Die Sozialdemokraten hat es schwer. Nicht nur hier in Deutschland. Das Video macht deutlich, wie es in Europa um sie steht.
Nach dem vorläufigen Endergebnis verteilen sich die 179 Sitze im Folketing, dem dänischen Parlament, auf ein ungewöhnlich breites Parteienspektrum. Frederiksens Sozialdemokraten kommen auf 38 Mandate und verlieren damit im Vergleich zur letzten Wahl zwölf Sitze. Das ist das schlechteste Ergebnis für ihre Partei seit 123 Jahren.
Quelle: Handelsblatt
Klingbeil betont in diesem Zusammenhang, dass die SPD die „Partei der Arbeit“ sei und er einen klaren Kurs verfolgen wolle, der den Menschen hilft – auch wenn dies innerhalb der Partei zu inhaltlichen Konflikten führen könne. Er stellt den Erhalt dieser Arbeitsplätze sowie die Entlastung von Pendlern (etwa bei Energiekosten) als zentrale Ziele dar, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Politische und intellektuelle Führung
„[…] wenn es dann z.B. um die Frage geht, ob jetzt zehntausende Menschen in der Automobilindustrie ihren Job verlieren zu drohen, dann habe ich eine klare Entscheidung: Wir machen den Weg deutlich, dass die Industriearbeitsplätze in diesem Land erhalten bleiben.“ [05:16]
Lars Klingbeil im Interview
Sorry, Herr Klingbeil. Aber geht’s nicht noch weniger überzeugend? Ich finde furchtbar unglaubwürdig, was der Mann da sagt. Dabei kam er gerade gewissermaßen von einem Motivationsseminar. Sagt man nicht immer, wie wichtig Vertrauen gerade in der Politik sei? Hat sich Klingbeil vom vorigen und jetzigen Bundeskanzler so überhaupt nichts abgeguckt? Besser gesagt, ist er genauso lernunfähig wie Scholz und Merz es zeig(t)en?
„Wir machen den Weg deutlich, dass die Industriearbeitsplätze in diesem Land erhalten bleiben.“ Wüsstet ihr nicht auch gern, wie dieser Weg so ganz konkret aussehen soll? Vermutlich denkt Klingbeil nicht zuerst an Subventionen. Das ist ja schon einmal was. Schließlich arbeitet er als Finanzminister und kennt die Haushaltslage (hoffentlich) ganz genau.

Position der Arbeitnehmer
Oder denkt er an Proteste und Streiks? Hat ja immer geholfen, wenn es darum ging. Ich denke an große Firmenschließungen oder -verlegungen, die meiner Erinnerung nach immer in die Bux fingen. Aber man war sichtbar, auf der Straße und hat wacker gekämpft. Nur haben DIE Leute offenbar längst verstanden, wie wenig so altbackenes Zeug wie ein Schulterschluss mit Gewerkschaften wirkt.
Ich komme jetzt nicht schon wieder mit dem Buffet-Skandal-Zitat um die Ecke aber ist dieser Teil des Wandels (der Sieg des Kapitalismus als Folge von 1989) immer noch nicht bei allen angekommen?
Ich glaube ja, man müsste sich intellektuell mehr Mühe geben und nach zeitgemäßeren Wegen schauen, um die Interessen derjenigen zu wahren, die in Scharen vor sozialdemokratischen Grundsätzen fliehen, weil ewig alte Klassenkampfattitüden als unglaubwürdig oder jedenfalls untauglich betrachtet werden.
Soziale Gerechtigkeit
Soziale Gerechtigkeit oder der Kampf für die hart arbeitende Mitte kommen so lebendig rüber, dass diese Schablonen keiner mehr hören möchte, zumal auch andere (Grüne und Linkspartei) solche abgedroschenen Phrasen gern bemühen. Allerdings mit größerem Erfolg. Das liegt nicht nur an Frau Reichinek, obwohl sie offenbar vor den letzten Wahlen mit fulminanten Wortbeiträgen zu dem guten Ergebnis der Linkspartei beigetragen zu haben scheint. Die Grünen machen vieles richtig, was sie inzwischen sogar mit einigen Prozentpunkten besseren Umfragewerten ggü. der SPD belegen können. So kamen sie von 4,9 % in 2021 auf überraschende 8,8 % in 2025.
