Ich habe ja nicht geahnt, dass Bloggerseelen derart empfindsam sein können. Nun erfahre ich, dass manchen offenbar der Spaß am Bloggen vergeht, weil in einem Webring acht von zehn Bloggern KI verwenden. Acht von zehn! Man möchte fast eine Schweigeminute für das bedrohte quasi handgeschriebene Abendland einlegen.

Die reine Lehre vom Bloggen
Ob dieses Genöle über KI eigentlich irgendwann einmal aufhört? Geben diese Alles-noch-selbst-Schreiber irgendwann ihren Kulturkampf auf und bloggen einfach weiter, wie andere das auch tun – still, beharrlich und nach ihrer eigenen Fasson? Niemand hindert sie daran. Niemand verlangt von ihnen, ChatGPT, Claude oder irgendein anderes Werkzeug zu benutzen. Sie dürfen jeden Satz weiterhin eigenhändig aus dem geistigen Steinbruch schlagen und anschließend stolz die Spuren des Meißels vorzeigen. Statt irgendwelche schnöden KI-Manifeste zu verzapfen oder auf andere Hinweise der Schreckgespenster zu verzichten, die in Bild- oder Textform so passieren können.
Ein Text wird nicht dadurch besonders gut, dass sein Verfasser möglichst viel Technik verwendet. Und ein Schlechter wird auch nicht davon schöner, nur weil er garantiert KI-frei entstanden ist. Er dürfte, wenns gut läuft, authentischer sein. Ob er interessanter ist, steht auf einem anderen Blatt.
Die Leser entscheiden
Schreibt eure Texte doch, wie immer ihr wollt. Mit KI, ohne KI, mit Bleistift, Füllfederhalter oder schreibt eure Manuskripte auf einer Schreibmaschine aus dem Nachlass von Ernest Hemingway. Dann sehen wir, zu wessen Gunsten das Pendel ausschlägt – sofern es beim Bloggen überhaupt noch viel Zählbares gibt.
Kein TÜV für Gedanken
Ich möchte jedenfalls keinen Blogger-TÜV, der mir bescheinigt, mit welchen Hilfsmitteln ein Text entstanden sein darf, damit er das Reinheitssiegel „100 Prozent selbst geschrieben“ erhält. Ich habe vor ca. zwei Monaten mal einen Text geprüft, an dem KI beteiligt war. Ihm wurde KI-Freiheit attestiert. Es menschelte 100 %. Wenn man ein solches Tool schon anbietet, sollte es KI auch erkennen und zwar nicht nur zu einem bestimmten Prozentsatz.
Georg Schramm erklärte das anhaltende Interesse an Talkshows einmal damit, dass die Zuschauer trotz wachsender Enttäuschung immer wieder auf den einen erlösenden Moment hoffen, in dem ein Politiker oder Gast endlich einen gehaltvollen und echten Satz sagt. Vielleicht lesen wir Blogs auch deshalb. Vielleicht finden wir ja mal einen Gedanken, der einem etwas gibt. Ob KI so etwas so ganz und gar nicht hervorbringen könnte? Wenn ich manches in vermeintlich KI-freien Beiträgen lese, kommen mir Zweifel.
Uns (die Bloggerschaft) interessiert doch eigentlich nur, ob jemand etwas zu sagen hat bzw. einen Gedanke aufgeschrieben hat, der über das hinausgeht, was man täglich hört, sieht oder liest. Ob ein Text mich ärgert, überrascht, zum Widerspruch reizt oder mich von mir aus verarscht, vielleicht nachdenklich oder gar klüger macht, weil ich den Gedanken bisher nicht kannte.
Die bunten KI-Bilder finde ich toll und oft genug sogar kreativ. Ich habe halt nicht so hohe Ansprüche wie andere. Schon gar nicht an mich selbst.
Wie schön! Der Spackenblog ist auch wieder dabei.
Die „acht von zehn“ ist übrigens eine rein gefühlte Zahl.
Darüber hinaus finde ich sind es eben zwei Facetten der Diskussion – mag mancher dir vorschreiben wollen, wie du schreibst, ist mir persönlich das schnuppe.
Und doch will ich als Leser eben die Entscheidungsfreiheit haben zu wissen, ob jemand ein LLM einsetzt – und wie; am Ende ist’s aber wohl auch eine Nerd-Entscheidung, weil es die meisten nicht interessiert. Und weil ein Blog eben eine Spielwiese ist … Auch, wenn ich persönlich nicht verstehe, wozu man zum Tagebuchschreiben unbedingt eine KI braucht.
