Correctiv: Lügen ohne Konsequenzen
Ein Satz genügte im Januar 2024, um Deutschland auf die Straße zu treiben: ein angeblicher „Masterplan” zur „Ausweisung von deutschen Staatsbürgern”. Über eine Million Menschen demonstrierten binnen Tagen. Zwei Jahre später stellt das Landgericht Berlin II fest: Genau diese Kernaussage war „nicht nur im Wesentlichen unwahr, sondern gleichzeitig unklar, ungenau und unvollständig”. Eine Kanzlei, die einen der Kläger vertrat, spricht deutlicher: Correctiv habe schlicht „gelogen”.
Die Wirkung war längst entfaltet
Das Perfide an der Sache: Die politische und gesellschaftliche Wirkung war zum Zeitpunkt des Urteils schon zwei Jahre lang wirksam. Millionen Menschen bildeten ihre Meinung über die AfD auf Basis einer Aussage, die juristisch inzwischen als unhaltbar eingestuft wurde. Eine gerichtliche Korrektur zwei Jahre später erreicht in der öffentlichen Wahrnehmung niemanden mehr – die Empörungswelle von 2024 lässt sich nicht rückwirkend zurückholen, das mediale Framing „Rechtsextreme planen Deportation” hat sich längst festgesetzt.
Keine Konsequenzen, weder personell noch finanziell
Wer nach dieser Erkenntnis Rechenschaft erwartet, wird enttäuscht. Personell hat sich bei Correctiv nichts verändert. Als die AfD-Fraktion im Bundestag beantragte, die Bundesförderung der Correctiv GmbH einzustellen, lehnte eine breite Mehrheit aus Linke, SPD, Grünen und CDU/CSU dies am 23. April 2026 nach nur halbstündiger Debatte ab – mit dem Argument, das Urteil sei „noch nicht rechtskräftig”. Das Bundesfamilienministerium fördert Correctiv seither munter weiter: rund 280.991 Euro allein 2025/2026 für das Projekt „Brandherd Desinformation”, insgesamt über 411.000 Euro seit 2023. Die Ironie: Geld zur „Bekämpfung von Desinformation”, während die eigene Recherche gerichtlich genau dafür belangt wurde.
Das Argument der formalen Trennung
Correctiv verweist auf eine buchhalterische Trennung: Fördergelder flössen nie in investigative Recherchen, sondern ausschließlich in klar abgegrenzte Bildungsprojekte. Formal korrekt, praktisch fragwürdig: Wer eine Institution mit Millionen an Reputation, Personal und Infrastruktur ausstattet, stützt implizit auch die Arbeit, die diese Institution öffentlichkeitswirksam macht – ob das Geld nun auf der einen oder anderen Zeile im Haushaltsplan steht.
Wo bleibt die Haftung?
Genau hier liegt der eigentliche Skandal: Es gibt in Deutschland keinen Mechanismus, der eine mediale Organisation für eine falsche, gesellschaftlich hochwirksame Behauptung tatsächlich zur Rechenschaft zieht. Ein Gerichtsurteil zwingt lediglich zur Unterlassung künftiger Wiederholung derselben Aussage – rückwirkend ändert es nichts an der bereits erzeugten Mobilisierung, an Fördergeldern oder an Personalentscheidungen. Correctiv selbst reagierte auf die Niederlage nicht mit Selbstkritik, sondern mit einer zweiten Recherche zum gleichen Thema – ein Kurs, der eher Verteidigung als Aufarbeitung signalisiert.
Das eigentliche Lehrstück ist also kein juristisches, sondern ein strukturelles: In einem System, das mediale Wirkung nicht an nachträgliche Rechtstreue koppelt, kann eine folgenreiche Fehlinformation ungestraft bleiben, solange die Buchhaltung stimmt und die politische Mehrheit keine Lust auf Konsequenzen hat.
