Was bringt mir das Fotografieren?

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Viele zer­bre­chen sich den Kopf dar­über, wel­che Auswirkungen es für sie selbst und unse­re Gesellschaften haben könn­te, dass Menschen inzwi­schen mit Maschinen kom­mu­ni­zie­ren kön­nen. Von ChatGPT soll hier jedoch mal nicht die Rede sein, son­dern von der Möglichkeit, Bilder (foto­rea­lis­tisch) auf den Bildschirm zu „zau­bern”.

Ich bin gern drau­ßen, bewe­ge mich in der „frei­en” Natur. Seit ich die digi­ta­le Fotografie vor vie­len Jahren für mich ent­deckt habe, ist die Kamera fast immer dabei, wenn ich mei­ne täg­li­chen Runden dre­he. Die Objektive, die ich für mei­ne Fotos nut­ze, wech­seln häu­fig. Teleobjektive mag ich per­sön­lich am liebs­ten. Seit ich mir die eige­ne Welt der Makrofotografie erschlie­ße, ist oft auch ein Makroobjektiv dabei. Allerdings kann man schö­ne Makrofotos auch mit einem Teleobjektiv erstellen. 

Heute habe ich auf mei­ner Nachmittagsrunde ein paar Farbtupfer gese­hen, denen ich mich nicht ent­zie­hen konn­te. Ja, ich foto­gra­fie­re ger­ne Blüten – in allen erdenk­li­chen Formen und Ausprägungen. Dazu zäh­len auch schon mal Blumen in Vorgärten 🙂 

Hier habe ich die gel­ben Fransentulpen vor ihren roten Artgenossen mit offe­ner Blende foto­gra­fiert. Den Farbkontrast fin­de ich schön. 

Nachdem ich mir die Fotos ange­se­hen habe, dach­te ich, dass die­se sicher auch ohne Weiteres von künst­li­cher Intelligenz erzeugt wer­den kön­nen. Ich habe mit dem Werkzeug, das Microsofts Suchmaschine BING kos­ten­los zur Verfügung stellt, eini­ge schnel­le Versuche gemacht. Ich dach­te, pro­bie­re ein­fach mal, gel­be Tulpen vor ihren roten Kumpels als foto­rea­lis­ti­sche Szenerie umzu­set­zen. Da auch BING nur Englisch ver­steht, habe ich mei­nen Translater (DeepL – auch KI) bemüht. 

1.) Yellow tulips in the foreground, red in the background. The ones in the background please blur. The photo please photorealistic. 


2.) Cherry blossom photographed against the blue sky. Photorealistic.

Aus die­sen Anweisungen mach­te die KI fol­gen­de Bilder:

Von den Ergebnissen bin ich nun weder begeis­tert noch ent­täuscht. Wahrscheinlich kön­nen Alternativen zu BING, also bei­spiels­wei­se Midjourney mit bes­ser aus­ge­dach­ten Prompts ande­re, bes­se­re Ergebnisse erzeu­gen. Aber das ist nicht der Grund, wes­halb ich auf das Thema kam.

Ich fra­ge mich, wie lan­ge es dau­ern wird, bis die Resultate der schnell zuneh­men­den KI-Angebote so gut sein wer­den, dass sie die von ech­ten Menschen geschaf­fe­nen Fotos über­tref­fen. Schaut man sich in den Bibliotheken der Anbieter um, wird man­cher den­ken, dass die­ser Status bereits in man­chen Sektoren erreicht wurde.

Vor Längerem schrieb mal ein Fotoblogger ein wenig depri­miert dar­über, dass er kei­ne rich­ti­ge Freude mehr am Fotografieren hät­te. Schließlich – so sein Argument – gäbe es inzwi­schen so vie­le Fotografen und fan­tas­ti­sche Fotos, dass man an die­sem Hobby lang­sam doch die Lust ver­lie­ren müs­se. Er woll­te sein Themengebiet im Blog ver­la­gern. Irgendwas ande­res – mit Technik. 

Einerseits ver­stand ich, was er meint. Andererseits habe ich in den Jahren, in denen ich foto­gra­fie­re, kaum einen Gedanken dar­an ver­schwen­det, dass es doch schon so vie­le Fotos gäbe und ich die Welt nun nicht noch mit mei­nen eige­nen beglü­cken müss­te. Ich will aller­dings auch nicht behaup­ten, dass ich aus­schließ­lich für mich foto­gra­fie­re. Ich freue mich durch­aus, wenn ich höre, dass mei­ne Fotos ande­ren gefal­len. Allerdings – so sehe ich es, der Reiz des Fotografierens speist sich aus vie­len unter­schied­li­chen Anliegen oder Gründen. 

Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass es man­chem Fotografen haupt­säch­lich um die dabei ein­ge­setz­te Technik gin­ge. Das ist auch für mich ein Punkt. Wenn ich z.B. gera­de ein neu­es Objektiv für viel zu viel Geld gekauft habe. Oder sogar eine Kamera, die ich vor Jahren auf­grund der hohen Preise kaum in Erwägung gezo­gen hät­te. Es ist in mei­nem Fall wie beim Auto. Es macht Spaß, wenn es neu ist. Aber die­ser Spaß ging mir stets flott ver­lo­ren. Danach war das Ding ein Werkzeug (ein teu­res zwar). Es ist dazu da, mich von A nach B zu brin­gen. Nicht mehr und nicht weni­ger. Die Kamera ist auch nur ein Werkzeug und alles, was an Technik dazu­ge­hört, ebenfalls.

