Zwischen Reiherstarre und Parkplatzsuche am Schlosspark Paffendorf

Ein Frühlingstag lockt halb Nordrhein-Westfalen in den Schlosspark Paffendorf. Zwischen Parkplatzchaos, Spaziergängern und einem erstaunlich stoischen Reiher entsteht eine kleine Geschichte über Natur, Täuschung und die Kunst, einfach still dazustehen.

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Diesen wun­der­schö­nen Tag konn­te man eigent­lich nur drau­ßen ver­brin­gen. Alles ande­re wäre bei­na­he ein Vergehen gegen den Frühling gewe­sen. Also dach­ten wir uns: Fahren wir doch end­lich mal wie­der in den Schlosspark Paffendorf.

Inhalt

Die Anlage mit Schloss und Park wird seit Jahrzehnten vom RWE, frü­her Rheinbraun, gepflegt und der Öffentlichkeit kos­ten­los zur Verfügung gestellt. Im Sommer steht der Park allen offen, im Winter immer­hin an den Wochenenden. Ein klei­nes Geschenk an die Region, mit­ten zwi­schen all den Diskussionen über Braunkohle, Strukturwandel und Landschaften, die sich im Rheinland stän­dig neu erfin­den müssen.

An die­sem Sonntag aller­dings schien halb Nordrhein-Westfalen den­sel­ben Gedanken gehabt zu haben wie wir.

Parkplatzsuche als Extremsport

Schon bei der Einfahrt ahn­ten wir nichts Gutes. Autos über­all. Menschen über­all. Kinderwagen, Fahrräder, Hunde, Sonnenbrillen, Eiswaffeln. Es fehl­te eigent­lich nur noch jemand, der Eintrittskarten kontrollierte.

Sogar ein Reisebus aus Dingolfing stand dort. Dingolfing! Das sind rund 600 Kilometer bis Bergheim. Offenbar hat sich her­um­ge­spro­chen, dass man im Rheinland nicht nur Kraftwerke anschau­en kann, son­dern auch ziem­lich hüb­sche Parkanlagen besitzt.

Trotz des gro­ßen Parkplatzangebotes hät­ten wir bei­na­he kapi­tu­liert. Noch zwei Minuten län­ger und wir hät­ten ver­mut­lich in Kerpen par­ken müssen.

Der stil­le Herr am Wasser

Wir mach­ten trotz­dem unse­ren aus­gie­bi­gen Spaziergang. Die Luft war mild, über­all die­ses hel­le Frühlingsgrün, das aus­sieht, als hät­te jemand die Welt vor­sich­tig neu lackiert.

Ich konn­te ein paar Fotos machen. Und dann sahen wir ihn.

Einen Reiher.

Meine Frau und ich hat­ten dort bis­lang noch nie einen gese­hen. Das Seltsame war aller­dings weni­ger sei­ne Anwesenheit als sei­ne Haltung. Während um ihn her­um Kinder kreisch­ten, Menschen pala­ver­ten und irgend­wo ver­mut­lich jemand eine Bluetooth-Box quäl­te, stand die­ser Vogel voll­kom­men regungs­los am Wasser.

wei­te­re Fotos 

So regungs­los, dass mei­ne Frau über­zeugt mein­te, das Tier sei nicht echt.

Und offen gesagt: Ich war geneigt, ihr zuzustimmen.

Der sah aus, als hät­te ihn jemand aus dem Gartencenter dort hin­ge­stellt. Kategorie „Wasservogel delu­xe“, wet­ter­fest, mit natür­li­cher Lackierung.

Doch plötz­lich geschah es.

Der Vogel plus­ter­te sein Gefieder auf, mach­te ein paar lang­sa­me Schritte nach vorn und straf­te uns bei­de Lügen.

Ein ech­ter Reiher. Ein Profi der Bewegungslosigkeit.

Da erin­ner­te ich mich dar­an, schon frü­her Reiher beob­ach­tet zu haben, die eben­falls minu­ten­lang wie fest­ge­fro­ren aufs Wasser starr­ten. Wahrscheinlich gehört genau das zu ihrer Jagdtechnik. Absolute Ruhe. Absolute Geduld. Während wir Menschen längst ner­vös aufs Handy schau­en wür­den, wenn nach drei Sekunden nichts passiert.

So kann man sich irren.

Und viel­leicht liegt genau dar­in auch eine klei­ne Lektion die­ses Nachmittags: Nicht alles, was still wirkt, ist tot. Manche Dinge war­ten ein­fach nur auf den rich­ti­gen Moment.

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