Ich finde an diesem Umgang mit der Realität schlimm, dass all dies zur Stärkung der AfD geführt hat. Daran glaube ich fest, auch wenn es dafür keine empirischen Belege gibt. Die Sorge um das, was diese Leute in Zukunft im Hinblick auf die Migration/Remigration machen werden, beschäftigt viele Menschen. Deshalb empfinde ich die Vorgehensweise von Correctiv als frevelhaft und vielleicht zu typisch für unsere Zeit.

Hallo Horst,
bei deinem Beitrag bin ich an einer Stelle etwas vorsichtig. Hat CORRECTIV tatsächlich „die Unwahrheit“ gesagt, oder müssen wir hier nicht etwas genauer hinschauen?
Es gab durchaus Aussagen bzw. Formulierungen, die CORRECTIV vor Gericht nicht halten konnte und die korrigiert oder entfernt werden mussten. Das will ich gar nicht schönreden. Gleichzeitig haben andere Gerichte zentrale Teile der Recherche ausdrücklich nicht beanstandet. Es ist also zu einfach, daraus zu schließen, dass die gesamte Recherche unwahr gewesen sei.
Gerade bei einem so aufgeladenen Thema ist es wichtig, zwischen einzelnen Fehlern, journalistischen Wertungen und dem tatsächlichen Kern einer Recherche zu unterscheiden. Dass sich Gerichte bei einzelnen Aussagen unterschiedlich positioniert haben, macht die Sache sicher nicht einfacher.
Ich bin deshalb bei solchen Vorwürfen immer etwas vorsichtig. Selbstverständlich ist Kritik an CORRECTIV legitim und notwendig, wenn etwas falsch dargestellt wurde. Aber genauso sollte man aufpassen, nicht aus einzelnen Fehlern den Schluss zu ziehen, dass die gesamte Recherche deshalb nichts wert sei.
Liebe Grüße
Lorenzo
@Lorenzo: Correctiv hat uns verarscht. Das nehme ich denen sehr übel. Ich habe damals zunächst die Aussagen als zutreffend aufgenommen und in eigene Denkansätze übernommen. Die Schilderungen entsprachen, offen gestanden, meinen Erwartungen von dem, wofür die AfD steht. Ich glaube, dass die hohen Umfragewerte der AfD auch auf diese schwerwiegenden Fehler von Correctiv zurückzuführen sind.
Ich würde nicht darauf setzen, dass weitere Gerichtsverhandlungen zu anderen Ergebnissen führen. Lies bitte mal den Artikel von LTO. Ich glaube, denen kann man keine Parteilichkeit unterstellen.
@Horst Schulte: Ich kann gut nachvollziehen, warum du dich von Correctiv getäuscht fühlst – gerade, weil du die damaligen Schilderungen zunächst für zutreffend gehalten und sogar in deine eigenen Überlegungen einbezogen hast. Wenn sich später herausstellt, dass einzelne Darstellungen so nicht haltbar waren, ist das natürlich bitter, und die Kritik daran halte ich für völlig berechtigt.
Bei deiner Schlussfolgerung, dass die Fehler von CORRECTIV für die hohen AfD-Umfragewerte verantwortlich sein könnten, bin ich allerdings etwas vorsichtiger. Dafür gibt es meiner Meinung nach zu viele andere Faktoren und einen solchen Zusammenhang kann man kaum seriös nachweisen.
Was ich aber wichtig finde: Wir sollten die möglicherweise fehlerhaften oder zugespitzten Darstellungen von Correctiv nicht mit der grundsätzlichen politischen Position der AfD vermischen. Die AfD spricht selbst von „Remigration“ und will entsprechende politische Maßnahmen ergreifen. Das ist keine Erfindung von CORRECTIV. Deshalb sollte man sehr genau unterscheiden zwischen dem, was beim Potsdamer Treffen tatsächlich gesagt wurde, und dem, was die AfD grundsätzlich politisch fordert.
