Zu den Vögeln, die wir in unserer Gegend neben Meisen (verschiedene Arten) und Amseln wirklich oft zu sehen bekommen, zählt das Rotkehlchen. Ich mag nicht nur seinen Gesang, sondern finde auch imponierend, dass sich der Vogel im Hinblick auf seine Schreckhaftigkeit sehr von Meisen unterscheidet. Als Fotograf weiß ich die Duldsamkeit des kleinen Vogels zu schätzen.



Heute saßen meine Frau, mein Schwager und ich einige Stunden auf unserem Balkon. Mir fiel währenddessen auf, dass ein Rotkehlchen immer wieder an einem Platz landete, der höchstens 50 cm von mir entfernt war. Ungewöhnlich, dachte ich. Seine Anflüge häuften sich allerdings im Lauf der Zeit so stark, dass er meine volle Aufmerksamkeit bekam. Natürlich zählte dazu, dass ich meine Kamera zur Hand nahm. Was ging da vor?
Das Rotkehlchen landete immer wieder an der gleichen Stelle, unmittelbar neben einem überwinterten Lavendelstrauch. Spät fiel mir auf, dass der Vogel ein Insekt im Schnabel hatte. Erst verspätet nahm ich ein Piepen wahr und verortete dieses eher leise Geräusch in dem schon erwähnten Lavendelstrauch. So langsam dämmerte mir. Direkt im Strauch waren ein paar Junge versteckt. Nachdem ich aufmerksam und ohne hineinzugreifen ein paar Bewegungen wahrnahm erkannte ich, dass es sich um die Köpfchen einiger Jungvögel handelte.
Wir brachen sofort unsere Balkonrunde ab und verzogen uns ins Wohnzimmer. Da war es auch wärmer. Der Schatten hatte inzwischen unseren Balkon vollständig bedeckt. Nun ist erst einmal Schluss mit Balkonien. Meine Frau hatte heute Morgen auch besagten Strauch getränkt. Wir verzichten jetzt mal bewusst 1 bis 2 Wochen auf den Balkon und lassen die Kleinen und ihre besorgten Eltern in Ruhe. Bis dahin, so hoffen wir, wird der Nachwuchs wohl flügge sein.
Vor ein paar Jahren hatten wir ein Gelege mit kleinen Staren auf unserem Balkon. Die haben sich nach einer ziemlich kurzen Zeit bereits auf Wanderschaft begeben. Dabei nahmen sie einen großen Sonnenschirm als Hilfsmittel, um vom Balkon auf die Erde zu gelangen. Sie ließen sich vom Rand des Blumenkastens auf den Schirm fallen und glitten unverletzt auf den Boden. Zu schön.