Wie gern würde ich einmal etwas schreiben, das allen gefällt! Ein Gedanke, der vielleicht nicht so selten ist?! Im 23. Jahr meines Bloggens muss ich allerdings langsam einsehen: Das wird wohl nichts mehr. Vermutlich liegt es an den Themen, die hier dominieren. Politik, Gesellschaft, Medien, Klima, Migration, Krieg, das Älterwerden – die ganz leichte Kost habe ich mir nicht gerade ausgesucht. Und wer möchte sich schon freiwillig den Kopf mit den Gedanken eines älteren Herrn vollstopfen, der durch unsere Problemwelt irrt und dabei viele Fragen aber kaum Antworten anbietet?
Vielleicht ist genau das sogar ein Teil des Problems. Im Netz kommen diejenigen oft besser zurecht, die ziemlich genau wissen, was Sache ist. Jedenfalls erwecken sie diesen Eindruck. Klare Schuldige, klare Lösungen, klare Haltung. Zack, fertig. Ich dagegen ertappe mich regelmäßig dabei, einen Gedanken aufzuschreiben und schon im nächsten Absatz einzuschränken. Einerseits, andererseits. Das ist für die persönliche Erkenntnis vielleicht gar nicht schlecht, fürs Geschäft mit der Aufmerksamkeit vermutlich eher hinderlich.
Schreiben, um den eigenen Kopf aufzuräumen
Ich habe immer gesagt, dass ich nicht zuletzt für mich selbst blogge. Das klingt ein bisschen nach der Schutzbehauptung eines Bloggers mit überschaubarer Leserschaft, ist aber trotzdem wahr. Schreiben zwingt mich dazu, Gedanken zu sortieren, die sonst ziemlich ungeordnet im Kopf herumfliegen würden. Manchmal hilft es sogar dabei, das eigene Mütchen zu kühlen. Etwas, über das ich mich morgens noch fürchterlich aufgeregt habe, sieht nach tausend geschriebenen Wörtern gelegentlich schon ein bisschen weniger dramatisch aus. Nicht immer. Aber gelegentlich.
Ich vermute, dass viele Bloggerinnen und Blogger ähnlich angefangen haben und vielleicht auch deshalb so lange dabeibleiben. Man schreibt nicht ausschließlich, weil draußen eine große Leserschaft sehnsüchtig auf den nächsten Beitrag wartet. Man schreibt, weil das Aufschreiben selbst etwas mit einem macht. Aus diffusem Ärger wird ein Gedanke, aus einem Gedanken vielleicht ein Argument und manchmal aus einem Argument sogar die Erkenntnis, dass man vorher ein bisschen zu schnell unterwegs war.
Allerdings frage ich mich inzwischen, ob diese Methode angesichts dessen, was täglich auf uns einprasselt, noch funktioniert. Die Zahl der Probleme scheint schneller zu wachsen als meine Fähigkeit, sie durch ein paar Absätze halbwegs in den Griff zu bekommen. Kaum ist ein Text über das eine Thema fertig, steht das nächste schon mit dem Fuß in der Tür. Ich habe das Gefühl, dass das früher anders war. Es gab kaum Zeiten ohne Probleme, die nicht heftige Debatten nach sich zogen. Auch in der Blogosphäre. Ich habe gern mit Liberalen über gewisse Gegensätze zwischen Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik diskutiert. Auch die Zeiten sind längst vorbei. Ich habe sie friedfertiger in Erinnerung als sie womöglich gewesen sind.
Die Lauten haben es leichter
Hinzu kommt etwas, das mich schon länger beschäftigt. Diejenigen, die sich kräftig in Rage schreiben oder reden, bringen ihre Inhalte offenbar leichter an die Frau und an den Mann. Zuspitzung funktioniert. Empörung funktioniert. Gewissheit funktioniert wahrscheinlich am besten. Wer dagegen Zweifel anmeldet, Einschränkungen macht oder gar zugibt, dass er bei einer Sache selbst nicht so recht weiß, wohin mit sich, hat kommunikativ schon schlechtere Karten. Zumal da andere, vielleicht für die heutige Zeit geeignetere Systeme zur Verfügung stünden. Blogs bleiben eine Randerscheinung.