Was die Recherche selbst angeht, würde ich deshalb weiterhin nicht von „die gesamte Recherche war unwahr“ sprechen. Es gab nachweislich Punkte, die kritisiert und teilweise auch gerichtlich beanstandet wurden. Das muss man klar benennen. Aber daraus folgt für mich nicht automatisch, dass die gesamte Geschichte rund um das Treffen erfunden war.
Den LTO-Artikel werde ich mir auf jeden Fall noch genauer ansehen. Und vielleicht ist genau das auch eine Lehre aus der ganzen Geschichte: Selbst wenn eine Darstellung sehr gut zum eigenen Bild von einer Partei passt, sollte man besonders dann noch einmal genauer hinschauen. Das gilt für CORRECTIV genauso wie für andere Medien.
Liebe Grüße
Lorenzo
Ich unterstelle der AFD immer noch, dass sie am liebsten alle, die nicht „bio-deutsch” aussehen, loswerden will – nicht allen Wählern, aber etlichen Aktivisten und Funktionären. Rechtsradikale /Identitätere etc. außerhalb der AFD sagen das auch deutlich, die AFD bemüht sich, in ihre Programmen und öffentlichen Äußerungen rechtskonform zu bleiben, um nicht für ein Verbotsverfahren Stoff zu liefern.
Eine Großdemo, die zeigte, dass eine große Mehrheit gegen „Deportationen” sind, kann ich nicht als Fehler ansehen – ich denke, es gind da vielen nicht um die konkrete Wortwahl, sondern den zugrunde liegenden Tenor. Und:
Wenn ich mir die widersprüchlichen Urteile verschiedener Gerichte zum Begriff „Deportationskonferenz” ansehe, finde ich meine Meinung im Grunde bestätigt, zumindest ist die von dir zitierte Entscheidung nicht die einzige gerichtliche Sicht der Dinge – wobei höhere Gerichte dazu ja auch noch entscheiden werden.
Alles in allem sehe ich keinen Grund, Correctiv nicht mehr zu fördern. Es steht ja außer Frage, dass sie das Geheimtreffen in großen Zügen zutreffend geschildert haben. Dass so etwas überhaupt stattgefunden hat, ist der Skandal!
@ClaudiaBerlin: Ja, ich sehe das ziemlich ähnlich wie du. Gerade die unterschiedlichen Gerichtsentscheidungen zeigen für mich, dass man die Correctiv-Recherche genauer bewerten muss, statt vorschnell zu urteilen, Correctiv habe gelogen.
Bei einzelnen Formulierungen und Darstellungen kann und sollte man Correctiv durchaus kritisieren, wenn sie sich als nicht haltbar erweisen. Das ändert für mich aber nichts daran, dass die grundsätzliche Recherche und das Treffen in Potsdam nicht einfach als Erfindung abgetan werden können.
Auch bei der AfD würde ich sehr genau zwischen ihrer offiziellen Programmatik, einzelnen Funktionären und dem weiteren Umfeld unterscheiden. Gleichzeitig finde ich es wichtig, die politischen Vorstellungen rund um „Remigration“ nicht kleinzureden. Dass es innerhalb der AfD und ihres Umfelds Menschen gibt, die darunter sehr viel mehr verstehen als die Rückführung ausreisepflichtiger Personen, halte ich für unbestreitbar. Genau deshalb finde ich die Debatte darüber auch so wichtig.
Und bei der damaligen Großdemo sehe ich es ähnlich wie du: Ich glaube auch nicht, dass die Hunderttausenden Menschen auf der Straße nur auf eine einzelne Formulierung reagiert haben. Für viele dürfte die grundsätzliche Sorge vor einer solchen Politik entscheidend gewesen sein. Die genaue juristische Einordnung einzelner Begriffe ist eine andere Frage.
