten. Ich will das auch nicht. Aber ohne eine wirksame Regulierung wird das nicht funktionieren. Ich fürchte, dass die Demokratie in Gefahr gerät. Die Anzeichen dafür sind doch zu offensichtlich, als dass man sie einfach ausblenden könnte.

    Vielleicht wäre die Einstellung der asozialen Netzwerke die Lösung? Es sollte jedenfalls klarer werden, wer da was weshalb in die Welt hinaus bläst. Der Umgang mit Fake News wird in unseren Schulen offenbar kaum vermittelt. Das erkennt man an den Tests, die immer wieder mal gemacht worden sind. Mit einem Begriff wie Quellenkritik können die so genannten Natives nicht umgehen. Wenn ich denen zuhöre, kräuseln sich meine Fußnägel auf. Und ich bin 66.

    Vor kurzem las ich, dass von Amazon eine größere Gefahr ausginge als von den asozialen Netzwerken. Das dürfte bei Alphabet und anderen ähnlich sein. Aber die Tiefen von Bigdata durchdringt ja kaum einer von uns. Und manches klingt für viele immer noch nach SF, obwohl es längst Realität ist. Und da sind wir wiederum beim Internet insgesamt. Ob sich das „am Ende“ wirklich als größte Entwicklung seit der Industrialisierung herausstellt? Ich fürchte, es hat ein Potenzial, das kaum ein lebender Mensch durchdringen kann. Im Schlechten wie im Guten.

    Welzer gefällt mir auch. Ich habe keine Bücher von ihm gelesen, sehe ihn aber häufiger (und gern) im TV. Mir gefällt vor allem seine Gelassenheit. Vielleicht ist es das, was wir vor allem erwerben sollten: mehr Gelassenheit. Davon schrieb auch der NZZ-Chefredaktor in seinem heutigen „Der andere Blick“ – Newsletter. Dass er das in Richtung der Deutschen formuliert, stört mich zwar, weil es in der Schweiz nicht so viel anders läuft als hier, aber es ist halt trotzdem was dran. https://youtu.be/vEaXOHr5SnM

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