Die Konsequenz und Stabilität, in der sie ihre Themen verfechten und vortragen, ist zumindest glaubwürdig, kohärent ohnehin. Das werden auch die zugeben, die mit grüner Politik wenig am Hut haben. Jedenfalls glaube ich, ist dies der Grund, weshalb die Grünen sich mit ihrer hartnäckigen Anhängerschaft nach dem Desaster, dem Ende der Ampel, behaupten.
Es steckt schon auch ein Stück Boshaftigkeit der Medien in dem Vorwurf, die Sozialdemokraten zeigten sich eher für Bürgergeldempfänger und Minderheiten verantwortlich als für die „hart arbeitende Mitte„. Aber weit weg sind die sich immer wieder gern zur aktuellen SPD kritisch äußernden Altvorderen der Partei (Gabriel, Steinbrück) von solchen Aussagen nicht. Die Medien wissen, wie diese Leute ticken und holen sie deshalb gern in ihre Talkshows. Insbesondere Gabriel erfüllt diesen unausgesprochenen Auftrag immer gern.
Die SPD und ihre Krise: Diagnose ohne Therapie
Die fünf klassischen Kritikpunkte – das verblasste Gerechtigkeitsversprechen, die Hilflosigkeit beim Strukturwandel der Industrie, die Alltagsbelastungen für Arbeitnehmer, fehlende Führungsstärke und das verschwommene Profil – treffen den Kern der SPD-Misere. Doch sie beschreiben nur die Symptome, nicht die tieferen Ursachen.
Strukturell kämpft die SPD mit einem doppelten Problem: Ihre klassische Stammwählerschaft – gewerkschaftlich organisierte Industriearbeiter – schrumpft seit Jahrzehnten, ohne dass eine neue, verlässliche Basis aufgebaut wurde. Gleichzeitig ist die Partei im Koalitionsregieren gefangen: Als Juniorpartner trägt sie die Lasten aller Kompromisse, kann aber kaum eigene Erfolge reklamieren. Dass Parteichef Klingbeil nun ausgerechnet als Finanzminister – also als Sparminister – agiert, macht die Glaubwürdigkeitslücke noch größer.
Das Ergebnis lässt sich in Zahlen ablesen: Rund 13% Zustimmung, ein historischer Tiefstwert. Und selbst unter SPD-Anhängern traut eine Mehrheit der Parteiführung nicht zu, die Wende zu schaffen.
Was könnte helfen? Nicht das bloße Zurück zu „klassischen Arbeitnehmerthemen“ als Parole – die Wählerschaft hat sich zu sehr verändert, als dass Nostalgie zöge. Was gebraucht würde, sind konkret messbare Versprechen statt abstrakter Leitbilder, eine glaubwürdige personelle Erneuerung – Pistorius steht bereit, tritt aber nicht an – und die Bereitschaft, auch innerhalb einer Regierungskoalition eine erkennbare, streitbare Haltung einzunehmen. Europäische Schwesterparteien haben gezeigt, dass das möglich ist.
Die eigentliche Gefahr liegt im Zeitfaktor: Parteien, die dauerhaft unter 15% verharren, verlieren Mitglieder, Ressourcen und Nachwuchs. Dieser Abwärtssog verstärkt sich selbst. Die SPD hat noch ein Fenster – aber es schließt sich.


Als Steigbügelhalter wird sie sich nicht halten können.
Kurzfristig kann sie relativ erfolgreich sein, wenn sie um Pistorius als Spitze einen militaristischen Kern aufbaut und damit eben als Militärpartei auftritt. Allerdings müsste sie für die Zeit alle anderen Strömungen unterbinden, was kaum klappen dürfte.
Langfristig wäre back to the roots angesagt. Die Sozialdemokratie neu entdecken und undankbare Oppositionsarbeit erledigen. Das würde aber bedeuten, nicht nur die jetzige Regierung in die Wüste zu schicken, sondern würde einhergehen mit monetären Verlusten, Verlust von Posten und Partizipation an den gedeckten Tischen der Reichsten, was natürlich für die jetzige Möchtegernmachtriege völlig undenkbar ist.