Natürlich lese und höre ich lieber Menschen, deren Sichtweisen mir einigermaßen nahestehen. Gleichzeitig sehe ich, wie erfolgreich gerade jene Inhalte sind, bei denen mir nach wenigen Minuten der Kamm schwillt. Vielleicht ist das eine der bitteren Pointen unserer Aufmerksamkeitsökonomie: Der Zweifel ist möglicherweise vernünftiger, aber die Gewissheit hat die besseren Klickzahlen.
Und ausgerechnet ich nehme meinen kleinen Blog dabei vermutlich viel zu ernst. Ich schraube am Layout, ändere hier eine Schrift, dort einen Abstand, programmiere irgendeine Funktion, die wahrscheinlich außer mir kaum jemand bemerkt, und freue mich anschließend darüber, dass drei Pixel nun genau dort sitzen, wo sie hingehören. Andere Menschen gehen angeln. Ich optimiere CSS.
Zwölf Jahre Rente – und keinen Tag Urlaub
Seit zwölf Jahren bin ich nun Rentner und klimper meine Texte mit beachtlicher Taktzahl in die Tastatur. Eigentlich wäre das ein guter Zeitpunkt, einmal ein Päuschen einzulegen. Zumal wir – was ich selbst ziemlich unglaublich finde – in all diesen Jahren nicht einen einzigen Tag in Urlaub waren.
Ob sich das wenigstens ökologisch bezahlt macht? Wahrscheinlich eher nicht. Für einen besonders kleinen Fußabdruck bekommt man schließlich keinen Bonus ausgezahlt, und das Klima wird kaum eines Tages bei mir klingeln und sich persönlich bedanken. Vielleicht wäre es also gar keine schlechte Idee, den Rechner einmal Rechner sein zu lassen und ein paar Tage irgendwohin zu verschwinden. Ach, ich sag das immer wieder, aber ich tus einfach nicht. Meine Frau ist mir dabei auch keine Hilfe. Wir sind Stubenhocker ohne diesen intrinsischen Antrieb (ho, ho, ho – wie oft habe ich diesen Begriff zuletzt gelesen?), ohne den es heute scheinbar nicht mehr geht.
Nur kenne ich mich ein bisschen. Vermutlich würde ich spätestens am zweiten Tag darüber nachdenken, ob das Hotel-WLAN reicht, um WordPress aufzurufen. Ich bin schon in den 2000er Jahren in Paguera unruhig durch die Straßen gelaufen, um ein Internetcafé aufzustöbern und die Kommentare für die letzten Beiträge zu lesen. Bekloppt – aber so wars. Und am dritten Tag würde mir irgendein Politiker den Urlaub verderben, weil ich plötzlich das dringende Bedürfnis verspürte, „nur ganz kurz“ etwas dazu aufzuschreiben. Selbst wenn ich davon in der BILD gelesen hatte. Aber die BILD und was ihre „Programmatik” ausmacht, ist heute ja überall.
Was bliebe eigentlich ohne den Blog?
Damit komme ich zu der Frage, die mich tatsächlich beschäftigt: Warum blogge ich weiter, obwohl sich das Interesse auf eine Minileserschaft beschränkt? Eine überzeugende Antwort habe ich nicht. Ruhm ist es jedenfalls nicht, Geld schon gar nicht, und die Hoffnung auf die große journalistische Karriere dürfte mit 72 ebenfalls keine Option sein.
Vielleicht ist es viel banaler. Das Bloggen gibt meinem Tag eine Struktur. Und dabei geht es längst nicht nur ums Schreiben. Es ist diese merkwürdige Mischung aus Denken, Lesen, Schreiben und Technik, die mir offenbar gefällt. Ein Text entsteht, danach wird an WordPress herumgeschraubt, dann funktioniert irgendetwas nicht, anschließend funktioniert es wieder – meistens jedenfalls – und schon sind ein paar Stunden vergangen, ohne dass Langeweile eine Chance gehabt hätte. Oh, klingt das armselig. Aber es gibt vermutlich auch Schlimmeres, sich zu beschäftigen. Oder?
