Gesellschaft   ·  3 Min.

Eine gegen alle? Wie Rechte die Reputation von unliebsamen Bürger/innen zu zerstören suchen

Unter dem Titel: «Kampf der «Deutschomanie» schrieb Clemens Heini gestern bei Telepolis einen lesenswerten Artikel, der auch dort auf breite Resonanz stieß. Sein Artikel ist eine Solidaritätsadresse …

Lesen Sie mehrEine gegen alle? Wie Rechte die Reputation von unliebsamen Bürger/innen zu zerstören suchen

Lesen Sie mehr



Unter dem Titel: «Kampf der «Deutschomanie» schrieb Clemens Heini gestern bei Telepolis einen lesenswerten Artikel, der auch dort auf breite Resonanz stieß. Sein Artikel ist eine Solidaritätsadresse an Lamya Kaddor.

Es hat mich nicht überrascht, dass auch in den Kommentaren zu diesem Artikel die krasse Ablehnung gegenüber Frau Kaddor vorherrscht. Die Behauptungen und Vorbehalte, die Broder und Tichy-Autor Spahn formuliert hatten, werden dort in Varianten wiederholt. Sie haben mehr Anklang gefunden. Ist es ein falscher Eindruck oder dem allgemeinen Klima geschuldet, dass die Kritik so unkritisch von vielen übernommen wurde?

Beliebt ist die Behauptung, Kaddor sei keine Islamwissenschaftlerin. Ganz allgemein wird ihr die Kompetenz abgesprochen. Tenor: «Echte Wissenschaftler sagen so was nicht».

Es ist nicht neu, die Reputation Andersdenkender infrage zu stellen. In diesem Fall versucht man die Person Lamya Kaddor fertig zu machen. Ja, ich übernehme den Begriff, den sie selbst für die Beschreibung dessen, was vor sich geht, benutzt hat.

Wovon wurden die Verantwortlichen geleitet, als sie Frau Kaddor mit Auszeichnungen und Ehrungen für ihre Arbeit gewürdigt haben? Gerade wurde sie mit dem Integrationspreis von Duisburg ausgezeichnet.

Ich kenne die Antwort: Es waren diese grün-links-versiffte Gutmenschen, die ihre Augen vor der Realität verschließen. So lautet die Schimäre, die seit langem von Rechten quer durchs Land betrieben wird.

Autor Spahn hat (nachträglich?) seinem Artikel den folgenden Absatz angefügt. Demnach ist also das Opfer übler Denunziation aufgefordert, Beweise dafür zu liefern, dass die Behauptungen nicht stimmen. Beweisumkehr nennt sich das juristisch. Ich hoffe, Frau Kaddor wird nicht antworten. Die Uni Münster wurde – glaube ich – ebenfalls angefragt. Auch diese hat sich bisher auf die Anfrage des Tichy Autors nicht gerührt. Gut so!

An der Uni Münster existiert der Studiengang «ISLAMWISSENSCHAFT UND ARABISTIK». Diesen hat Frau Kaddor laut eigenem Lebenslauf mit dem Magisterabschluss durchlaufen. So steht es dort seit einiger Zeit und so ist es auch im Moment.

Es ist modern geworden, die Dissertationen von Politikern auf den Prüfstand zu stellen. Es ist entlarvend, dass diese denunziatorische Methode (mit Hintertür) von Herrn Spahn in diesem Fall variiert wird.

Die Benennung Kaddors als Erziehungswissenschaftlerin erfolgt auf Basis des aktuellen Kenntnisstandes der Redaktion. Die schriftlich an sie persönlich übermittelte Anfrage, welches das Thema ihrer unveröffentlichten Magisterarbeit gewesen ist, blieb ebenso unbeantwortet wie die nach dem Thema ihrer Dissertation, die sie, die nach eigener Selbstdarstellung seit geraumer Zeit an ihrer Promotion arbeitet, vorzulegen hat. Sollte sich nach Fertigstellung des vorliegenden Textes durch verspätet eingehende Konkretisierungen etwas an der Darstellung ändern, werden wir dieses selbstverständlich hier vermelden.Quelle: Über die Legende vom liberalen Islam der Lamya Kaddor – Tichys Einblick | LINK

Spahn und Broder bedienen, wie immer bei Tichys Einblick, ihre rechte und äußerst rechte Klientel. Es sind also nicht mehr bloß Worte, die in Texten gegen Volksverräter oder Volksfeinde eingesetzt werden, es werden Methoden angewandt, die darauf abzielen, die Reputation von Menschen zu zerstören.

In diesem Fall ist es eine deutsche Frau mit syrischen Wurzeln, deren Publikation und Haltung man nicht aushalten kann.

Ich glaube, Frau Kaddor hat die Hasskritik so vieler Leute auf sich bezogen, weil sie in ihrer Streitbarkeit Dinge – ich würde sagen Selbstverständlichkeiten – ausgesprochen hat, die im Deutschland dieser Tage nicht ins rechte Bild passen wollen. Der Auslöser für all den Hass ist Kaddors kritische Haltung gegenüber deutscher Überheblichkeit. Ein zentraler Punkt: wir sehen in Menschen nicht das Individuum, sondern zuerst ethnische Gruppen, die wir in Schubladen stecken. Ob es Türken, Afghanen oder Iraker sind, als Muslime stellen sie die Bedrohung dar. Selbst wenn sie hier geboren sind oder längst einen deutschen Pass besitzen. Sie bleiben Türke, Afghane, Iraker mit deutschem Pass, dabei wäre es richtig, sie als Deutsche mit türkischen, afghanischen oder irakischen Wurzeln zu empfinden. Deshalb ist es bei uns anders, als in den USA oder in Kanada. Das darf man thematisieren. Frau Kaddor nicht. Im Gegenteil: ihr wird es übel genommen.

Wenn andere Motive als die im Politiksprech inflationär vorkommenden «Sorgen und Ängste der Menschen» offen ausgesprochen werden und wenn diese dazu nicht einmal von volksdeutschen Extremismusforschern vorgetragen werden, schauen manche in ihre rassistischen Abgründe. Sie würden das so nie zugeben. Aber es sind rassistische Abgründe. Ansonsten würden andere Methoden in der Auseinandersetzung mit anderen Meinungen angewandt.

Wenn der kritische Vortrag, dazu von einer Frau, noch schlimmer einer muslimischen Migrantin kommt, läuft das Fass über.

Da wird der rechte Slogan: «Das wird man doch wohl noch sagen dürfen» ganz flott außer Kraft gesetzt!

0




Horst Schulte
Artikelautor: Horst Schulte

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals habe ich dieses schöne Hobby für mich entdeckt. Ich bin jetzt 66 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt in der schönen Stadt Bedburg, nicht weit von Köln entfernt. Das mit dem Schreiben ist zwar weniger geworden. Aber ab und zu schreibe ich hier und anderswo. Die sozialen Netzwerke haben die Welt verändert - nicht zum Guten!

Schreibe einen Kommentar


Es werden keine IP-Adressen gespeichert! Sie können, falls Sie dies möchten, auch anonym kommentieren.