Für mich bleibt deshalb beides richtig: Correctiv muss sich an journalistischen Maßstäben messen lassen und Fehler müssen benannt werden. Gleichzeitig sollte man aus diesen Fehlern nicht den Schluss ziehen, dass die gesamte Recherche wertlos oder erfunden sei.
Liebe Grüße
Lorenzo
@Lorenzo: Das sind keine vorschnellen Urteile. Das sind gesicherte Erkenntnisse, die der gesamten Redaktion von Correctiv massiv geschadet haben und die im übrigen auch dazu beitragen, dass die Rechten es leicht haben, den Medien insgesamt Dinge zu unterstellen. Lügen hilft nicht bei der Bekämpfung solcher politischen Phänomene. Wahrheit und Aufrichtigkeit wäre da angebrachter.
Eine Million Menschen haben sich hinter die Fichte führen lassen, weil es ihnen in den Kram passte, was Correctiv berichtet hat. Ich war darunter. Jetzt sehe ich das sehr viel kritischer und ich verstehe überhaupt nicht, wieso man dazu zwei Meinungen haben kann. Nichts für ungut. Ich finde es belebt die Debatte über das wichtige Thema, dass nicht alle einer Meinung sind.
@Horst Schulte: Nichts für ungut, aber ich finde deine Schlussfolgerungen an einigen Punkten tatsächlich ziemlich weitreichend. 😊
Dass die Correctiv-Recherche Fehler beziehungsweise problematische Formulierungen enthielt, bestreite ich gar nicht. Natürlich muss man Correctiv dafür kritisieren, gerade bei einer Recherche mit einer solchen gesellschaftlichen Wirkung.
Zwischen „Correctiv hat Fehler gemacht“ und „Correctiv hat uns verarscht“ liegt für mich allerdings ein erheblicher Unterschied. Ein journalistischer Fehler ist nicht automatisch eine bewusste Lüge. Für eine solche Behauptung müsste man auch eine entsprechende Täuschungsabsicht belegen.
Auch bei der Zahl von „eine Million Menschen, die sich hinter die Fichte führen ließen“ bin ich sehr skeptisch. Ich glaube nicht, dass wir wissen können, warum jeder einzelne von ihnen demonstriert hat. Für viele dürfte die Correctiv-Recherche ein Auslöser gewesen sein. Sie werden jedoch vermutlich nicht nur gegen eine bestimmte Formulierung, sondern gegen die politischen Vorstellungen demonstriert haben, die sie mit der AfD und dem Begriff „Remigration“ verbinden.
Und auch die These, die Correctiv-Recherche sei für die hohen AfD-Umfragewerte verantwortlich, halte ich für nicht belegt. Dafür gibt es meiner Meinung nach viel zu viele andere Faktoren.
Ich fürchte, wir werden bei der Bewertung dieser Sache einfach keine Einigung erzielen. Das ist auch völlig in Ordnung. Ich möchte die Diskussion an dieser Stelle allerdings beenden, bevor wir uns noch weiter im Kreis drehen. 😉
Danke trotzdem für den offenen Austausch. Unterschiedliche Meinungen gehören für mich zu einer lebendigen Blogosphäre dazu.
Liebe Grüße
Lorenzo
@Lorenzo: Du glaubst, es wäre nicht bewusst gelogen worden? Kennst du den Artikel von Stefan Niggemeier?
Auch er und seine Mitautoren bei Übermedien kommen zu einer bemerkenswert kritischen Bewertung der Correctiv-Recherche. Ihr Vorwurf lautet nicht, dass das Potsdamer Treffen oder die dort vertretenen rechtsradikalen Vorstellungen erfunden worden seien. Sie kritisieren vielmehr, dass Correctiv durch Zuspitzungen und Mehrdeutigkeiten beim Leser den Eindruck erzeugt habe, dort sei die Ausweisung deutscher Staatsbürger geplant worden, obwohl die präsentierten Fakten diese weitreichende Darstellung nicht belegten. Besonders problematisch sei, dass zahlreiche Medien diesen erzeugten Eindruck anschließend als Tatsache weiterverbreiteten. Politisch problematische Inhalte aufzudecken, entbinde Journalisten nicht von der Pflicht, Tatsachen, Interpretationen und Zuspitzungen sauber voneinander zu trennen.
