Ein Leser, der sich „Kai“ nennt und mir bisher unbekannt war – ohne Nachname, ohne Mailadresse, – hat mir heute einen Gedanken vor die Füße geschmissen, den ich in meiner Euphorie über den Einsatz KI-unterstützter Texte wahrhaftig übersehen hatte. Vielleicht auch, weil ich hier bislang weder im Kommentarbereich noch im Spam-Ordner mehr als zwei »verdächtige« KI-generierten Kommentar entdeckt habe. Kais inklusive. Die meisten, die hier schreiben, kenne ich ja schon seit Jahren. Stammleser.
Ich behaupte, dass man in beiden Kommentaren Spuren von KI erkennt. ChatGPT, wer sonst?, sagt mir, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um einen KI-generierten Kommentar handelt, bei 70–85 % liegt. Seine Einordnung: 70 %: leichte KI-Einflussnahme – stark KI-inspirierte Formulierungen, 85 %: vollständig KI-generiert, leicht nachbearbeitet, 15–30 %: Mensch, der sehr glatte, KI-ähnliche Sprache benutzt.
Ich lasse diesen Kommentar zunächst einmal stehen. Mein erster Reflex war, ihn gleich zu löschen. Mit dem ersten KI-Kommentar habe ich das so gehalten.
Mich stört diese eigentlich doch sehr naheliegende und ausgesprochen erwartbare Erfahrung in meiner schönen neue KI-gestützten Bloggerwelt. Dabei ist es ist mir egal, dass es vermutlich Leute (auch Bloggerkollegen) gibt, die für solche Einsichten lediglich eine verächtlichmachende Grimasse übrig haben werden. So nach dem Motto: »Wie lange braucht denn der für das Offensichtliche?«
Wahrscheinlich wollte Kai, der sich (wie oft üblich bei manchen Fragen) anonym äußert, mir diesen Wink mit dem Zaunpfahl zukommen lassen, weil er womöglich die Diskussionen und meine Haltung dazu verfolgt hat. Oder sogar aktiver Teil der Debatte ist. Touché. Er hat mich erwischt.
Selbstverständlich schreibe ich mir diese Erfahrung hinter die Ohren. Ich kennzeichne diesen Kommentar entsprechend und überlege mir, wie ich mich künftig zum Einsatz von KI verhalten werde.
Wer KI-generierte Texte im Blog nutzt, sollte damit leben, dass es halt auch KI-generierte Kommentare gibt. Dass ich das nicht unter einen Hut zu bringen scheine, ist zunächst sicher einmal kein besonderer Ausweis von Intelligenz. Diese Konsequenz hätte ich voraussehen müssen.
Vielleicht schalte ich die Kommentare ganz ab, vielleicht auch den Blog überhaupt. Die Atmosphäre und die Sprüche, die manche Blogger anderen Bloggern reindrücken, gehen mir nämlich auch auf den Zeiger. Aber das wisst ihr ja schon.



Danke für deine ehrlichen Gedanken, und dafür, dass du dich dem Thema so transparent stellst. Dass KI-Kommentare zum Alltag im Blog gehören, ist sicher erst mal ungewohnt – aber vielleicht ist das eine Chance, gemeinsam gelassen und kreativ mit der Entwicklung umzugehen, statt vorschnell zu löschen.
Ob Kommentare von Menschen oder KI hervorgerufen werden – entscheidend ist doch, wie hilfreich, anregend und respektvoll sie für die Diskussion sind. Vielleicht sollte das Kriterium weniger die Quelle sein, sondern der Mehrwert für Leser und Autoren!
@Kai: Grundsätzlich stimme ich zu. Sofern es sich um erkennbar eigenständige Gedanken handelt, gilt das. Natürlich auch dann, wenn sie von einer KI beigesteuert wurden. Das starke Repetieren von im Artikel geäußerten Gedanken und Formulierungen in deinem Kommentar machte mich in überhaupt aufmerksam. Wenn der Einsatz von KI dazu führt, dass respektvoller miteinander umgegangen wird, wäre das nicht schlecht. Da stimmen wir überein.
@Horst Schulte: Mir gefällt das nicht, ich sehe keinen Mehrwert in ki- generierten Texten.
Ich habe meinen Blog auch aufgegeben, weil häufig standardisierte Kommentare kamen( abseits von solchen Klein-Kommentaren wie „Schön“, „Bezaubernd“, „toll!“ und ähnlichem).
