
Die Frage nach dem Hitzeschutz der Kommunen (hier: Bedburg) hat mich auf ein Thema gebracht, das eigentlich viel größer ist. Denn Hitze ist nur eine Seite dessen, worauf sich unsere Städte einstellen müssen. Die andere haben wir in Bedburg im September 2025 ziemlich brutal kennengelernt.
Damals fielen innerhalb kurzer Zeit enorme Regenmengen. Straßen und Keller liefen voll, in Oppendorf mussten Menschen vorsorglich evakuiert werden, der Pützbach trat über seinen Bachlauf. Besonders schlimm traf es die neue Ressourcenschutzsiedlung in Kaster. Ich habe über die Folgen für die dort lebenden Menschen mehrfach geschrieben. Viele hatten ihre Häuser gerade erst bezogen. Dass ausgerechnet eine Ressourcenschutzsiedlung von einer solchen Katastrophe getroffen wurde, besitzt eine bittere Ironie, über die vermutlich niemand lachen kann.
Es geschieht etwas
Man sollte der Stadt nicht vorwerfen, sie tue nichts. Bedburg verfügt über Informationen und Gefahrenkarten zu Starkregen und Hochwasser. Die Stadt weist selbst darauf hin, dass extreme Niederschlagsereignisse infolge der Klimaerwärmung häufiger werden können. (Bedburg)
Vor allem aber wird inzwischen an einem stadtweiten Starkregenrisikomanagement gearbeitet. Dazu gehören Starkregengefahren- und Risikokarten. Interessanterweise findet sich dieser Hinweis sogar in aktuellen Unterlagen zur Bauleitplanung. (Bedburg) Im Januar 2026 beantragte die CDU zudem ein „Handlungskonzept Hochwasser und Starkregen“. Auf der Internetseite der Stadt wird dieser Antrag allerdings weiterhin als „in Bearbeitung“ geführt. (Bedburg)
Das alles ist richtig und notwendig. Nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres allerdings auch selbstverständlich.
Schon 2024 hatte ich angesichts neuer Baugebiete gefragt, wie gut wir eigentlich auf zunehmende Wetterextreme vorbereitet sind. Die damaligen Überlegungen wirken nach den Ereignissen von 2025 leider weniger theoretisch als seinerzeit. Bei neuen Planungen werden Starkregenrisiken inzwischen ausdrücklich berücksichtigt; bei der Erweiterung Oppendorfs gehören beispielsweise ein Entwässerungsgutachten und eine gutachterliche Stellungnahme zu möglichen Auswirkungen von Starkregen zu den öffentlich ausgelegten Unterlagen. (Bedburg)
Und die Hitze?
Hier wird das Bild dünner. Mein Blick auf die zehn Städte des Rhein-Erft-Kreises zeigt deutliche Unterschiede. Brühl besitzt einen Hitzeaktionsplan. Bergheim bietet unter anderem eine Karte kühler Orte, Refill-Stationen und kommunale Hitzeinformationen und befragt inzwischen systematisch seine Bürger.
Bedburg beteiligt sich an der interkommunalen Klimaanpassungskampagne und informiert über Hitze, Starkregen und Gebäudeschutz. Einen eigenständigen Hitzeaktionsplan konnte ich jedoch nicht finden. Dabei müssen Starkregen, Hochwasser, Hitze und Trockenheit längst zusammengedacht werden. Klimaanpassung besteht eben nicht darin, nach jedem Ereignis einen neuen Ordner anzulegen.
Warum sieht man nicht auf einen Blick, was passiert?
Beim Recherchieren bin ich auf das Projekt transparent.ruhr gestoßen. Dort wird für mehrere Kommunen des Ruhrgebiets geradezu vorbildlich dargestellt, welche Klimaanpassungskonzepte und Hitzeaktionspläne existieren, wo es Karten kühler Orte und öffentliches Trinkwasser gibt und welche Maßnahmen zur Entsiegelung beschlossen wurden. Vor allem kann man von dort direkt in die zugrunde liegenden Ratsunterlagen springen.
Warum gibt es Vergleichbares eigentlich nicht für den Rhein-Erft-Kreis?
Natürlich besitzt Bedburg ein Ratsinformationssystem, veröffentlicht politische Anträge, Bauleitplanungen und inzwischen auch Starkregengefahrenkarten. Selbst offene statistische Daten stellt die Stadt bereit. (Bedburg) Das Problem ist also weniger, dass Informationen geheim gehalten würden. Das Problem ist ihre Zersplitterung.
Wer wissen möchte, was seit der Flut beschlossen wurde, welche Maßnahmen umgesetzt sind, was noch geprüft wird und wie es mit dem Hitzeschutz aussieht, muss sich die Informationen zusammensuchen. Verwaltungstransparenz bedeutet für mich inzwischen mehr, als Dokumente irgendwo im Internet auffindbar zu machen.
Eine Karte, ein Portal, ein Stand
Gerade nach den Schäden von 2025 wäre ein kommunales oder kreisweites Klimaanpassungsportal sinnvoll: Starkregen- und Hochwassergefahren auf einer Karte, Hitze-Hotspots und kühle Orte, geplante und abgeschlossene Schutzmaßnahmen, Trinkwasserstellen, Entsiegelungsprojekte sowie die dazugehörigen politischen Beschlüsse. Dazu ein einfacher Status: geplant, beschlossen, finanziert, umgesetzt.
Das wäre keine Spielerei für Datenfreunde. Menschen, deren Keller oder sogar neue Häuser unter Wasser standen, haben ein berechtigtes Interesse daran zu erfahren, was aus den Erfahrungen der Katastrophe geworden ist. In meinem damaligen Beitrag über die Ressourcenschutzsiedlung ging es vor allem um die Betroffenen. Heute stellt sich zusätzlich die Frage, was wir daraus gelernt haben.
Bedburg arbeitet daran. Das erkenne ich ausdrücklich an. Aber vielleicht wäre es an der Zeit, diese Arbeit so sichtbar zu machen, dass man nicht erst lange danach suchen muss.
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