Am Ende zwingt dich aber auch niemand, sich an der Diskussion zu beteiligen, weshalb ich es witzig finde, wenn aller paar Monate man sich aufregt, dass manche das Thema eben diskutieren ¯\_(ツ)_/¯
@Thomas: Es klingt immer gleich, Thomas. Wieso sollte ich mich nicht an dieser Diskussion beteiligen? Ich beteilige mich mit und ohne KI an allem möglichen Scheiß, der in unserem Land diskutiert wird. Ist nicht immer leicht aber ich mach‘ es. Ich finde die aufflammenden Diskussion schon deshalb gut, weil ich ja weiß, dass es den Initiatoren nur darum geht, uns auf die Bäume zu treiben. Da mach ich gern mit. Eigentlich.
@Thomas: Den Satz
finde ich gut. Er stellt heraus, wie übertrieben so manches Mal Technik gebraucht wird. Immer mal locker vom Hocker und Bekenntnis zur eigenen Schreibe, zur eigenen Persönlichkeit.
Aber ich habe gut reden, ich kann mich ohne Hilfe ausdrücken.
Ein Freund von mir – Missionar für den Kaukasus – nutzt KI für seine Freundesbriefe (das sind Rundbriefe an seine Unterstützer und Interessenten). Da Deutsch nicht seine Muttersprache ist und er nicht dauernd andere belämmern will zum Korrigieren, nutzt er KI für seine Texte. Das finde ich eine gute Anwendung.
Habe ich ja gemacht, ist anscheinend auch nicht richtig. 😉 Und was du als Genöle abtust, ist meine Meinung – gespeist aus einer langen Beobachtungsphase. Ich bleibe bei jedem Buchstaben, den ich gestern publizierte. Und ich sage es hier auch klar: Inhalte, die komplett aus AI kommen in Bild, Text und Video, haben keinen Mehrwert. Das kann ich mir selbst auch generieren. Und sowas möchte ich nicht lesen. Das ist eben auch Freiheit, an der dir ja auch so viel liegt. Die Nachteile von AI sind hinlänglich dokumentiert, man kann sich informieren, wenn man denn auch für etwas Ambiguität bereit ist.
Wenn mich das jetzt qualifiziert, der Gandhi der deutschen Blogszene zu werden (zumindest war das ja dein Versuch in der Einleitung), nehme ich dieses Vivat mit großer Erheiterung an. Wenn man aber immer den Verfall des Diskurses beklagt, dann sollte man vielleicht nicht einen solchen Einstieg wählen und sich auf die Versachlichung der Diskussion fokussieren.
@Denis: Doch. Das war genau richtig.
Dass dich der Einsatz von KI oder von Bildchen, die damit erzeugt werden, so annervt, verstehe ich nicht ganz. Mich treiben eher andere Themen auf die Bäume. Politische Themen allemal.
Ich achte deine Meinung und kann verstehen, dass man selbst aus Überzeugung auf KI‑Text und Bilder verzichtet. Man kann auch ohne bloggen. Ich tue das seit 2003.
KI setze ich inzwischen schon etwas mehr als 2 Jahre ein und schätze vor allem die Möglichkeiten, die mir zur Programmierung und Gestaltung im Blog gegeben sind. Bei den Texten verwende ich KI selektiv und eher spärlich. Hauptsächlich bei Recherchen.
Ich habe leider trotzdem immer noch nicht herausgefunden, was die SPD tun könnte, um aus ihrem Tief herauszukommen.
@Denis: „Inhalte, die komplett aus AI kommen in Bild, Text und Video, haben keinen Mehrwert. “ Gibt es denn wirklich Blogs, die KI so nutzen? Ich lese diese Klagen über KI-Blogger, bemerke aber selbst nichts dergleichen. Aber natürlich sind alle, die den Vorwurf formulieren, rücksichtsvoll genug, nie die entsprechenden Blogs zu nennen – ich wäre wirklich dankbar dafür! Tagebuchbloggen ist nicht mein Ding, deshalb lese ich solche Blogs kaum – aber beim kurz drüber schauen, sehe ich auch keine KI-Nutzung – in den Texten meine ich, Bilder sind mir egal.
Hallo Horst,
deinen Gedanken vom „Blogger-TÜV” finde ich ziemlich treffend. Genau dieses Gefühl habe ich bei der aktuellen Diskussion teilweise auch: Plötzlich soll offenbar genau dokumentiert werden, welche Werkzeuge man beim Schreiben verwendet hat, damit am Ende niemand auf die Idee kommt, der Blog sei nicht „echt“.
Ich sehe das ziemlich entspannt. Ich nutze KI seit einiger Zeit als Hilfsmittel für Lorenzos Welt. Die Themen, Erlebnisse, Gedanken und Meinungen stammen aber von mir. Die KI hilft mir vor allem beim Strukturieren und Formulieren. Deshalb bleibt es mein persönlicher Blog.
