
Mein Laptop ist von 2016. Zehn Jahre alt also. Und weißt du was? Er funktioniert.
Ich habe Linux darauf installiert.
Nicht, weil der Rechner kaputt gewesen wäre. Nicht, weil Prozessor, Bildschirm, Tastatur oder SSD plötzlich ihren Geist aufgegeben hätten. Sondern weil irgendwann die Softwareunterstützung endete. Der Hersteller sagt damit im Grunde: Die Reise ist hier für dich zu Ende.
Die Hardware sagt etwas anderes.
Darüber habe ich schon im Juni letzten Jahres geschrieben. Unter dem Titel „Modellpolitik der Monopole: Linux Mint statt Windows oder Apple“ ging es genau um diese Erfahrung: Mein MacBook Pro war von Apple softwareseitig aussortiert worden, während die Hardware ihren Dienst noch immer klaglos verrichtete. Linux Mint drauf – und weiter ging es.
Damals war das für mich vor allem eine praktische Lösung. Heute bekommt die Geschichte noch eine andere Dimension. Denn Google hat für seine neuen Googlebooks etwas angekündigt, das in dieser Branche eigentlich längst selbstverständlich sein sollte: Die Geräte sollen regelmäßige Updates und Feature Drops für bis zu zehn Jahre ab Markteinführung erhalten.
Ein funktionierender Computer ist kein alter Computer
Wir reden seit Jahren über Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Elektroschrott. Gleichzeitig verkaufen uns die großen Hersteller Geräte, deren technische Lebensdauer längst nicht mehr zwingend das Problem ist.
Mein alter Laptop ist dafür ein hübsches Anschauungsobjekt. Er läuft mit Linux weiter. Also war offenbar nicht der Computer am Ende, sondern lediglich die vom Hersteller vorgesehene Softwarelaufzeit.
Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Natürlich kann kein Hersteller jede Hardware bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag unterstützen. Neue Betriebssysteme benötigen neue Funktionen, Sicherheitsarchitekturen verändern sich und irgendwann wird die Pflege alter Plattformen unverhältnismäßig aufwendig. Geschenkt.
Aber muss dieser Zeitpunkt wirklich so früh kommen?
Wenn ein technisch einwandfreier Rechner keine aktuellen Betriebssystemversionen mehr erhält, wird seine praktische Lebensdauer künstlich begrenzt. Ob man das bereits „geplante Obsoleszenz“ nennen möchte, ist eine Frage der Definition. Eine bewusst geplante Verkürzung mit dem Ziel, neue Geräte zu verkaufen, lässt sich aus dem Supportende allein schließlich nicht beweisen.
Die Wirkung kann allerdings verdammt ähnlich sein.
Apple ist ein „gutes“ Beispiel
Apple wirbt selbst mit der Langlebigkeit seiner Produkte. Tatsächlich sind viele Macs hervorragend verarbeitet und erstaunlich langlebig. Umso widersprüchlicher erscheint mir die Softwareseite.
Mit macOS 27 Golden Gate ist die Trennlinie inzwischen besonders deutlich: Apples aktuelle Kompatibilitätsliste enthält bei den klassischen Mac-Modellen nur noch Geräte mit Apple-Chip. Die Intel-Macs sind aus der aktuellen macOS-Generation herausgefallen.
Auch bei der Hardwareunterstützung setzt Apple zeitliche Grenzen. Service und Ersatzteile gibt es grundsätzlich mindestens fünf Jahre nach dem Zeitpunkt, zu dem Apple ein Produkt zuletzt verkauft hat, abhängig von gesetzlichen Vorgaben und Teileverfügbarkeit teilweise bis zu sieben Jahre. Bei Mac-Laptops kann allein für Batterien ein Zeitraum von bis zu zehn Jahren gelten.
Das Kuriose daran: Gerade hochwertige Computer können diese Fristen locker überleben.

Mein MacBook ist dafür kein theoretisches Beispiel. Ich benutze es. Linux Mint hat aus einem Rechner, den Apples aktuelle Softwaregeneration hinter sich gelassen hat, wieder einen ganz normalen Gebrauchsgegenstand gemacht. Zugegebenermaßen arbeite ich hauptsächlich am Desktop (iMac), deutlich weniger mit dem Notebook.
Das wirft für mich eine ziemlich simple Frage auf: Wenn Linux auf dieser Hardware noch jahrelang gepflegt und sicher betrieben werden kann – weshalb sollte ich akzeptieren, dass der Rechner wegen des ursprünglichen Herstellers als überholt gilt?
