Über 10 Jahre bin ich Rentenempfänger und habe deshalb noch immer kein schlechtes Gewissen. Manchmal denkt man ja, man müsse dieses haben, wenn man bestimmten Argumenten (z. B. der Jungen Union) folgen möchte. Keine Angst, jetzt geht’s gerade mal nicht um Politik.
Als ich 2015 in Rente ging hatte mein Auto einen Kilometerstand von ca. 145.000 km. Den Diesel hatten wir uns geleistet, weil ich 2007 einen Job in 150 km Entfernung angenommen hatte. Damals war das keine schlechte Entscheidung. Ich meine das mit dem Diesel.
Das Auto habe ich immer noch. Es steht größtenteils in der Garage. Der Kilometerstand beträgt aktuell ca. 184.000, also bin ich ungefähr 39.000 km in ca. 10 Jahren gefahren. Ich dachte eigentlich, es wären viel weniger Kilometer gewesen.

Ich hatte nie ein Faible fürs Fahren. Eher würde ich sagen, Autos und Fahren waren ausschließlich pragmatisch begründet. Von a nach b — ihr wisst schon.
Wir haben häufiger überlegt, das Auto zu verkaufen. Finanziell würde das nichts bringen. Außerdem würde ich nie auf die Idee kommen, mir noch einmal ein neues Auto zu kaufen. Vielleicht ja ein gebrauchtes E-Auto? Ich möchte lieber abwarten. Gewinnbringend wird das nicht sein. Streng genommen brauche ich kein Auto mehr.

Kürzlich haben meine Frau und ich darüber nachgedacht, noch einmal in die Schweiz zu reisen (Sigriswil am Thunersee wäre – wie schon so oft in unserem gemeinsamen Leben – unser Wunschziel). Mit dem Zug nach Thun, dann einen Leihwagen mieten, um das ca. 20 km entfernt liegende Dorf zu erreichen und von dort aus, ein paar Ausflüge unternehmen zu können. Nun — es ist wenig überraschend. Aber diese Destination kostet. Schweiz halt.
Ich sehe nicht, dass diese Reise so bald Realität werden könnte. Eher verkaufe ich wahrscheinlich meinen in die Jahre gekommenen alten Škoda Octavia RS. Er hat mir übrigens gute Dienste geleistet. Ein wenig hänge ich an ihm. Ausnahmen bestätigen immer die Regel.
Ich habe Ende 2022 meinen damals 23 Jahre alten Fiat Punto „zu seinen Ahnen“ geschickt, mit nicht einmal 80.000 Km. Die beiden letzten Jahre zwischen den HUs war ich gerade mal 2.500 Km gefahren. Das heißt, ich habe Steuer und Versicherung plus Anwohnerparkgebühr für ein Steh-Zeug bezahlt. Und für das Bestehen der HU zuzüglich neuer Reifen und Austausch des Zahnriemens hätte ich insgesamt rund 1.400 € aufwenden müssen. Da fiel die Entscheidung, Schluss zu machen, leicht.
Es war auch eine endgültige Entscheidung: Kein Auto mehr. Denn wozu?
Motorradfahren ist seit 2017 meine Sache. Ich habe tatsächlich in den knapp dreieinhalb Jahren kein Auto vermisst.
@Boris: Ich will jetzt nicht mit dem Argument kommen, dass es hier auf dem Land mit dem ÖPNV schwierig ist. Wenn auch was daran ist, man könnte die Dinge anders anpacken. Noch jedenfalls. Wasser kann man sich liefern lassen, zum Doktor könnte ich (noch) mit dem Rad fahren und ebenso Freunde besuchen. Solange sie in unserem Städtchen leben. Aber unbequem ist das doch. Ich erinnere mich: Meine Frau und ich haben beide den Führerschein erst verspätet gemacht und haben unseren Hausstand mit Plastiktragetaschen mit dem Bus aus dem Städtchen nach Hause getragen. Ein größeres Stück mussten wir laufen. Das klapperte insbesondere krass, als wir unsere Töpfe (wie gesagt in Plastiktaschen) nach Hause transportiert haben. Ich werde es nie vergessen. Wer nimmt solche Dinge heutzutage schon freiwillig auf sich?
Einen eigenen Blogartikel wär es wert, die Story zwischem Ende Januar und Anfang April mit meinem Auto zu schreiben: Ständig sprang das Auto nicht an. Batterie ausgewechselt, danach dasselbe Lied. Nun ging das über viele Stationen weiter, bis endlich feststand: Auch die neue Batterie war eine kaputte.
Nun brauche ich das Auto eigentlich nur zum Einkaufen, ansonsten nutze ich die Öffentlichen, wenn es geht. Dennoch war dieses Verwirrspiel mit gleich zwei kaputten Batterien hintereinander schon ärgerlich, wenn nicht sogar tragikkomisch.
Kein normaler Mensch würde sich das sonst aufhalsen. In den USA nähe Detroit stellten die ihre alten Karren einfach aufs Feld, zum Ausschlachten. Das ergab für manche Fotografen treffliche Motive.
@Gerhard: Ich hatte mal ein Auto mit dem ich hochzufrieden war. Leider gab es irgendwas in diesem Auto, das Strom zog. Die Werkstatt hat den Grund nie gefunden. So hatte ich in den wenigen Jahren, die ich dieses Auto gefahren habe, 3 neue Batterien benötigt. Sehr ärgerlich. Die Werkstätten machen manchmal keinen guten Job. Wenn man die Preise für Autos und Reparaturen anschaut, muss man einfach schimpfen.
@Horst Schulte: Da war auch eine Werkstatt dabei, die sich anbot, 5 Tage später drauf zu schauen. Als ich dann dort war, meinte der Besitzer: Dafür sind wir nicht zuständig, evtl müssen wir das Auto überstellen an jemand, der das genau ausmessen kann. Wollen Sie das?
Als ich verständnislos guckte, drückte man mir meinen Schlüssel in die Hand und sagte Tschüss.
@Gerhard: Es gibt wohl bestimmte Dinge, die manche Werkstätten früher aufgrund fehlender Werkzeuge, nicht messen konnten. Ich hab auch schon erlebt, dass mir gesagt wurde: „mit diesem Auto müssen sie in eine VW-Werkstatt“, weil wir die speziellen Werzeuge nicht haben. Heute findet man das, glaube ich, seltener.
Ich hatte bei meinem Punto in den letzten Jahren auch das Problem sich schnell entladender Batterien. Immer dann, wenn ich im Winter mal zwei oder drei Wochen so gut wie nicht gefahren bin.
Der Besitzer der Werkstatt meines Vertrauens riet mir, bei absehbarem längerem Stillstand einfach das Massekabel von der Batterie abzuziehen, weil bei moderneren Autos fast immer irgendwelche elektronischen Bauteile Strom ziehen.
Das habe ich dann getan – mit Erfolg. Der Tipp hat mir mindestens die Kosten für eine Batterie erspart.
@Boris: Das mit dem Abziehen ist keine schlechte Idee. Ich habe mir erst Jahre, nachdem ich das Auto nicht mehr hatte, für mein jetziges, ein Ding auf Empfehlung eines ADAC-Mannes besorgt. Das war gedacht, um die Batterie zu schonen. Gebraucht habe ich es nie. Oder vergessen. Oder so. 🙂