Und genau deshalb möchte ich auch keinen Blogger-TÜV und keine verpflichtende /ai-Seite. Ich möchte nicht für jeden Beitrag erklären müssen, welche technischen Hilfsmittel an seiner Entstehung beteiligt waren. Warum sollte ich?
Natürlich darf jede:r Leser:in sagen: „Ich möchte keine Blogs lesen, bei denen KI zum Einsatz kommt.“ Das ist völlig legitim. Genauso legitim ist es aber, wenn ich für mich entscheide, KI als Werkzeug zu nutzen.
Ich finde deinen Satz sehr passend, dass letztlich entscheidend ist, ob jemand etwas zu sagen hat. Genau darum geht es mir beim Bloggen. Wenn meine Leser:innen mit meinen Beiträgen etwas anfangen können, wenn sie mit mir diskutieren, mir widersprechen oder einfach gerne mitlesen, ist es mir ziemlich egal, ob ich beim Formulieren einen Bleistift, eine Tastatur oder eine KI benutzt habe.
Und was die KI-Bilder betrifft, bin ich ebenfalls ziemlich entspannt. 😉
Liebe Grüße
Lorenzo
@Lorenzo:
Ist genau das nicht entscheidend. Früher dachte ich immer, dass meine Themenauswahl und meine Meinung bestimmen, ob jemand meinen Blog liest oder nicht. Heute soll es nun so sein, dass das keine so große Rolle spielt, sondern dem Anschein nach, nur die Frage, ob KI eingesetzt ist und die furchtbar einheitlichen KI-Bilder oder nicht. Ich verstehe diese eingetretene Polarisierung auch bei dem Thema immer weniger.
@Horst Schulte: Genau das ist für mich auch der entscheidende Punkt, Horst.
Natürlich möchte ich niemandem vorschreiben, was er oder sie lesen soll. Wenn jemand keine KI-generierten Bilder mag oder keine Texte lesen möchte, bei denen KI zum Einsatz kam, ist das völlig legitim. Dann entscheidet man sich eben für andere Blogs.
Was ich allerdings schwierig finde, ist, wenn die Frage nach dem verwendeten Werkzeug plötzlich wichtiger wird als der eigentliche Inhalt. Für mich sind nach wie vor die Themen, Gedanken, Erlebnisse, Meinungen und die Persönlichkeit hinter einem Blog entscheidend.
Bei KI-Bildern kann ich die Kritik teilweise sogar nachvollziehen. Viele davon sehen tatsächlich ziemlich ähnlich und austauschbar aus. Das ist für mich aber etwas anderes als meine Nutzung von KI beim Schreiben. Meine Beiträge entstehen nicht dadurch, dass ich der KI ein Thema hinwerfe und anschließend ihren Text veröffentliche.
Wie bereits geschrieben, bringe ich meine eigenen Gedanken und Inhalte ein und nutze KI als Hilfsmittel. Deshalb finde ich es schade, wenn daraus plötzlich eine Art Lagerdenken entsteht: hier die „echten“ Blogger:innen und dort diejenigen, die KI verwenden.
Ich möchte nach wie vor daran gemessen werden, was ich zu sagen habe, und nicht daran, welches Werkzeug mir dabei geholfen hat.
Und genau diese zunehmende Polarisierung empfinde ich als ziemlich ermüdend.
@Lorenzo: Es ist wie überall im Netz und wohl auch im wahren Leben. Es gibt die Idioten, die sich an allem abarbeiten, was sie als Ziel für ihre Boshaftigkeit identifizieren. Das hat mit der Einstellung zur KI herzlich wenig zu tun. Arschlöcher stänkern rum und freuen sich, wenn sie damit andere ärgern. Langsam sollten wir uns daran gewöhnt haben.
Du hast recht, Lorenzo. Wir ignorieren die Typen und machen unser Ding.
Wozu man zum Tagebuchschreiben eine KI braucht… Ist schon treffend- Aber das ist wieder dieses „schwarz- weiß“ – Ding. Auf der einen Seite kann sie unheimlich schnell und gut helfen, aber zum anderen ist sie für die Recherche unvollkommen und Fehlerhaft. Habe ich doch heute nach Citroen Ami und Citroen Avantage gesucht…. Das Ergebnis war unbrauchbar – weil völlig falsch. Wer KI zum recherchieren einsetzt sollte dies kennzeichnen müssen. Wer seine Texte vom Kunsthirn überarbeiten lässt ebenso. Wenn ich das bei mir mache, kennzeichne ich das übrigens.
