Ein Beitrag auf The Repository sorgt derzeit für Diskussionen. Die These: Rückläufige Verkaufszahlen kommerzieller WordPress-Plug-ins seien der sprichwörtliche Kanarienvogel im Kohlebergwerk – ein frühes Warnsignal für tiefgreifende Veränderungen im WordPress-Ökosystem.
Die Beobachtung ist interessant. Die Schlussfolgerung erscheint mir allerdings zu weitgehend.
Ein Warnsignal – aber wofür?
Mehrere Plug-in-Entwickler berichten von sinkenden Umsätzen. Das ist keine Kleinigkeit. Schließlich lebt WordPress nicht nur vom kostenlosen Core, sondern von einem riesigen Netzwerk aus Themes, Plug-ins und den Unternehmen, die diese entwickeln und pflegen.
Schwächelt dieses Ökosystem, hat das zwangsläufig Auswirkungen. Weniger Einnahmen bedeuten oft weniger Personal, geringere Investitionen und im schlimmsten Fall aufgegebene Projekte.
Die entscheidende Frage lautet jedoch: Ist das ein Problem von WordPress – oder verändert sich gerade der Markt?
KI verschiebt die Nachfrage
Vor wenigen Jahren war die Lösung fast immer dieselbe: Für jede neue Funktion wurde ein Plug-in gesucht.
Heute führt der erste Weg häufig zu ChatGPT, Claude oder Gemini. Viele kleinere Anpassungen lassen sich inzwischen mit wenigen Zeilen PHP oder CSS umsetzen – maßgeschneidert für die eigene Website.
Ich merke das an meinem Blog selbst. Zahlreiche Funktionen, die früher ein zusätzliches Plug-in erfordert hätten, entstanden in den vergangenen Monaten im Dialog mit einer KI. Das Ergebnis ist meist schlanker, schneller und besser auf die eigenen Anforderungen zugeschnitten.
Das verändert zwangsläufig auch die Nachfrage nach Standard-Plug-ins.
Das Geschäftsmodell gerät unter Druck
Gerade kleinere Entwickler könnten diese Entwicklung deutlich zu spüren bekommen. Wer bisher von einer einzelnen Speziallösung lebte, konkurriert heute zunehmend mit individuell erzeugtem Code.
Große Anbieter sind davon weniger abhängig. Sie verkaufen längst komplette Plattformen, Cloud-Dienste oder KI-gestützte Funktionen. Ihr Geschäftsmodell reicht weit über das eigentliche Plug-in hinaus.
Deshalb dürfte sich der Markt weiter konsolidieren. Einige Anbieter werden verschwinden, andere werden ihr Angebot neu ausrichten.
Für Websitebetreiber überwiegen die Chancen
Für Blogger und Betreiber kleiner Websites sehe ich die Entwicklung eher positiv.
Weniger installierte Plug-ins bedeuten meist weniger Wartungsaufwand, geringere Sicherheitsrisiken und bessere Performance. Gleichzeitig lassen sich individuelle Wünsche einfacher umsetzen als noch vor wenigen Jahren.
Natürlich wird niemand Sicherheitslösungen, Backups oder SEO-Plug-ins komplett durch KI ersetzen. Aber viele kleine Helfer, die bislang jeweils nur eine einzige Aufgabe erfüllten, könnten nach und nach entbehrlich werden.
WordPress dürfte davon profitieren
Der Artikel zeichnet das Bild einer Plattform, die in Schwierigkeiten gerät. Ich sehe eher eine Plattform, die sich an neue technische Möglichkeiten anpasst.
WordPress hat in den vergangenen zwanzig Jahren mehrfach bewiesen, wie wandlungsfähig es ist. Warum sollte das ausgerechnet im Zeitalter der künstlichen Intelligenz anders sein?
Vielleicht ist der Kanarienvogel tatsächlich ein Warnsignal. Allerdings nicht für das Ende von WordPress, sondern für ein Geschäftsmodell, das lange hervorragend funktioniert hat und nun unter neuen Bedingungen steht.
Für uns Nutzer könnte das sogar eine gute Nachricht sein: weniger Ballast, individuellere Lösungen und Websites, die stärker den eigenen Vorstellungen entsprechen als den Möglichkeiten eines Plug-ins von der Stange.
