Die NSDAP war keine linke Partei! Dennoch behaupten Rechte das immer wieder

20. April 2026

Die Nazis waren Sozialisten? Ein Mythos im Faktencheck

Die Behauptung kursiert seit Jahren in ultrarechten Kreisen, taucht in sozialen Netzwerken auf und wird inzwischen gelegentlich mit dem Verweis auf ein angebliches „Historiker-Gutachten“ untermauert: Die NSDAP sei eigentlich eine linke, sozialistische Partei gewesen. Das ist Geschichtsfälschung – und sie lässt sich mit wenigen Tatsachen klar widerlegen.

Der Name als Propagandatrick

Das Wort „Sozialismus“ im Parteinamen war kein Programm, sondern Köder. Die NSDAP wollte damit Arbeiter aus dem Lager der echten Linken herausbrechen. Inhaltlich trennt beide Welten jedoch ein Abgrund: Sozialismus gründet auf dem Prinzip der Gleichheit aller Menschen, auf Internationalismus und Klassenkampf. Der Nationalsozialismus hingegen baute sein gesamtes Weltbild auf der rassistischen Ungleichwertigkeit von Menschen. Wer nicht zum „Volkskörper“ gehörte, hatte schlicht keine Rechte. Das ist kein Sozialismus – das ist sein Gegenteil.

Die Demokratische Volksrepublik Korea ist weder demokratisch noch eine Volksrepublik. Parteinamen sind Propaganda, keine Programme.

Hitler in eigenen Worten

Die überzeugendste Widerlegung liefert Hitler selbst. Am 2. März 1933 im Berliner Sportpalast: „Der Marxismus geht aus von dem Gedanken der Gleichheit der Lebewesen. Diese Lehre … ist wissenschaftlich längst widerlegt … Sie ist irrsinnig.“ Klarer lässt sich die Distanz zum Sozialismus kaum formulieren. Ein Sozialist, der das Gleichheitsprinzip als Irrsinn bezeichnet – das ist ein Widerspruch in sich.

Die Praxis der Machtübernahme

Wer noch Zweifel hat, schaue auf das, was die Nazis nach 1933 taten: Gewerkschaften wurden zerschlagen, sozialdemokratische und kommunistische Parteien verboten, rund 20.000 Kommunisten ermordet. Die ersten Konzentrationslager füllten sich mit Sozialisten und Linken. Kein sozialistisches System verfolgt und tötet seine eigene Bewegung in diesem Ausmaß.

Finanziert und ermöglicht wurde die NS-Diktatur übrigens nicht von der Arbeiterklasse, sondern von Großindustriellen wie Krupp und Thyssen – sie wollten genau das, was die Nazis lieferten: die Zerschlagung der organisierten Linken.

Das angebliche Historiker-Gutachten

In der seriösen Geschichtswissenschaft ist kein solches Gutachten bekannt. Es handelt sich um eine klassische Desinformationsstrategie: Eine politische Behauptung wird mit dem Anschein wissenschaftlicher Legitimität versehen. Projekte wie Geschichte statt Mythen und der Faktenfuchs des BR ordnen dieses Narrativ klar ein: Es ist Teil einer historisch-fiktionalen Gegenerzählung, die die politische Rechte von ihrer Verantwortung für den Nationalsozialismus freisprechen soll.

Das Ziel ist nicht historische Wahrheit. Das Ziel ist politische Entlastung.

Remigration: „Wir sind alle völlig überrascht gewesen“

20. April 2026

Fakten selektiv: Wie die Springer-Presse Medienkritik instrumentalisiert

Die Diskussion über den Begriff Remigration wurde durch eine einzelne Veranstaltung entfacht. Es geht seither darum, die Deutungshoheit des Begriffs und seiner Herkunft zu gewinnen. Wir finden in der Berichterstattung, die sehr viel weniger Anklang findet als die damalige Correctiv-Reportage, keine Beschäftigung mit dem Ansinnen der Rechten im Allgemeinen, sondern eher die Auseinandersetzung mit Spitzfindigkeiten.

Inhalt

Wie schlimm ist es, was die AfD vorhat?

