Markus Lanz, Ulrike Hermann und Ewald Lienen gegen Olaf Scholz (SPD)

In einer der letz­ten „Markus Lanz” – Sendung hat TAZ Journalistin Ulrike Herrmann, assis­tiert vom Ex-Bundesliga-Profi und ‑Trainer Ewald Lienen, den SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz zer­stört. Besser hät­te es Rezo nicht gekonnt.

Ewald Lienen war, wenn ich es rich­tig ver­stan­den habe, frü­her auch mal ein Sozi und gab sich ent­spre­chend ent­täuscht. Die gemein­sam von Lanz, Hermann und Lienen an Scholz gerich­te­ten Vorwürfe wirk­ten in ihrer Zerstörungskraft wie ich es im deut­schen TV bis­her kaum erlebt habe. Lanz wirkt. Mir fällt auf, dass sich der Ton bei Maischberger, Will und Illner ähn­lich aggres­siv entwickelt.

Umgang mit Politikern

Ich bin sicher, vie­le wer­den das rich­tig fin­den. Gar nicht mal, weil sie Scholz nicht lei­den kön­nen, son­dern weil sie in sol­chen Methoden einen adäqua­ten Umgang mit Politikern sehen. Ich gebe zu beden­ken, dass die­se Methoden in den USA zu Trump und zu einem Grad von Polarisierung geführt haben, den wir uns für unser Land nicht wün­schen können.

Kein Politiker ist mei­nes Erachtens je so in die Mangel genom­men wor­den. Ihr soll­tet euch die­sen Teil der Sendung anschauen. 

Agenda-Reform

Es ist eben nicht mög­lich, die von der SPD und ihren dama­li­gen (und heu­ti­gen) Spitzenkräften ange­zet­tel­ten und zu ver­ant­wor­ten­den sozia­len Verwerfungen zu über­tün­chen bzw. ver­ges­sen zu machen.

Eigentlich ver­sucht das auch kei­ner. Journalisten tun jeden­falls alles, um die SPD mög­lichst schä­big daste­hen zu las­sen. Ich glau­be, da hilft nur Ehrlichkeit. Aber wel­cher Politiker ist das schon?

Wie Scholz dar­über hin­weg­re­det und mit dem Verweis auf den Mindestlohn ver­sucht, Hartz IV und die Folgen für unse­re Gesellschaft (u.a. Niedriglohnsektor, befris­te­te Verträge, Zeitarbeit) klein­zu­re­den, ist nicht überzeugend.

Fehler zuge­ben und abschaffen

In die­sem Darüberhinwegreden sehe ich den wich­tigs­ten Grund, wes­halb der gro­ße Vertrauensverlust kaum zu über­win­den zu sein scheint. Der Mindestlohn wäre z.B. gar nicht nötig gewe­sen, hät­te man die Menschen nicht mit den Agenda-Reformen beglückt. Es hät­te nicht den größ­ten Niedriglohnsektor Europas gege­ben und die Menschen hät­ten sich nicht ver­ra­ten gefühlt. Die sage bewusst: die Menschen. Denn vie­le, die in den vie­len Jahren nie von den Hartz IV – Quälereien betrof­fen waren, haben die Angst davor trotz­dem kennengelernt.

Union hat von der Agenda 2000 profitiert

„Deutschland geht es gut” war immer eine Lüge der Union

Dass die Union sich vom unsäg­li­chen Maskenskandal schnell erholt hat, fin­de ich verwirrend.

Das Dilemma für die Demokratie ist gra­vie­rend, und zwar gera­de im Angesicht der all­ge­gen­wär­ti­gen Penetranz der AfD und ihrer stän­dig gesä­ten Vorbehalte gegen das Parteiestablishment. Dass die Union in den Umfragen schon wie­der so gut dasteht, gehört zu den Dingen, die ich nie begrei­fen werde. 

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  1. Horst, ich mag Scholz, aber Lienen hat­te recht: Das ist nicht mehr die SPD, denen wir vor 30 oder mehr Jahren zuge­ju­belt haben.

  2. Die Aufhebung der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifabschlüsse war auch ein Meilenstein auf dem Weg nach unten – unter Rot/​Grün. Dass das im öffentl. Bewusstsein prak­tisch kei­ne Rolle spielt und als Kritik qua­si nicht vor­kommt, wun­dert mich auch sehr. 

    Ein lesens­wer­ter Bericht, in dem die Auswirkungen sehr deut­lich werden: 

    All die klu­gen Bücher hel­fen mir hier nicht weiter

    Vor mei­nen Augen gehen die Eltern kaputt, doch Linke kom­men nur in mei­ner Welt vor – nicht in ihrer

    https://​www​.akweb​.de/​g​e​s​e​l​l​s​c​h​a​f​t​/​e​l​t​e​r​n​-​l​i​n​k​e​-​u​n​d​-​k​l​a​s​s​e​n​g​e​s​e​l​l​s​c​h​a​f​t​-​a​l​l​-​d​i​e​-​k​l​u​g​e​n​-​b​u​e​c​h​e​r​-​h​e​l​f​e​n​-​m​i​r​-​h​i​e​r​-​n​i​c​h​t​-​w​e​i​t​er/

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