Roger Köppel Lobt Donald Trump über Den Grünen Klee

Es über­rascht mich immer wie­der auf Neue, wie unter­schied­lich Men­schen ande­re beur­tei­len. Ein neu­es Bei­spiel war die Jah­res­rück­schau von “Welt­wo­che” — Boss Roger Köp­pel bei You­tube.

Köp­pel mach­te sich die Mühe, zahl­rei­che Punk­te der angeb­lich erfolg­rei­chen trump­schen Poli­tik am Reiß­brett auf­zu­füh­ren und sie im Video der Rei­he nach zu erläu­tern.

Ich emp­fin­de Roger Köp­pel unter den bekann­te­ren Jour­na­lis­ten deut­scher Spra­che wie eine kras­se Aus­nah­me, und das nicht nur, wenn es um die Beur­tei­lung von Trump geht. Viel­leicht hat die Hal­tung aber weni­ger mit jour­na­lis­ti­scher Neu­tra­li­tät und — wie er es wohl sehen dürf­te — Fair­ness gegen­über dem ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­den­ten zu tun als viel­mehr mit sei­nem SVP Man­dat als schwei­ze­ri­scher Natio­nal­rat und der damit ein­her­ge­hen­den beson­de­ren Sicht auf all die Zumu­tun­gen mit denen Prä­si­dent Trump in 2017 bestimmt nicht nur Reprä­sen­tan­ten der Main­stream­me­di­en äußerst unan­ge­nehm auf­ge­fal­len ist.

Selt­sam fand ich, dass Köp­pel den Aus­stieg der USA aus der Kli­ma­po­li­tik nicht auf sei­nem Zet­tel hat­te. Schließ­lich hat sei­ne Par­tei, die SVP, sich für die­se Maß­nah­me sehr erwärmt und sie als “Akt der Ver­nunft” bezeich­net.

Es ist natür­lich rich­tig, dass Trump bei vie­len Medi­en über­aus schlecht weg­kommt. Des­halb blinkt mit­un­ter sogar bei mir die Fra­ge auf, ob all die Häme und all die Kri­tik nicht über­trie­ben bzw. unfair ist und ob wir uns als Deut­sche nicht eher in Zurück­hal­tung üben soll­ten. Schließ­lich wur­de der Mann von sei­nen Amis gewählt. Dar­über bin ich offen­ge­stan­den längst hin­aus. Der Mann muss sein Fett weg­be­kom­men. Er macht die Welt zu einem schlech­te­ren Ort. Und dass er Für­spre­cher hat, ist für mich per­sön­lich nicht nach­voll­zieh­bar.

Wenn ich dann aller­dings Köp­pels Zusam­men­stel­lung durch­ar­bei­te und mir dazu die durch­weg kri­ti­schen Berich­te in deutsch­pra­chi­gen Zei­tun­gen ver­ge­gen­wär­ti­ge, kann ich sei­ne Sicht auf Trump über­haupt nicht nach­voll­zie­hen. Aber dafür fin­den sich im Kom­men­tar­be­reich zum Video fast durch­weg posi­ti­ve Mei­nun­gen. Alle fin­den Köp­pel Klas­se, weil, so wirds häu­fig geschrie­ben, wohl­tu­end abwei­chend vom Medi­en­main­stream.

Ist es inzwi­schen wirk­lich ein Qua­li­täts­nach­weis, wenn ein Jour­na­list eine quer zum Main­stream ste­hen­de Mei­nung ver­tritt? Das Gefühl bekom­me ich immer mehr. Egal, ob ich Köp­pel zuhö­re oder bei­spiels­wei­se auch den Jour­na­lis­ten um Roland Tichy oder Hen­ryk M. Bro­der.

Ich lese regel­mä­ßig ihre Publi­ka­tio­nen und schau mir Videobei­trä­ge an, obwohl ich mit ihnen inhalt­lich über­haupt nicht über­ein­stim­me. Von daher kann ich sagen, dass ich kein Gefan­ge­ner mei­ner Fil­ter­bla­se bin. Ich ver­su­che die Gedan­ken der dor­ti­gen Auto­ren zu reflek­tie­ren, trotz des Ärgers, den ich beim Lesen oder Zuhö­ren emp­fin­de. Ich ent­de­cke Ansich­ten, die ich tei­le aber sie blei­ben in der Min­der­heit.

Nach­dem nun das Skan­dal­buch von Micha­el Wolff für Furo­re sorgt, fra­ge ich mich jetzt umso mehr, wie ein intel­li­gen­ter Mann wie Roger Köp­pel nach die­sen Insi­der­of­fen­ba­run­gen immer noch zu Trump ste­hen und sei­ne Poli­tik in die­ser Form loben kann.