Fotografieren ist Erinnerung, Liebe am Detail und es hat – im Nachhinein betrach­tet – viel Autobiografisches. Es ist ein Hobby, das indi­vi­du­el­ler nicht sein könn­te. Manche betrach­ten die gemach­ten Fotos als eine Art Tagebuch. Im wei­te­ren Sinne kom­men doku­men­ta­ri­sche und krea­ti­ve Aspekte hinzu. 

Ich will ungern das Fass auf­ma­chen, das die Frage der „Entwicklung” von digi­ta­len Fotos anlangt. Viele Leute mögen die Fotobearbeitung nicht. Sie sagen, das Foto muss so gut aus der Kamera kom­men, dass eine Bearbeitung unnö­tig sei. Kann man machen, aber man ver­zich­tet so lei­der auch auf einen Teil der eige­nen Kreativität. Schließlich sind Formate wie RAW tech­nisch dazu gedacht, dem Foto mit ent­spre­chen­den Werkzeugen, den Fotos einen letz­ten Schliff (und mehr) zu geben. 

Die Sorge schwingt mit, dass eine sich schnell wei­ter ver­voll­komm­nen­de KI in vie­len Bereichen nicht nur unent­behr­lich machen wird (das wird so sein!), son­dern dass man­cher Mensch kei­nen Sinn mehr aus dem Fotografieren zie­hen könn­te. Gehen wir dann durch die schö­ne Natur, die es hof­fent­lich trotz Klimawandel immer noch gibt und ver­zich­ten dar­auf, gele­gent­lich ste­hen­zu­blei­ben und sie, ange­rührt von so viel Schönheit zu foto­gra­fie­ren? Das kann ich mir nun über­haupt nicht vorstellen. 

Warten wir also ab, wie sich die Dinge wei­ter­ent­wi­ckeln. Ich las kürz­lich, dass die Kameraverkäufe stark rück­läu­fig sei­en. Das hat natür­lich über­haupt nichts mit der KI zu tun, son­dern viel­mehr damit, dass immer mehr Leute auf teu­res Fotoequipment zuguns­ten leis­tungs­fä­hi­ger Smartphone ver­zich­ten. Das kann man machen. Ich sehe immer wie­der Fotos in über­zeu­gen­der Qualität, die mit Smartphones wie z.B. dem iPhone 14 und ver­gleich­ba­ren Geräten gemacht wurden. 

Ich wer­de die­ses Jahr 70 und hof­fe, dass ich auch wei­ter viel Spaß beim Fotografieren habe. Als Blogger wer­de ich wahr­schein­lich häu­fi­ger mal auf KI zurück­grei­fen. Nicht unbe­dingt auf ChatGPT (das wür­de sich nicht schi­cken für einen Blogger, der was auf sich hält). Aber Bilder mit KI erzeu­gen, um ein pas­sen­des Beitragsbild zu haben, hat schon was. Oder ist das in Deutschland mit den hie­si­gen Regeln für den Umgang (Urheberrecht) nicht drin? Aber das ist ein ande­res Thema, das ich kürz­lich schon ein­mal behan­delt hatte.

6 Kommentare

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  1. Eines kann KI jedoch nicht, näm­lich die Erinnerung an ein bestimm­tes Bild wach­hal­ten, dass man viel­leicht vor Jahren gemacht hat und zwar mit den gan­zen Umständen die damit zusammenhingen. 

    Fotos sind natür­lich auch immer etwas pri­va­tes. Ich freue mich ein­fach dar­an, wenn mir ein gutes Bild (mit oder ohne Nachbearbeitung) gelun­gen ist. Und ja, der Fotograf ist immer etwas ent­täuscht über die Kritik drit­ter, die meiss­tens lau­tet: Oh, schö­nes Foto 😉 das soll­te uns aber nicht davon abhal­ten viel­leicht zum 50mal die­sel­be Blume (oder wie bei mir, Landschaft) zu foto­gra­fie­ren. Und wenn jemand fra­gen soll­te, war­um wir das eigent­lich­ma­chen, kann die Antwort hei­ßen: Weil wir’s können 😉 

    Grüße aus dem immer noch sau­kal­ten Sauerland und all­zeit gutes Licht.

  2. So sehe ich das auch, Peter, zumal Schönheit ja auch immer im Auge des Betrachters liegt. So kann für mich in der Musik ein Stück 1000-mal qua­li­ta­tiv anspruchs­vol­ler sein, als ich es jemals hin­krie­gen wür­de,- aber trotz­dem wür­de ich es nur ein­mal hören wol­len. Und es gibt songs, die abso­lut mini­ma­lis­tisch sind, Aber ein klei­ner Halbton an einer bestimm­ten Stelle und ich bekom­me die Wiederholungsschleife nicht ausgeschaltet.

  3. Hobbies sind doch gene­rell etwas schö­nes. Gerade wenn man auch krea­tiv unter­wegs ist. Diese muss man sich indes auch leis­ten können.

    • Hallo Juri, das ist gera­de für Rentner wich­tig. Ich bin nicht gera­de son­der­lich krea­tiv. Aber das Fotografieren gibt mir doch – alles in allem – doch das Gefühl, wenigs­tens etwas Kreatives zu machen. Da schlie­ße ich die Nachbearbeitung (Entwicklung) ein. Während der letz­ten Jahre habe ich gelernt, dass es nicht die Ausrüstung ist, auf die es ankommt. Aber grund­sätz­lich stimmt dei­ne Aussage, dass man sich Hobbys auch leis­ten kön­nen muss, natür­lich schon.

    • Das woll­te Deinen Enthusiasmus nicht schmæ­lern. Ich häkel und stri­cke ger­ne an der Musik her­um, obwohl ich das nicht soll­te. Es macht Spaß und befreit den Geist.

Ive Mendes – If You Leave Me Now
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