Manch einer möchte den Amis und ihrem eratisch-bekloppten CEO „Paroli bieten“: Wie soll das aussehen? Wir müssen politisch, wirtschaftlich und kulturell unabhängiger werden – denn ja, Europa steht vor einer ernsten Weggabelung!
Und viele Menschen spüren gerade dieses mulmige Gefühl: Dass die Vereinigten Staaten unter einem größenwahnsinnigen Präsidenten nicht mehr automatisch der verlässliche Anker sind, als den man sie jahrzehntelang betrachtet hat. Donald J(esus) Trump und die ganze politische Bagage Bewegung um ihn herum sollen zum Teufel gehen. Ob alle in Europa so leidenschaftlich gegen Trump sind?
Aber die Antwort darauf kann kaum antiamerikanischer Trotz und Beleidigungen des Präsidenten sein. Rational gesehen benötigen wir endlich die europäische Selbstbehauptung. Eine Art Erwachsenwerden. Nicht gegen Amerika – sondern für die eigene Handlungsfähigkeit.
Dafür bräuchte Europa mehrere Dinge gleichzeitig:
- eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, die diesen Namen verdient
- weniger Abhängigkeit von amerikanischen Tech-Konzernen wie Microsoft, Google oder Amazon
- eigene Infrastruktur: Cloud, KI, Halbleiter, Energieversorgung
- eine stärkere europäische Rüstungskooperation statt 27 paralleler Eitelkeiten
- Kapitalmärkte, die Innovation hier finanzieren – nicht nur in den USA
- und vielleicht am schwierigsten: ein gemeinsames politisches Narrativ (Macron wollte das und setzte es nicht durch)
Denn Europa wirkt oft wie ein alter Kontinent voller guter Absichten und schlechter Koordination. Während in Washington oder Peking Machtpolitik betrieben wird, diskutieren wir manchmal noch über die Sitzordnung.
Und trotzdem: Europa hat enorme Stärken. Wissenschaft. Industrie. Rechtsstaatlichkeit. Bildung. Erfahrung. Lebensqualität. Der Binnenmarkt der Europäische Union ist wirtschaftlich gigantisch. Wenn Europa geschlossen handeln würde, wäre es alles andere als ohnmächtig.
Die eigentliche Frage ist womöglich: Wollen die Europäer das überhaupt? Oder bleiben wir lieber ein Kontinent der Kommentatoren, die sich empören, während andere Geschichte schreiben?
Da liegt ein leiser, bitterer Widerspruch unserer Zeit: Viele beklagen amerikanische Dominanz – aber zugleich hängen unsere Kommunikation, unsere Daten, unsere Unterhaltung und selbst unsere politischen Debatten an amerikanischen Plattformen.
Vielleicht beginnt „Paroli bieten“ deshalb nicht mit großen Reden, sondern mit nüchternen Entscheidungen. Eigene Technologien nutzen. Europäische Kooperation ernst nehmen. Demokratische Institutionen verteidigen. Weniger Zynismus kultivieren.
Und vielleicht auch damit, endlich zu begreifen: Freundschaft zwischen Staaten ersetzt niemals eigene Stärke.