Filme über Beziehungen von Geschwistern

Zufällig bin ich in Marinas Blog auf eine kleine Reihe über Geschwister-Filme gestoßen. Schon der Titel «Charakter-Talk – Brüder in Filmen» machte mich neugierig: Was verbirgt sich dahinter? Eine Filmliste? Eine Figurenanalyse? Oder ein liebevoller Blick auf diese besondere, oft komplizierte Beziehung zwischen Brüdern?

Es geht in dieser Artikelserie um Filme, in denen Geschwisterpaare (männlich wie weiblich) im Mittelpunkt stehen.

Mir fielen auch gleich drei Filme ein, die in diese Kategorie passen. Alle über Brüderpaare. Aber mir fiel auch gleich «In den Schuhen meiner Schwester» (2005) ein. Da würden sich noch weitere Filme finden, die ich toll fand.

Ich schwanke bei den Filmen über Brüderpaare zwischen «Brothers» aus dem Jahr 2009 und dem Film, dem ich das Krönchen aufsetzen möchte und den der erst im letzten Jahr verstorbene, großartige Schauspieler und Regisseur Robert Redford 1992 erschaffen hat.


Worum geht es in dem Film?

»Aus der Mitte entspringt ein Fluss« erzählt von den Brüdern Norman und Paul Maclean, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Montana aufwachsen. Ihr strenger Vater, ein presbyterianischer Pfarrer, prägt sie durch Glauben, Disziplin und die gemeinsame Leidenschaft fürs Fliegenfischen. Der Fluss wird dabei zum Ort der Nähe, der Erinnerung und der unausgesprochenen Gefühle.

Norman geht den ruhigeren Weg: Bildung, Nachdenklichkeit, Distanz. Paul ist begabt, charmant, stolz, aber auch gefährdet. Er lebt extrovertiert, schnell und riskant. Zwischen beiden liegt brüderliche Liebe – aber auch die bittere Erfahrung, dass man einem geliebten Menschen nicht immer helfen kann.

Ein stiller, melancholischer Film über Familie, Erinnerung und Verlust, den ich zusammen mit meiner Frau im Kino gesehen habe. Wir waren damals ziemlich beeindruckt.

Welche Rolle spielt die Familie?

Die Familie steht im Zentrum des Films. Sie ist Schutzraum, Erziehungsanstalt, Glaubensgemeinschaft und Gefängnis zugleich. Der Vater liebt seine Söhne, aber er verbindet diese Liebe mit Regeln, Rituale und Predigten. Die Mutter hält das Haus zusammen, eher warm als streng, aber auch sie kann Pauls Abgleiten nicht verhindern.

Es ist eine Familie, in der viel gefühlt, aber wenig ausgesprochen wird. Genau darin liegt die Tragik.

Welche Bedeutung hat der Fluss?

Der Fluss ist mehr als Landschaft. Er ist Erinnerung, Heimat, Lebenslinie und Symbol für das, was vergeht. Beim Fliegenfischen finden Vater und Söhne eine Sprache, die ihnen im Alltag fehlt. Die Würfe mit der Angel werden fast zu einer Liturgie: rhythmisch, konzentriert, schön.

Der Fluss verbindet die Brüder — und zeigt zugleich, dass jeder Mensch am Ende seinen eigenen Lauf nimmt.

Was unterscheidet Norman und Paul?

Norman ist beobachtend, vorsichtig und reflektiert. Er trägt die Geschichte später als Erinnerung weiter. Paul dagegen ist unmittelbarer, mutiger, wilder. Er besitzt eine natürliche Eleganz, besonders beim Fliegenfischen, aber auch eine selbstzerstörerische Seite.

Man könnte sagen: Norman versteht das Leben im Rückblick. Paul verbrennt darin in der Gegenwart.

Warum ist Paul eine tragische Figur?

Paul ist nicht einfach «der verlorene Sohn». Er ist liebenswert, stolz, talentiert und verletzt. Gerade weil er so viel Ausstrahlung besitzt, schmerzt sein Weg umso mehr. Er verweigert Hilfe, nicht aus Dummheit, sondern aus einer Mischung aus Stolz, Scham und Freiheitsdrang.

Der Film zeigt diese Tragik ohne große Anklage. Das macht sie stärker. Kein moralischer Hammer, eher ein Stein im Herzen.

Was ist die zentrale Botschaft des Films?

Der Film erzählt davon, dass Liebe nicht immer Rettung bedeutet. Man kann einem Menschen nah sein und ihn doch nicht erreichen. Man kann ihn bewundern, lieben, begleiten — und dennoch zusehen müssen, wie er sich entfernt.

Der Satz, der über dem Film liegen könnte: Wir verstehen die Menschen, die wir lieben, oft erst dann, wenn sie uns entglitten sind.

Welche Stimmung hat der Film?

Melancholisch, ruhig, poetisch. Der Film rauscht nicht, er fließt. Er lebt von Landschaft, Licht, Erinnerung und unausgesprochenen Sätzen. Montana wirkt darin nicht wie Kulisse, sondern wie ein seelischer Raum. Wer die Natur liebt, wird auch deshalb die Kameraarbeit und natürlich Redfords Regie lieben.

Es ist kein Film, der laut nach Aufmerksamkeit schreit. Nicht wie so viele Filme in der Gegenwart.

Welche Darsteller spielen die Hauptrollen?

DarstellerRolle
Craig ShefferNorman Maclean
Brad PittPaul Maclean
Tom SkerrittReverend John Maclean
Brenda BlethynMrs. Maclean
Emily LloydJessie Burns
Joseph Gordon-Levittjunger Norman
Vann Gravagejunger Paul
Robert RedfordErzählerstimme des älteren Norman

Warum lohnt sich der Film heute noch?

Weil er ohne Zynismus von Familie, Brüderlichkeit, Scheitern und Erinnerung erzählt. Er zeigt Männer, die fühlen, aber kaum sprechen können. Das ist altmodisch und sehr modern zugleich. Vor allem aber ist er ein Film über das Nachhallen: Manche Menschen verschwinden, aber sie bleiben in uns wie Licht auf Wasser. Es war schon der 10. Film, in dem Brad Pitt bis dahin mitgespielt hatte. Ich könnte mir vorstellen, dass er maßgeblich zu seinem Erfolg beigetragen hat. Nur ein Jahr zuvor hatte er in Thelma und Louise den Durchbruch feiern können.

Horst Schulte
Horst Schulte
@HorstSchulte@horstschulte.com

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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Rentner, Autor, Blogger und Hobbyfotograf

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt (aus Liebe) auf dem Land.

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