Zwischen Obama und Trump: Ein Riss, der durch den Westen geht

3. April 2026
4 Min.

Ein Blick zurück auf Obama, ein Blick in die Gegenwart – und die Frage, wie die Allianz zwischen Trump und Netanjahu den Westen verändert hat. Ein kritischer Text über Macht, Verantwortung und die leise Hoffnung, dass politische Kultur sich erneuern kann.

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Ein Video, ein Gesicht, ein Moment – und plötzlich ist sie wieder da, diese alte Gewissheit: Politik kann Würde haben.

Trump, Netanjahu und Musk - Die neue Elite
Trump, Netanjahu und Musk – die neue „Elite“

Wer Barack Obama zuhört oder zusieht, spürt sofort den Unterschied. Da ist Haltung, da ist Maß, da ist dieses seltene Talent, Macht nicht nur zu besitzen, sondern zu begreifen. Und dann drängt sich die Frage auf wie ein ungebetener Gast: Wie konnte das alles so kippen?

Inhalt

Der Bruch kam nicht über Nacht. Aber mit Donald Trump wurde er sichtbar, greifbar, fast grell. Plötzlich war da nicht mehr das Ringen um Argumente, sondern das Spiel mit Instinkten. Laut, rücksichtslos, oft bewusst verletzend.

Und mittendrin eine Verbindung, die mehr ist als nur politisches Kalkül.

Die stille Allianz

Wenn man auf das Verhältnis zwischen Benjamin Netanjahu und Trump schaut, wirkt es wie eine Zweckgemeinschaft zweier Männer, die sich im Spiegel erkennen. Machtbewusstsein ohne große Skrupel. Der Wille, Narrative zu dominieren. Und eine erstaunliche Gleichgültigkeit gegenüber den langfristigen Folgen. Das passt zur Geisteshaltung beider Männer; schlimmere Narzissten hat die Welt vielleicht nie gesehen.

Ihre „Freundschaft“ war nie harmlos. Sie hat politische Linien verschoben, internationale Spielregeln gedehnt und das Vertrauen in westliche Werte beschädigt, vielleicht zerstört. Entscheidungen wurden nicht mehr primär danach bewertet, ob sie tragfähig sind, sondern ob sie nützen – sofort, sichtbar, laut.

Für die Welt hat ihr gnadenlos rücksichtsloses Verhalten einen tektonischen Riss zur Folge.

Was das für den Westen bedeutet

Wir reden hier nicht über diplomatische Feinheiten. Wir reden über den Kern dessen, was den Westen einmal ausgemacht hat: Verlässlichkeit, Rechtsstaatlichkeit, ein Mindestmaß an moralischem Anspruch. Wir müssen nicht darüber grübeln, dass der kanadische Premier Carney in Davos die Finger auf die wunden Punkte so mancher Unzulänglichkeit gelegt hat, denn dass alles viel schlimmer geht, haben Trump und seine Wähler längst bewiesen.

Charakter
Charakter

Wenn politische Führer beginnen, die Grundlagen einer jahrzehntelang funktionierenden Politik als verhandelbar zu betrachten, dann wird daraus ein vulgärer Marktplatz. Und auf diesem Marktplatz gewinnt nicht der Klügere, sondern der Lautere, leider auch auf die realen Verhältnisse bezogen, der militärisch Stärkste.

Die Folgen? Schwer messbar, aber spürbar.

Allianzen werden brüchig. Vertrauen verdunstet. Und plötzlich steht man da und fragt sich, ob das, was einmal selbstverständlich war, überhaupt noch trägt und ob sich das in der Zukunft wieder „normalisieren“ könnte. Die eigentliche Gefahr liegt nicht im einzelnen Akteur, sondern in der Normalisierung seiner Worte und Taten. Wenn wir uns daran gewöhnen, dass Macht ohne Maß ausgeübt wird, dann verschiebt sich der Maßstab komplett.

Genau das ist passiert.

Warum Hoffnung kein naiver Reflex ist

Und trotzdem – und das ist kein billiger Trost – ist diese Geschichte nicht zu Ende.

Politische Kultur ist kein starres Gebilde. Sie lebt davon, dass Menschen sie tragen. Und sie kann sich verändern, auch zurück in eine Richtung, die viele Menschen vielleicht schon verloren glaubten.

Die Erinnerung an Figuren wie Obama ist dabei mehr als Nostalgie. Sie ist ein Maßstab. Ein stiller Widerspruch gegen das, was wir heute oft erleben. Auch Obama hat Fehler gemacht. Das müssten wir jedem zubilligen, auch den Mächtigsten.

Wichtig ist, dass wir ja wissen, wie es auch gehen kann. Vielleicht ist das die eigentliche Hoffnung: dass wir in ein paar Jahren nicht bei null anfangen müssen. Dass es noch Bilder, Worte und Erfahrungen gibt, an denen wir uns orientieren können. Und dass sich eines Tages wieder mehr Menschen danach sehnen als nach dem nächsten lauten Auftritt.

Die Frage bleibt offen. Aber sie ist nicht hoffnungslos.

Vielleicht ist das „Karma“, von dem wir sprechen, am Ende nichts anderes als eine Einladung: innezuhalten, neu zu justieren – und den Takt wiederzufinden, den wir einmal hatten. Trump mag in seinem Refugium daran feilen, seine Amtszeit auf welchen Wegen auch immer auszuweiten. Die Natur und das Pendel der Erfahrung werden ihm diesbezüglich einen Streich spielen.

Es geht nicht nur um die Sicherheit Europas. Manche tun allerdings so.

Außerdem haben Trumps öffentliche Zweifel an der Nato deren Glaubwürdigkeit längst ausgehöhlt, wie Macron richtigerweise anmerkt. Amerika ist kein verlässlicher Freund mehr. So reizvoll es also klingen mag, dass Trump hinter dem Mond verschwindet: Auch die transatlantische Entfremdung hat eine Schattenseite. Die Europäer müssen sich um ihre Sicherheit endlich selbst kümmern.

Süddeutsche Zeitung ($)
Horst Schulte
Horst Schulte
@HorstSchulte@horstschulte.com

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt (aus Liebe) auf dem Land.

6 Kommentare zu „Zwischen Obama und Trump: Ein Riss, der durch den Westen geht“

  1. Dein Blog besteht mittlerweile nur noch aus KI, was? Diese gruseligen Bilder, die seichten, schlau klingenden, aber doch immer geistlosen Texte. Schlimm.

  2. Das ist sooo schade. Früher, als du deine Texte noch selbst geschrieben hast, habe ich dein Blog sehr gerne gelesen. Aber mittlerweile ist dem Blog die Seele abhanden gekommen. Deine Texte klingen nicht mehr „echt“. 😪

  3. Diesen goldenen Westen habe ich so nicht erlebt. Ich habe mich da immer gefragt, wie man sich das so zurechtlegen kann.
    Bei aller wichtigen Träumerei sollte man noch die Realität im Blick haben.
    Ob es wohl schon Leute gibt, die meinen, dass der Mauerfall auf die Amis geht?

  4. Inhalt Die Diagnose ist klar, fast schon brutal: Die Weltpolitik hat ihren Modus gewechselt. Ohne Eskalation (in Worten wie in Taten) scheint es nicht zu…

  5. Man muss kein Genie sein, um zu spüren, wie sehr sich alles verschoben hat. Nicht mit einem Knall. Es mutet sich vielmehr an wie ein…

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