Sind mehr Coronatests zielführend?

Der Ruf nach der Ausweitung von Coronatests wird immer lautet. Das ist gut nachvollziehbar, weil damit bestimmte Grundannahmen bestätigt oder widerlegt werden könnten.

Wie viele Menschen sind bereits immun gegenüber SARS-CoV-2? Beeinflusst eine Saisonalität den Verlauf der Epidemie? Wir wissen es nicht! Das RKI beschreibt in einem Papier beispielsweise das Szenario, dass ein Drittel der Bevölkerung bereits immun ist. Das Ergebnis eines solchen Szenarios: Die meisten Erkrankten treffen auf bereits immune Personen, so dass insgesamt deutlich weniger Menschen infiziert werden. Um der Wahrheit ein Stück näher zu kommen, wäre es sinnvoll, dass wir repräsentative SARS-CoV-2-Tests durchführen. Nur dann lassen sich Maßnahmen fundiert belegen.

Covid-19: Seriöser Umgang mit Unsicherheit? – RiskNET – The Risk Management Network

Hervorhebung durch mich.

Coronatests nicht immer aussagefähig

Ich habe die Sache mit den heute zur Verfügung stehenden Tests so verstanden, dass die Ergebnisse nicht immer eindeutig sind. Die Klarheit der Ergebnisse ist abhängig davon, in welcher Phase sich die Getesteten befinden. Einfach gesagt: liegen keine Symptome vor, so ist auch das Virus nicht nachzuweisen. Trotzdem kann der Betroffene aber infiziert und das Ergebnis einen Tag später bereits positiv sein. Ist das Virus aber bereits in die tieferen Atemwege vorgedrungen, ist es in den oberen Atemwegen (durch den Abstrich) nicht mehr nachweisbar.

Die Crux ist, dass sowohl die Symptome viraler Infekte als auch die einer Influenza denen einer Corona-Infektion sehr ähnlich sind. Wenn also nun gefordert wird, dass noch viel mehr getestet wird als bisher, bleiben also Fragen offen. Wie viele Infektionen bleiben eventuell unentdeckt und welche Aussagekraft haben diese Massentests unter diesen Voraussetzungen?

Verbesserungen?

Nun habe ich auch gelesen, dass die Qualität der Testes laufend verbessert würde. Vielleicht sind heute also andere Schlussfolgerungen zu ziehen?

Eine Wissenschaftsjournalistin der WDR-Sendung Quarks erwähnte, dass die Zahl der Tests in Südkorea (ohne Lockdown) nicht höher sei als bei uns. Worauf ist unter dieser Voraussetzung der relative Erfolg der Südkoreaner zurückzuführen?

Ergänzungen

Sind es die dort üblichen Gesichtsmasken oder nicht doch die Einbeziehung der Mobilfunk-Daten zur „Nachverfolgung“ bereits infizierter Personen und sind diese Bedingungen so auf Deutschland ohne Weiteres übertragbar? Wie viele Menschen in Deutschland würden freiwillig die Tracing-App auf ihr Smartphone installieren?

Ein weiterer Test steht unmittelbar vor seiner Einsatzfähigkeit. Allerdings macht seine Anwendung, wenn ich das richtig verstanden habe, nur dann Sinn, wenn die Zahl der Coronainfizierten höher ist als zurzeit. Der Test gibt Aufschluss darüber, ob die Getesteten bereits Antikörper gegen das Coronavirus gebildet haben. Solche Erhebungen würden die Datenbasis erheblich verbessern, so dass danach auch die Voraussetzungen für eine bessere Qualität bestimmter Modellrechnungen gegeben sein könnten.

Horst Schulte
Horst Schulte
@HorstSchulte@horstschulte.com

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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