
Die Zahlen sind inzwischen so hoch, dass man sich an sie fast schon gewöhnt. Auch das finde ich erschreckend! In der jüngsten GMS-Umfrage steht die AfD bundesweit bei 30 Prozent, CDU und CSU kommen zusammen nur noch auf 20 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2025 hatte die AfD noch 20,8 Prozent erreicht, 2021 waren es gerade einmal 10,4 Prozent. Das ist eine Entwicklung, die man sich ruhig einmal als Linie auf einem Blatt Papier vorstellen sollte. (Bundeswahlleiterin)
Im Osten 45 Prozent, im Westen etwa 25
Noch drastischer sieht die Sache aus, wenn man Deutschland getrennt betrachtet. Forsa ermittelte für die ostdeutschen Flächenländer – also ohne Berlin – 45 Prozent für die AfD. Die Ost-Zahlen beruhen auf einer dreiwöchigen Erhebung mit insgesamt rund 7.500 Befragten in Ost und West. Aus dem damaligen bundesweiten Forsa-Wert von 28 Prozent und dem Anteil der ostdeutschen Befragten lässt sich für Westdeutschland ein Wert von ungefähr 25 Prozent errechnen. (DIE WELT)
Man muss dabei sauber bleiben: Die derzeit höchsten 30 Prozent bundesweit stammen aus der jüngeren GMS-Umfrage, die 45 Prozent im Osten aus der Forsa-Erhebung. Es sind also nicht drei Werte derselben Befragung. Aber die Größenordnung ist eindeutig genug: Im Westen entscheidet sich inzwischen ungefähr jeder vierte Befragte für die AfD, im Osten sind es fast die Hälfte.
Eine ziemlich unangenehme Rechenübung
Nun kann man etwas tun, was Demoskopen aus guten Gründen nicht tun: die Entwicklung einfach mit dem Lineal verlängern. Nicht als Prognose, sondern als Modellrechnung.
2021 erhielt die AfD bei der Bundestagswahl 10,4 Prozent, 2025 waren es 20,8 Prozent, im September 2026 erreicht sie bei GMS 30 Prozent. Seit der Bundestagswahl 2021 entspricht das einem durchschnittlichen Zuwachs von rund 3,5 Prozentpunkten pro Jahr. (Bundeswahlleiterin)
Bliebe dieses Tempo tatsächlich erhalten, fehlten von heute an noch 20 Prozentpunkte bis zur absoluten Mehrheit der Stimmen. Rechnerisch wären die 50 Prozent etwa im Frühjahr 2032 erreicht.
Natürlich wird es so nicht kommen müssen. Parteien wachsen nicht wie Guthaben auf einem Festgeldkonto. Trends brechen ab, Krisen verschwinden, neue entstehen, Regierungen wechseln, Personen verschwinden und neue kommen, Parteien zerlegen sich gelegentlich auch selbst. Eine lineare Fortschreibung über fünfeinhalb Jahre ist deshalb keine Wahlprognose.
Aber genau deshalb finde ich diese Rechnung interessant. Sie behauptet nicht, dass die AfD 2032 bei 50 Prozent stehen wird. Sie zeigt etwas anderes: Wie wenig Zeit bliebe, wenn sich an der bisherigen Dynamik nichts Grundsätzliches änderte.
Von 10,4 auf 20,8 und nun in einer Umfrage auf 30 Prozent – innerhalb von gut fünfeinhalb Jahren. Vielleicht sollte man diese Zahlen nicht jedes Mal mit einem erschrockenen Gesicht zur Kenntnis nehmen und anschließend zur Tagesordnung übergehen.
Denn irgendwann ist auch die Tagesordnung eine andere. Damit beim Leser kein Missverständnis aufkommt: Ich bin gegen ein Verbot der AfD. Die Demokratie sollte es schon aus eigener Kraft schaffen, mit ihren Gegnern richtig umzugehen. Schafft sie das (aus Gründen) nicht, ist sie eigentlich doch nichts wert. Wir – die Demokraten – müssen selbstbewusster und überzeugender auftreten.
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