Polemisch argumentiert – „nichtsnutzige Politiker“

Diese großteils polemischen Aussagen Riecks lassen sich nicht nur wunderbar von Gemini sezieren, sie entsprechen auch ziemlich, nee, leider sehr genau dem, was uns unseren Politikern in den nächsten Monaten blüht. Darüber hatte ich schon einiges geschrieben! Ja, da hat der Professor recht: Wir reagieren auf Anreize.

Wie Argumente mit brutaler Polemik verkauft werden, können wir jedenfalls beim aktuellen Video von Prof. Dr. Rieck verfolgen. Reformen? Ja, aber bitte nicht solche … größte Steuer-Abzocke aller Zeiten.

Youtube Video

Kalte Progression & Inflation: [08:47] Rieck erklärt korrekt, dass eine nominale Steuersenkung durch die Inflation schnell entwertet wird. Wenn Löhne steigen, um die Inflation auszugleichen, rutschen Steuerzahler in höhere Progressionsstufen, ohne real mehr Kaufkraft zu haben. Eine „kleine Entlastung“ heute kann so in wenigen Jahren zu einer effektiven Mehrbelastung führen.

Grenzsteuersatz vs. Durchschnittssteuer: [07:45] Sein Hinweis auf den Grenzsteuersatz ist fachlich richtig. Viele Bürger unterschätzen, wie viel vom nächsten verdienten Euro (z. B. durch Überstunden) abgezogen wird, da sie oft nur auf ihre durchschnittliche Steuerlast blicken.

Anreizeffekte (Menschen reagieren auf Anreize): [19:17] Dass hohe Abgaben die Motivation für Mehrarbeit oder die Übernahme von Verantwortung senken können (z. B. Wechsel in Teilzeit), ist ein Standardkonzept der Volkswirtschaftslehre (Laffer-Kurve-Effekt). [21:40]

Mathematik der Mehrwertsteuererhöhung: [17:33] Er stellt klar, dass eine Erhöhung von 19 % auf 22 % zwar nur 3 „Prozentpunkte“ sind, aber eine Steigerung des Steueraufkommens um ca. 15 %. Das ist mathematisch korrekt und wird in der politischen Kommunikation oft verschleiert.

Bisschen Polemik ist, wie ich oben schon angedeutet habe, auch dabei:

Unterstellung von Absichten („Hass“ auf Wähler): [05:20] Rieck behauptet mehrfach, die SPD „hasse“ ihre Stammwähler oder wolle die klassische Familie „schädigen“ [03:06]. Das ist reine Polemik, da es politische Ziele (wie die Förderung der Erwerbstätigkeit von Frauen) als böswilligen Angriff auf Personen umdeutet.

Drastische Wortwahl: Begriffe wie „Gruselkabinett“ [06:37], „Abzocke“ [00:00], „nichtsnutzige Politiker“ [16:32] und „linke Propagandablogger“ [09:23] dienen der emotionalen Mobilisierung und sind keine sachlichen Argumente.

Vergleich mit der DDR: [04:24] Die Gleichsetzung staatlicher Kinderbetreuung mit „DDR-Erziehungseinrichtungen“ ist ein klassisches polemisches Mittel (Reductio ad Hitlerum/Stalinum), um eine Maßnahme ohne Sachargumente zu diskreditieren.

Pauschalierung der Grundsteuer: [10:26] Er behauptet, er kenne niemanden, für den es billiger wurde. Während es für viele teurer wird, gibt es Konstellationen (z. B. in bestimmten Bundesländern oder bei sehr alten Gebäuden), in denen die Grundsteuer sinkt. Die selektive Wahrnehmung im Bekanntenkreis ist kein statistischer Beleg.

Verschwörungstheoretische Ansätze beim Rechnungshof: [24:39] Die Neubesetzung von Stellen im Bundesrechnungshof mit Parteimitgliedern als bewusste Sabotage der Kontrolle darzustellen, ignoriert, dass solche Posten in Deutschland traditionell nach Proporz besetzt werden, was die Unabhängigkeit der Behörde in der Vergangenheit nicht zwingend aufgehoben hat.


Horst Schulte
Horst Schulte
@HorstSchulte@horstschulte.com

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt (aus Liebe) auf dem Land.

2 Kommentare zu „Polemisch argumentiert – „nichtsnutzige Politiker““

  1. Was erwartest Du von Rieck? Ich höre mir seine Podcasts an, weil mich die libertäre Sicht interessiert und ich irgendwas an der Spieltheorie, die lt. Internet wissenschaftlich widerlegt ist, interessant finde und ich ein großer Freund von allem Chaotischen bin, dass nicht einfach nur so zerstört (vereinfacht ausgedrückt). Aber einen YT-Kanal betreibt man nicht nur um der Sache willen, sondern aufgrund der Aufmerksamkeitsökonomie und daraus vielleicht resultierenden Geschäftsmöglichkeiten. Dazu gehört es ggf. auch, seine Fans zu beglücken. Ich bin kein Fan, aber ein Beobachter.

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