Wenn ich in meinen Beiträgen von »unserem« Balkon geschrieben habe, war das eigentlich nicht ganz ehrlich. Denn dieser kleine grüne Flecken ist vor allem das Werk meiner Frau. Sie pflegt ihn mit einer Hingabe, die man normalerweise eher einem Garten zutraut als ein paar Blumenkästen – und das Ergebnis spricht für sich. Nur nutzen tun wir ihn gemeinsam. Dieser Sommer und unser Balkon schenkten uns in diesem Jahr schon viele schöne und erfrischende Stunden. Frühmorgens und spätabends ist die beste Zeit.
Ein Gästebuch, das seinen Namen verdient
Rosenkäfer, Holzbienen, Libellen und sogar das hier doch eher seltene Taubenschwänzchen haben sich bei uns eingefunden. Letzteres ist ein besonderer Gast: ein tagaktiver Wanderfalter aus dem Mittelmeerraum, der wie ein Kolibri im Schwirrflug vor den Blüten steht und nur dort erscheint, wo ein wirklich reiches Nektarangebot lockt.
Noch überraschender: In diesem Jahr hat ein Rotkehlchen bei uns genistet, vor einigen Jahren ein Starenpaar. Vögel wählen ihre Nistplätze nicht zufällig, sondern dort, wo Ruhe, Deckung und genug Insektennahrung für den Nachwuchs zusammenkommen. Dass sie sich für unseren Balkon entschieden haben, ist wohl das schönste Kompliment, das man einer Balkongärtnerin machen kann.










Die Hummeln geben den Ton an
Und dann sind da die Hummeln, die sich den Balkon frech zur Hauptniederlassung erklärt haben. Sie sind wetterunempfindlicher als Honigbienen, fliegen schon bei kühleren Temperaturen und morgens früher aus – und sichern sich damit den besten Platz an den Blüten, noch bevor andere überhaupt aufgewacht sind. Mit ihrem kräftigen Brummen wirken sie fast wie selbstbewusste Platzhirsche, während die eigentlichen Bienen sich rar machen.
Das liegt übrigens nicht an mangelnder Blütenauswahl. Honigbienen sind stark ortsgebunden: Ohne Bienenstock oder Imkerstand in der Nähe tauchen sie schlicht seltener auf, egal wie einladend die Kästen bepflanzt sind. Offenbar gibt es in unserer »unmittelbaren« Umgebung (1–3 km werden es sein) nicht genügend Stöcke.
Ein Ökosystem, das von selbst läuft
Fraßspuren an den Blättern, belegte Niströhren im Insektenhotel, und Blattläuse, die sich nie richtig durchsetzen können – all das sind kleine Zeichen dafür, dass hier ein funktionierendes Nahrungsnetz entstanden ist. Meine Frau hätte diesen Erfolg wohl selbst nicht vorhergesehen, als sie vor vielen Jahren die ersten Kästen bepflanzt hat. Heute ist daraus ein kleiner, lebendiger Kosmos geworden – mit den Hummeln als lautstarken, aber durchaus sympathischen Hauptdarstellern. Jeder Gast lobt unseren schönen Balkon. Das und die vielen Insekten und Vögel, die uns auch im Winter besuchen, sind uns Belohnung genug.