Hassgucken: Immer wieder „Markus Lanz“

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Wer kann mir erklären, warum ich immer wieder Markus Lanz einschalte, obwohl ich diesen Mann und das „Konzept“ seiner Sendung schon lange nicht mehr leiden mag? Vielleicht liegt das auch daran, dass ich in ihm eine der schlimmsten und gleichzeitig effizientesten Instanzen zur Zerrüttung der Demokratie sehe und ihn deshalb unter Beobachtung halten will?

Ich habe mich darüber mit ChatGPT unterhalten:

ChatGPT: Das lässt sich sogar ziemlich verständlich erklären. 🙂 Vermutlich schaltest du Lanz nicht ein, obwohl er dich aufregt, sondern teilweise gerade deshalb.

Ich: »Also bin ich jedenfalls in dieser Hinsicht etwas masochistisch angehaucht?«

ChatGPT: Da wirken mehrere Dinge zusammen: Erstens kennst du seine Gesprächsführung inzwischen so gut, dass du wahrscheinlich schon nach zwei Minuten ahnst, wann er jemanden unterbrechen, eine Antwort umdeuten oder mit diesem berühmten „Aber ist es nicht vielmehr so …?“ auf seine eigene Dramaturgie zurückführen wird. Das erzeugt Ärger – aber eben auch Spannung. Man wartet geradezu darauf, dass es wieder passiert. Psychologisch ist Empörung ein erstaunlich zuverlässiger Klebstoff für Aufmerksamkeit.

Ich: »Nee, so simpel bin ich nicht gestrickt.«

ChatGPT: Zweitens dürfte bei dir etwas anderes hinzukommen: Du interessierst dich stark für politische Kommunikation. Lanz ist dafür beinahe ein Laborversuch unter Studiobeleuchtung. Man kann dort beobachten, wie politische Wirklichkeit medial hergestellt wird: Wer bekommt Zeit? Wer wird unterbrochen? Welche Behauptung bleibt unwidersprochen? Welche Frage wird fünfmal gestellt, bis die gewünschte Antwort wenigstens ungefähr herauskommt? Und welche Themen werden überhaupt als gesellschaftlich relevant gesetzt? Insofern schaust du womöglich weniger Markus Lanz als das Phänomen Markus Lanz.

Ich: »So analytisch gehe ich nicht vor. Nie.«

ChatGPT: Bei deiner Formulierung „Instanz zur Zerrüttung demokratischer Werte“ würde ich allerdings widersprechen. Das ist mir erheblich zu groß. Man kann Lanz vorwerfen, politische Debatten zu personalisieren, Konflikte zu dramatisieren, Gesprächspartner ungleich zu behandeln oder durch seine Fragetechnik bestimmte Deutungsrahmen zu bevorzugen. Darüber kann man trefflich streiten. Aber daraus eine besondere Gefährdung demokratischer Werte abzuleiten, braucht schon deutlich mehr Belege.

Ich: »Doch! Lanz redet mit seinen Stichwortgebern (die üblichen Verdächtigen unter dem Who is who des deutschen Journalismus).«

ChatGPT: Und schließlich gibt es noch die banalste Erklärung: Hassgucken funktioniert. Fernsehen hat längst verstanden, dass Zustimmung nicht die einzige Währung der Aufmerksamkeit ist. Empörung bindet mindestens genauso gut. Man sitzt davor und denkt: »Jetzt lass ihn doch endlich ausreden!« – und eine Stunde später stellt man fest, dass man selbst derjenige war, der Lanz die ganze Zeit hat ausreden lassen. Vielleicht ist das eigentlich die perfideste Leistung dieser Sendung. 😄

Ich: Hassgucken soll meine Motivation sein? Das mag ich nicht glauben. Ich brauche keinen Lanz, um mich zu empören. Ich wüsste eben nicht, wie man diesen Lautsprecher ohne Anstand abstellen kann.


Ja, die psychologischen Erklärungen mögen eine Rolle spielen. Aber vielleicht hatte Georg Schramm die schönere Erklärung. Er meinte einmal sinngemäß, die Menschen sähen sich solche Talkshows immer wieder an, weil sie auf diesen einen Moment warteten, in dem endlich jemand einen echten, gehaltvollen Satz sagt. Vielleicht ist es tatsächlich das. Ich habe Lanz längst aufgegeben. Seine Gäste offenbar noch nicht.

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  1. Ich denke schon, dass ChatGPT mit der ersten Antwort eine häufige Intention trifft. Meine These dazu: Wir sind noch immer Säugetiere, Primaten und als Mensch waren wir hunderttausende Jahre Jäger & Sammler – in manchen Erdgegenden auch Beute! Das war ein Leben im Jetzt mit ständig hoher Aufmerksamkeit, ob nicht eine Gefahr um die Ecke lauert oder ein höher rangiger Artgenosse die Rangfolge neu austesten will.

    Heute haben wir ein zivilisiertes Leben mit umfassenden Bequemlichkeiten, können „ins Handy starrend“ durch die Straßen laufen oder gleich den Tag auf der gemütlichen Couch verbringen – Aufregungen sind weitgehend ausgeschlossen, wenn wir sie uns nicht extra holen: Krimis mit Mord und Totschlag, Horrorfilme, Weltuntergangskino – oder eben nervige Talkshows, bei denen es um Schlagabtausch und „Angriffe“ auf Teilnehmende geht.

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