Diese Verbindung würde mir fehlen. Sehr sogar. Denn ein Blog ist nach 23 Jahren nicht mehr bloß eine Website, auf der Texte herumliegen. Er ist Archiv, Werkstatt, Spielplatz und gelegentlich auch eine Art öffentlich geführtes Selbstgespräch. Manchmal ja auch mit tollen Kommentaren, die eventuelle LeserInnen bereichern könnten. Darin stecken Jahre des eigenen Lebens, Ansichten, Irrtümer, Widersprüche und Veränderungen. Manche älteren Texte würde ich heute anders schreiben. Einige vermutlich gar nicht mehr. Aber gerade das gehört dazu.
Vielleicht muss ein Blog deshalb auch gar nicht „erfolgreich“ sein. Das ist ohnehin ein merkwürdiger Maßstab für etwas, das man aus eigenem Antrieb über Jahrzehnte betreibt. Wenn ein paar Menschen regelmäßig vorbeischauen, lesen, widersprechen oder gelegentlich einen Gedanken mitnehmen, ist das möglicherweise schon mehr, als man verlangen kann.
Und was das Schreiben angeht, das allen gefällt: Den Versuch kann ich vermutlich endgültig einstellen. Ein Text, der allen gefällt, wäre wahrscheinlich entweder ein sensationell guter Text – oder einer, in dem überhaupt nichts steht. Also ein KI-Text zum Beispiel, wenn ich denen glauben darf, die sich damit auskennen.
Dann lieber weiter zweifeln.
Und weiterbloggen. Zumindest vorerst.
Du schreibst hier ziemlich viele „vielleichts” und „vermutlich” rein. Raten hilft nicht.
Woran machst Du fest, dass andere erfolgreicher bloggen als Du? An den Kommentaren?
Ich selbst habe eine kleine, aber beständige Kommentierendenschaft und bin dankbar darum. Für diese Leute schreibe ich, auch für die stillen Mitleser. Es lohnt sich.
Das mit dem „erfolgreich bloggen” ist so eine Sache. Das haben wir vor 20 Jahren diskutiert. Und festgestellt, dass sich das nicht lohnt, weil man so angebunden ist, eine gewisse Schlagzahl draufhaben muss, …
@Violine: Die Zahlen kenne ich (halbwegs verlässlich), die Vielleichts und Vermutlich kommen daher, dass ich über die Beweggründe von LeserInnen eigentlich nichts weiß. Wie auch. Ich glaube, es geht heute stärker als früher (vor dem Verschwinden der Google-Suche) um die Community, die sich Blogger erschließen bzw. aufbauen. Da hapert es bei mir ganz klar. Ich kommentiere verhältnismäßig wenig und weiß, dass das einem Erfolg wenig zuträglich ist.
Ich beurteile den Erfolg nach der Anzahl von Kommentaren. Wenn jeder Artikel mehr oder weniger stark kommentiert wird, sagt das etwas aus. Entweder über eine starke Community, vielleicht auch über starke Themen und Texte. Außerdem tauchen erfolgreiche Blogs in den Bloglisten anderer Blogger auf. Sicher gibts noch weitere Kriterien, die mir aber gerade nicht einfallen wollen.
@Horst Schulte: „Ich beurteile den Erfolg nach der Anzahl von Kommentaren.”
Echt? Also ich lese in unterschiedlichsten Blogs mit – wobei die Zahl etwas abgenommen hat -, OHNE zu kommentieren. Manchmal ist das Gelesene ein Denkanstoß, manchmal komisch, manchmal schön. Manchmal lese ich auch an und stelle fest: will ich grade nicht, Thema verfehlt, zuviel KI oder sonstwas.
