Ich würde ja normalerweise sagen, dass die Tatsache, dass Jens Spahn Vater geworden ist, ein Grund zur Freude wäre. Eigentlich ist es das trotz allem. Glückwünsche stehen an – über alle Parteigrenzen hinweg. Leider waren die Umstände gegen ihn. Und deshalb hat er seinen Job verloren. Besser gesagt: Er sah sich heute genötigt (war das Wort je zutreffender?), von seinem Posten als Fraktionschef der Unionsparteien zurückzutreten.
Ich würde sagen, dass in diesem Fall einmal mehr der Fluch der Vergangenheit zugeschlagen hat. Was in anderen Ländern (wie den USA) erlaubt ist, nämlich z. B. eine Leihmutterschaft, ist hier in Deutschland verboten. Dafür hat Spahns Parteienfamilie gesorgt. Das war allerdings lange vor seiner aktiven Zeit, nämlich schätzungsweise 1990.
Aber wir leben ja in der Gegenwart. Und auch in dieser hat sich Spahn, damals noch Gesundheitsminister, klar gegen die Leihmutterschaft ausgesprochen. Gesprächsbedarf erkannte er nicht und ließ die Anfrager abblitzen.
Er sah sich gebunden an Beschlüsse der konservativen Parteienfamilie und blieb standhaft. Viele Konservative dürften das goutiert haben, sofern sie die Geschichte denn überhaupt mitbekommen haben.
Nun sind allerdings auch die anderen politischen Kräfte im Berliner Betrieb froh, wie standhaft Spahn seinerzeit blieb. Jetzt sind sie ihn nämlich los, weil er, Spahn, den unverzeihlichen Fehler gemacht hat, dass er glaube, persönlich damit durchzukommen und deutsche Gesetze kraft eigener Finanzmittel und Verbindungen umgehen zu können. Er fand offenbar, es sei eine gute Idee, sich sich eine Leihmutter zu kaufen und dachte, das Familienglück sei nun vollständig und keiner würde etwas dagegen haben. Da hat er die Rechnung ohne die rachsüchtigen Maskenteufel gemacht und all seine anderen Feinde.
Er hat sich wieder einmal gründlich geirrt.
Ich wünsche Herrn Spahn und seiner Familie alles Gute.
Vielleicht wird Thorsten Frei, der als aktueller glückloser Kanzleramtsminister etwas in die Kritik geraten ist, froh darüber sein, an seine alte Wirkungsstätte zurückzukehren. Der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Hoffmann, dürfte sich als Stellvertreter Spahns allerdings auch noch Chancen ausrechnen.
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