Es ist Vollfrühling

14. April 2026

japanischer garten schloss dyck
japanischer garten schloss dyck

Sagt man doch so – oder? Vollfrühling ist, wenn die Apfelbäume blühen. Der richtige Zeitpunkt eine kleine Auswahl meiner neuen Fotos aus dieser wunderbaren Jahreszeit zu posten. Viel Freude.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Deutschlands Industrie unter Druck

13. April 2026

Es sind nicht die lauten Brüche, die dem Standort Deutschland zusetzen. Es ist das leise Verrücken der Gewichte, das kaum jemand bemerkt – bis es später nicht mehr zu übersehen ist. Deutschland steht genau an so einem Punkt.

Die Diskussion über hohe Energiepreise wirkt auf den ersten Blick wie eine von vielen wirtschaftspolitischen Debatten. Doch sie reicht tiefer. Energie ist längst nicht mehr nur ein Kostenfaktor, sie ist zum strategischen Fundament industrieller Entscheidungen geworden. Wer heute investiert, kalkuliert nicht nur mit Zahlen, sondern mit Erwartungen – und vor allem mit Vertrauen.

Wenn Unternehmen wie BASF Milliarden in neue Anlagen investieren und diese nicht mehr in Deutschland, sondern in China errichten, dann ist das kein Betriebsunfall. Es ist eine Entscheidung, die sich aus nüchterner Logik speist: Dort, wo Energie günstiger ist, wo politische Rahmenbedingungen berechenbarer erscheinen und wo Märkte wachsen, entsteht Zukunft.

Das Problem liegt dabei weniger im einzelnen Schritt als in der Summe. Es ist die stille Verschiebung von Investitionen, die sich nicht sofort in Schlagzeilen niederschlägt, aber langfristig wirkt. Fabriken schließen nicht über Nacht. Sie wachsen nur nicht mehr hier. Und eines Tages merkt man, dass etwas fehlt, das früher selbstverständlich war.

Die Politik hat diese Entwicklung erkannt. Sie reagiert, sie diskutiert, sie sucht nach Lösungen. Doch zwischen Ankündigung und Umsetzung klafft eine Lücke, die Vertrauen kostet und bereits für viel Unruhe und Unzufriedenheit in der Bevölkerung sorgt. Unternehmen brauchen keine wohlklingenden Programme, sondern verlässliche Perspektiven. Wer Milliarden bindet, will wissen, worauf er sich über Jahrzehnte verlassen kann. Genau diese Sicherheit fehlt derzeit oft.

Das macht die Lage so heikel. Deutschland war nie ein Land, das über niedrige Kosten konkurriert hat. Seine Stärke lag immer in Qualität, Innovation und Effizienz. Doch auch diese Stärken brauchen ein Fundament. Wenn Energie dauerhaft teurer bleibt und gleichzeitig Unsicherheit herrscht, gerät dieses Fundament ins Wanken.

Was sich derzeit abzeichnet, ist keine abrupte Deindustrialisierung. Es ist ein schleichender Prozess. Investitionen fließen stärker ins Ausland, bestehende Standorte bleiben, wachsen aber weniger. Die industrielle Basis wird nicht zerstört, aber sie verändert sich. Und mit ihr das wirtschaftliche Gewicht des Landes.

Die kommenden Jahre werden darüber entscheiden, wohin dieser Weg führt. Gelingt es, Energiepreise zu stabilisieren, Infrastruktur auszubauen und politische Verlässlichkeit herzustellen, kann Deutschland diesen Wandel gestalten. Misslingt das, wird aus einer temporären Schwäche eine dauerhafte Verschiebung.

Vielleicht ist das die eigentliche Herausforderung: nicht die Krise zu bewältigen, sondern die Zeit richtig zu nutzen. Denn anders als politische Debatten verläuft wirtschaftliche Realität ohne Pause. Sie wartet nicht darauf, dass Entscheidungen reifen.

Und am Ende bleibt die Frage, die sich nicht aufschieben lässt: Ob Deutschland den Mut findet, seine Rahmenbedingungen so zu verändern, dass Investitionen wieder hier entstehen – oder ob es sich damit abfindet, dass die industrielle Zukunft zunehmend anderswo geschrieben wird.

