Moderne Krimis verlieren sich in Zeitsprüngen und psychedelischen Effekten. Dabei zeigen schon die 70er mit Led Zeppelin und dem Beat Club: Experimente haben ihren Platz – aber nicht als Dauerzustand. Ein Plädoyer für klare Erzählkunst statt visuellem Nebel.

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Krimi im LSD-Nebel – und was der Beat Club damit zu tun hat

Gibt es eigentlich noch Krimis, die ohne psychedelische Nebelmaschinen oder traumdeuterische Effekte auskommen? Ich frage aus ehrlichem Interesse. Habt ihr gestern „Stralsund“ gesehen? Dann wisst ihr, was ich meine.

Was früher eine solide Geschichte war – Mord, Motiv, menschliche Abgründe –, wird heute gern mit Zeitsprüngen, Halluzinationen und bewusstseinserweiternden Kamerafahrten garniert. Zwei Zeitebenen reichen längst nicht mehr. Es müssen mindestens drei sein. Rückblende, Vorblende, Parallelrealität. Wer da noch weiß, ob der Kommissar gerade träumt oder ermittelt, hat entweder ein fotografisches Gedächtnis oder sehr viel Geduld.

Die öffentlich-rechtlichen Sender – die Privaten erspare ich mir an dieser Stelle – wirken dabei besonders ambitioniert. Man möchte offenbar Kunst schaffen. Das Ergebnis ist nicht selten ein Sonntagabend, an dem man sich fragt, ob man versehentlich in einem Filmseminar gelandet ist.

Täterjagd als Sportdisziplin

Meine Frau und ich haben zum Spaß eine eigene Disziplin entwickelt: Täterprognose in Echtzeit.

Tritt ein besonders finster dreinblickender Akteur auf, dessen Gesicht bereits „Ich war’s“ murmelt, landet er sofort auf unserer inneren Liste. Noch zuverlässiger ist allerdings die zweite Methode: Ein auffallend prominenter Schauspieler oder eine bekannte Schauspielerin taucht scheinbar unbedeutend im Hintergrund auf. Kaum Text, wenig Präsenz – aber ein überaus vertrautes Gesicht. Das ist so durchsichtig, dass es fast schon wieder genial sein könnte. Meistens bestätigt sich unser Verdacht.

Spannung entsteht so nicht durch Raffinesse, sondern durch Ausschlussverfahren.

Psychedelik ist keine Erfindung von gestern

Nun will ich fair sein. Experimente mit filmischen und psychedelischen Elementen sind keine Erfindung der Gegenwart. Schon in den frühen Siebzigern wurde visuell und akustisch ausprobiert, was möglich ist.

Led Zeppelin etwa galten nicht nur als Wegbereiter dessen, was später als Heavy Metal laut und dominant wurde. In ihrer Musik steckten ebenso deutliche psychedelische Einflüsse – ausufernde Klanglandschaften, mystische Anspielungen, sphärische Gitarrenflächen. Das war Avantgarde, aber mit Substanz. Man verlor sich im Klang – und fand doch wieder zurück.

Und auch im Fernsehen wurde experimentiert. Mike Leckebusch setzte im Beat-Club visuelle Effekte, Überblendungen und psychedelische Bildwelten ein, die damals kühn und neu wirkten. Es war ein Spiel mit Wahrnehmung und Ästhetik – getragen von Musik und Zeitgeist.

Der Unterschied zu heute? Damals war es ein bewusster Stilbruch. Heute scheint es manchmal Standardrepertoire zu sein.

Erzählt mir einfach eine Geschichte

Ich verlange keine erzählerische Askese. Ein wenig formaler Mut schadet nicht. Aber wenn jede zweite Szene in einem Traum beginnt und in einer Rückblende endet, verliert die Geschichte ihr Zentrum.

Wir wollen doch nur wissen: Wer war’s? Warum? Und wie kommt man ihm auf die Spur?

Ein guter Krimi braucht keine Pilze am Wegesrand und keine schmelzenden Uhren im Hintergrund. Er braucht Figuren, Motive, Dialoge. Er braucht einen Spannungsbogen, der trägt – nicht einen Effekt, der betäubt.

Led Zeppelin durften psychedelisch sein. Der Beat Club durfte experimentieren. Aber der Sonntagabendkrimi muss nicht jedes Mal so tun, als stünde er unter bewusstseinserweiterndem Einfluss.

Manchmal reicht eine gute Geschichte. Wirklich.

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