Was bisher geschah

Für den normalen Arbeitnehmer ist die Lage bei den Steuern und Abgaben ambivalent. Auf dem Papier sieht die Einkommensteuer heute milder aus als in den 1990ern. Aber der Alltag wird nicht auf dem Papier bezahlt, denn die Sozialbeiträge sind hoch, die Pflegeversicherung ist deutlich teurer geworden, die Krankenkassen-Zusatzbeiträge steigen, und die Mehrwertsteuer liegt seit 2007 drei Punkte höher.

Für Unternehmen sieht die reine Ertragsteuerentwicklung freundlicher aus. Die Körperschaftsteuer wurde deutlich gesenkt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit: Gewerbesteuer, Arbeitgeberanteile, Energieabgaben, Bürokratie und Investitionsrisiken gehören zur wirklichen Belastung dazu. Ein Unternehmer zahlt nicht nur Steuern auf Gewinn, sondern trägt auch die Abgabenlast auf Arbeit mit.

Die letzten 30 Jahre belegen nicht die einfache Geschichte von «immer mehr Steuern». Sie zeigen eine Verschiebung: weg von sehr hohen nominellen Spitzen- und Körperschaftsteuersätzen, hin zu hoher Belastung von Arbeit, Konsum und Sozialversicherung. Für den Normalbürger ist das kein unbedeutender Unterschied. Die großen und wachsenden Unterschiede bei der Vermögensverteilung sind so krass, dass es wohl auch deshalb doppelt schmerzt, wenn man sehen muss, was am Monatsende übrig bleibt.

Was ist geplant, wie ist die Basis:

BereichEntwicklung seit ca. 1995Wer spürt es besonders?Kurzurteil
EinkommensteuerSpitzensteuersatz deutlich gesunken, Grundfreibetrag gestiegenhöhere Einkommenformal entlastet
Sozialabgabeninsgesamt hoch geblieben, zuletzt wieder steigendArbeitnehmer und Arbeitgeberzentrale Belastung auf Arbeit
Mehrwertsteuervon 16 % auf 19 % gestiegenalle Verbrauchertrifft auch niedrige Einkommen
Körperschaftsteuermassiv gesunkenKapitalgesellschaftenklar entlastet
Gewerbesteuerkommunal unterschiedlich, bleibt gewichtiger FaktorUnternehmenStandortfrage
Arbeitgeberanteilebleiben Teil der ArbeitskostenUnternehmer mit Beschäftigtenoft unterschätzt
Gesamtquote Staatvon 36,0 % 2000 auf 38,0 % 2024alleStaat nimmt relativ mehr als 2000

Ja. Ich würde es so sortieren: für Privatpersonen/Verbraucher, für Arbeitnehmer/Familien, für Unternehmen und mögliche Belastungen bzw. unsichere Gegenfinanzierung. Stand dieser Zusammenstellung: 9. Juni 2026.

Wichtig: Nicht alles ist gleich verbindlich. Einiges ist bereits beschlossen und gilt seit 2026. Anderes steht im Koalitionsvertrag oder ist angekündigt, aber noch nicht endgültig gesetzlich umgesetzt. Genau da liegt politisch oft der kleine Haken im Teppich.