Warum? Weil es den Schreibstil ändert und beeinflusst. Ich lese ja nicht den Artikel, den XYZ geschrieben hat sondern einen Artikel für den XYZ die Idee hatte und das Wissen dazu wurde von einer KI zusammengetragen und er Text von ihr bearbeitet. Bei Menschen mit Behinderung muss man das sicher anders denken, wenn sie das Eine oder Andere nicht können. Mit einem nicht gekennzeichneten Artikel betrügt man den Leser- meier Meinung nach.
@Wolf Jäger: Es kann nur an mir liegen: „unvollkommen und fehlerhaft“ empfinde ich die Rechercheergebnisse überhaupt nicht. Vielleicht hab ich auch einfach nur Spaß daran, die Leser herauszufordern. Komischerweise nehmen die jedoch keinen Anstoß an falschen Rechercheergebnissen. Mal abgesehen davon, dass ich die Ergebnisse durchaus verinnerliche und damit auch prüfe. Ich kennzeichne die Text auch. Allerdings geht dieser Plan nach und nach verloren. Bis ich dann mal wieder auf die schweren Vorbehalte anderer Blogger gegen die Nichtkennzeichnung zur Kenntnis nehme. Hier gibts ein KI-Manifest. Das muss reichen.
Ich betrüge meine LeserInnen, weil ich KI einsetze? Du bist echt drüber.
Ich habe gelesen dass sich einige einen KI-Meldebutton bei Uberblogr wünschen. Wenn der dort eingeführt wird lass ich meinen Blog dort löschen. Dass man Inhalte in Blogs zensiert und nur die zulässt, die das richtige schreiben finde ich unmöglich.
@Horst Scheuer: Die Meldemuschies, die in Deutschland ohnehin zahlreich am Start sind. Viel Vergnügen dabei und ich bin gespannt, was die Denunzianten anrichten können.
Bevor ich mir eine Urheberrechtsverletzung wegen eines Bilds aus dem Internet einfange, generiere ich doch lieber ein Bild mit KI, um etwas bildhaft zu untermauern. Aber nicht nur das: Einiges an Bildmaterial gibt es schlichtweg überhaupt nicht. Warum sollte ich mir das dann nicht von einer KI generieren lassen? Ein Gesinnungstüv für Blogs? Nicht im Ernst, oder?
@Peter Lohren: Ein ganz wichtiger Punkt. Ich habe überhaupt erst mit KI begonnen, weil ich genau das auch verhindern wollte. Schließlich habe ich diesbezüglich meine eigenen Erfahrungen gemacht.
Abgesehen von meinen Bauchschmerzen, was den Einsatz und Nutzen von KI angeht, habe ich schon immer meine Texte durch eine Rechtschreibkorrektur geschickt, oder auch sprachlich hier und dort von einer Software sprachlich anpassen lassen. Der Inhalt von meinen Texten steht für mich im Fokus. Hier kann eine Software und aktuell eine KI ein Vorteil sein. An sich sind Software und KI also nichts Schlechtes. Bei meinen englischsprachigen Texten und Kommentaren nutze ich KI für die bessere Übersetzung und ja, ich lerne viel Englisch dazu – nicht schlecht finde ich – besser als zu meinen Schulzeiten, wo Englisch so langweilig, trocken und die Lehrer sowieso nie Lust hatten, uns Schüler wirklich etwas beizubringen. Kurzum, ich könnte weitere positive, und auch viele negative, Beispiele für den Einsatz von Software und KI beim Bloggen, Texten und Schreiben vorbringen – im Fokus steht immer der Inhalt, den habe ich selbst geschrieben haben muss und nicht von Software oder KI generieren lassen. Einmal Blogger, immer Blogger und am liebsten auf eigener Domain und CMS – hier ist ein Zuhause.
@Martin: Das spielt auch bei mir eine große Rolle. Ich lasse mir von der KI keine Themen „vorgeben“ aber die Recherche spielt natürlich eine dominierende Rolle. Ich habe viele Fragen und checke die Antworten immer wieder gegen. Nicht bloß einmal. Während des Schreibens an sich, wird die KI selten eingesetzt. Nur wenn mir eine Formulierung nicht gut gefällt, nutze ich sie auch operativ, also während des Schreibens.
Ich nutze übrigens schon länger Deepl. Das ist, was Übersetzungen anlangt, aus meiner Sicht erste Wahl. Zudem kommt die Software ja aus Deutschland, was ich prima finde.
Die meiste Zeit, würde ich sagen, geht für Konzepte und Programmierungen drauf. Wie so etwas hier: https://drive.google.com/file/d/1R_KUUjVgVkfP8gJ6XqobP0gH7sbdAYzP/view?usp=sharing