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Der Brief kam morgens
Eigentlich war’s ein ruhiger Tag. Es gibt solche die beginnen mit Post. Nicht mit einer Ansichtskarte, nicht mit einem vergessenen Päckchen – sondern mit einem Brief, der höflich, sachlich und unerbittlich mitteilt: Ihre Miete steigt. Die Mieterhöhung flattert ins Haus wie ein gut gekleideter Bote des Unvermeidlichen, der sich nicht einmal entschuldigt. Man liest. Man liest nochmal. Dann legt man den Brief auf den Tisch und fragt sich, was Würde wohl kostet. Ich frage für andere. Wir haben Glück (noch) — mit zwei Renten.
Mehr als man hat, offenbar. Wie machtlos wir sind. Trotz Mieterschutzbund und all den Unterstützerkreisen, die letztlich nicht helfen. Auch nicht bei einer Kündigung wegen Eigenbedarf. Alles schon erlebt und nicht nur wir.
Vorher noch der Friseur
Dabei hatte der Tag schon früh mit einer kleinen Kapitulation begonnen. 23 Euro für einen Trockenhaarschnitt – ohne Waschen. Früher gab es das mit, aber das wurde zu teuer. Man passt sich an, nennt es Pragmatismus und versucht zu vergessen, dass es in Wirklichkeit stille Rationierung ist. Haare trockenschneiden, Mieterhöhung schlucken: Das ist das neue Haushaltsmanagement eines Rentners, der nicht jammern will – aber die Zahlen kennt. Tanken (20 l für 41 EUR.) Bei 20 l habe ich den festen Griff an am Einfüllstutzen schnell losgelassen. Schön, dass wir Rentner sind und kaum noch fahren.
Die einzig logische Antwort
Also: Eis. Nicht irgendein Stieleis aus der Tiefkühltruhe, sondern ein richtiges Hörnchen. Zwei Bällchen, Sahne drauf, Waffel knusprig. 8,40 Euro. Kein luxuriöser Konsum – eher eine Art Verzweiflungshaltung. Die Mieterhöhung und das Eis gehören jetzt zusammen wie Angebot und Nachfrage, wie Ursache und köstliche, aber teure Wirkung.
Wer hält uns noch auf?
Die Politik schreibt Koalitionsverträge. Die Wirtschaft schreibt Rechnungen. Der Vermieter schreibt Mieterhöhungen. Der Friseur wäscht nur noch gegen Aufpreis. Und der Rentner auf dem Land schreibt einen Blogbeitrag – seit 2004 schon – und beobachtet, wie sich das Bezahlbare still verabschiedet, Posten für Posten, Brief für Brief.
Das Hörnchen hielt bis zur letzten Kugel durch. Von anderen Strukturen dieser Gesellschaft lässt sich das nicht immer behaupten.
Ab wann hört man eigentlich auf, sich anzupassen – und fängt an, laut zu werden?

Stichwort Wohnen:
Wegen der steigenden Mieten sind wir nochmal – alle Rücklagen zusammengekratzt – gerade noch rechtzeitig bevor die Banken an „Hochbetagte“ keine Hypotheken mehr vergeben – Hausbesitzer geworden.
Der Einsatz hat sich gelohnt: Vorher 1.200€ Miete – jetzt 750€ Hypothekenzahlung, unkündbar und selbstbestimmt was die Versorger angeht.
Der Spielraum hat alle Reserven aufgezehrt, die sich nun durch die Ersparnis langsam wieder füllen, inklusive einer teilfinanzierten Solaranlage …. (nur so als Tip bevor es wegen des Alters zu spät für eine Finanzierung ist).
Stichwort Eis:
Das Mövenpick Eis {pro Packung 3.99€} ist zwar sehr teuer aber es lohnt sich, denn die möglichen Variationen sollten jeden Geschmack zu treffen in der Lage sein. Wir leisten uns daraus 2x vier oder fünf Kugeln in ein Schälchen …. wenn das unser Doktor wüßte, ‚das Herz tät‘ ihm im Leibe zerspringen‘
Stichwort Gebäck:
Ich weigere mich für ein Ochsenauge 3,10€ oder für eine Rosinenschnecke 2,80€ zu bezahlen …. da sollen Andere dem Bäcker die Yacht auf Ibiza bezahlen.
@Wolfgang v. Sulecki: Das war eine gute Entscheidung, wenn man größere Rücklagen bilden konnte. Das ist nur leider absolut der Normalfall, glaube ich. Wir haben uns über unser langes Berufsleben nie ernsthaft mit der Frage nach Wohneigentum befasst. Typisches Mietervolk also. Auch unsere Eltern kam ohne Wohneigentum über die Runden. Oder wars anderes herum? 🙂
Stimmt, Mövenpick ist sehr lecker. Aber das Eis, obwohl wirklich teuer, war auch sooo legger. Man muss ja nicht gleich auf alles verzichten.
Unser Bäcker (ein echter Handwerker) nimmt für ein mittleres Brot über 5 Euro. Das haut rein. Aber auch da gilt, dass wir an der Stelle lieber nicht sparen. Nun. Meckern darf man.
Hallo Horst,
darf man fragen wie hoch in % die Erhöhung war? Wann war die letzte? Da gibt es ein paar Regeln an die sich auch Vermieter halten müssen…… Sollte man gut prüfen und nicht sofort akzeptieren. VG und schönes Wochenende.
@Willi: Die Erhöhung beträgt 10 % und orientierte sich am Mietspiegel der Stadt. Wir hatten lange keine Erhöhung. Es war nur wieder so ein Tag (gestern), an dem wir die insgesamt rapide steigenden Kosten für die Lebenshaltung ziemlich drüber fanden und wir uns fragten, was solche Entwicklungen für diejenigen bedeuten, die nur wenig „Luft“ haben.
Die Preise gehen mächtig durch die Decke, stimmt schon, sehe ich jede Woche beim Einkauf. Was mich neu nervt, sind die Preissprünge an der Tankstelle. Von 1, 78 l /Diesel zu 2,20 l ist alles drin. Ich kenne übrigens keine Tankstelle in meiner Gegend, die sich an die Umstellung nur einmal am Tag halten. Die Tankstellen haben das nur genutzt, um legitimiert, bzw. begründet pünktlich um 12 Uhr die Preise extrem anzuheben. Wir wollen nicht klagen, aber das riesige Eis hätte ich jetzt auch gerne. 😀
@Peter Lohren: Manchmal kann man regelrecht mit der Angst zu tun kriegen und man fragt sich, was eigentlich gegen Inflation helfen könnte. Die hohen Staatskredite wohl nicht. Unabhängig davon steht die Frage im Raum, welches Klientel sich da zu unseren Ungunsten bereichert und ob Übergewinne nicht doch (im Gegensatz zur Meinung mancher Sachverständigen) ermittelbar wären. Politisch jedenfalls.
Hallo Horst,
ist das Artikelbild durch die AI-Funktionen des neuen Wordpress 7 komponiert worden?
Grüße,
Jan
@Jan: Ich habe ein Bild von mir genommen und einen Prompt in der ChatGPT-App erstellt. Bisher nutze ich die integrierte KI noch nicht. Werde ich aber sicher ausprobieren. 🙂 der Pullover passt irgendwie nicht ins „Ambiente“. War gestern wieder über 30 Grad.