
Trump übersteht das. Da bin ich zuversichtlich — schließlich weiß er, dass seine Fans ihm selbst einen Mord durchgehen ließen. Auch ein Meteoriteneinschlag auf Mar-a-Lago würde vermutlich nur seine Spendeneinnahmen erhöhen. Inzwischen überrascht es ohnehin niemanden mehr, dass selbst die treuesten Gefolgsleute irgendwann den Drang verspüren, den eigenen Chef öffentlich zu charakterisieren. Und wenn das dann ausgerechnet von Suzy Wiles kommt, der sonst unerschütterlichen Stabschefin, ist das hübsch ironisch.
Denn Wiles ist kein Staffagegesicht. Sie ist die Hüterin des Thronsaals: Sie entscheidet, wer vorgelassen wird, wer wieder ausgeladen wird, und welche Nachrichten überhaupt durch den goldgerahmten Filter bis Donald vordringen. Lange galt sie als die disziplinierte Macht im Hintergrund – loyal, nüchtern, kontrolliert. Und jetzt? Plaudert sie bei Vanity Fair, als ginge es um die Enthüllungen eines Reality-TV-Endes. Kein Leak, kein Versehen. Das ist kalkuliert, aufgeschrieben, unterschrieben.
Ihre Analyse des großen Mannes fällt psychologisch fein aus – fast zu fein für dieses Umfeld. Trump, erklärt sie, sei ein Mensch mit »alkoholischer Persönlichkeit«: impulsiv, süchtig nach Resonanz, allergisch gegen Struktur. Der Typ, der Chaos nicht nur erträgt, sondern braucht – wie andere ihren Morgenkaffee. Und das Schuldprinzip? Immer externe Verursachung, selbstverständlich. Der gleiche Film, auf Dauerschleife, nur die Nebendarsteller wechseln.
Auch der Hofstaat bekommt sein Fett weg: JD Vance, der wandelnde Opportunismus mit Verschwörungsbeilage; Russell Vought, der Architekt von »Project 2025«, als ideologischer Betonkopf; Pam Bondi, getreue Mitstreiterin, aber offenbar überfordert, sobald das Wort »Epstein« fällt.
Und dann die Politik. Da wagt Wiles, das Undenkbare zu tun: Sie widerspricht. Sie rät ab, Gewalttäter zu begnadigen, kritisiert hektische Schnellschüsse – und plaudert offen über das Venezuela-Projekt. Kein Drogenkampf, nein, es geht schlicht um Regimewechsel. Mission Demokratie, die dritte.
Diese Interviews sind keine Laune, sie sind eine Botschaft. Und sie zeigen, was man ohnehin vermuten konnte: Das sogenannte »Team Trump« ist weniger ein Machtapparat als ein fortlaufendes Gruppendynamikexperiment. Loyalität wird gestreckt wie ein alter Gummizug, Ziele sind Verhandlungssache. Dass ausgerechnet die loyalste Frau im Raum nun die heilige Erzählung zerlegt, macht die Farce vollkommen.
Wenn das Weiße Haus je ein Theater war, dann läuft dort jetzt die Satire mit autobiografischem Bezug – mit Trump in der Titelrolle: »Der Unerschütterliche«. Eintritt frei, Spenden erwünscht. Da muss eigentlich doch KI die Hände im Spiel haben?!
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