Kommt der Umbau voran? Gesundheitsämter nach der Pandemie

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gesundheitsaemter digitalisierung fax pandemie
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Wir reden gerade viel über Unabhängigkeit. Über digitale Souveränität. Über das böse Silicon Valley und die hündische Ergebenheit mancher Konzerne gegenüber einem Mann, der Wahrheit für eine Frage der Lautstärke hält. Wir reden, nicken, posten, empören uns. Und warten dann erstaunlich geduldig darauf, dass sich das Thema wieder erledigt.

Denn das kann es ja gut. Sich erledigen. Der öffentliche Fokus ist flatterhaft wie ein Schmetterling auf Koffein. So viele Themen, die gleichzeitig auf dem Tisch liegen und die bedacht und bearbeitet werden wollen. Irgendwo dazwischen: unsere Gesundheitsämter. Ihr erinnert euch? Ich wurde durch Stephan Pfeiffers detailreichen Artikel daran erinnert.

Man darf ja fragen. Ganz unschuldig. Stehen in unseren Gesundheitsämtern eigentlich noch Faxgeräte herum? Diese grauen Kästen, die beim Senden klingen, als würden sie innerlich weinen? Werden sie etwa noch immer benutzt? Oder stehen sie nur noch da wie Mahnmale einer Verwaltung, die Digitalisierung immer als Zumutung verstanden hat?

Die ehrliche Antwort ist unerquicklich: Ja, sie stehen noch da. Und ja, sie werden teils noch benutzt. Nicht aus Nostalgie. Sondern aus Mangel an Alternativen. Weil IT-Systeme, so vorhanden, nicht miteinander sprechen. Weil Schnittstellen fehlen. Weil Föderalismus nicht nur Vielfalt bedeutet, sondern auch die hohe Kunst des organisierten Aneinandervorbeiredens.

Natürlich hat sich etwas getan. Das muss man fairerweise sagen. Milliarden wurden versprochen, Programme aufgelegt, Stellen geschaffen. Man nennt das dann »Umbau«. Ein schönes Wort. Klingt nach Handwerk, nach Fortschritt, vielleicht sogar nach Erschaffung einer IT-Infrastruktur.

In der Realität gleicht es eher einer Renovierung im laufenden Betrieb, bei der niemand so genau weiß, wo sich die Sicherungskästen befinden. Neue Software hier, alte Verfahren dort. Schulungen, die stattfinden, wenn gerade niemand Zeit hat. Programme, die gut gemeint sind, aber enden wie so vieles in Deutschland: im Flickenteppich.

Eine einheitliche Software für den Pandemiefall? Nein. Eine durchgängige digitale Infrastruktur? Ebenfalls nein. Was wir haben, sind (hoffentlich noch) engagierte Menschen, die gelernt haben, mit Provisorien zu arbeiten. Improvisation als Staatskunst. Das Faxgerät als Backup der Nation.

Und das ist der eigentliche Skandal. Nicht das Fax. Sondern die Tatsache, dass wir nach einer Pandemie, die uns den Spiegel vorgehalten hat, noch immer vortäuschen, als reiche ein bisschen Geld und gutes Zureden. Als sei Modernisierung ein Ereignis und kein Prozess. Als könne man Verwaltung digitalisieren, ohne Machtfragen zu stellen, Zuständigkeiten zu klären und liebgewonnene Blockaden aufzugeben.

Man könnte zynisch werden. Ich will das nicht. Aber ich fürchte: Auch bei vielen anderen politisch mit einiger Lautstärke proklamierten Reformen und Agenden wird es sein wie bei diesem vergleichsweise kleinen Projekt, der Vereinheitlichung unserer Gesundheitsämter: Sobald der öffentliche Druck nachlässt, wird auch der Reformeifer wieder kleiner. Nicht aus Bosheit. Aus Gewohnheit. Wir kennen doch unsere Pappenheimer.

Der Umbau der Gesundheitsämter hat begonnen. Er ist nicht abgeschlossen. Und er bleibt gefährdet. Durch Bequemlichkeit. Durch Vergessen. Durch den nächsten großen Aufreger.

»Wir haben aus der Pandemie gelernt«, heißt es.

Womöglich.

Die Frage bleibt gemäß unserer Erfahrung: Wie geht’s weiter, wenn niemand mehr so genau hinschaut? Ich hätte mir gewünscht, unsere Gesundheitsämter in Deutschland wären wenigstens seit dem Ende der Pandemie einheitlich ausgestattet und die Prozesse wären koordiniert.

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2 Gedanken zu „Kommt der Umbau voran? Gesundheitsämter nach der Pandemie“

  1. »Wir arbeiten, was wir können!«
    Das hielt mir eine Assistenzkraft entgegen, weil ich mich beschwerte, keinen Termin bei ihnen zu bekommen.
    Weil ich telefonisch nicht durchkam, (auch 10 Minuten vor Praxisschschluss schon die Durchsage: Rufen Sie morgen wieder an). wählte ich die Onlineterminvereinbarung. Zweimal wurde gleich danach mein Termin rausgenommen, ohne Begründung.
    Ich wurde nächsten Tag angerufen, war aber nicht da. Als ich zurückrief, kam ich nicht durch.
    Nach dem Feierabend rief mich die Ärztin selbst an und bot mir einen Temin an. den nahm ich an. Am nächsten Morgen rief mich eine Assistentin an und fragte, ob ich diesen Termin wolle.
    Da war ich baff! » Ich hatte ihn doch gestern bei ihrer Ärztin schon bestätigt«.
    »Also, sie nehmen ihn ?!«
    Und so weiter und so fort.
    Da lief einiges nicht richtig, Zeitnot und Zeitmangel, Spickzettel hier und dort und Onlineplattformen, die nicht alles konnten. Falsch gedrückte Tasten, genervte Anrufer und sehr genervte Frauen am Telefon.
    Ich hätte, so denke ich heute, etwas gelassener sein können, aber wartete schon auf den nächsten kleinen Unfall in der Kommunikation.
    Übrigens wirkte die Praxis Monate später sehr aufgeräumt und zügig im Abhandeln all der Dinge, die nötig waren.

    Kurzer Rede, langer Sinn, auch gerade im Hinblick auf deinen Artikel: Neue Software, die ausgerollt wird, muss alles mögliche abdecken, gleichzeitig unnötiges/ störendes für bestimmte Bereiche weglassen. Eine Sysiphusarbeit, eine ongoing activity. Da werden einige Mitarbeiter sagen: Die alte Software war viel besser, ich vermisse dies und das.
    Und Insellösungen wird es dann auch noch geben, denke ich.
    Vereinheitlichung ist eben ein großes Wort.
    Das jetzt mal so, runtergeschrieben im Fluss.

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