Google macht es diesmal richtig
Deshalb halte ich Googles Ankündigung für einen Schritt in die richtige Richtung. Die neuen Googlebooks basieren auf Android-Technik und Elementen von ChromeOS. Google verspricht dafür regelmäßige Feature Drops und Updates für bis zu zehn Jahre ab Markteinführung.
Man sollte die Formulierung „bis zu zehn Jahre“ durchaus im Auge behalten. Sie ist nicht dasselbe wie eine bedingungslose Garantie von zehn Jahren ab dem individuellen Kaufdatum. Wer ein Modell beispielsweise erst zwei Jahre nach dessen Einführung kauft, sollte genau hinschauen, was vom versprochenen Zeitraum noch übrig ist.
Trotzdem setzt Google damit eine bemerkenswerte Marke.
Zehn Jahre sind in dieser Branche eine kleine Ewigkeit. Vor allem sind zehn Jahre ein Zeitraum, der sich wieder stärker an der tatsächlichen Lebensdauer guter Hardware orientiert.
Und genau das sollte selbstverständlich werden.
Software darf kein eingebautes Verfallsdatum sein
Hersteller können nicht auf jeder Präsentation über Nachhaltigkeit reden, Gehäuse aus recyceltem Aluminium vorführen und anschließend funktionierende Hardware durch auslaufenden Softwaresupport schleichend aufs Abstellgleis schieben.
Der ökologischste Computer ist schließlich nicht unbedingt derjenige, der mit besonders viel Recyclingmaterial produziert wurde.
Es ist häufig schlicht der Computer, den ich gar nicht erst neu kaufen muss.
Und genau an diesem Punkt schließt sich für mich der Kreis zu meinem Artikel vom Juni. Damals schrieb ich über einen von seinem Hersteller aussortierten Rechner, den Linux wieder zu einem vollkommen brauchbaren Arbeitsgerät gemacht hatte. Google versucht nun wenigstens, dieses Problem von der anderen Seite anzugehen: indem die Softwareversorgung von vornherein über einen sehr langen Zeitraum zugesagt wird.
Ich wünsche Google mit diesem Ansatz ausdrücklich Erfolg. Nicht, weil Google plötzlich zum uneigennützigen Wohltäter geworden wäre. Natürlich möchte der Konzern Googlebooks verkaufen und damit gegen Windows-PCs und MacBooks antreten.
Aber Konkurrenz darf gern einmal auf diese Weise funktionieren.
Wenn ein Hersteller zehn Jahre Softwareunterstützung zum Verkaufsargument macht, müssen sich die anderen irgendwann fragen lassen, warum sie das nicht ebenfalls schaffen.
Mein alter Laptop von 2016 hätte darauf jedenfalls eine ziemlich überzeugende Antwort.
Er läuft.
Nur eben nicht mehr mit dem Betriebssystem, das sein Hersteller einmal dafür vorgesehen hatte.
Das erlebe ich gerade mit einem iPad Pro aus dem Jahr 2017. Die Hardware und die Akkuleistung sind noch wirklich gut, aber es gibt schon lange keine Betriebssystem-Updates mehr. Bei iOS 17 war Schluss. Gerade gestern gab es ein Update einer für mich wichtigen App, die sich aufgrund des veralteten Betriebssystems nun nicht mehr starten lässt. Das war es dann wohl.
@Andreas: Warst du auch so sauer? Versuchs mit Mint. Ist wirklich einfach. Das Video ist gut gemacht.
@Horst Schulte: Das macht mich sogar sehr sauer. Die Hardware ist wirklich noch einwandfrei. Es ist ein Gerät, das ich seit Jahren täglich und intensiv nutze. Es hat sehr viele Betriebsstunden hinter sich, aber die Akkulaufzeit ist immer noch super. Auch die Performance der Hardware reicht mir vollkommen aus. Und jetzt fangen die Probleme mit den Apps an. Nach und nach lassen sich immer weniger nutzen, da sie unter älteren Betriebssystemen nicht mehr laufen.
Das ist alles irgendwie Mist, gerade auch vor dem Hintergrund der derzeitigen Preise für Hardware. Und für die Umwelt sowieso.
Linux gibt es für das iPad?
Das war mir bislang gar nicht bekannt.
@Horst Schulte: habe ich noch nie gelesen, das man auf einem iPad Linux drauf spielen kann 🤔