Welches Menschenbild hinter der Idee Sellners (Rechtsextremist und Chef der identitären Bewegung), der Teilnehmer und Redner bei der infragestehenden Veranstaltung war, steckt und inwieweit sich die AfD als Partei seine Sichtweisen zueigen macht, ist schwer zu fassen. Ich erinnere mich an Weidels bewusste Provokation bei irgendeiner AfD-Veranstaltung: „Und wenn es Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.“ Diese Leute reden vom gleichen Begriff und meinen auch genau das, was Sellners inhaltlichen Vorstellungen entspricht. Es handelt sich um ein strategisches Gesamtkonzept der Neuen Rechten, das auf eine „ethnisch homogene“ Gesellschaft abzielt.

Ziele des Remigrationskonzeptes von Sellner:

Asylbewerber: Unabhängig von ihrem Schutzstatus.

Ausländer mit Bleiberecht: Auch Personen mit regulärem Aufenthaltstitel sollen zur Ausreise bewegt werden.

„Nicht assimilierte“ Staatsbürger: Dies ist der radikalste Teil der Strategie. Er schlägt vor, Menschen mit deutschem Pass die Staatsbürgerschaft zu entziehen oder sie durch so hohen sozialen und wirtschaftlichen Druck zur Ausreise zu drängen, wenn sie kulturell oder politisch nicht in sein Weltbild passen.

Wollen wir tatsächlich glauben, dass Sellner den dritten Punkt buchstäblich in seinem Potsdamer Vortrag ausgespart hat? Etwa, weil er so verdammt radikal und völkisch motiviert daherkommt? Nun, das Gericht überlässt uns die Bewertung und Schlussfolgerung. Wer dieser Partei die Stimme gibt, wird seine Gründe haben. Etwa, weil sie denken, dass die anderen nichts zustande bringen. Implizit scheißen wir auf die Demokratie wird wohl dann die Leitschnur sein. Und dann passt es ja auch wieder.


Überrascht war eine AfD-Bundestagsabgeordnete von der Correctiv-Berichterstattung über das „Geheimtreffen AfD-naher Kreise“ zum Thema Remigration. Es habe dort nichts gegeben, was einer Erwähnung wert gewesen sei.

Vor Gericht und auf hoher See

Sie bzw. ihr Anwalt hat die Chance ergriffen, trotz eines Urteils des LG Hamburg in gleicher Sache vom letzten Jahr unter Nutzung eines sogenannten „fliegenden Gerichtsstandes“ es nochmals vor Gericht zu versuchen.

Anders als das LG Hamburg, gab das LG Berlin der Klägerin recht. Die Begründung klingt in den Ohren des Publikums sehr unterschiedlich. Rechte Medien wie „Welt“ „Cicero“ oder „Focus“ bejubeln das Urteil, freilich ohne zu erwähnen, dass es das Hamburger Urteil gegeben hat und das Correctiv darüber hinaus in Revision gehen wird.

Zur Generalabrechnung holt der Herausgeber von Politico, Welt und Welt am Sonntag, Ulf Poschardt in einem Kommentar zum Urteil aus. Keiner, der ihn halbwegs einschätzen kann, hätte etwas anderes erwartet.


Hier ist meine Meinung zum Poschardt-Text – differenziert zwischen belegbaren Fakten, libertärer Ideologiearbeit und der von mir vermuteten Döpfner-Doktrin dahinter.

Poschardt analysiert: Fakten, Framing und Springer-Ideologie

Was faktisch stimmt

Poschardt hat in einigen Punkten tatsächlich recht – das muss man nüchtern einräumen, auch wenn es schmerzt.

Das Landgericht Berlin II hat im März 2026 wirklich geurteilt, dass zentrale Aussagen der Correctiv-Recherche – konkret die Behauptung eines „Masterplans zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern“ – „nicht nur im Wesentlichen unwahr, sondern unklar, ungenau und unvollständig“ seien. Das ist ein rechtsverbindlicher Befund, den man nicht wegdiskutieren kann. Correctiv hat Berufung eingelegt und hält den Kern der Recherche für bestätigt – das Verfahren ist also nicht abgeschlossen.

Richtig ist auch, dass sich die Spenden für Correctiv 2024 tatsächlich von knapp 1,9 Millionen auf über 6,1 Millionen Euro verdreifacht haben. Und es stimmt, dass die Recherche mit dem Kasseler Demokratie-Impuls und dem Titel „Journalisten des Jahres 2024“ ausgezeichnet wurde – also bevor die Urteile fielen, die Teile der Darstellung als falsch qualifizierten.