@Lorenzo: Nix für ungut. Ich habe unsere Diskussion genossen. Danke dafür.
@Horst Schulte: Danke dir für die ausführliche Antwort. Die von dir angesprochene Kritik an den Zuspitzungen von CORRECTIV kann ich durchaus nachvollziehen. Dass journalistische Berichterstattung Tatsachen, Interpretation und Zuspitzung sauber voneinander trennen muss, sehe ich genauso. Wenn das an bestimmten Stellen nicht gelungen ist, darf und muss man das kritisieren.
Ich glaube jedoch, dass wir die Sache grundsätzlich unterschiedlich betrachten. Meine Ablehnung der AfD hängt nämlich überhaupt nicht mit der CORRECTIV-Recherche zusammen. Sie wäre auch dann da, wenn es diese Recherche nie gegeben hätte.
Ich lehne die AfD grundsätzlich ab und mache daraus auch keinen Hehl. Die Partei spricht selbst von „Remigration“ und hat den Begriff in ihr Bundestagswahlprogramm aufgenommen. Dort wird er zwar offiziell als rechtsstaatliche Rückführung ausreisepflichtiger Ausländer definiert. Gleichzeitig gibt es in Teilen der Partei und ihres Umfelds deutlich weitergehende Vorstellungen. Genau diese Entwicklung macht mir große Sorgen.
Und ganz persönlich macht mir die AfD als Mensch mit Behinderung und als Grüner Politiker große Angst. Ich beobachte deshalb nicht nur die Migrationspolitik, sondern auch, was eine stärkere AfD für unseren Sozialstaat, für Menschen mit Behinderungen und für die demokratische und gesellschaftliche Teilhabe bedeuten könnte. Wenn ich sehe, wie stark die Partei bei der Grundsicherung auf mehr Druck, Aktivierung und Leistungskürzungen setzt, macht mich das nicht gerade ruhiger.
Deshalb kann ich CORRECTIV für journalistische Fehler kritisieren und gleichzeitig die AfD grundsätzlich ablehnen. Das ist für mich kein Widerspruch. Meine Kritik an CORRECTIV bedeutet nicht, dass ich meine Haltung gegenüber der AfD ändern müsste.
Ich glaube, wir werden uns bei der Bewertung von Correctiv nicht mehr einig. Das ist aber auch in Ordnung. Ich fand unsere Diskussion ebenfalls interessant, gerade weil wir an einigen Punkten sehr unterschiedlich denken. 😊
Damit würde ich das Thema jetzt aber tatsächlich abschließen. Sonst drehen wir uns am Ende wirklich nur noch im Kreis. 😉
Liebe Grüße
Lorenzo
@ClaudiaBerlin: Wir unterstellen das wohl auch aus dem Grund, dass wir entsprechende Eindrücke durch das Auftreten und die Aussagen von AfD-Funktionären gewonnen haben, verstärkt allerdings durch eine Presse, die absolut einseitig berichtet. Inzwischen ist dieses Bild ein wenig diverser.
Es ist nicht so, dass ich mich mit meinem Artikel auf die Seite der AfD stelle, sondern gegen eine Form von Berichterstattung, die vom Staat bezahlt wird und die einer schlimmen Art von politischem Aktivismus näher kommt als das aus meiner Sicht je hätte sein dürfen. Aber ok. Ich respektiere natürlich, dass das andere nicht so sehen.
@Horst Schulte: Solche Recherchen werden nicht „vom Staat bezahlt” (DAS wirft vor allem die AFD Correctiv vor), denn die journalistische Arbeit wird ausschließlich aus privaten Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Stiftungsgeldern finanziert. Öffentliche Mittel von Bundesministerien oder Ländern fließen ausschließlich in klar abgegrenzte Bildungsprojekte.