Was bisher geschah:

Wichtige Stellenabbau-Ankündigungen seit 2025

Industrie / Chemie / Stahl

  • BASF → mehrere tausend Stellen weltweit im Rahmen des Sparprogramms, Schwerpunkt auch Deutschland (Ludwigshafen betroffen)
  • ThyssenKrupp → geplanter Abbau von rund 5.000 Stellen in der Stahlsparte + weitere indirekte Kürzungen
  • ArcelorMittal → Investitionsstopp bei klimaneutralem Stahl in Deutschland, indirekt Gefährdung von Arbeitsplätzen

Automobilindustrie / Zulieferer

  • Volkswagen → Sparprogramme, keine konkreten Massenentlassungen, aber Einstellungsstopps und Stellenabbau über Fluktuation
  • Bosch → mehrere tausend Stellen gefährdet bzw. Abbau angekündigt (v. a. im Zulieferbereich)
  • ZF Friedrichshafen → mittelfristig bis zu 14.000 Stellen in Deutschland gefährdet (Transformation zur Elektromobilität)
  • Continental → weiterer Stellenabbau im Automotive-Bereich (mehrere tausend weltweit)

Chemie / Energie / Industrieumfeld

  • Evonik → Sparprogramm mit Stellenabbau im dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Bereich
  • Covestro → Effizienzprogramme, Stellenabbau möglich (noch teilweise offen)

Technologie / Industrie nah

  • Siemens → Anpassungen in einzelnen Geschäftsbereichen, kein flächendeckender Abbau, aber strukturelle Verschiebungen

Was diese Liste zeigt (und was nicht)

Diese Fälle sind keine zufällige Sammlung. Sie zeichnen ein Muster:

👉 Betroffen sind vor allem:

  • energieintensive Industrie
  • klassische Automobilzulieferer
  • Unternehmen im Transformationsdruck

👉 Weniger betroffen (oder sogar wachsend):

  • Software / KI
  • Rüstung
  • erneuerbare Energien

Die eigentliche Dynamik dahinter

Wichtig ist ein Punkt, der in solchen Listen oft untergeht:

👉 Der größte Verlust passiert nicht durch Entlassungen,

sondern durch nicht geschaffene Jobs.

  • Werke werden nicht gebaut
  • Investitionen gehen ins Ausland
  • neue Stellen entstehen woanders

Das ist statistisch schwerer zu greifen – aber wirtschaftlich oft entscheidender.

Einordnung der Größenordnung

Man muss aufpassen, nicht alles zu dramatisieren – aber auch nichts kleinzureden:

  • Wir reden nicht von einem plötzlichen Zusammenbruch
  • aber von einem spürbaren strukturellen Rückgang in Schlüsselbranchen

👉 Besonders kritisch: Kombination aus

Energiepreisen + Transformation + globalem Wettbewerb

Ausblick

Wenn man die einzelnen Meldungen zusammennimmt, ergibt sich kein Bild eines Crashs, sondern eines langsamen, aber konsequenten Umbaus. Oder klarer gesagt: Deutschland verliert nicht einfach Arbeitsplätze. Es verändert, wo und wie sie entstehen.

Die offene Frage ist nur, ob genügend neue entstehen – und ob sie noch hier entstehen.

Willst du die Wahrheit und was machst du dann damit? AfD wählen?

13. April 2026

Man kann heute, >80 Jahre nach dem Nazi-Terror in Deutschland und Europa dank moderner Technologie (via Datenbank) feststellen, ob Tante Johanna oder Onkel Herbert Nazis waren. Ich habe mich nicht um den Zugriff auf die Datenbank bemüht (Bezahlschranken hindern einen, die «Wahrheit» zu erfahren!).

Ja, Leute. Wenn man nicht weiß, ob die Ahnen und Urahnen Nazis waren, kann man nie befreit aufspielen. Die Gnade der späten Geburt, wie das ein Altkanzler mal nannte, wollen wir doch nicht aufs Spiel setzen, um über so lange Vergangenes nachzudenken. Der Erinnerungskultur, meinen ohnehin viele, sei jetzt mal genug. Auch deshalb wählen die AfD.

Seit Kurzem ist die digitalisierte NSDAP-Mitgliederkartei für jeden bequem einsehbar.