Die Beobachtung, dass öffentlich-rechtliche Medien die Correctiv-Story unkritisch und mit erheblicher Amplifikation weiterverbreitet haben, ist ebenfalls schwer zu bestreiten. Eine publizistische Eigenkritik dieser breiten Dynamik hat in den betroffenen Redaktionen kaum stattgefunden. Man kann auch sagen, dass dieses 2. Urteil, also das des LG Berlin in den Medien wenig Resonanz gefunden hat. Vielleicht liegt es an den vielen Klagen, die zu einer schrägen Bewertung der Öffentlichkeit fast zwangsläufig führen musste.

Was verzerrt oder selektiv ist

Hier beginnt das handwerkliche Problem des Textes – und es ist beträchtlich.

Die Rechtslage ist komplexer als dargestellt. Auch Poschardt, wie übrigens Fleischhauer in seinem Video, erwähnt mit keinem Wort, dass das Landgericht Hamburg Ende 2025 die Klagen von zwei Treffen-Teilnehmern vollständig abgewiesen hat. Das Berliner Urteil betrifft nur einzelne Formulierungen, nicht die gesamte Recherche. Ein seriöser Journalismus-Kommentator, der Selektivität beim Gegner geißelt, darf diese Selektivität nicht selbst praktizieren.

Die Kausalitätskette ist konstruiert. Die These, Correctiv habe „das Aus der Ampel mitverantwortet“, ist eine steile Behauptung ohne Beleg. Die Ampel scheiterte an FDP-internen Entscheidungen und Haushaltsfragen – nicht an einer Demonstrationswelle, die auf einen Journalismusbericht folgte. Poschardt verknüpft hier zeitliche Nähe mit Kausalität, was ein klassischer logischer Fehler ist.

Die Framing-Strategie: „Märchenerzähler“ und „politjournalistische Fiktion“. Begriffe wie diese suggerieren bewusste Täuschung – was juristisch nicht belegt ist. Das Gericht hat fehlerhafte Formulierungen beanstandet, kein Gericht hat vorsätzliche Falschberichterstattung festgestellt. Der sprachliche Überschuss dient der Delegitimierung, nicht der Analyse.

Der Habermas-Missbrauch ist besonders auffällig. Poschardt zitiert den kurz zuvor verstorbenen linken Denker als Kronzeugen gegen den Linksjournalismus – ein rhetorischer Taschenspielertrick. Habermas hat sich zeitlebens für diskursive Offenheit ausgesprochen, nicht für eine konservativ-libertäre Medienkritik.

Es ist ein Paradoxon: Habermas würde vermutlich die Ausgrenzung bestimmter Meinungen kritisieren, gleichzeitig aber die Art und Weise, wie seine Kritik nun instrumentalisiert wird, um eben jene deliberative Qualität der Medien anzugreifen, die er zeit seines Lebens verteidigt hat. Er ist kein Zeuge für die eine oder andere Seite, sondern ein Mahner für eine Qualität des Streits, die derzeit auf beiden Seiten oft vermisst wird.

Poschardt und die Döpfner-Doktrin

Das ist der entscheidende Kontext, den der Text natürlich verschweigt: Poschardt schreibt nicht aus einer unabhängigen journalistischen Warte, sondern als Herausgeber im Verlagshaus seines Chefs Mathias Döpfner – und die ideologische Linie zwischen beiden ist keine zufällige Übereinstimmung.

Döpfner hat den libertären Kurs bei Springer systematisch durchgesetzt. Im April 2026 wurden die Springer-Verlagsgrundsätze umgeschrieben: Aus „freier und sozialer Marktwirtschaft“ wurde schlicht „freie Marktwirtschaft“ – das Soziale fiel raus. Die TAZ kommentierte trocken: „Damit ist der libertäre Kurs bei Springer endgültig angekommen“. Medienwissenschaftler Volker Lilienthal attestiert Poschardt und Döpfner ausdrücklich „eine Neigung zu libertären Positionen“.