Der Alkoholverkauf unter der Generation Z ist ebenso komplett eingebrochen.
Wessen Ende das ist, vermag ich nicht zu beurteilen. 😉
Wordpress „lebt“ nicht von kommerziellen Plugins. Um das Open Source-Ökosystem Wordpress herum mögen sich einige Geschäftsmodelle entwickelt haben, was in der Natur der Sache liegt. (Alles, was in der Online-Publikationswelt als Open-Source-Pflänzchen gesät wird, wird zuverlässig irgendwann vom SEO-Schädling befallen. Einfach, weil Leute drumherum Geld verdienen wollen)
Ich bin ziemlich sicher, die meisten Nutzer weltweit nutzen Wordpress „as is“. Abgesehen von einer Handvoll Platzhirsch-Plugins wie z.B.Woocommerce oder Elementor. Manches rund um’s Ökosystem funktioniert wohl kommerziell auch ganz gut, aber das treibt letzten Endes nicht die Entwicklergemeinde des Kernsystems an.
Ich für meinen Teil habe nie kommerzielle Zusätze zu meinen Blogs eingesetzt und werde das wahrscheinlich auch in Zukunft nicht tun. Kostenlose Plugins, die sich nur (noch) als Teaser für kostenpflichtige Pro-Versionen verstehen, werfe ich meist kurzfristig wieder vom Host, weil sie schnell mit ihren ständigen „Hinweisen“ auf die Pro-Version nerven.
@Boris: Mir geht es so wie dir. Kostenlose Plugins mit einer Pro-Version installiere ich grundsätzlich nicht.
Kommentare, wie ich sie liebe. Einer versucht sich in Ironie, der nächste in Besserwisserei und der Dritte stimmt dem Zweiten zu. Man darf in diesem Land einfach nichts mehr sagen. Kennt man ja aus der Politik. Bloß, dass dieses Schicksal inzwischen Millionen teilen. Auf jeder Seite, versteht sich.
@Horst Schulte: Ich weiß nicht, von welchem Land du sprichst, in dem man nichts mehr sagen darf. Ok, mein Land kann es nicht sein, aber in meinem Land darf man offenbar keine persönliche Einschätzung, die weitenteils auf eigener Erfahrung beruht, als Kommentar hinterlassen, wenn man nicht will, dass sie als Besserwisserei herabgewürdigt wird.
Was ich als ausgesucht unhöflich ansehe. Schade eigentlich…
@Horst Schulte: Aha Ironie!!! Du schreibst einen Artikel über sinkende Plugin-Verkäufe in WordPress und suchst Ursachen und wunderst dich über die Kommentare.
Meine beleidigte Antwort war unnötig. ich bitte dafür um Entschuldigung.
Mir ging es im Beitrag gar nicht darum zu behaupten, WordPress finanziere sich über den Verkauf kommerzieller Plugins. Der Core ist Open Source und wird das hoffentlich auch bleiben.
Interessant fand ich die These des verlinkten Artikels: Wenn Unternehmen, die Plugins und Themes entwickeln, dauerhaft weniger Geld verdienen, könnte das langfristig Folgen für das gesamte Ökosystem haben. Schließlich beschäftigen viele dieser Firmen Entwickler, die sich auch am Core beteiligen oder Innovationen vorantreiben.
Ob diese Sorge berechtigt ist, weiß ich nicht. Aber genau deshalb fand ich die Diskussion spannend. Dass viele in der Community ausschließlich kostenlose Plugins einsetzen, überrascht mich nicht – vermutlich geht es den grössten Teil der WordPress-Nutzer so. Die Frage ist nur, ob dieses Modell auf Dauer ausreicht, damit das Ökosystem lebendig bleibt. Die Wechselwirkung zwischen Eigenentwicklung mit KI und dem Umsatz durch Plugins und Themes dürfte jedenfalls sehr wohl eine Rolle spielen.
Ich bin deine Meinung. WordPress ist noch nicht lange am Ende.
@Lorenzo: Ich hab‘ auch keinen Bock meinen Block umzuziehen. 🙂