Es gibt viele Orte im Web, an denen sich die Dummheit tummelt. Facebook gehört wohl von Anbeginn dazu. Regulierung findet kaum statt, wenn überhaupt. Dafür ergehen sich andererseits nicht wenige darin, ihren Widerstand gegen das System zu bekunden. Welche Unsäglichkeiten diese Leute dabei begehen, kann man auch an diesem Beispiel sehen.

Hinter dem Account “Hichäääm” steckt keine NGO, sondern ein einzelner deutscher Content-Creator mit dem echten Namen Hicham, der bereits seit rund 2015 als YouTube- und Social-Media-Persönlichkeit aktiv ist. Die Behauptung von Facebook-Nutzern, dahinter stecke eine Organisation, lässt sich anhand der verfügbaren Quellen nicht bestätigen.
Dass Frank Elstner an Parkinson und nicht an Alzheimer erkrankt ist, muss man nicht wissen. Allerdings sollte man dann auch nicht solche Kommentare schreiben:

Ich habe natürlich nicht nach solchen Kommentaren gesucht. Man stolpert über sie und fühlt sich einfach nur angewidert.
Nicht Dummheit ist das eigentliche Problem. Wir sind schließlich alle auf ziemlich vielen Gebieten erschreckend ahnungslos. Problematisch wird die Kombination aus Ahnungslosigkeit, Selbstgewissheit und fehlender Scham.
Hallo Horst,
du triffst einen wichtigen Punkt. Nicht jeder kann und muss alles wissen. Wir sind schließlich alle in manchen Bereichen ziemlich ahnungslos. Entscheidend ist für mich, wie wir damit umgehen.
Was mir zunehmend Sorgen macht, ist diese Mischung aus Halbwissen, großer Selbstsicherheit und völliger Unfähigkeit, die eigene Meinung zu hinterfragen. Gerade in den sozialen Medien scheint sich das teilweise noch gegenseitig zu verstärken. Man findet seine eigene Blase, wird dort ständig in seiner Meinung bestätigt und hält die eigene Sichtweise irgendwann für die einzig mögliche Wahrheit.
Gerade beim Thema Hitze finde ich es wichtig, nicht so zu tun, als wäre das alles nur eine Frage des persönlichen Geschmacks. Hitze kann tatsächlich töten. Für manche Menschen sind extreme Temperaturen nicht nur unangenehm, sondern eine ernsthafte gesundheitliche Gefahr. Das sollte man nicht mit einem „Ich mag den Sommer aber“ abtun.
Ich finde den Austausch mit Menschen außerhalb der eigenen Blase deshalb so wichtig. Nicht, um am Ende einer Meinung zu sein, sondern um die andere Perspektive zumindest einmal kennenzulernen und die eigene Position vielleicht auch einmal zu überdenken.
Bei manchen der von dir beschriebenen Kommentare fehlt mir ehrlich gesagt nicht nur das Wissen, sondern schlicht der Respekt vor anderen Menschen. Da fällt es schwer, noch von einem normalen Meinungsaustausch zu sprechen.
Liebe Grüße
Lorenzo
@Lorenzo:
Dafür gibts zuviel Experten, was „die Sache” noch mehr kompliziert, finde ich. Und dann gibts die, die die Realität (die von den Experten geprägte) schlichtweg ignorieren. Und das wiederum aus unterschiedlichsten Gründen. Denkfaulheit oder ideologische Voreingenommenheit fallen mir dabei als Erstes ein.
Die Blasen und ihre Zusammenrottungsordnung (genannt Algorithmen) funktionieren blendend. Und zwar auf allen Seiten. Wer da hineingerät und sich einen Rest an selbstkritischer Herangehensweise erhalten hat, bekommt schnell Probleme.
Ich werde, so Gott will, bald 73. Ich habe die Sonne und das Sonnenbaden geliebt – trotz aller Warnungen. Heute habe ich nicht mehr viel übrig und meide nach Möglichkeit, überhaupt noch rauszugehen. Jedenfalls während der Hitzperioden. Meine Trinkflasche vergesse ich, wenn es geschieht, nie. Meine Frau und ich sind vorsichtiger geworden. Uns zieht nichts mehr in die üblichen Urlaubsgebiete (die mit viel Sonne). Dass manche immer noch so tun, als seien dies normale Sommer, ist verstörend.
Was die Kommentare anlangt: Ich habe Antworten bekommen, die ich erwartet hatte. Eine Beleidigung nach der anderen. Allerdings habe ich ja auch angefangen. Manchmal kann ich mich nicht beherrschen.
Danke für den schönen Kommentar, Lorenzo.
@Horst Schulte: Hallo Horst,
gerade dein letzter Satz zu den Kommentaren bringt mich ein bisschen zum Schmunzeln, denn damit bestätigst du im Grunde deinen eigenen Gedanken zum Abrüsten: Wenn man selbst merkt, dass man sich manchmal nicht beherrschen kann, ist das ein wichtiger Schritt zur Selbstreflexion. Niemand ist schließlich davor gefeit, sich einmal im Ton zu vergreifen.
Deine persönliche Geschichte mit der Hitze finde ich allerdings sehr eindrücklich. Wenn man früher die Sonne und das Sonnenbaden geliebt hat und heute während Hitzeperioden möglichst gar nicht mehr rausgeht, zeigt das doch sehr deutlich, dass sich die Wahrnehmung mit den Erfahrungen verändert. Dass du die Trinkflasche inzwischen immer dabei hast, ist eine ziemlich vernünftige Konsequenz.
Was mich an der Diskussion über Hitze besonders stört, ist das Argument „Früher gab es auch heiße Sommer“. Natürlich gab es die. Aber der menschengemachte Klimawandel ist längst da – unabhängig davon, ob jemand das glauben möchte oder nicht. Dass die Erderwärmung überwiegend durch menschliche Treibhausgasemissionen verursacht wird, ist wissenschaftlich sehr gut belegt. Das ist keine Frage der Meinung oder Ideologie.
Daraus folgt, dass heutige extreme Hitze nicht mit einem „Das gab es früher auch“ abgetan werden kann. Hitze kann töten – und gerade deshalb sollten wir solche Entwicklungen ernst nehmen und nicht kleinreden.
Bei den Experten gebe ich dir ebenfalls recht: Es ist manchmal gar nicht so einfach, zwischen seriösen Informationen und vermeintlichen Experten zu unterscheiden. Umso wichtiger finde ich es, die eigene Bereitschaft zum Hinterfragen zu bewahren – auch dann, wenn die Information nicht zur eigenen Meinung passt.
Danke dir ebenfalls für deine ausführliche Antwort! 😊
Liebe Grüße
Lorenzo
@Lorenzo: Gestern war es z.B. so, dass die verbale Eskalation mich davon abhielt, zu antworten.
Im Hinblick auf die Diskussionen über die Klimakatastrophe sehe ich bei zu vielen normalen Leuten einen Hang zur Vogel-Strauß-Politik. Vielleicht ist das auch Ausdruck von Resignation. Viele Leute glauben nicht (mehr), dass die Menschen das alles überhaupt noch beeinflussen können. Bei Politikern kommt dazu, dass sie glauben oder wissen, mit dem Thema keinen Blumentopf gewinnen zu können. Ausnahme: Die Grünen. Ich schrieb zuletzt darüber.