Verflixt – ganz schön viele „manchmal”…
Ich habe eine Zeitlang auch über einen eigenen Blog nachgedacht, aber vieles schreckte mich ab, ich fürchtete, mit der Technik überkreuz zu stehen oder andere Probleme. Daß wir technisch komplett an den USA hängen, ist ein weiterer Grund.
@Schwarzes_Einhorn: „Über andere Probleme” könnte ich einiges erzählen. Ich wurde 2006/2007 abgemahnt wegen eines Brötchens und später noch einmal. Es muss halt richtig wehtun, bis man begreift. 🙂
Mir geht’s ja nicht anders mit den Kommentaren. Ich lese viele Blogs ohne dort jemals kommentiert zu haben. Wenn allerdings über längere Zeiträume jegliche Kommentierung fehlt, denke ich schon: du musst etwas falsch gemacht haben. Was nützen Hunderte oder Tausende von Aufrufen, wenn der Dialog mit dem Leser nicht funktioniert? Dass ich z.B. in so mancher Debatte auch Fehler gemacht und treue Leser angeblafft habe, ist bestimmt auch kein Erfolgsgarant. Nur wer kann in diesen Zeiten immer ausgeglichen und freundlich bleiben. Mir scheint, das sind immer weniger.
@Horst Schulte: Hier ein interessanter Beitrag zum Thema:
Der stille Tod der Kommentare
Viele Grüße
Fred Lang
@Fred Lang: Vielen Dank.
@Horst Schulte: Es sind gar nicht soo viele Menschen im Internet unterwegs, zumindest nicht so aktiv, dass sie kommentieren würden. Manchmal – selten – bekomme Rückmeldung von solchen Leuten. Eine Freundin etwa, die mehr als 200km von mir wohnt und die ich selten sehe, guckt in meinem Blog immer mal wieder nach, was ich so mache. Ohne zu kommentieren.
Man hinterlässt mit dem Bloggen auf jeden Fall Spuren bei seinen Lesern. Auch wenn sie nicht kommentieren. Sie denken drüber nach.
Lass Dir das Bloggen nicht verdriessen! Als Hobby-Blogger bist Du frei, die Bloggerei so zu gestalten, wie Du das möchtest. Willst Du aber grosse Reichweite generieren, bist Du angebunden und MUSST bloggen, dauernd, in gleicher Qualität, …
@Violine:
Ich versuchs 🙂
@Horst Schulte: War das nicht früher mal der Grundgedanke von Blogs? So eine Art öffentliches Tagebuch – wobei man natürlich überlegen muß, wieviel man preisgibt -, die Kommentare waren nach meinem Eindruck nicht so wichtig. Kann aber sein, daß ich das als nur Mitleser falsch beurteilt habe.
@Schwarzes_Einhorn: Ja, Weblogs waren schlicht als digitale und öffentliche Version eines Tagebuches gedacht. So habe ich es auch in Erinnerung. Kommentare waren nach meiner Erinnerung allerdings immer wichtig und wurden nach und nach doch eher zum zentralen Element des Bloggens. Nun sehen das heute viele anders. Das wird seine Gründe haben.
was ist denn schon erfolgreich bloggen? Mainstream? Ich persönlich bin so den Kommentierenden, die bei mir im Blog: Blablabla hinterlassen etwas gram. Oberflächlichkeit ist so schlimm, jedem recht machen geht nicht. Mein Opa sagte sinngemäß: Allem recht und jedem ruh, fertig ist des Esels Kuh!
Ich mag nicht alles lesen was du schreibst – muss ich nicht. Aber andersherum wird auch ein Schuh draus. Und die Eliteblogger puschen sich gegenseitig …
Liebe Grüße, mach so weiter!
@piri: Was ist eigentlich erfolgreiches Bloggen? Ich glaube, ich weiß, was du meinst, wenn du nicht jenes ganze Blablabla von Reichweite, Klickzahlen und ähnlichem Kram zum Maßstab nimmst.
Einerseits ist es natürlich schön, wenn man einen kurzen, aber positiven Kommentar erhält. Andererseits kann es auch enttäuschend sein, wenn man glaubt, etwas besonders Schönes oder Wichtiges geschrieben zu haben und dann „nur“ ein „Schöner Text“ oder „Danke“ zurückkommt.