Diese Ideologie hat konkrete Auswirkungen auf den Text:

  • Atomausstieg, Migration, Corona werden als Medienversagen geframt – allesamt Politikfelder, bei denen eine libertäre, staatsfeindliche Grundhaltung den Markt gegenüber staatlichem Handeln bevorzugt. Poschardt benennt keine Fakten, er setzt Deutungsrahmen.
  • Der „NGO-Komplex“ ist ein Kampfbegriff aus dem rechtspopulistischen Diskurs, den Springer-Medien seit Jahren verwenden, um zivilgesellschaftliche Strukturen zu delegitimieren und zu diffamieren.
  • Die Gleichsetzung von links-aktivistischem Journalismus mit autoritärem Denken am Ende des Textes ist ein rhetorisches Manöver: Wer Rechte kritisiert, sei selbst illiberal. Das ist das klassische „Whataboutism“ — Muster der libertären Rechten –, auch aus dem Trump-Umfeld bekannt, dem Döpfner und Poschardt demonstrativ nahestehen.

Das eigentliche Problem des Textes

Poschardt macht etwas, das er anderen vorwirft: Er selektiert Fakten, konstruiert Kausalitäten und verzichtet auf Selbstreflexion.

Die Welt und Springer-Medien haben die AfD über Jahre mit einer Habermas-freien „Brandmauer ist antidemokratisch“-Rhetorik hoffähig gemacht. Die aggressive Verteidigung Trumps durch Döpfner und Poschardt, die Umbenennung der Verlagsgrundsätze zugunsten reiner Marktideologie – all das bleibt in diesem Text naturgemäß unerwähnt. Wer „Selbstkritik“ fordert, müsste mit sich selbst anfangen.

Der Text ist handwerklich gut. Er enthält echte Beobachtungen. Aber er ist kein journalistischer Kommentar – er ist ein ideologisches Positionspapier im libertären Springer-Geist, das berechtigte Medienkritik als Vehikel nutzt, um das eigene politische Weltbild zu transportieren. Das macht ihn nicht weniger gefährlich, sondern im Gegenteil: wirksamer.

Man könnte geneigt sein, seine aktuelle Rolle milder zu beurteilen – als hätte das Amt des Herausgebers etwas Läuterndes, etwas Distanzierendes. Doch dieser Gedanke trägt nicht weit. Was heute sichtbarer hervortritt, war schon zuvor angelegt.

Denn auch in seiner Zeit als Chefredakteur zeigte sich ein Stil, der weniger von analytischer Schärfe als von zugespitzter Haltung lebte. Kritik wurde nicht nur geübt, sondern inszeniert – mit jener Mischung aus Selbstgewissheit und Provokation, die eher auf Wirkung als auf Erkenntnis zielte.

Insofern ist das, was wir heute lesen, keine Zäsur, sondern eine Fortsetzung mit anderen Mitteln. Die Rolle hat sich verändert. Das Denken dahinter kaum.

Zwischen Anhängerschaft und Verehrung

20. April 2026

Man muss kein Genie sein, um zu spüren, wie sehr sich alles verschoben hat. Nicht mit einem Knall. Es mutet sich vielmehr an wie ein kaum wahrnehmbares Kippen der Gewichte, die für eine gewisse Balance in der Demokratie lebenswichtig sind. Politik, so scheint es, ist längst nicht mehr nur der Ort von Argumenten, Programmen und Auseinandersetzungen. Sie ist zur Bühne geworden – und auf dieser Bühne stehen nicht Ideen im Rampenlicht, sondern Menschen und deren Anhängerschaft.

politik marke personenkult usa Anhängerschaft
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Von der Zustimmung und Anhängerschaft zur Verehrung

Es ist eine Entwicklung, die sich nicht auf ein Land oder eine Partei beschränkt. Doch nirgendwo wird sie so unverblümt sichtbar wie im Amerika Donald Trumps. Trump und Florida scheinen diesbezüglich eine Einheit zu sein – eine, die unheimlich ist und die wir Europäer kaum nachvollziehen können.

Der Mann ist längst keine Politikerfigur ($) mehr im klassischen Sinne. Er ist ein Phänomen, eine Projektion, ein Mythos, den seine Anhänger aktiv miterschaffen – und den sie mit einer Inbrunst verteidigen, die religiösen Bewegungen näher steht als politischen Parteien.