Steuersenkung

Dass Köp­pel schon immer Befür­wor­ter einer neo­li­be­ra­len Gesell­schaft gewe­sen ist, der am liebs­ten alle staat­li­chen Abga­ben und Ein­flüs­se mini­mie­ren wür­de, erklärt sein Fai­ble für Trumps Steu­er­sen­kungs­pro­gramm. Inso­fern über­rascht es nicht, wenn er es als Blau­pau­se für die Schweiz und Groß­bri­tan­ni­en betrach­tet. Es scheint ihn nicht zu inter­es­sie­ren, wel­che Ver­wer­fun­gen sol­che natio­na­len ego­is­ti­schen Maß­nah­men für die Öko­no­mi­en ande­rer Staa­ten nach sich zie­hen wer­den. Wie soll sich ein aus­ge­bau­ter Sozi­al­staat in einer sol­chen Steu­er­sen­kungs­spi­ra­le behaup­ten? Für ihn scheint die Haupt­sa­che zu sein, dass die Wirt­schaft die Spiel­räu­me bekommt, die ihr die Staa­ten von Natur aus ent­zie­hen.

Ich hal­te es für mög­lich, dass Trumps Steu­er­sen­kungs­pro­gramm für die USA funk­tio­niert. Die Aus­schlä­ge des Dow Jones betrach­te ich als Indiz. Die Tat­sa­che, dass auch klei­ne und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men von der Maß­nah­me pro­fi­tie­ren wer­den, ist eine posi­ti­ve Sache. Aber machen wir uns nichts vor, die­se Steu­er­sen­kun­gen wer­den die Tei­lung der Gesell­schaft wei­ter beför­dern. Die Sche­re zwi­schen arm und reich wird wei­ter auf­ge­hen. Ob die USA die mas­si­ven Steu­er­aus­fäl­le durch hohes Wirt­schafts­wachs­tum aus­glei­chen kann, bleibt unklar. Es gibt Sach­ver­stand, die den USA ein Fias­ko pro­phe­zei­en.

Deregulierungen

Die segens­rei­chen Wir­kun­gen von Dere­gu­lie­run­gen haben wir in Deutsch­land schät­zen gelernt. Für Köp­pel, der alle staat­li­chen Ein­grif­fe als Teu­fels­werk betrach­tet, sind Trumps Rück­nah­men der weni­gen durch­ge­setz­ten Regu­lie­run­gen also posi­tiv zu bewer­ten. Frei­heit für die Wall­street und damit für die Freun­de Trumps sind erreicht. Köp­pel freut sich. Wie dies die Chan­cen für einen neu­en Finanz­crash erhöht, ist Trump und Köp­pel herz­lich egal.

Supreme Court

Ok, Neil Gor­such war eine gute Wahl von Trump

ISIS

Dass Köp­pel einen angeb­li­chen Sieg der USA über ISIS erklärt, ist zwei­fel­haft. Ers­tens wer­den, wie er selbst ein­räumt, die Ter­ro­ris­ten damit nicht von der Welt ver­schwun­den sein und zwei­tens haben die US-Ame­ri­ka­ner an der Ent­wick­lung zwar ihren Anteil. Was das aller­dings mit Trumps Prä­si­dent­schaft zu tun haben soll, ist mir per­sön­lich schlei­er­haft. Schließ­lich lau­fen die Kämp­fe der Alli­ier­ten weit­aus län­ger als Trumps Prä­si­dent­schaft andau­ert.

Illegale Migration

Dar­über, dass Köp­pel die­ses Trump-The­ma so posi­tiv sieht, über­rascht natür­lich schon des­halb nicht, weil die aus­län­der­feind­li­che SVP ganz ähn­li­che Ambi­tio­nen hat und die­se zum Teil inner­halb der Schweiz durch­ge­setzt hat. Köp­pel und sei­nen Mit­strei­tern wäre am liebs­ten, es gäbe über­haupt kei­ne Migra­ti­on. Dass Trump sich erst beim x-ten Nach­fas­sen mit sei­nem ras­sis­ti­schen Gesetz durch­ge­setzt hat, unter­schlägt Köp­pel voll­stän­dig. Dass er dar­auf her­um­rei­tet, dass Oba­ma etwas Ähn­li­ches in Vor­be­rei­tung hat­te, macht Trumps radi­ka­les Vor­ge­hen gene­rell gegen nicht ver­ges­sen.

