Putins erfundene Bedrohung – Wenn der Brandstifter nach der Feuerwehr ruft

Moskau inszeniert ein angebliches Drohnenattentat auf Putins Anwesen und droht mit härterer Kriegsführung. Ein zynisches Manöver eines Regimes, das seit Jahren ukrainische Städte zerstört – und sich nun selbst als Opfer verkauft.

von: Horst Schulte

Gesellschaft

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Es gibt Tage, da glaubt man, der Zynismus habe endlich seinen Zenit erreicht. Und dann meldet sich Moskau zu Wort.

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Eine ukrainische Drohne habe angeblich einen von Wladimir Putin genutzten Wohnsitz angegriffen. Kiew winkt ab, spricht von Inszenierung. Der Kreml wiederum droht – wie immer – mit der »Verhärtung« seiner Position in laufenden Friedensgesprächen. Friedensgespräche! Allein dieses Wort klingt in Putins Mund wie Hohn mit Blutrand.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Ein Regime, dessen Armee seit Jahren systematisch ukrainische Städte zerlegt, Stromnetze pulverisiert, Krankenhäuser trifft, Wohnblocks zerfetzt und Zivilisten tötet, gibt sich an dieser Stelle doch tatsächlich empört. Empört darüber, dass angeblich sein Führer, dieser Mann im goldgetäfelten Bunker, der wie ein übergeschnappter Opernfürst wirkt, wenn er durch den Kreml schreitet, selbst Ziel eines Angriffs geworden sein könnte. Wenn es nicht so tödlich ernst wäre, man müsste lachen.

Denn genau hier liegt der Kern dieser widerwärtigen Erzählung. Russland bombardiert Schulen – nennt es Militärstrategie. Russland terrorisiert eine Zivilbevölkerung – nennt es Selbstverteidigung oder Kampf gegen den Faschismus. Und wenn dann eine Drohne ins Spiel gebracht wird, die womöglich nie existierte, wird plötzlich die große Opferpose eingeübt. Der Zar ist beleidigt. Die Welt soll erschaudern.

Diese Nummer ist nicht neu. Sie gehört zum festen Repertoire eines Mannes, der seit Jahren nichts anderes tut, als Lügen zu stapeln wie Sandsäcke vor einem morschen Damm. Immer drohend, immer gekränkt, immer bereit, noch mehr Gewalt zu entfesseln – und das alles mit dem Pathos eines beleidigten Gangsters, der sich für einen Staatsmann hält.

Dass die russische Armee sich von jeher dazu verdingt hat, ukrainische Infrastruktur zu zerstören und Zivilisten anzugreifen, macht diese Ansage nur dann »verständlich«, wenn man begreift, mit wem wir es zu tun haben: mit einem verbrecherischen Demagogen, der Krieg als Kommunikationsmittel nutzt und Erpressung für Diplomatie hält. Dazu noch dieser organg-gelockte Mann im Oval Office, der nichts kapiert, aber sich für den Größten hält. Putin denkt nicht in Frieden, er denkt in Eskalationsstufen. Und jedes angebliche Attentat, jede inszenierte Bedrohung ist ihm willkommen, um die Schraube weiter anzuziehen.

Das eigentlich Erschütternde ist nicht die Behauptung selbst. Es ist die Dreistigkeit, mit der sie vorgetragen wird. Als hätte die Welt kein Gedächtnis. Als wären Butscha, Mariupol oder Charkiw bloße Fußnoten. Als könne man Täter und Opfer beliebig austauschen, wenn man nur laut genug droht.

Nein. Diese Geschichte ist keine Warnung, sie ist ein Geständnis. Sie sagt uns: Dieser Kreml sucht keinen Frieden. Er sucht Vorwände. Und er wird sie weiter produzieren – solange man ihn lässt.


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4 Gedanken zu „Putins erfundene Bedrohung – Wenn der Brandstifter nach der Feuerwehr ruft“

  1. Ich würde Trump nicht unterschätzen. Ich denke, er weiß ganz genau was er tut. Seine naive Art ist zum Teil vermutlich echt, ein großer Teil der Inszenierung geschieht aus vollem Kalkül. Trump und Putin haben dasselbe Ziel: Sie wollen ihre rechtsextremen Handlanger in Europa installieren und im Anschluss die Welt unter sich aufzuteilen, zu der Überzeugung bin ich inzwischen gelangt.

    Zumindest der erste Teil scheint sogar zu funktionieren. Putin braucht Trump als mächtigsten Mann der Welt, um mit seinen Allmachtsphantasien ans Ziel zu kommen. Trump braucht Putin als noch skrupelloseren Teil seiner selbst. Deshalb der rote Teppich und deshalb die gespielte Empörung jetzt.

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