Aus Zustimmung wird Bindung. Aus Bindung wird Loyalität. Und irgendwann steht da etwas, das mit nüchterner politischer Haltung nichts mehr zu tun hat. Wenn Anhänger seinen Namen auf die Brust tätowieren, seine Aussagen ungeprüft für wahr halten und jeden Widerspruch als Angriff empfinden, dann hat man den Bereich der Politik verlassen – und den der Verehrung betreten. Das ist kein Randphänomen. Das ist Mainstream in Teilen der amerikanischen Gesellschaft. Als ich die Szene im Fernsehen sah, in der irgendwelche komischen Leute Trump im Oval Office die Hand auf die Schulter legten und Gebete murmelten, war das so befremdlich, dass ich diese Szene wohl nie im Leben vergessen werde. Das steht sinnbildlich für das, was ich meine. Inzwischen hat er sich sogar persönlich als Jesus geoutet. „Ein Missverständnis“, sagt Trump.

Ein Kult entsteht nicht zufällig

Der Übergang ist fließend, aber er ist kein Zufall. Niemand wird sich bewusst entschlossen haben, von heute auf morgen Heldenverehrung zu betreiben. Doch Trumps Team weiß sehr genau, was es tut. Diese Loyalität wird gezielt genährt – durch Wiederholung, durch die ständige Präsenz eines Namens, eines Gesichts, einer Erzählung, die den Anhängern sagt: Ihr seid die Vergessenen, ich bin euer Rächer. Symbole entstehen, Orte werden aufgeladen, Worte bekommen eine eigene Schwerkraft. Das Ganze wächst zu einem Gesamtkunstwerk der Manipulation. Trump ist der dazu passende Name – und sein Talent liegt weniger in der Politik als in der Inszenierung.

Kult als Schutzschild für Korruption

Es wäre jedoch naiv, diesen Kult isoliert von seinen materiellen Grundlagen zu betrachten. Denn Personenkult hat stets auch eine ökonomische Seite – und im Fall Trump ist diese Seite besonders deutlich und besonders beunruhigend. Gegen den Präsidenten, seine Söhne, seine Schwiegerkinder und seine Tochter Ivanka wurden schwerwiegende Korruptionsvorwürfe erhoben. Die Trump Organization wurde wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Trumps Immobiliengeschäfte, seine fragwürdigen Verbindungen zu ausländischen Geldgebern und die schamlose Vermischung von Staatsamt und privatem Geschäftsinteresse während seiner ersten Amtszeit machten deutlich: Hier regiert jemand nicht für das Land, sondern für seinen Clan.

Wenn Namen zu Marken werden, wenn Aufmerksamkeit in Wert übersetzt wird, dann ist Korruption keine Ausnahme mehr – sie wird zum System. Sichtbarkeit wird zur Währung. Zustimmung wird zum Kapital. Die Antwort auf die Frage „Wer profitiert hier eigentlich wovon?“ ist erschreckend eindeutig: eine Familie, die politische Macht konsequent zur Vermehrung privaten Reichtums nutzt. Und der Personenkult leistet dabei wertvolle Dienste: Er immunisiert gegen Kritik, er rahmt Korruptionsvorwürfe als „politische Verfolgung“ um und bindet die Loyalität der Anhänger nicht an Werte, sondern an eine Person. Ermittlungen werden als Hexenjagd bezeichnet. Zeugen werden diskreditiert. Und die Masse jubelt.

Wenn Demokratie zur Kulisse wird

Es wäre zu einfach, das nur als Auswuchs einer einzelnen politischen Richtung zu betrachten. Die Mechanismen dahinter sind universell – Medienlogik, soziale Netzwerke, das menschliche Bedürfnis nach klaren Figuren in einer unübersichtlichen Welt. Der Mensch sucht Orientierung. Und oft findet er sie leichter in Personen als in komplexen Programmen. Das ist verständlich. Aber es ist auch gefährlich.

Denn wo Politik zur Projektionsfläche wird, verliert sie an Bodenhaftung. Kritik wird persönlich genommen. Widerspruch wirkt wie Verrat. Und der Raum für das, was Demokratie eigentlich ausmacht – den offenen Streit um die bessere Lösung – wird systematisch verengt. Schlimmer noch: Wenn Korruption im Schutzmantel des Kultes operiert, verlieren demokratische Kontrollmechanismen ihre Wirksamkeit. Was bleibt, ist die Kulisse einer Demokratie – mit einem Herrscher, der vor allem sich selbst regiert.