Allerdings wäre das das Einzige, wie die alte Tante langfristig erhalten bleiben könnte.
Man kann sich ja anschauen, was die FDP gerade so macht. Die Spaßmobile sind wohl aus.
@juri nello: Die Zeit, in der die SPD gut beraten gewesen wäre, aus der Koalition auszuscheiden, ist lange vergangen. In dieser Lage würde sie parlamentarisch endgültig in die Bedeutungslosigkeit fallen, wenn sie diesen Schritt machen würde. Ich hätte es schon vor Jahren gut gefunden. Die Partei muss sich endlich personell und inhaltlich erneuern. Klingt abgedroschen, ist aber m.E. nötig.
Glaubst du wirklich, Pistorius wäre der richtige Kerl innerhalb der Partei, um Militarismus zu etablieren? Oder ist er nicht genug Opportunist, um ggf. (bei anderen Ämtern) auf die große politische Linie umzuschwenken? Garantiert. Da klingt so ein bisschen der Pazifist und die Verachtung allen Militärischen durch.
Ich will nicht, dass wir irgendwann zum Trabanten Putins geworden sind und uns dann fragen: Hätten wir nicht besser mehr für unsere Verteidigung gemacht? Heute erschöpft sich diese elementare Frage in den beiden großen Gegenpolen. Mir ist das unverständlich. Ich würde nicht so dramatisch reden und die Wahl zwischen Freiheit und Sklaverei gegeneinander setzen. Aber was weiß ich schon über unfreie politische Systeme? Ich habe nie eines erlebt.
Im Moment stellt sich die Frage, ob die SPD nicht die einzige Kraft mit Bedeutung ist (Grüne und Linke könnten es werden!), die diese Bonzenpartei mit ihrem geheimen Sparringspartner halbwegs in Schach hält. Aber die Leute sehen die Gefahr nicht einmal. Weil sie dumm und verblendet sind von einem guten Leben, das sie aus purem Frust über all das, was ihnen bisher nicht mal zugemutet wurde, als Armut beschreiben.
Nein. Das wäre das Schlimmste, was ich mir vorstellen könnte, aber sowohl Militarismus, wie Pistorius haben ein enormes Standing in der Bevölkerung. Keine Firma würde davor ein Auge verschließen. Das ist ein Trend den man mitnehmen kann.
Ich spiele lediglich Szenarios durch, wie die SPD erhalten bleiben könnte. Das war doch auch vom Topic her gemeint?
Und Ja: Wenn die SPD ihren Buchstaben gerecht werden will muss sie die Koalition aufkündigen. Glaubwürdigkeit hat ihren Preis. Das nur mit der FDP zu verankern klappt nicht, denn als Kaiserpartei sind fast alle sozialen Strukturen des Landes im Gegenzug sozialdemokratisch geprägt. Selbst die
extrem Rechten haben ihren Schrebergarten, der allerdings auf ihre Erzfeinde, den Sozen zurückgeht.
Deine Putinparanoia teile ich nach wie vor nicht. Nicht, weil ich den so toll finde, sondern, weil ich weiß, wie Psychopathen funktionieren. Zudem ist er auch nicht mehr der Jüngste. Es sollte einem eher davor grauen, was danach kommt. Was das allerdings in einem Topic, der die Zukunft der SPD betrefen soll zu suchen hat, kannst nur Du beantworten.
Gerd Schröder spielt nur noch unwesentlich eine Rolle in der SPD. Wenn man alten Industrieideen anhängt, wäre man allerdings mit Schröder & Putin sicher besser aufgestellt, als mit VdL, Trump, Selensky und Merz.
Die Zugspitze abfracken ist ja das Credo unserer amerikanischen Regierungsfachverbrater für UNSERE industrielle Zukunft.
Wer solche Freunde hat, braucht erst gar nicht gegen andere in den Krieg ziehen wollen.
@juri nello: Ich denke nicht, dass Pistorius‘ Popularität mit seinem Amt zu tun hat, sondern eher damit, dass er klarer redet und agiert. Diese Zuschreibungen sind zwar bei manchen Menschen ins Wanken geraten, ändert aber nichts an der generellen Zustimmung, die der Mann erhält. Seltsamerweise hat Glaubwürdigkeit in diesen Zeiten keinen wirklichen Nutzen mehr. Es liegt immer daran, wer und wie auf die Dinge geschaut werden.
