Gesellschaft   ·  4 Min.

Wer oder was bewirkt gesellschaftliche Veränderungen?

Welchen Einfluss hat eine impulsive, oft erratisch wirkende Öffentlichkeit auf gesellschaftliche Veränderungen? Sind die Veränderungen nach Fukushima ein Beispiel? Wenn überhaupt, dann IMHO ein Negatives.

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Welches der folgenden zeitgeistigen Themen hat die besten Aussichten darauf, Realität zu werden und unsere Gesellschaft zu verändern? An den Erfolg von Appellen glaube ich nicht!

Lassen sich nachhaltige und wichtige gesellschaftliche Veränderungen dadurch in Gang setzen, dass sie in zum Teil unverschämter und diffamierender Art und Weise gegen Teile der Bevölkerung vorgetragen werden?

Hochkochende Emotionen, Phrasen oder Forderungen, die die Lebenswirklichkeit vieler Leute nicht berücksichtigen, die aber andererseits die sozialen Medien dominieren, werden die Bereitschaft zu solch großen Veränderungsprozessen nicht fördern.

Anders gefragt, auf was und wen kommt es an, um solche folgenreichen gesellschaftlichen Veränderungen erfolgreich durch- oder umzusetzen? Ich habe darauf keine Antworten zu geben, sondern beschränke mich auf ein paar Punkte, die ich kritisch sehe. Selbst wenn an manchen Stellen der Leidensdruck ein beachtliches Niveau erreicht zu haben scheint, es geht nur, wenn möglichst viele Menschen konstruktiv nach vorne denken und arbeiten. Dazu fehlt leider auch vielen von denen die Fähigkeit, die gewisse Notwendigkeiten klarer sehen als andere.

01

Rassismus

Der Rassismus aus der Gesellschaft verschwindet

02

Systemrelevante Berufe adäquat bezahlen

Die adäquate Bezahlung der erst kürzlich in der Corona-Krise identifizierten Bürger:Innen in systemrelevanten Berufen

03

Klimawandel

Der Klimawandel mit durchgreifenden, vor allem jedoch umwälzenden Maßnahmen aufgehalten wird.

Polizeigewalt, Veränderungen
Straßengewalt, Demonstrationen, Rechtsstaat

Machen wir uns nichts vor. Zur Förderung der Bereitschaft, massive Veränderungen mit teils nachteiligen Effekten für größere Teile der Bevölkerung in praktische Politik zu übertragen, braucht es nicht bloß ein paar Demos und öffentlichen Druck, das erfordert – wie so oft im Leben – einen nicht zu geringen Leidensdruck, den viele Menschen teilen.

Angemessene Bezahlung systemrelevanter Berufe

Nicht mal die Zusage wurde erfüllt, einen Bonus ans Krankenhauspersonal zu zahlen. Lediglich der Teil des Personals der Pflegeeinrichtungen wurde bedacht. Ich höre keinen Aufschrei von den üblichen Verdächtigen in den sozialen Netzwerken!

Veränderungen einleiten und ihre Durchsetzung überwachen

Damit dürfte klar sein, dass Punkt 02 schon mal raus ist. Für viele ist die Krise offenbar vorbei, und deshalb war der Applaus das letzte, was die Betroffenen von der Gesellschaft in dieser Sache gehört haben werden. Es war nett von Bundespräsident Steinmeier, dass er im Sommerinterview noch mal darüber gesprochen hat. Die Nörgelei darüber, dass die Renten im Westen nächstes Jahr wegen der Krise nicht steigen werden, scheint mir größer zu sein, als die Lautstärke, in der die Forderungen vom Beginn der Corona-Krise nach besserer Bezahlung der Menschen, die das Ding am Laufen hielten, vorgetragen werden.

Rassismus / rassistische Polizei?

Die Rassismusdiskussion befindet sich auf einem für unsere Verhältnisse erstaunlich beständigen Aufmerksamkeitslevel. Nun, die TAZ und ihre links-grünen Verbündeten allüberall in der Republik halten sich aber auch dran, penetrant zu bekunden, dass der Deutsche an sich (der alte Weiße vor allem) zu den übelsten Rassisten auf der ganzen Welt zählt. Längst schwanken viele zwischen dem Gefühl und der Gewissheit, die genetische Disposition sei vorhanden. Eben erst habe ich wieder einen Beitrag gelesen, der mich ganz schön aufgewühlt hat. Was nur gewesen wäre, wenn ich mich in eine Muslimin verliebt hätte?

