Abgründe der Menschlichkeit: 20 Tage in Mariupol

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Diese erschütternde Dokumentation zeigt die letzten 20 Tage internationaler Berichterstattung aus dem belagerten Mariupol. Ein Zeugnis unvorstellbarer Grausamkeit, das sprachlos macht und die Frage aufwirft, wie Menschen anderen so etwas antun können. Ein wichtiger Appell gegen das kollektive Vergessen.

bilder des krieges
bilder des krieges

Was wir in diesen 95 Minuten sehen, ist das Ergebnis einer fast übermenschlichen Kraftanstrengung des ukrainischen Journalisten Mstyslav Chernov und seines Teams von der Associated Press (AP). Während fast alle anderen Medienvertreter die belagerte Hafenstadt bereits verlassen hatten, blieben Chernov, der Fotograf Evgeniy Maloletka und die Produzentin Vasilisa Stepanenko als letzte internationale Berichterstatter vor Ort.

Sie filmten unter Lebensgefahr, versteckten ihre Festplatten unter Autositzbezügen und suchten verzweifelt nach Internet-Hotspots in zerbombten Krankenhäusern, um ihre Aufnahmen häppchenweise an die Weltöffentlichkeit zu senden. Aus diesem rohen Nachrichtenmaterial wuchs eine Dokumentation, die nicht nur den Krieg zeigt, sondern das Sterben einer ganzen Stadt im Zeitraffer festhält – von den ersten Einschlägen bis zur totalen Zerstörung der Entbindungsklinik und der Anlage von Massengräbern.

Die Reaktionen der Zuschauer weltweit spiegeln genau das wider, was ich gestern Abend empfunden habe: eine tiefe Fassungslosigkeit über die Brutalität, zu der Menschen fähig sind. Kritiker beschreiben das Seherlebnis oft als physisch schmerzhaft; es ist ein Film, den man »eigentlich nicht sehen will, aber sehen muss«.

Bei der Oscar-Verleihung 2024, bei der das Werk als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde, fand Regisseur Chernov Worte, die hängen bleiben: Er wünschte, er hätte diesen Film nie machen müssen, und er würde den Oscar sofort gegen den Frieden in seinem Land eintauschen. Diese Dokumentation ist heute mehr als nur ein Film – sie ist ein unumstößliches Beweisstück gegen das Vergessen und gegen die Leugnung der dort begangenen Gräueltaten.

Wer die Kraft findet, sich dieser Realität zu stellen, kann den Film weiterhin in der ARD Mediathek abrufen. Es ist eine Erfahrung, die den Blick auf die Welt und den Begriff von Menschlichkeit der heute lebenden Menschen wohl für immer verändert. Mir ist es schwergefallen, diese Dokumentation zu schauen. Sie hat mir den Schlaf geraubt. Aber was ist das gegen das ganze Elend, das diese armen Menschen bis heute Tag für Tag, Stunde für Stunde erleben?

Wenn ich die Hackfresse von Lawrow sehe, wie er den Leuten allen Ernstes seine russische Propagandascheiße auftischt, könnte ich gerade mal ausflippen. Wo ist eigentlich Gott, wenn man ihn braucht?

Das Schrecklichste ist, dass es nicht aufhört und die Verbrecher im Kreml damit kalkulieren, dass wir auch anhand unserer eigenen nicht gerade geringen Probleme nach und nach unsere Unterstützung reduzieren. Die Orange im Weißen Haus gibt so gesehen die Pace vor.

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2 Gedanken zu „Abgründe der Menschlichkeit: 20 Tage in Mariupol“

  1. Und wie immer im Krieg: Nicht die Machthaber, nicht die Kriegstreiber, nicht diejenigen, die Kriege befürworten, nicht die Generäle und Stabsoffiziere, sondern Zivilisten und Kinder sind die Opfer. Wenn man sich die Doku anschaut, kann man tatsächlich den Glauben an alles verlieren….

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