Quelle

Ich weiß, dass Onkel und Tanten meiner Familie Mitglieder der NSDAP, Mitglieder der Hitlerjugend oder sogar der SA waren. Das hätte ich denen nie zugetraut, nett wie die immer zu mir gewesen sind. Nun, jetzt sind sie schon lange tot. Was bringt es, wenn ich das via Datenbank absichern könnte? Man weiß zwar gern, mit wem man es zu tun hat. Das ist zwar in dieser Ära der informellen Selbstbestimmung schwierig. Aber für Nazis machen wir eine Ausnahme. Selbst auf die Gefahr hin, dass die Mitgliedschaft in dem Nazi-Klub keinerlei Aussage über die Frage aller Fragen gibt: Waren Tanke Johanna oder Onkel Herbert tatsächlich Nazis, also böse, schlechte Menschen?

Benutzung und Auskunft aus der digitalisierten NSDAP-Mitglieder­kartei – Bundesarchiv

Ehrlich, auch die Schlappe Orbáns in Ungarn spricht nicht dagegen: Wir steuern auf eine rechtsnationale, in Teilen faschistische Zeit zu. Wohl, weil die meisten vergessen oder nie erfahren haben, was Faschismus eigentlich bedeutet. Nur so sind die tausendfachen Flüche von Nazienkeln zu verstehen, wenn sie lauthals und infam über die Antifa schimpfen.

Wer zahlt für die Gesundheit der Schwächsten? Ein Streit um Verantwortung

13. April 2026

Union und die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) wollen die Finanzierung der Krankenversicherungsbeiträge der Bürgergeldempfänger (Grundsicherung) über Steuermittel gewährleisten. Mir scheint diese Lösung deshalb die bessere zu sein, weil auf diese Weise diese Kosten nicht den Faktor Arbeit belasten. Wir sprechen über 9 bis 10 Mrd. EUR.

Klingbeil (SPD-Finanzminister) möchte die Kosten nicht über Steuermittel finanzieren. Er begründet das damit, dass dafür die nötigen Mittel fehlen. Das ist angesichts der Debatten über Haushaltslöcher ohne Weiteres nachzuvollziehen. Trotzdem stellt sich die Frage, was auch in diesem Fall die bessere Lösung wäre.

Das System der GKV war nie dazu gedacht, staatliche Fürsorgeaufgaben zu finanzieren. Wenn der Staat Bürgergeldempfänger krankenversichert, ist das eine politische Entscheidung – und die Rechnung dafür sollte die Allgemeinheit über Steuern tragen, nicht nur die GKV-Beitragszahler. Ich finde, diesen Standpunkt klar und für jeden nachvollziehbar. Das gilt nicht für den Finanzminister, dem das Anliegen seiner eigenen Partei und der Gewerkschaften im Land offenbar weniger wert zu sein scheint, als die Prinzipien eines halbwegs ausbalancierten Bundeshaushalts.

Klingbeil ignoriert einen Gerechtigkeitsaspekt, der selten diskutiert wird: GKV-Beiträge belasten mittlere Einkommen überproportional. Ein Facharbeiter mit 3.000 € brutto zahlt prozentual genauso viel wie ein Manager mit 5.500 € – und beide subventionieren damit eine Staatsaufgabe, die eigentlich auch von Beamten, Selbstständigen und Reichen mit hohem Kapitalvermögen über die Steuer mitgetragen werden sollte.

Die ehrliche Antwort wäre also: Die Beiträge für Bürgergeldempfänger gehören vollständig und kostendeckend aus dem Bundeshaushalt finanziert. Klingbeils Widerstand ist verständlich als Haushaltspolitiker, aber systematisch nicht gut begründet – er verschleiert letztlich, wer welche Kosten wirklich trägt.