Ich kenne Blogger, die sogar mit dem Bloggen aufgehört haben, weil sie genau das irgendwann genervt hat. Natürlich hängt viel davon ab, worüber man überhaupt schreibt. In meinen Texten stecken – auch wenn man das vielleicht nicht immer gleich merkt – oft viele Emotionen. Ich schreibe über Dinge, die mich gerade besonders beschäftigen oder ärgern. Und dann bilde ich mir natürlich ein, dass so ein Artikel doch wenigstens einen Kommentar verdient hätte – möglichst einen zustimmenden. 🙂
Du weißt, was ich meine. Aber manchmal kommt einfach nichts, und ich verstehe bis heute nicht, warum das so ist. Dann wiederum gibt es Texte, in die ich überhaupt keine Erwartungen setze, und ausgerechnet dort gehen verhältnismäßig viele Kommentare ein. Du siehst: Mit SEO habe ich es nicht. Ich verstehe das Internet immer noch nicht und die sozialen Medien noch viel weniger.
Danke für deinen Kommentar. Ich werde wohl noch ein paar Jahre weitermachen. 🙂
Mir geht es auch so wie dir. Das Bloggen, das Herumschrauben am Blog und das Artikel lesen gehört zu meinem Tagesablauf. Ich denke ich habe noch weniger Leser als du. Allerdings ist mir das egal.
@Horst Scheuer: Glaube ich eigentlich nicht. Laut Statify sind es .… Aufrufe. Was auch immer das bedeutet. 🙂 Solange es noch Spaß macht, hindert uns ja nichts.
Eigentlich gibt es für kein Hobby keine rationale Erklärung, es sei denn man ist Hobbyimker. Ansonsten ist die persönlich Freizeitgestaltung weder erklärbar noch können andere (oftmals jedenfalls) etwas damit anfangen. Wenn ich erzähle, dass eines meiner Hobbys die Aquaristik ist, ernte ich meist nur ein:»Aha, interessant.« Das würde mich aber nicht dazu bewegen, das Hobby aufzugeben. So ist das meiner Meinung nach auch mit dem Bloggen. Viele wissen nicht, welche Arbeit oftmals dahinter steckt. Früher habe ich nächtelang vor dem PC gesessen, um meine Seite zu optimieren. Bloggen ist nunmal kein Hobby für die Masse, Pixelschieben auch nicht 😀Da heißt aber nicht, dass es nicht bemerkt wird. Gerade bei dir bin ich immer neugierig und denke oft: Ach guck, Horst hat Schrift/Hintergrund/sonstiges geändert. Aber klar, es ist eine Minderheit, die sich dafür und/oder für die Texte interessieren. Aber was soll’s? Und du bist ja mit deinem Blog schon zu einiger Berühmtheit gelangt, auch wenn du dir das vermutlich etwas anders gewünscht hättest. 😃
@Peter Lohren: Das Hobby Bloggen aufgeben? Ganz früher ™ habe ich Konsolenspiele geliebt. Das ist lange her (Ende 70er Jahre, Anfang 80er Jahre), dann hat mit Programmieren fasziniert (Basic). Dann habe ich meine ersten Websites gebaut (HTML, später Joomla). Danach erst kam ich zum Bloggen. Diese Ausfallschritte, die eher Häme als Ruhm einbrachten, haben mir nicht gefallen, trotzdem bin ich immer noch dabei. Vermutlich stimmt etwas grundsätzlich nicht mit mir. 🙂
Was hindert dich daran, dir ein zusätzliches Hobby zu suchen oder mal in Urlaub zu fahren?
@SuMu: nix.
Also dieser Artikel hat doch immerhin viel Resonanz! Eben weil er sehr persönlich ist, nehme ich an – wogegen das Abhandelnd eines aktuellen Problems mit Für und Wieder eher in einer Reihe mit „normalen Medienartikeln” steht. Vielleicht etwas ausgewogener, zweifelnder – aber doch nicht gerade zum Kommentieren reizend, auch wenn man interessiert gelesen hat!
