„Framing!“ – Wie die AfD aus einem Fachbegriff eine politische Nebelkerze gemacht hat

8. Juli 2026
5 Min.

Der Begriff „Framing“ stammt aus der Sprachwissenschaft. Heute dient er der AfD häufig dazu, kritische Fragen als Manipulation abzutun. Doch nicht jede unbequeme Einordnung ist Framing. Wer Fakten zu bloßer Sprachlenkung erklärt, lenkt oft nur von den eigentlichen Antworten ab.

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Ein wissenschaftlicher Begriff wird zur politischen Waffe

„Das ist Framing!“

Kaum ein Interview mit Alice Weidel im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vergeht inzwischen ohne diesen Vorwurf. Ob bei Dunja Hayali oder in anderen Gesprächsformaten: Kritische Fragen werden häufig nicht beantwortet, sondern zunächst als angeblich manipulative Sprachlenkung zurückgewiesen. Der Begriff hat sich zu einem rhetorischen Schutzschild entwickelt.

Dabei stammt „Framing“ ursprünglich aus der Sprachwissenschaft und beschreibt etwas völlig anderes.

Sprache beeinflusst unser Denken

Dass Sprache unser Denken beeinflusst, ist gut belegt. Ein bekanntes Beispiel ist die australische Sprachgemeinschaft der Kuuk Thaayorre. Dort orientieren sich Menschen nicht mit „links“ und „rechts“, sondern mit Himmelsrichtungen. Schon Kinder wissen deshalb erstaunlich genau, wo Norden oder Südwesten liegen. Sprache beeinflusst also, worauf wir achten und wie wir die Welt strukturieren. Sie bestimmt unser Denken nicht vollständig, sie prägt es aber. ⁠

Genau darum geht es beim Framing: Wörter erzeugen Deutungsrahmen. Das geschieht ständig – in Politik, Werbung, Medien und auch im Alltag.

Das ARD-Manual machte den Begriff berühmt

2019 geriet das sogenannte Framing-Manual der ARD in die Schlagzeilen. Die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling hatte ein internes Papier erstellt, das Kommunikationsstrategien für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk beschrieb.

Das Manual wurde heftig kritisiert. Manche warfen der ARD vor, Sprache gezielt zur Beeinflussung des Publikums einsetzen zu wollen. Andere hielten die wissenschaftlichen Annahmen für überzogen. Entscheidend ist jedoch: Es handelte sich weder um eine journalistische Dienstanweisung noch um den Beleg dafür, dass die ARD ihre Berichterstattung systematisch manipuliert. (Wikipedia)

Trotzdem blieb vor allem ein Wort hängen: Framing.

Die AfD nutzt den Begriff strategisch

Genau hier setzt die Kommunikationsstrategie der AfD an.

Im jüngsten ZDF-Interview mit Dunja Hayali warf Alice Weidel der Moderatorin mehrfach vor, sie betreibe „Framing“. Anlass war unter anderem die Frage, wie durchsetzungsfähig Weidel tatsächlich sei, nachdem AfD-Politiker Kontakte zur Identitären Bewegung pflegten – obwohl diese auf der parteiinternen Unvereinbarkeitsliste steht. Statt auf die Frage einzugehen, erklärte Weidel die Fragestellung selbst zum Problem. (Süddeutsche.de⁠)

Das ist kommunikativ geschickt.

Denn wer behauptet, schon die Frage sei manipulativ, muss ihren Inhalt nicht mehr beantworten.

Kritik ist nicht automatisch Framing

Natürlich setzen auch Journalisten Deutungsrahmen. Schon die Auswahl von Themen oder die Reihenfolge von Informationen beeinflussen die Wahrnehmung. Das lässt sich gar nicht vermeiden.

Der entscheidende Unterschied liegt woanders.

Beruhen Einordnung und Fragen auf überprüfbaren Tatsachen, handelt es sich um legitimen Journalismus. Werden dagegen Begriffe bewusst eingesetzt, um Sachverhalte zu verzerren oder Emotionen gezielt auszunutzen, spricht man eher von problematischem Framing.

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Genau diese Unterscheidung verwischt die AfD immer häufiger.

Das eigentliche Framing

Die Ironie besteht darin, dass ausgerechnet der Vorwurf des Framings inzwischen selbst zu einem Frame geworden ist.

Wer ihn erhebt, suggeriert dem Publikum, kritische Fragen seien keine journalistische Pflicht mehr, sondern Ausdruck politischer Manipulation. Aus überprüfbaren Tatsachen werden plötzlich bloße Meinungen. Aus Einordnung wird angebliche Propaganda.

So wird ein wissenschaftlicher Fachbegriff zu einem politischen Kampfbegriff.

Vielleicht ist genau das das erfolgreichste Framing unserer Zeit.

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Solchen furchtbaren Blödsinn verzapft Weidel. Wie gut, dass die Journalistin, Lena Mosel, ihr die Stirn bietet:

Weidel zur Moderatorin, die die Kosten der Atomenergie angesprochen hatte:

„Also das senkt ja die Energiekosten nicht. Nein, das ist absoluter Unsinn, was Sie erzählen, das muss ich Ihnen leider sagen. Wir wollen zurück zur Kernkraft und wir wollen fossile Energieträger, vor allem Erdgas aus Russland, wiederhaben, und wir werden das EEG abschaffen. Diese Energiewende in Deutschland führt ins Nichts und ruiniert uns und führt zu einer Deindustrialisierung. Wissen Sie eigentlich, wie viele Arbeitsplätze in Deutschland verloren gegangen sind? Das war innerhalb von einem Jahreszeitraum war das eine halbe Million. Und das heißt und zeigt ganz klar auf, dass wir zu teuer sind und wir hier Fehlentwicklungen politikseitig haben, die wir nicht weiter tragen können.“

Die Moderatorin bleibt bei ihrer Argumentation, dass der Wiedereinstieg in die Kernkraft teuer sei, und führt konkrete Beispiele für steigende Projektkosten an.

Ihre Erwiderung lautet wie folgt:

„Ganz kurz: Das ist kein Unsinn. In Großbritannien Hinkley Point C: 13 Jahre später, von 21 auf 55 Milliarden. Flamanville in Frankreich, auch 20 Milliarden teurer. Also Deutschland, ja oder nein: Kriegen wir die Energiepreise mit solchen Zahlen, indem wir auf Atomkraft setzen, kriegen wir die wieder runter?“

Sie ergänzt zudem die Frage, ob man die Westverbände der AfD überzeugen könne, wenn man sich gegenüber Russland öffnet.

Ich frage mich, ob es noch überhaupt noch blöder geht. In diesem Beitrag spricht Weidel immerhin mal nicht von angeblichem Framing.

Dieser Text wurde teilweise mit KI erstellt.
Horst Schulte
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@HorstSchulte@horstschulte.com

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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