Zusammenfassung in der Übersicht (2024)

GruppeAnzahl (ca.)Wer zahlt den Beitrag?
Beschäftigte (Pflichtmitglieder)~34 Mio.Arbeitnehmer + Arbeitgeber je 50 %
Freiwillig Versicherte~6,2 Mio.Mitglied selbst (ggf. AG-Zuschuss)
Rentner (KVdR)~13–14 Mio.Rentner + Rentenversicherung je 50 %
Bürgergeldempfänger~3,23 Mio.Bund (Steuermittel)
Beamte in GKV~1,7 Mio.Beamter selbst
Asylbewerber (< 36 Monate)nicht GKV-versichertLänder/Kommunen (AsylbLG)
Migranten mit Aufenthaltstitel + JobTeil der BeschäftigtenArbeitnehmer + Arbeitgeber
Untergruppeca. Anzahl
Pflichtmitglieder (Beschäftigte)~34 Mio.
Rentner (KVdR)~13–14 Mio.
Freiwillig Versicherte~6,2 Mio.
Bürgergeldempfänger~3,23 Mio.
Sonstige (Studenten, ALG1-Empfänger etc.)~1–2 Mio.
Gesamt beitragszahlend~58,56 Mio.

Natürlich hat Klingbeil insofern recht, wenn er von einem Verschiebebahnhof redet. Das Linke-rechte-Tasche-Prinzip fände einmal mehr Anwendung. Man muss wohl zugeben, dass die Finanzierungsprobleme, die auch hinter dieser Debatte stecken, durch die steuerfinanzierte Lösung nicht gelöst sind. Trotzdem ist die Frage danach, welche strukturellen Änderungen auch im Sinne von mehr Logik und Transparenz erfolgen sollten, nicht unwichtig.

Dass Klingbeil hier seine Priorität auf die Belastung des Haushalts setzt, ist bemerkenswert und wird noch für Gesprächsstoff sorgen.

Klingbeils zweites Argument klingt zunächst prinzipieller, ist aber bei näherer Betrachtung schwach:

Das Geld wird nicht „verschoben“, sondern die Frage ist, wer die Last trägt – GKV-Beitragszahler (also primär mittlere Einkommen aus Erwerbsarbeit) oder alle Steuerzahler gemeinsam (inkl. Beamte, Reiche, Kapitalerträge). Das ist kein Nullsummenspiel, sondern eine echte Gerechtigkeitsfrage. Ein „Verschiebebahnhof“ wäre es nur, wenn dieselben Menschen in beiden Fällen zahlen würden – das ist aber gerade nicht so (Bärbel Bas lässt grüßen).

Der GKV-Spitzenverband bezeichnete es als „grobe soziale Ungerechtigkeit, die gesundheitliche Versorgung von Bürgergeldbeziehern vorwiegend von den Beitragszahlern der gesetzlichen Krankenkassen finanzieren zu lassen, statt diese staatliche Sozialleistung durch den Bund und damit über alle Steuerzahlenden zu finanzieren.“

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wies darauf hin, dass der Bund damit hauptverantwortlich für das Defizit der gesetzlichen Krankenkassen sei – und dass Gerechtigkeit und Lastenverteilung „keine Milchmädchenrechnung“ seien, sondern eine „zentrale sozialstaatliche Gleichung“, die der Finanzminister ignoriere.

Klingbeils eigentliches Problem ist also simpel: Die vollständige Finanzierung der Gesundheitskosten von Bürgergeldbeziehern aus Steuermitteln würde rund zehn Milliarden Euro kosten – und dieses Geld möchte er nicht aufbringen. Das Gerechtigkeitsprinzip dahinter bestreitet er gar nicht. Eine sozialdemokratische Position vertritt er in diesem Fall nicht. Eher die eines Technokraten.

Wenn Code Gemeingut wird: Warum Deutschland hinter Frankreich zurückbleibt

13. April 2026

Du nutzt es wahrscheinlich täglich, ohne es zu wissen. Der Firefox-Browser – Open Source. Das Android-Betriebssystem (teilweise) deines Smartphones – Open Source. LibreOffice, mit dem Millionen Menschen Texte schreiben und Tabellen erstellen – Open Source. Der Webserver Apache, auf dem ein Großteil des Internets läuft – Open Source. Und auch Nextcloud, die cloudbasierte Alternative zu Google Drive, die in deutschen Behörden und Schulen eingesetzt wird – ebenfalls Open Source, entwickelt maßgeblich von einem deutschen Team. All das ist Code, den niemand besitzt, den jeder nutzen darf und den freiwillige Entwickler rund um die Uhr am Laufen halten.