Wenn ich von persönlichen Erfahrungen berichtete und das kam durchaus neben Keramik und Insekten vor, dann schmerzten Pseudokommentare, die fast auf jeden Post von mir 1:1 anwendbar waren. Das betrachtete ich fast als Abwertung.
Das Bloggen war immer auch für mich ein Training, mich verständlich und klar auszudrücken. Schreibübung sozusagen. Das würde ich Ki nicht übergeben wollen.
@Gerhard: Es mag komisch klingen. Aber ich stelle fest, dass mir die Hilfe von ChatGPT dabei hilft, besser zu schreiben. Damit meine ich jetzt nicht, dass ich Müll reinschmeiße und geschliffene Formulierungen herauskommen. Versteht sich.
Ich experimentiere gern (du weißt das und man sieht es ja auch an meinen ständigen Eingriffen am Design des Blogs). Dazu zähle ich auch die Verwendung von KI. Das mag jeder so halten wie er mag. Es gibt Fallstricke. Einen habe ich beschrieben. Das bringt mich dazu, darüber nachzudenken. Ich glaube, die Mischung von Zusammenarbeit und Themenbearbeitung funktioniert gut. Na, für mich jedenfalls. Ich bin sicher, dass man hier Absätze findet, denen man die KI sozusagen ansieht. Jedenfalls denken das ja einige Leser. Was, wenn sie sich täuschen und wohin führen solche Unterstellungen eigentlich? Wohin sollen sie führen. Vielleicht nur zur Bestätigung eigener Vorbehalte?
Gestern habe ich lange mit einem guten Freund telefoniert. Er sieht es so, dass ich deshalb blogge, weil mein Mitteilungsbedürfnis so groß sei. Ja, das wird wohl nicht ganz falsch sein. Dass es nicht wirklich gelingt, weil Blogs nun mal eine Randerscheinung bleiben, lassen wir mal außen vor.
@Horst Schulte: Ea gibt in gerade der heutigen Zeit enorm viel zu diskutieren.
Meine Frau ist politisch gut in Bilde, aber das reicht nicht. Man möchte mit nehr Leuten diskutieren. Offline geht das aber kaum, online nun erst recht nicht- oder höchst selten.
Man muss also akzeptieren, dass man mit seinen Fragen letztlich alleine ist.
@Gerhard: So ist es. Bestimmte Themen sind für viele Menschen leider total uninteressant. Vielleicht haben sie auch deshalb keine Meinung, weil sie finden, selbst ja keinen Einfluss zu haben. Und so ist es letztlich ja auch. Die Selbstwirksamkeit, wovon Phychologen gern reden, ist nicht gegeben auf einem Feld, das ohnehin schwer zu durchdringen ist.
Jetzt bin ich verwirrt, offensichtlich gibt es den Kai doch, oder?
Wie auch immer, Horst, bloß nicht abschalten. Ich habe mir bei dir hier schon so viele Anregungen geholt (textlich & Blogstrukturmäßig), das wäre echt schade. Wie du das mitten Kommentaren hältst, ist natürlich deine Sache (wie mit dem Blog natürlich auch), aber auch das wäre natürlich schade.
Ich habe heute gar das erste Mal mit KI programmiert (php), die Idee dazu kam auch von hier. Ich muss sagen, ich war mehr als überrascht, wie gut das funktioniert.
@Peter Lohren: Ich dachte nicht an einen Bot.
Allein für die neuen Möglichkeiten beim Programmieren und Gestalten ist ChatGPT für mich ein ganz toller Spielkamerad.
Die Empfehlungen (oben auf meiner Startseite) habe ich übrigens auch mit dem Kollegen gebaut. Es läuft seither, an verschiedenen Stellen im Blog, sehr schön.
Ich benutze gern die im Gutenberg-Editor existierende Möglichkeit, erweitertes CSS (Klassen) zu nutzen, um besondere Formatierungen in den Beiträgen zu erreichen. Da das inzwischen eine Handvoll unterschiedlicher Klassen sind, habe ich mir diese natürlich irgendwo notiert (in meinem Fall waren dies die Notizen von Apple – ausgezeichnetes Tool übrigens!). Jetzt kann ich mir diese Klassen im Editor anzeigen lassen und sie einzeln markieren/kopieren. Ich glaube, mal ein Plugin gesehen zu haben, das solche internen Notizen zur Vergügung stellt. Ich fands nur leider nicht mehr. Deshalb habe ich innerhalb von 15 Minuten mit ChatGPT eine akzeptable Lösung gefunden.