Übersicht: geplante und beschlossene Be- und Entlastungen

MaßnahmeAb wann?BetroffeneWirkungStatusQuelle
Grundfreibetrag steigt auf 12.348 €2026EinkommensteuerpflichtigeEntlastungbeschlossenBMF nennt für 2026 die Anhebung des Grundfreibetrags um 252 € auf 12.348 € und eine Anpassung des Einkommensteuertarifs gegen kalte Progression.  
Anpassung des Einkommensteuertarifs gegen kalte Progression2026Arbeitnehmer, Selbständige, Rentner mit steuerpflichtigem EinkommenEntlastungbeschlossenDas BMF beschreibt die Tarifverschiebung 2026 ausdrücklich als Maßnahme, damit inflationsbedingte Lohnerhöhungen nicht automatisch zu schleichenden Steuererhöhungen führen.  
Kindergeld steigt auf 259 € pro Kind2026FamilienEntlastungbeschlossenDer Bundestag beschloss die Erhöhung: 2025 auf 255 €, 2026 um weitere 4 € auf 259 €.  
Kinderfreibetrag steigt2026Familien, vor allem höhere EinkommenEntlastungbeschlossenFür 2026 steigt der Kinderfreibetrag je Elternteil auf 3.414 €; bei Zusammenveranlagung verdoppelt sich der Betrag.  
Pendlerpauschale dauerhaft 38 Cent ab dem ersten Kilometer2026BerufspendlerEntlastungbeschlossenDie Bundesregierung meldet: Zum 1. Januar 2026 wurde die Pendlerpauschale dauerhaft auf 38 Cent ab dem ersten Kilometer erhöht.  
Mobilitätsprämie für Geringverdiener bleibt2026Pendler mit geringem EinkommenEntlastungbeschlossenIm Zusammenhang mit dem Steueränderungsgesetz wurde die Entlastung für Pendler und Geringverdiener fortgeführt; der Bundesrat gab dem Steueränderungsgesetz 2025 grünes Licht.  
Umsatzsteuer auf Speisen in der Gastronomie sinkt dauerhaft auf 7 %2026Gastronomie, indirekt VerbraucherEntlastung, Weitergabe an Kunden offenbeschlossenDie Bundesregierung führt die Entlastung für Gastronomie und Pendler als Steueränderung ab 2026 auf.  
Gasspeicherumlage entfällt2026Gaskunden, Haushalte, UnternehmenEntlastungbeschlossenDie Bundesregierung nennt eine Entlastung von mehr als 3 Mrd. €; die Umlage fällt ab 1. Januar 2026 weg.  
Strom-Netzentgelte werden durch Bundeszuschuss gedämpft2026Haushalte, UnternehmenEntlastungbeschlossenDer Bund bezuschusst 2026 die Übertragungsnetzkosten mit 6,5 Mrd. €; private Haushalte können zusammen mit dem Wegfall der Gasspeicherumlage im Schnitt bis zu etwa 160 € sparen.  
Stromsteuer bleibt für produzierendes Gewerbe sowie Land- und Forstwirtschaft niedrigab 2026 dauerhaftIndustrie, LandwirtschaftEntlastungbeschlossenDie Bundesregierung nennt die dauerhaft niedrige Stromsteuer für rund 600.000 produzierende Unternehmen und Landwirte.  
Allgemeine Stromsteuersenkung für alle VerbraucheroffenHaushalte, Gewerbe, Dienstleistermögliche Entlastungim Koalitionsvertrag/umstrittenDer Koalitionsvertrag sah eine breitere Senkung vor; im Haushaltsentwurf war sie offenbar nicht vollständig enthalten, was politischen Streit auslöste.  
Agrardiesel-Subvention kommt zurück2026Land- und ForstwirtschaftEntlastungbeschlossenAb 2026 können land- und forstwirtschaftliche Betriebe wieder 21,48 Cent je Liter Diesel erstattet bekommen; Entlastung laut Bundesregierung rund 430 Mio. € jährlich.  
Investitionsbooster / degressive Abschreibung2025–2027UnternehmenEntlastung/VorzieheffektbeschlossenDas BMF beschreibt den Wachstumsbooster mit verbesserten Abschreibungen, unter anderem für Investitionen und E-Mobilität.  
Degressive Abschreibung für betriebliche E-Fahrzeuge: 75 % im ersten JahrAnschaffung nach 30.6.2025 bis vor 1.1.2028UnternehmenEntlastungbeschlossenDas BMF nennt eine degressive Abschreibung für betriebliche Elektrofahrzeuge mit 75 % im Investitionsjahr.  
Körperschaftsteuer soll schrittweise sinkenab 2028 geplantKapitalgesellschaftenEntlastunggeplant/KoalitionsvertragIm Koalitionsvertrag ist eine Senkung der Körperschaftsteuer in fünf Schritten ab 2028 vorgesehen; EY fasst dies als geplante Unternehmenssteuerreform zusammen.  
Forschungszulage soll erweitert werdenkommende JahreUnternehmen, forschende BetriebeEntlastung/FörderunggeplantDie geplante Unternehmenssteuerreform enthält laut Berichten auch erweiterte steuerliche Forschungszulagen.  
Einkommensteuerreform für kleine und mittlere Einkommenab 2027 geplantArbeitnehmer, Selbständige, Rentner mit steuerpflichtigem EinkommenEntlastung geplantpolitisch angekündigt, noch offenDie Koalition plant laut aktuellen Berichten eine Einkommensteuerreform ab 1. Januar 2027, besonders für kleine und mittlere Einkommen; Finanzierung und genaue Ausgestaltung sind offen.  
CO₂-Preis steigt bzw. wird ab 2026 im Korridor versteigert2026Autofahrer, Heizöl-/Gasnutzer, indirekt VerbraucherBelastungbeschlossen/systembedingt2026 liegt der nationale CO₂-Preis nicht mehr fix bei 55 €, sondern in einem Korridor von 55 bis 65 € je Tonne; fossiles Heizen und Tanken können teurer werden.  
Beitragsbemessungsgrenzen steigen2026Gutverdiener, ArbeitgeberBelastung für höhere beitragspflichtige Einkommenbeschlossen/automatische AnpassungDie Bundesregierung meldet höhere Beitragsbemessungsgrenzen in Kranken- und Rentenversicherung zum 1. Januar 2026 wegen gestiegener Löhne und Gehälter.  
Krankenkassen-Zusatzbeiträge vieler Kassen gestiegen2026gesetzlich Versicherte, Rentner zeitversetztBelastungfaktisch eingetretenDie Deutsche Rentenversicherung weist darauf hin, dass viele gesetzliche Krankenkassen zum 1. Januar 2026 ihre Zusatzbeiträge angehoben haben; bei Rentnern wirkt dies ab März.  
Sozialbeiträge drohen langfristig deutlich zu steigenbis 2030/2040Arbeitnehmer, Arbeitgebermögliche BelastungPrognose/ReformdruckDer Sachverständigenrat warnt vor einem Anstieg des Gesamtsozialbeitragssatzes von 42,3 % 2026 auf 45,4 % 2030 und fast 50 % bis 2040, falls nicht gegengesteuert wird.  
Luftverkehrsteuer soll wieder auf Niveau vor Mai 2024 sinkenab 1. Juli 2026 geplantFluggesellschaften, indirekt ReisendeEntlastung möglichGesetzentwurf/Umsetzung geplantEine Bundesratsdrucksache sieht die Absenkung der Luftverkehrsteuer zum 1. Juli 2026 auf das Niveau vor Mai 2024 vor.  