Sich gegen­sei­tig für sol­che Unmensch­lich­keit gegen­sei­tig zu loben, ist für die­se Art Mensch voll­kom­men typisch. Davon gibts bei uns ja auch genug.

Syrien

Für den Ver­gel­tungs­an­griff auf Syri­en durch die Ame­ri­ka­ner gab es den angeb­li­chen Grund eines Gift­gas­an­grif­fes, auf den Trump im letz­ten Jahr empört und emo­tio­nal reagiert hat. Dass sich  her­aus­stell­te, dass “nur” aus Sicht der UN sicher ist, dass Syri­en das Gift­gas ein­setz­te, igno­riert Köp­pel.

Das Gut­ach­ten zu dem Angriff auf Chan Schei­chun sei “sehr ober­fläch­lich, unpro­fes­sio­nell und ama­teur­haft”, sag­te der Lei­ter der Sicher­heits­ab­tei­lung im rus­si­schen Außen­mi­nis­te­ri­um, Michail Ulja­now. Die Uno-Ermitt­ler hat­ten sich bei ihrem Gut­ach­ten auf Zeu­gen­aus­sa­gen, Video­ma­te­ri­al, Fotos, Satel­li­ten­bil­der sowie Pro­ben aus Chan Schei­chun gestützt.Quel­le: Chan Schei­chun: Russ­land kri­ti­siert Uno-Bericht über Gift­gas­an­griff in Syri­en — SPIEGEL ONLINE | LINK

 

Jerusalem

Ich habe häu­fi­ger das Argu­ment gehört (auch von Prof. Wolff­s­ohn), dass es an der Zeit gewe­sen sei, etwas Neu­es gegen die geschei­ter­te Nah-Ost­po­li­tik zu set­zen. Dies macht sich Köp­pel auch zu eigen. Dabei ist es doch so, dass kei­ner wis­sen kann, ob durch die Umset­zung der schon 1994 beschlos­se­ne Ver­le­gung der us-ame­ri­ka­ni­schen Bot­schaft nach Jeru­sa­lem neue Wege in die­sem Dau­er­kon­flikt gefun­den wer­den. Damit ist also klar, dass man die­se Maß­nah­me als einen Ver­suchs­bal­lon zu begrei­fen scheint, der sub­stan­zi­ell kaum zu begrün­den ist. Man ris­kier­te eine neue Infi­fa­da und wei­te­re Men­schen­le­ben. Trumps Schritt erfolg­te vor allem aus dem Grund, um die Paläs­ti­nen­ser zu pro­vo­zie­ren. Ändern oder gar ver­bes­sern wird die­ser Schritt in die­sem Kon­flikt eben­falls nichts. Inso­fern ist das auch von Wolff­s­ohn benutz­te Argu­ment nicht stich­hal­tig.

Kunstform Twittern

Durch den Hin­weis dar­auf, dass Trump Twit­tern zur Kunst­form erho­ben hat­te, wur­de mir reich­lich spät klar, dass Köp­pel sei­nen Vor­trag als Sati­re ver­stan­den haben woll­te. Er konn­te zum Ende sei­nes Vide­os kaum noch sein Lachen unter­drü­cken.

Wenn es nur so wäre… Nee, Köp­pel ist Trumps treu­es­ter Fan-Boy in Euro­pa, glau­be ich. Der meint das alles ernst.

Wie gefähr­lich ande­re den Zir­kus fin­den, den Trump mit sei­nem Twit­ter-Account ver­an­stal­tet, scheint Köp­pel über­haupt nicht zu jucken. Er zieht die Sage aus der Mot­ten­kis­te, dass das Inter­net direkt­de­mo­kra­ti­sche Inter­ak­tio­nen ermög­li­chen wür­de. Wie es in Wahr­heit um die­se Träu­me­rei bestellt ist, zei­gen auch die Dis­kus­sio­nen über das deut­sche Netz­DG. Aber dazu hat Köp­pel selbst­re­dend auch eine kla­re Mei­nung. 🙂

Zum Schluss lobte Köppel den Optimismus, den Trump bei seinen Auftritten ausstrahle. Er wünschte, es gäbe mehr Staatsmänner, die einen ähnlich naiven Optimismus zur Schau tragen würden.

Was für ein Glück, dass wir dafür in Euro­pa kei­nen Bedarf sehen.

Horst Schulte

Neben den Themen Politik, Medien und Gesellschaft interessiere ich mich noch für eine Menge anderer Dinge. Hier blogge ich gelegentlich darüber.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.