Man kann heute, >80 Jahre nach dem Nazi-Terror in Deutschland und Europa dank moderner Technologie (via Datenbank) feststellen, ob Tante Johanna oder Onkel Herbert Nazis waren. Ich habe mich nicht um den Zugriff auf die Datenbank bemüht (Bezahlschranken hindern einen, die «Wahrheit» zu erfahren!).
Ja, Leute. Wenn man nicht weiß, ob die Ahnen und Urahnen Nazis waren, kann man nie befreit aufspielen. Die Gnade der späten Geburt, wie das ein Altkanzler mal nannte, wollen wir doch nicht aufs Spiel setzen, um über so lange Vergangenes nachzudenken. Der Erinnerungskultur, meinen ohnehin viele, sei jetzt mal genug. Auch deshalb wählen die AfD.
Seit Kurzem ist die digitalisierte NSDAP-Mitgliederkartei für jeden bequem einsehbar.
Quelle
Ich weiß, dass Onkel und Tanten meiner Familie Mitglieder der NSDAP, Mitglieder der Hitlerjugend oder sogar der SA waren. Das hätte ich denen nie zugetraut, nett wie die immer zu mir gewesen sind. Nun, jetzt sind sie schon lange tot. Was bringt es, wenn ich das via Datenbank absichern könnte? Man weiß zwar gern, mit wem man es zu tun hat. Das ist zwar in dieser Ära der informellen Selbstbestimmung schwierig. Aber für Nazis machen wir eine Ausnahme. Selbst auf die Gefahr hin, dass die Mitgliedschaft in dem Nazi-Klub keinerlei Aussage über die Frage aller Fragen gibt: Waren Tanke Johanna oder Onkel Herbert tatsächlich Nazis, also böse, schlechte Menschen?
Benutzung und Auskunft aus der digitalisierten NSDAP-Mitgliederkartei – Bundesarchiv
Ehrlich, auch die Schlappe Orbáns in Ungarn spricht nicht dagegen: Wir steuern auf eine rechtsnationale, in Teilen faschistische Zeit zu. Wohl, weil die meisten vergessen oder nie erfahren haben, was Faschismus eigentlich bedeutet. Nur so sind die tausendfachen Flüche von Nazienkeln zu verstehen, wenn sie lauthals und infam über die Antifa schimpfen.

@HorstSchulte
Für "das Richtige", ist vollkommen belanglos in erster Linie i.d.S., ob Opa Flakhelfer war, NSDAP Partei-Mitglied oder SS-Obersturmbannführer.
Es gibt keine Sippenhaft, nur Bewusstsein und Verantwortung der aktuellen Generationen.
Warum: freier Wille!
Es gibt nur sehr wenige die sich rückblickend auf die Familie freisprechen könnten.
"Die Wahrheit", ist für heutige Generationen nicht nur Mahnung. Sondern auch relativer Ansatzpunkt für rechtsradikale Kräfte zur Verklärung.
#noAfD
@Samson – tief In Berlin: #noAfD kann man nicht oft genug schreiben. Nur — nutzt uns das oder die ständige Erinnerung an die Zeit, wenn es darum geht, neue Generationen vom Faschismus „abzuhalten“?
Sippenhaft darf und sollte es nicht geben. Und doch erleben wir sie in unserem gegenwärtigen Alltag überall. Rassismus ist auch Ausdruck davon. Nur unter umgekehrten Vorzeichen. Es ist immer gut, die Geschichte zu kennen, umso mehr die eigene. Ob uns dies jedoch vor Fehlern bewahrt, ist offen.
@HorstSchulte
Sehe ich auch so!
Was ich aber nicht sehe, das die Geschichte der Familien oder Deutschlands, die Jugend explizit und regional, davon abhält sich von Populisten oder Ideologien einfangen zu lassen.
In meinem Fall hätten, altersbedingt, höchstens Großväter (und -mütter) Parteimitglieder sein können. Und deren Eltern. Ich weiß aber aus Erzählungen meiner Großeltern, dass alle Genannten nicht Parteimitglieder waren. Mehr Belege brauche ich zum Glück nicht.
@Boris: Wissen muss man so etwas nicht. Mich hat das Thema schon „immer“ interessiert. Aber manche Formen der Aufarbeitung von Geschichte wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Auch, wenn die technischen Hilfsmittel modern und effizient sind.
Seit dem Baron von Münchhausen sollte man wissen können, wie es mit der Wahrheit hier bestellt ist.
Die Moral, deren nur Andere gerecht werden sollen, sollte man stecken lassen und lieber noch mal Brecht und Kästner lesen oder so.
@Juri Nello: Nicht jeder lügt. Schade, dass du offenbar in deinem Leben andere Erfahrungen gemacht hast. Moral ist nicht unbedingt das, was die menschliche Spezis zusammenhält.
@Horst Schulte: Richtig. Das was moderne „Gesellschaften“ zusammen halten sind Feindbilder und die Arten zu töten.
@Juri Nello: Hast heute einen misanthropischen Tag, oder?
@Horst Schulte: Richtig. Das was moderne „Gesellschaften“ zusammen halten sind Feindbilder und die Arten zu töten.
In der gestrigen Talkshow bei Markus Lanz prallen drei Sichtweisen aufeinander: die der AfD-Politikerin Gerrit Huy, die des Journalisten Marcus Benzmann (Recherche Correctiv) und die…