Was heißt das schlussendlich?

Für Privatpersonen gibt es 2026 tatsächlich mehrere Entlastungen: höherer Grundfreibetrag, mehr Kindergeld, höhere Kinderfreibeträge, höhere Pendlerpauschale, niedrigere Stromnetzentgelte und der Wegfall der Gasspeicherumlage.

Aber: Gleichzeitig gibt es Gegenwind. Der CO₂-Preis verteuert fossiles Heizen und Tanken weiter. Die Zusatzbeiträge der Krankenkassen sind bei vielen Kassen gestiegen. Und höhere Beitragsbemessungsgrenzen bedeuten für Gutverdiener und Arbeitgeber höhere Sozialabgaben.

Für Unternehmen ist das Bild freundlicher: Investitionsbooster, bessere Abschreibungen, E-Auto-Abschreibung, niedrigere Stromsteuer für Industrie/Landwirtschaft, Agrardiesel-Rückkehr und ab 2028 die geplante Körperschaftsteuersenkung. Da rollt die Regierung durchaus den roten Teppich aus — allerdings einen, der über ein ziemlich löchriges Haushaltsparkett gelegt wird.

Politisch heikel

Die großen noch offenen Punkte sind:

  1. Einkommensteuerreform ab 2027
    Sie soll kleine und mittlere Einkommen entlasten. Aber Umfang, Tarifverlauf und Finanzierung sind noch offen.
  2. Stromsteuer für alle
    Im Koalitionsvertrag klang das breiter. In der praktischen Haushaltsplanung wurde daraus offenbar eine kleinere Lösung. Da knirscht es bereits.
  3. Finanzierung der Entlastungen
    Wenn Steuersenkungen, Investitionsprogramme und Energiezuschüsse nicht durch Wachstum oder Einsparungen gedeckt werden, kommt irgendwann die alte deutsche Gretchenfrage: Wer zahlt die schöne Rechnung?

Mein knappes Fazit: 2026 bringt sichtbare Entlastungen, besonders bei Einkommensteuer, Familien, Pendlern und Energie. Gleichzeitig werden Sozialabgaben, CO₂-Kosten und Haushaltslöcher zur Gegenerzählung. Die Regierung verteilt also Pflaster — aber die Wunde darunter heißt weiterhin: teurer Sozialstaat, schwaches Wachstum, hoher Investitionsbedarf.

Links: Quellen

Horst Schulte
Horst Schulte
@HorstSchulte@horstschulte.com

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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Rentner, Autor, Blogger und Hobbyfotograf

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