Ich kenne solche Finanzierungen aus verschiedenen Töpfen, das war auch bei einer Institution/Initiative zur Flüchtlingsberatung so, bei der ich ein paar Jahre ehrenamtl. mitgearbeitet habe. Die einzelnen Tätigkeitsbereiche waren klar abgegrenzt, wurden entsprechend dem Förderantrag abgearbeitet und am Ende stand ein detaillierter Bericht.
@ClaudiaBerlin: Da stimme ich dir hinsichtlich der Finanzierung zunächst einmal zu. Der häufig erhobene Vorwurf, der Staat finanziere die Recherchen von Correctiv, ist in dieser pauschalen Form nicht haltbar. Correctiv erhält zwar öffentliche Gelder, diese sind aber nach Beteuerungen von Correctiv selbst nach den veröffentlichten Angaben projektgebunden und sollen in Medienbildungsprojekte fließen, nicht in investigative Recherchen oder die allgemeine redaktionelle Arbeit.
Ich merke bei mir, dass mein inzwischen grundsätzliches Misstrauen gegenüber staatlicher NGO-Förderung meine Sicht auf Correctiv zusätzlich verschärft. Ich halte von solchen staatlichen Finanzierungen generell wenig. Und natürlich kann ich von außen auch nicht beurteilen, wie sauber sich in der täglichen Praxis beispielsweise Personalkosten, Infrastruktur oder andere gemeinsame Ressourcen tatsächlich voneinander trennen lassen. Zweckbindung ist das eine, die praktische organisatorische Trennschärfe das andere. Daraus möchte ich allerdings keinen Vorwurf konstruieren, den ich nicht belegen kann.
Mein eigentliches Problem mit Correctiv liegt ohnehin woanders. Nach allem, was rund um die Potsdam-Recherche, ihre Formulierungen und die spätere juristische Auseinandersetzung bekannt geworden ist, ist mein Vertrauen in dieses Medium weitgehend dahin. Zugespitzt gesagt: Warum soll ich einem Medium vertrauen, bei dem ich inzwischen das Gefühl habe, dass es versucht hat, mich zu verarschen?
Köstlich.
Hört euch doch mal selber reden, ihr lieben Gutmenschen. Da wird wochenlang das Abendland gerettet, weil ein paar Aktivisten mit Presseausweis eine halbgare Geschichte über ein privates Treffen in Potsdam zusammenzimmern, die vor Gericht Stück für Stück in sich zusammenfällt. Und was machen die Schlafschafe hier in den Kommentaren? Ihr redet es euch einfach weiter schön.
Da kommt Lorenzo daher und faselt etwas von „journalistischen Fehlern“ und „Zuspitzungen“, als ob man mal eben versehentlich Millionen Menschen mit einer faustdicken Desinformation auf die Strasse hetzen kann. Aber Hauptsache, die eigene Haltung stimmt, gell? Wenn die Story ins weltanschauliche Konzept passt, wird eben nicht mehr hinterfragt. Da wird munter relativiert und beschwichtigt.
Und Claudia toppt das Ganze noch mit ihrer Sorge um die staatliche Finanzierung: Solange die Buchhaltung angeblich sauber getrennt ist, ist die Welt für euch in Ordnung. Dass man mit solchen Konstrukten im Hintergrund de facto den ganzen Apparat stützt und staatlich subventionierten Haltungsjournalismus befeuert, blenden wir natürlich gekonnt aus. Hauptsache, der Feind steht fest und die Blase bleibt intakt.
Wer nach solchen juristischen Klatschen und klaren Einordnungsmängeln immer noch so tut, als sei im Grunde nichts passiert, hat jeglichen Sinn für redliche Aufarbeitung verloren. Aber träumt ruhig weiter in eurer heilen Welt.