Putin als Psychopathen zu beschreiben ist doch ein Anfang. Ein Fortschritt 🙂
Dass er das Gefahrenpotenzial nicht allein ausmacht, ist schon klar. Wer möchte wissen, was danach kommt. Ich sehe das übrigens auch bei den USA nicht viel anders. Nicht auszudenken, wenn Vance Präsident würde.
Erinnerst du dich nicht über all die Vorhaltungen gegenüber der SPD, die mit Russland und seinem Machthaber zu tun hatten? Da haben wir doch eine Verbindung.
Mit der Demokratie wäre ganz schnell Schluss, würde man jedem Deutschen einen Bildungsurlaub in Singapur ermöglichen. 😉
@Juri Nello: Den Zusammenhang verstehe ich ehrlich gesagt auch nicht wirklich. Singapur wird oft wegen Effizienz, Ordnung und wirtschaftlichem Erfolg bewundert, gleichzeitig aber wegen eingeschränkter Pressefreiheit, strenger Kontrolle und begrenzter politischer Opposition kritisiert. Falls du darauf anspielst, dass viele Menschen nach einem Aufenthalt dort autoritäre Strukturen plötzlich attraktiver finden könnten, wäre das zumindest ein nachvollziehbarer Gedanke.
Aber genau darin liegt doch das Problem: Demokratie misst sich nicht daran, ob sie geschniegelt, effizient und widerspruchsfrei funktioniert. Demokratie ist anstrengend, laut, langsam und voller Konflikte. Sie hält Meinungsverschiedenheiten aus, statt sie wegzuorganisieren.
Und ehrlich gesagt sehe ich keine Gefahr darin, wenn Menschen andere Systeme kennenlernen. Im Gegenteil. Wer unterschiedliche Gesellschaften erlebt, erkennt oft erst den Wert jener Freiheiten, die hier so selbstverständlich geworden sind, dass viele sie kaum noch bemerken.
@Juri Nello: Den Zusammenhang verstehe ich ehrlich gesagt auch nicht wirklich. Singapur wird oft wegen Effizienz, Ordnung und wirtschaftlichem Erfolg bewundert, gleichzeitig aber wegen eingeschränkter Pressefreiheit, strenger Kontrolle und begrenzter politischer Opposition kritisiert. Falls du darauf anspielst, dass viele Menschen nach einem Aufenthalt dort autoritäre Strukturen plötzlich attraktiver finden könnten, wäre das zumindest ein nachvollziehbarer Gedanke.
Aber genau darin liegt doch das Problem: Demokratie misst sich nicht daran, ob sie geschniegelt, effizient und widerspruchsfrei funktioniert. Demokratie ist anstrengend, laut, langsam und voller Konflikte. Sie hält Meinungsverschiedenheiten aus, statt sie wegzuorganisieren.
Und ehrlich gesagt sehe ich keine Gefahr darin, wenn Menschen andere Systeme kennenlernen. Im Gegenteil. Wer unterschiedliche Gesellschaften erlebt, erkennt oft erst den Wert jener Freiheiten, die hier so selbstverständlich geworden sind, dass viele sie kaum noch bemerken.
Den Zusammenhang kannst Du Dir hier anschauen und die Kommentare finden sich so auch in jedem deutschen Reiseblog.
Die Leute wollen Regeln (genau, wie im Buch die Welle beschrieben). Sie wollen drakonische Strafen (natürlich für die Anderen) und Sauberkeit und Ordnung. Alles das, was eine schöne GUI ausmacht. Freilich nur, wenn man jetzt nicht öffentlich selbst für Ordnung und Sauberkeit sorgen muss. Dafür verzichten sie gerne auf Freiheit & so. Dementsprechend benehmen sie sich ja auch. Zumindest teilweise im Inland.
@Juri Nello: Es ist ein trauriges Menschenbild, das du hier offerierst. Ich teile es nicht!
Die Realität ist oft mit Schmerzen verbunden.
@Juri Nello: Deine Realitität ist besonders schmerzhaft. Man merkt es deinen Einwänden an.