Den „Internationalen Frühschoppen“ habe ich schon regelmäßig gesehen, als ich noch in der Schule war. Alfred Grosser war einer der regelmäßigen Gäste, die auf mich großen Eindruck gemacht haben.

Ich war nicht einmal vierzehn Jahre alt und sah mir aus einem Grund, den ich ehrlicherweise nicht einmal klar benennen könnte, häufig mit Papa zusammen, diese Sendung an. Mir sind Größen des Journalismus in Erinnerung, zu denen der soeben verstorbene Alfred Grosser und Peter Scholl-Latour gehörten. Dieses mit Zigarren-, Zigaretten- und Pfeifenrauch vernebelte Studio werde ich vermutlich nicht vergessen. Ja, die gute alte, Schwarz-Weiß-Zeit des Fernsehens hatte für mich etwas Faszinierendes, heute weckt auch dieser Gedanke nostalgische Gefühle.

Vermutlich war es Jahre später, beim Marcel-Reich-Ranicki-Festival (genannt: Das Literarische Quartett) im ZDF, ähnlich.

Ich verstand so manches nicht wirklich, worüber da diskutiert wurde, aber irgendetwas daran wirkte nachhaltig auf mich. Vermutlich waren es die sprachgewaltigen Beiträge und ein wenig auch die mir bereits damals bewusste hohe gesellschaftliche Reputation der Protagonisten.

Nun ist Alfred Grosser im Alter von 99 Jahren verstorben. Manchen Medienberichten zufolge machte er sich vor allem einen guten Ruf im Kontext der deutsch-französischen Verständigung.

Er, selbst Jude, galt, als starker Kritiker der israelischen Politik und stellte humanitäre Gedanken dazu immer wieder in den Mittelpunkt seiner Kritik.

Das manches Ekelpaket unter den deutschen Journalisten mit Grosser hart ins Gericht ging, scheint unvermeidlich. In diesen Tagen umso mehr.

Dass beiden, Grosser und Reich-Ranicki, vorgeworfen wurde, eine besondere Dominanz zu pflegen, die manche womöglich mit Narzissmus übersetzten (Broder zum Beispiel – s. Link), passt für mich zu dem überragenden Intellekt, den ich beiden Menschen zuschreibe.

Beide Männer haben auf ihre Art dazu beigetragen, uns Deutsche durch ihr Vorbild mit der schrecklichen Vergangenheit etwas zu versöhnen.

So sterben sie alle nach und nach. Die Menschen, die durch ihre Beiträge wahrscheinlich auch zu meiner persönlichen Sozialisierung beigetragen haben. Sie fehlen uns in dieser Zeit, in der wir Führung und Orientierung auf der politischen Ebene stark vermissen.

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