Vielleicht ist das der Punkt, an dem wir innehalten sollten. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit einem klaren Blick. Wie viel Nähe verträgt Politik? Wie viel Distanz braucht sie? Und wann kippt Unterstützung in blinde Gefolgschaft – die Mächtigen erlaubt, ungestraft zu tun, was sie wollen?

Die Antworten darauf sind nicht einfach. Aber die Fragen zu stellen, ist ein Anfang und für viele Amis irgendwie vollkommen überfällig.

„The Machine“ weiß alles – und das schon seit 2011: Was „Person of Interest“ über KI und Überwachung lehrt

20. April 2026

Es gibt Serien, die ihrer Zeit so weit voraus sind, dass man sie erst Jahre später wirklich versteht. „Person of Interest“ ist eine davon.

Inhalt

Die US-amerikanische Krimi-Science-Fiction-Serie, geschaffen vom britischen Drehbuchautor Jonathan Nolan, lief in den USA erstmals ab dem 22. September 2011 auf CBS – und kam in Deutschland bereits ab dem 14. August 2012 beim Pay-TV-Sender RTL Crime sowie ab dem 13. September 2012 im Free-TV bei RTL zur Erstausstrahlung. Damals war von einem „KI-Boom“ noch keine Rede. ChatGPT existierte nicht, große Sprachmodelle waren Forschungsobjekte, und wer öffentlich über allwissende Algorithmen sprach, galt schnell als Fantast. Umso bemerkenswerter ist, was Nolan da auf den Bildschirm gebracht hatte.

ueberwachungsstaat big brother dystopie 1984
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Die Prämisse: Gut gemeint ist nicht gut gemacht

Im Mittelpunkt steht Harold Finch, gespielt von Michael Emerson, ein zurückgezogen lebender Milliardär und Softwareentwickler, der nach den Anschlägen des 11. September im Auftrag der US-Regierung eine Überwachungs-KI namens „The Machine“ entwickelt. Sie überwacht rund um die Uhr die gesamte Bevölkerung – Telefonate, Kameras, Internet – und prognostiziert Verbrechen, bevor sie geschehen. Klingt nach „Minority Report“, ist aber erschreckend nahe an der Realität: Nutzer und Kritiker bemerkten früh, dass die Serie „relativ realistisch“ sei und „technisch machbare Szenarien“ zeige – ja, dass die NSA oder der BND womöglich bereits an ähnlichen Systemen arbeiteten. In China existieren ähnliche Systeme bereits und werden (natürlich) auch angewendet.

Der Ex-CIA-Agent und Einzelkämpfer John Reese (Jim Caviezel) ist Finchs ausführendes Organ: Er erhält von der Maschine eine Sozialversicherungsnummer – mehr nicht – und muss dann herausfinden, ob die betreffende Person Täter oder Opfer ist.

Begeisterung zuerst – Zweifel danach

Was mich an der Serie so fesselt: Sie startet ohne erhobenen Zeigefinger. Der Zuschauer erlebt zunächst den Reiz des Systems. Verbrechen werden verhindert, Leben gerettet, Unschuldige geschützt. Finch wirkt wie ein philanthropischer Tüftler, Reese wie ein Held mit dunkler Vergangenheit. Die Maschine erscheint als mächtiges Werkzeug des Guten.

Doch je länger die Serie läuft, desto mehr stellt Finch – der Erfinder selbst – die Sinnfrage. Er hat der Maschine absichtlich Grenzen gesetzt, ihr eine Art Amnesie einprogrammiert, damit kein Mensch dauerhaft in ihren Händen liegt. Das ist kein technisches Detail, das ist ein Gewissensbekenntnis. ProSieben beschrieb es treffend: Die Maschine erinnert „ein bisschen an George Orwells ‚Big Brother‘ aus ‚1984‘. Und die Frankfurter Rundschau lobte die Serie dafür, „eindrucksvolle Kritik an der Fetischisierung der Digitalisierung“ zu üben und „eine tiefgründige philosophische Diskussion über Identität und freien Willen“ zu führen.

Samaritan: Das böse Spiegelbild

Der eigentliche Wendepunkt kommt, als mit „Samaritan“ ein zweites, konkurrierendes KI-System auftaucht – ohne Skrupel, ohne einprogrammierte Zurückhaltung, im Dienst einer Machtelite. Plötzlich zeigt die Serie in aller Schärfe, was passiert, wenn eine solche Technologie in die falschen Hände gerät oder gar keiner menschlichen Kontrolle mehr unterliegt. Der orwellsche Subtext, der vorher unterschwellig mitschwang, tritt in den Vordergrund.

