Pressefreiheit in der Zange von Aktivismus und Politik

Ein Streit über Pressefreiheit entzündet sich an einer linken Aktion gegen Apollo News. Jan Fleischhauer sieht darin einen Angriff auf unabhängigen Journalismus, die Amadeu-Antonio-Stiftung verteidigt ihren Einsatz gegen rechte Netzwerke, und Familienministerin Karin Priem mahnt zur Mäßigung.

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Streit um Apollo News

In der ver­gan­ge­nen Woche ent­fal­te­te sich eine teils aggres­si­ve Debatte um den Publizisten Jan Fleischhauer, die taz, die Amadeu-Antonio-Stiftung und Familienministerin Karin Prien. Im Kern ging es um die Frage, ob die Pressefreiheit auch für poli­tisch miss­lie­bi­ge Medien gel­ten müs­se – kon­kret für das Portal Apollo News.

Auslöser war eine Veranstaltung der Berliner Linken in Treptow unter dem Titel „Rechten Medien auf die Tasten tre­ten“. Nach Recherchen des Focus war auch eine Vertreterin der staat­lich geför­der­ten Amadeu-Antonio-Stiftung anwe­send. Ziel der Aktion: Apollo News „im Kiez unbe­quem machen“. Fleischhauer wer­te­te das als Angriff auf die Pressefreiheit.

Er reagier­te in sei­nem Podcast „Der schwar­ze Kanal“ und auf X: Das Vorgehen zei­ge, so Fleischhauer, das „beson­ders selek­ti­ve Pressefreiheitsverständnis“ der Linken. „Wenn die könn­ten, wie sie woll­ten, wür­den sie allen Journalisten das Handwerk legen, die ihnen nicht pas­sen“, sag­te er. Dass eine vom Staat finan­zier­te NGO sol­che Aktionen unter­stüt­ze, nann­te er „gro­tesk“.

Die taz und die Amadeu-Antonio-Stiftung wie­sen die­se Vorwürfe ent­schie­den zurück. Die Stiftung sprach von einer „Hasswelle gegen die Zivilgesellschaft“, aus­ge­löst durch eine „insze­nier­te Skandalisierung“. Sie ver­tei­dig­te ihr Engagement gegen rech­te Mediennetzwerke und beton­te, dass Apollo News Teil eines „rechts-alter­na­ti­ven Netzwerks“ sei, das „Desinformation“ und „anti­de­mo­kra­ti­sche Narrative“ ver­brei­te.

Familienministerin Karin Prien (CDU) mahn­te: „Es kann nicht die Lösung sein, Rechtsextremismus über die Förderung lin­ker Aktivisten bekämp­fen zu wol­len“, begrün­de­te sie das gegen­über einem rechts­ge­strick­ten Blatt. Staatlich finan­zier­te NGOs soll­ten „kei­nen Eindruck von Parteinahme“ erwe­cken. Ihre Äußerung wur­de viel­fach als Unterstützung von Fleischhauers Position gelesen.

Am Ende bleibt eine ver­trau­te Spannung: Die Stiftung sieht sich im Kampf gegen Desinformation, Fleischhauer im Kampf um Meinungsfreiheit. Priens Worte brin­gen eine sel­te­ne Balance in die­se Auseinandersetzung – die Erinnerung, dass Pressefreiheit kein Parteibuch trägt.

Die Amadeus Antonio Stiftung hat fol­gen­de Aufgaben (Klick):

Das Ziel der Amadeu Antonio Stiftung, eine demo­kra­ti­sche Zivilgesellschaft zu stär­ken, die sich kon­se­quent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wen­det. Dafür unter­stützt sie Initiativen und Projekte, die sich kon­ti­nu­ier­lich für eine demo­kra­ti­sche Kultur enga­gie­ren und für den Schutz von Minderheiten ein­tre­ten. Die wich­tigs­te Aufgabe der Amadeu Antonio Stiftung über eine finan­zi­el­le Unterstützung hin­aus ist es, Aufmerksamkeit für enga­gier­te Menschen vor Ort zu schaf­fen und die Themen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus dau­er­haft auf die Tagesordnung zu brin­gen. Zu die­sen Zwecken sucht die Amadeu Antonio Stiftung den Kontakt zu poli­ti­schen Entscheidungsträger*innen, nimmt an fach- und the­men­spe­zi­fi­schen Veranstaltungen und Konferenzen teil und beglei­tet poli­ti­sche Entscheidungs- und Willensbildungsprozesse mit Stellungnahmen und Expertisen. Quelle


Unsere Demokratie benö­tigt offen­bar Aufpasser. Wann genau die­ses Bedürfnis ent­stan­den ist, weiß ich nicht. Irgendwann hielt man es wohl für nötig – viel­leicht in jener Zeit, als Rot-Grün gesell­schaft­lich ton­an­ge­bend wur­de. Früher schien uns die Demokratie robust genug, um ohne pro­fes­sio­nel­le Hüter aus­zu­kom­men. Heute ver­schlin­gen sie (allein die Amadeus Antonio Stiftung) Jahr für Jahr Millionen an Steuergeld. Der staat­li­che Zuschuss soll, so heißt es, bereits die gesam­ten Personalkosten decken. Das allein ist bemer­kens­wert – jeden­falls aus mei­ner Sicht.

Nun sind die Feindbilder mehr als klar. Weiter geht’s um Links und Rechts. Links die Guten, rechts die ganz, ganz Bösen. Soviel zur Klarheit der angeb­lich (so wur­de mal gesagt) über­hol­ten, nicht mehr stim­mi­gen, Kategorien. 

Wenn ich mir die aktu­el­le Auseinandersetzung und die Vielstimmigkeit der Argumentation so betrach­te, kom­me ich zu dem Schluss, dass wir an einen Punkt anzu­kom­men dro­hen, der mit demo­kra­ti­schen Spielregeln wenig zu tun hat. 

Ich neh­me mir das Recht her­aus, bestimm­te Kanäle abzu­leh­nen, und habe die­se seit län­ge­rer Zeit geblockt. Dazu zäh­len Tichy, Weltwoche, NIUS, Apollo News und noch eini­ge ande­re. Ich wer­de bei YouTube von Meinungsäußerungen die­ser Leute durch mei­ne frei­wil­li­ge Entscheidung ver­schont. Das heißt aber nicht, dass ich auch nur dar­an däch­te, dass der Staat oder sich dafür zustän­dig füh­len­de NGOs für mich eine Art von Vorselektion durch­füh­ren soll­ten. Ganz im Gegenteil! Ich bin für freie Meinungsäußerung und nicht dafür, rech­ten Medien auf die Tasten zu tre­ten oder, wie der Euphemismus genannt wird, was auch nichts ande­res ist als Gewalt gegen Menschen mit abwei­chen­den Meinungen.

Hände weg von der Meinungsfreiheit, Genoss:innen! Wenn die Rechtsausleger in die­sem Land immer mehr Oberwasser gewin­nen, dann auch des­halb, weil so vie­le Menschen Bevormundung und Eingriffe in pri­va­te Entscheidungen nicht mehr zu akzep­tie­ren bereit sind. Solche Aktionen füh­ren nicht zu Verbesserungen unse­res all­täg­li­chen Lebens und schüt­zen nicht die Demokratie, son­dern tor­pe­die­ren ihre Grundwerte.

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