Du schreibst, du habest eine „Minileserschaft” – was heißt das? Gib doch mal „Butter bei die Fische” und berichte über die tägliche Besucheranzahl (und wie/von was die gezählt werden). Ins Digital Diary finden laut Koko Analytics täglich grade mal 60 bis Hundert „Besucher”, die jeweils zwei bis dreimal so viele „Seitenaufrufe” verursachen. Koko zählt allerdings sehr restriktiv, schon RSS-Leser sind da nicht erfasst – das dürften auch noch einige sein. (Statify zählt ganz anders, keine Besucher, nur Aufrufe – das sind dann z.B. 4845 Seitenaufrufe, bei Koko nur 117.) (KI hat mehr dazu)
Wie auch immer: mich stört dieser mangelnde „Erfolg” schon lange nicht mehr, weil ich einfach schreibe, wenn ich Lust dazu habe – meist auch in „deinem” Themenkreis, der schon an sich nicht so „sexy” ist, wie du ja auch schreibst.
In den Nullerjahren hatte ich mehrere tausend Besuche pro Tag, das ist dann nach und nach drastisch weniger geworden. Es gibt ja heute soviel mehr Medien, mit denen man seine Zeit verbringen kann, das wundert mich garnicht. Auch hat ja Google weitgehend den „kostenlosen Traffic” durch seine KI-Integration minimiert – aber die Besucher, die über eine Suchphrase kommen, waren sowieso immer gleich wieder weg (weil es eben keine reine „Info” war, sondern ein Text, auf den man sich einlassen müsste).
Für mich ist wichtig, dass ab und an Kommentargespräche entstehen – nicht nur „schöner Text” oder so. Das ist nach wie vor der Fall und reicht mir völlig.
Obwohl ich gerade wieder über etwas Aktuelles gebloggt habe, ist das nicht mein Standard – eben weil das viele andere tun. Mein Ansatz hierbei und zum Bloggen überhaupt ist eher der Themenschwenk: Wie geht es mir damit?
Dich lese ich durchweg und sehr gerne! Würde mir aber wünschen, dass du dein „therapeutisches Schreiben” thematisch weiter treibst: Warum so lange kein Urlaub? Dafür kann es doch vielerlei Gründe und Hindernisse geben, aber auch gute Gründe, diese mal zu überwinden – allein schon, um aus den täglichen Routinen mal raus zu kommen – andere Eindrücke abseits der Medien!
@ClaudiaBerlin:
Das ist sehr gut möglich. Die Krux ist, dass meine Gedanken zu den Themen wohl nur die 6.785. sind, die man (wenn man überhaupt interessiert ist) zu packen bekommt. Es gibt so viel, über das man schreiben kann und seine persönlichen Ansichten verbreiten. Aber wen interessiert das schon? Wer zieht daraus einen Mehrheit? Wenn ich nun deshalb die Taktzahl reduzieren würde, könnte, getreu dem Motto: Weniger ist mehr, ein positiver Effekt (im Sinne meines Gejammers) eintreten.
Zu den Zahlen habe ich dir was geschickt.
Der Anfang des Bloggens war irgendwie ganz anders. Ich glaube, man beschäftigte sich weniger mit dem eigenen Ich als vielmehr mit den Möglichkeiten, sich sich plötzlich auftaten. Heute nutzen alle selbstverständlich die sozialen Medien und den anderen Mist, der die Welt bestimmt nicht besser gemacht hat.
Dein Blog war schon immer etwas Besonderes. Dir als Bloggerin der ersten Stunde zu sagen, dass du so weitermachen sollst, wäre wohl albern.