Und dann kommt die vielleicht dunkelste Botschaft: Auch der Widerstand gegen Samaritan – das Team um Finch und Reese – greift zu immer radikaleren Mitteln. Die Maschinenhaftigkeit des Gegners infiziert gleichsam die Menschlichkeit der Guten. Gewalt wird mit Gewalt beantwortet, moralische Grenzen verschwimmen. Die Serie stellt damit eine Frage, die heute aktueller ist denn je: Rechtfertigt ein gutes Ziel den Einsatz von Technologien, die ihrer Natur nach enthemmen?

Prophetisch und unterschätzt

Filmstarts.de brachte es 2026 – als die Serie auf Netflix neu startete – auf den Punkt: „Person of Interest“ wirke „2026 aktueller denn je“. Das ist kein Zufall. Jonathan Nolan hat nicht einfach eine spannende Action-Serie gebaut, er hat ein Modell entworfen, das die Debatten um Massenüberwachung (Stichwort: Snowden-Enthüllungen, die zeitgleich zur Serie liefen), KI-Ethik und die Kontrolle über autonom agierende Systeme vorwegnahm oder jedenfalls unterstrich.

„Person of Interest“ hatte bei RTL in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen übrigens mehr als 14 Prozent Marktanteil – ein echter Publikumshit also, der trotzdem nie den Stellenwert bekam, den er als gesellschaftspolitisches Werk verdient hätte.

Wer die Serie noch nicht gesehen hat oder sie neu entdecken möchte: Sie ist derzeit bei Netflix verfügbar – und fühlt sich an wie ein Drehbuch für unsere Gegenwart, geschrieben vor über einem Jahrzehnt.

Kein neues Auto mit 72

19. April 2026

Über 10 Jahre bin ich Rentenempfänger und habe deshalb noch immer kein schlechtes Gewissen. Manchmal denkt man ja, man müsse dieses haben, wenn man bestimmten Argumenten (z. B. der Jungen Union) folgen möchte. Keine Angst, jetzt geht’s gerade mal nicht um Politik.

Als ich 2015 in Rente ging hatte mein Auto einen Kilometerstand von ca. 145.000 km. Den Diesel hatten wir uns geleistet, weil ich 2007 einen Job in 150 km Entfernung angenommen hatte. Damals war das keine schlechte Entscheidung. Ich meine das mit dem Diesel.

Das Auto habe ich immer noch. Es steht größtenteils in der Garage. Der Kilometerstand beträgt aktuell ca. 184.000, also bin ich ungefähr 39.000 km in ca. 10 Jahren gefahren. Ich dachte eigentlich, es wären viel weniger Kilometer gewesen.

Ich hatte nie ein Faible fürs Fahren. Eher würde ich sagen, Autos und Fahren waren ausschließlich pragmatisch begründet. Von a nach b — ihr wisst schon.

Wir haben häufiger überlegt, das Auto zu verkaufen. Finanziell würde das nichts bringen. Außerdem würde ich nie auf die Idee kommen, mir noch einmal ein neues Auto zu kaufen. Vielleicht ja ein gebrauchtes E-Auto? Ich möchte lieber abwarten. Gewinnbringend wird das nicht sein. Streng genommen brauche ich kein Auto mehr.

Kürzlich haben meine Frau und ich darüber nachgedacht, noch einmal in die Schweiz zu reisen (Sigriswil am Thunersee wäre – wie schon so oft in unserem gemeinsamen Leben – unser Wunschziel). Mit dem Zug nach Thun, dann einen Leihwagen mieten, um das ca. 20 km entfernt liegende Dorf zu erreichen und von dort aus, ein paar Ausflüge unternehmen zu können. Nun — es ist wenig überraschend. Aber diese Destination kostet. Schweiz halt.

Ich sehe nicht, dass diese Reise so bald Realität werden könnte. Eher verkaufe ich wahrscheinlich meinen in die Jahre gekommenen alten Škoda Octavia RS. Er hat mir übrigens gute Dienste geleistet. Ein wenig hänge ich an ihm. Ausnahmen bestätigen immer die Regel.

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