Wer den Begriff zum ersten Mal hört, denkt vielleicht an Nerds, die nachts vor Bildschirmen sitzen. Aber dahinter steckt eine Frage, die uns alle angeht: Wer hält eigentlich unsere digitale Welt am Laufen? Und was schulden wir diesen Menschen?

Eine Initiative in Deutschland gibt darauf eine klare Antwort: Open-Source-Arbeit sollte offiziell als Ehrenamt anerkannt werden. Denn ein Großteil unserer digitalen Infrastruktur stammt von Menschen, die dafür keinen Cent bekommen. Sie schreiben Code, pflegen Projekte, beheben Fehler. Oft nachts. Oft nebenbei. Ohne Absicherung, ohne Applaus.

Stell dir vor, die Feuerwehr würde so behandelt. Undenkbar. Und doch passiert genau das täglich in der digitalen Welt.

Deutschland zögert – Frankreich handelt

In Deutschland dreht sich die Diskussion bislang im Kreis. Ist Open-Source-Arbeit wirklich ehrenamtlich? Wie misst man Beiträge? Wer entscheidet, was zählt? Die Fragen sind nicht falsch – aber während wir sie stellen, läuft die Welt weiter.

Dabei gibt es Ansätze. Das vom Bundesinnenministerium gegründete Zentrum für Digitale Souveränität, ZenDiS, entwickelt mit „openDesk“ eine Open-Source-Arbeitsplattform für Behörden. Gut gemeint – aber es bleibt ein staatliches Projekt, kein Zeichen gesellschaftlicher Anerkennung für die unzähligen Freiwilligen dahinter.

Frankreich hat das verstanden. Frankreich hat als erstes Land die UN-Open-Source-Prinzipien offiziell unterstützt und setzt seit Jahren auf eine klare, verbindliche Open-Source-Strategie. Jedes Ministerium muss bis Herbst 2026 einen Umsetzungsplan für den Wechsel zu Open-Source-Software vorlegen, etwa von Windows zu Linux. Das Land fördert aktiv die Entwicklung eigener Lösungen und vernetzt Behörden mit Entwicklern, um Open Source als Bürgerpraxis zu etablieren. Dort ist Open Source längst Staatsangelegenheit.

Behörden werden verpflichtet, offene Software zu nutzen und weiterzuentwickeln – was der aktuelle Fortschrittsbericht eindrücklich dokumentiert. Und Frankreich war die erste Regierung weltweit, die die Open-Source-Prinzipien der Vereinten Nationen offiziell anerkannt hat. Das ist keine Symbolpolitik – dahinter steckt ein nüchternes Kalkül: Wer die Software kontrolliert, kontrolliert die Infrastruktur. Wer von großen Konzernen abhängt, verliert Handlungsspielraum.

Das Ergebnis: Frankreich hat digitale Unabhängigkeit aufgebaut, während Deutschland noch über Kategorien diskutiert.

Die unsichtbaren Helden des Internets

Und doch hat der französische Weg eine blinde Stelle. Der Staat fördert Projekte, baut Netzwerke auf – aber die einzelnen Menschen dahinter bleiben unsichtbar. Ihre Arbeit wird gebraucht, aber nicht gewürdigt. Keine Anerkennung, kein Dankeschön, keine Ehrennadel.

Das ist der eigentliche Kern der Debatte. Es geht nicht um Steuervorteile oder Paragrafen allein. Es geht um eine gesellschaftliche Haltung: Sehen wir, wer unsere digitale Welt trägt?

Anerkennen, ohne zu ersticken

Freilich braucht es dabei Fingerspitzengefühl. Sobald der Staat etwas fördert, will er es auch regeln. Kriterien, Nachweise, Kontrolle – und schon wird aus freiwilliger Arbeit ein bürokratisches Konstrukt. Gerade in Deutschland kennen wir diesen Reflex. Open Source lebt aber von Freiheit und Offenheit. Zu viel Regulierung würde zerstören, was es stark macht.

Der richtige Weg liegt in der Mitte: ein Staat, der Open Source ernst nimmt und fördert – und eine Gesellschaft, die aufhört, die Menschen dahinter zu übersehen.

Code schreibt sich nicht von selbst. Er entsteht durch Engagement, das niemand einfordert. Es wäre höchste Zeit, das endlich zu würdigen.

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