Sumu empfahl, mir ein zusätzliches Hobby zu suchen. Darüber zu schreiben, dass wir 8 Jahre meine Schwiegermutter bei uns gepflegt haben und deshalb keinen Urlaub machen konnten, den letzten Lesern vermutlich bekannt. Aber Mutter ist nun auch schon 4 Jahre tot. Trotzdem waren wir nicht einen Tag in Urlaub. Erklären kann ich das überhaupt nicht. Meine Frau und mich drängt nichts. Wir genießen dieses etwas eintönige „Rentnerdasein” wirklich! Darüber sprechen meine Frau und ich gar nicht mal selten und ich denke nicht, dass wir uns in unserer Einigkeit gegenseitig etwas vormachen. Während dieses verrückten Sommers bin ich nur selten vor die Tür gegangen. Ich merke, dass mir die hohen Temperaturen enorm zusetzen. Und zum Baden gehen haben wir auch keine Lust.
Die Frage aller Fragen , Herr Schulte, ich war gerade in meinem Archiv und bin über ein *frühes Werk* gestolpert das hierher einen Bezug hat.
[Bitte nicht mißverstehen: Es ging damals um Blogger die zwar eine hohle Birne dafür aber überproportionalen Geltungsdrang hatten.]
Aus heutiger Sicht geht es mir wie Ihnen: Wenn ich etwas erst mal geschrieben habe ist mein Zorn auf die Dummköpfe und ihr Treiben schon halb weg .…
BILD
@Wolfgang v. Sulecki: Bloggen (Schreiben) als Therapie oder zumindest ein Ansatz davon. Sag ich doch. 🙂 Und den sich verziehenden Zorn beim Schreiben erlebe ich genauso.
Lieber Horst,
wir haben gerade in unserem Podcast #9vor9 das neue Buch von Martin Andree „Die Vermessung der digitalen Welt” besprochen. Dessen Daten sind für mich schockierend: 17,7 Millionen registrierte .de-Domains stehen im Register. 99,6 Prozent davon hatten im Messzeitraum exakt null Traffic. Nicht wenig. Gar keinen.
Du hast sicher gewogene Leserinnen und Leser für Deinen Blog, aber sowohl Du als auch wir mit #9vor9 oder mit meinem Blog spielen in der „großen Öffentlichkeit” nur ein sehr untergeordnete Rolle.
Doch ich kann Deine Motivation, weiter zu schreiben absolut nachvollziehen: Bloggen und Podcasten ist gut für den eigenen Kopf und auch das eigene Selbstverständnis, dass man angesichts vieler Besorgnis erregender Entwicklungen – von der AfD über Trump bis zum Klimawandel – nicht schweigt.
Und es ist so ein bisschen Hoffnung, dass das kleine gallische Dorf von Bloggerinnen und Bloggern nicht aufgibt und weiter Widerstand leistet. Ich weiß, etwas verklärend, utopisch, zu optimistisch, aber trotzdem …
@Stefan Pfeiffer: man kann ja nie genügend Domains registrieren 🙂 Außerdem werden die aufgegebenen URLs von irgendwelchen Firmen aufgekauft und tragen vermutlich zur Bildung dieser riesigen digitalen Halden bei. Manchmal macht das Bloggen wirklich keinen Spaß mehr. Vor allem, wenn man sieht, welche Formate dagegen erfolgreich die Leute verarschen.
Vielleicht sollte Rentnern Äußerungen zu gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen untersagen. Die ziehen die Leute zu stark runter. Manchmal braucht es den Druck von
untenoben. 🙂 Die Möglichkeit, nur Positives zu berichten, liebe ja noch. Aber diese Themen sind entweder total Banane und zudem rar gesät.Es wirkt besorgniserregend, wie sehr du dich im Ruhestand in Online-Aktivitäten und politische Diskussionen vertiefst. Ein aktiverer, gemeinsamer Lebensabend mit deiner Ehefrau – beispielsweise durch Reisen – wäre sicherlich eine bereicherndere Nutzung dieser Lebensphase als das ständige Beschäftigen mit ständigen Templateänderungen und politischen Debatten im stillen Kämmerlein.“
Egal. Aber deine Frau tut mir leid …
@fett: Danke für die Anteilnahme. Ich wusste gar nicht, dass du meine Frau kennst.