Jetzt weiß ich, was mir erspart geblieben ist. Denn meine Motivlage war, wenn es nach der Autorin geht, rassistischer Natur. Wie auch immer, ich wäre nie imstande, irgendwem von der anderen Seite so etwas wie das Gegenteil zu beweisen. Und das hätte spätestens jetzt Konsequenzen, die mir nicht ausmalen möchte. Jetzt bleibt mir nichts weiter übrig, als auf die verbliebene schweigende Mehrheit im Land vertrauen. Wissen Sie, ich mag es nicht besonders, wenn ich schon allein aufgrund meiner Ethnie und meines Alters als Rassist abgestempelt werde. Wahrscheinlich gehts den meisten so.

Wie nahe war ich der Gefahr, nicht nur ein übler Sexist, sondern in Personalunion womöglich ein noch übler Rassist zu sein? Ich mag solchen bescheuerten Diskussionen nicht mehr folgen. Am Ende steht eh fest: Du, alter weißer Mann bist ein Rassist, weil du die deutsche Polizei verteidigst oder weil du exotische Frauen gerne anschaust. Und das du dich für den Erhalt von Denkmälern und gegen das Verbot von Filmen wie „Vom Winde verweht“ aussprichst, macht dich nicht verdächtigt, sondern es bestätigt, dass du es nicht wert bist, überhaupt noch mit dir zu reden.

Deshalb ist Punkt 01 auch raus.

Klimawandel

Sollte sich Punkt 03, sofern sich die Aufmerksamkeit nach Corona wieder auf den Klimawandel konzentriert, erfolgreich behaupten können? Die Chancen stehen nicht gut, weil durch Corona Hunderttausende von Arbeitsplätzen verlorengehen und viele Unternehmen in die Insolvenz gehen werden. Vielleicht werden Klimaschützer diesen Prozess als Beginn der nötigen Veränderungen und damit als positiv verbuchen. Umso größer wird die Abneigung großer Teile der Bevölkerung gegen diese Leute ausfallen.

Wenn wir allein in der Autoindustrie aufgrund der vorgesehenen Umstellung vom Verbrennungs- zum Elektromotor wirklich, wie gerade zu lesen war, in den nächsten Jahren in Deutschland 100.000 Arbeitsplätze verlieren, können die Auswirkungen doch auch viel heftiger ausfallen. Schließlich wirkt der Einbruch der Nachfrage international mit entsprechenden Rückwirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Nun haben wir von FF gelernt, dass Arbeitsplätze eben nicht alles sind (Hambach u.s.w. lassen grüßen).

CO2 Emissionen nach Ländern
10 größte EO-emittierenden Länder (2018) – Quelle: Statista

Die Leute sind nicht blind, sie sehen, was auf der Welt vor sich geht. Bloß sind sich eben auch alle einige darüber, dass die erforderlichen Maßnahmen gegen den Klimawandel nur auf internationaler Ebene Sinn machen.

Wer sieht Anzeichen dafür, dass bedeutende, bevölkerungsreiche Länder wie Brasilien, Indien und andere ernsthafte Bemühungen unternehmen, die erforderliche Reduzierung von CO2 Emissionen zu forcieren? In Indien und auch in China und anderswo hängen Millionen von Arbeitsplätzen an der Kohleindustrie. Wie soll es in einem zeitlich vertretbaren Rahmen dazu kommen, dass diese Emittenten auch in der Realität einlenken und nicht nur Absichtserklärungen abgeben?

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Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

3 Gedanken zu „Wer oder was bewirkt gesellschaftliche Veränderungen?“

  1. „Wissen Sie, ich mag es nicht besonders, wenn ich schon allein aufgrund meiner Ethnie und meines Alters als Rassist abgestempelt werde.“ –> Sippenhaft. Du weißt doch, wie damals in der Schule: wenn einige Wenige Scheiße bauen, sind die anderen gleich mit dran. Und wenn ich mir so manchen „alten weißen Mann“ anschaue, dann ist mir auch nicht besonders wohl. Denn dann habe ich das Gefühl, dass die am liebsten noch Sklaven halten wollen, wie in den „good ol‘ times“. OK, ist ein Vorurteil, aber die Geschichte hat gezeigt, dass es diese Typen sind, denen Diversität und Hautfarbe am A**** vorbeigehen und die das auch gerne kundtun.

    Zu den anderen Sachen, die Du geschrieben hast, kann ich nur sagen: Gier frisst Menschlichkeit und Verstand. Irgendwann kriegen wir alle die Rechnung präsentiert.

  2. Auch die gibts leider. Aber daraus wird ja heutzutage so was wie ein Generationenkonflikt kreiert. Weil ich selbst schon 66 Jahre alt bin, fühle ich mich grundsätzlich mit „angesprochen“. Bestimmt ist das auch der Grund dafür, dass ich bei dem Thema so empfindlich reagiere.

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