Happy Valley: Wenn eine Polizistin die ganze Welt auf den Schultern trägt

Happy Valley: Kein Tal des Glücks

Der Titel ist fast schon eine Frechheit. «Happy Valley» klingt nach grünen Hügeln, Teetassen und dieser britischen Fähigkeit, selbst beim Weltuntergang noch ein trockenes Sandwich auszupacken. Tatsächlich führt uns die Serie in eine Landschaft, in der die Häuser eng stehen, die Wunden tief sitzen und das Böse nicht als Operettenmonster auftritt, sondern als Nachbar, Sohn, Ex-Freund, Kollege.

Geschrieben wurde «Happy Valley» von Sally Wainwright. Die Serie lief in drei Staffeln zwischen 2014 und 2023 und spielt im Calder Valley in West Yorkshire. Im Zentrum steht Sergeant Catherine Cawood, gespielt von Sarah Lancashire, und schon nach wenigen Minuten ist klar: Diese Frau wird nicht als Heldin eingeführt. Sie ist es einfach. Ohne Pathos. Ohne Heiligenschein. Mit Dienstjacke, Zorn, Müdigkeit und einem Herzen, das längst mehr getragen hat, als ein Mensch tragen sollte.

Staffel 1

Catherine Cawood arbeitet als Polizeibeamtin in West Yorkshire und zieht ihren Enkel Ryan groß. Dessen Vater Tommy Lee Royce wurde für die Vergewaltigung von Catherines Tochter verantwortlich gemacht. Als Royce aus dem Gefängnis kommt, reißt die Vergangenheit wieder auf. Gleichzeitig eskaliert eine Entführung.

Staffel 2

Catherine hat überlebt, aber nicht abgeschlossen. Während Tommy Lee Royce im Gefängnis sitzt, wird sie in einen neuen Mordfall hineingezogen. Alte Schuld, neue Bedrohungen und familiäre Bruchstellen verknüpfen sich zu einem Netz, in dem niemand wirklich unbeschädigt bleibt.

Staffel 3

Sechs Jahre später steht Catherine kurz vor der Pensionierung. Doch ein Fund menschlicher Überreste führt wieder zu Tommy Lee Royce. Zugleich sucht Ryan Kontakt zu seinem Vater. Für Catherine wird daraus ein letzter, bitterer Kampf um Wahrheit, Familie und Selbstachtung.

Sarah Lancashire als Catherine Cawood

Sarah Lancashire spielt Catherine Cawood nicht, als müsse sie uns beeindrucken. Genau das macht ihre Leistung so groß. Sie steht da wie jemand, der morgens den Müll rausbringt, mittags einen Tatort betritt, nachmittags einen Teenager zurechtweist und abends trotzdem noch einen Rest Menschlichkeit zusammenkratzt.

Diese Catherine ist ruppig, witzig, verletzlich, misstrauisch, liebevoll und manchmal auch ungerecht. Sie ist keine glattgebügelte Serienpolizistin, die mit kühlem Blick durch die Kulissen läuft. Sie schleppt ihre Geschichte mit sich herum. In jeder Bewegung. In jedem Blick. In diesem kurzen Atemholen, bevor sie wieder weitermacht.

Gerade deshalb wirkt «Happy Valley» so stark. Die Serie erzählt nicht nur von Kriminalität. Sie erzählt davon, was Gewalt mit Familien macht. Was sie in Körpern hinterlässt. In Häusern. In Küchen. In Kinderzimmern. Und Sarah Lancashire gibt dieser Verwüstung ein Gesicht, das man nicht vergisst. Dass sie für diese Rolle ausgezeichnet wurde, überrascht nicht; die Serie selbst gewann ebenfalls wichtige BAFTA-Auszeichnungen.

James Norton als Tommy Lee Royce

Der Bösewicht Tommy Lee Royce wird von James Norton gespielt. James Norton wurde durch «Grantchester», «War & Peace», «McMafia» und eben «Happy Valley» bekannt. Für Tommy Lee Royce erhielt er 2015 eine BAFTA-Nominierung als bester Nebendarsteller.

Norton spielt diesen Tommy nicht als plumpen Schurken. Das wäre einfacher gewesen und am Ende auch bequemer für uns Zuschauer. Er gibt ihm eine gefährliche Mischung aus Charme, Kälte, Kränkung und Berechnung. Man merkt: Dieser Mann weiß, wie er auf andere wirkt. Und genau darin liegt der Schrecken.

Tommy Lee Royce ist einer dieser Serienbösewichte, bei denen man sich nicht nur vor der Gewalt fürchtet, sondern vor der Lücke in seinem Inneren. Er ist nicht laut, weil er muss. Er ist lautlos, wenn es schlimmer ist.

Die Nebenfiguren tragen die Last mit

Auch Siobhan Finneran als Catherines Schwester Clare ist großartig. Sie spielt keine bloße Nebenfigur, sondern den beschädigten Menschen neben dem beschädigten Menschen. Clare bringt Wärme, Schwäche, Trotz und Loyalität in diese Geschichte. Zwischen ihr und Catherine liegt viel Liebe, aber eben auch Reibung. So ist Familie. Kein Hochglanzprospekt, eher ein alter Tisch mit Kratzern, an dem man trotzdem immer wieder Platz nimmt.

Rhys Connah als Ryan wächst über die drei Staffeln hinweg in eine der schwersten Rollen hinein. Er ist Kind, Projektionsfläche, Hoffnung, Gefahr und Opfer der Erwachsenen zugleich. «Happy Valley» zeigt an ihm besonders schmerzhaft, dass Herkunft keine Schuld ist, aber auch keine Kleinigkeit.

Warum diese Serie so nachwirkt

«Happy Valley» ist kein Krimi, den man nebenbei schaut, während die Spülmaschine läuft. Die Serie verlangt Aufmerksamkeit. Sie ist hart, ja. Manchmal auch schwer auszuhalten. Aber sie ist nie billig. Gewalt wird hier nicht dekoriert, sondern als Verwüstung gezeigt.

Das Entscheidende ist: Am Ende bleibt nicht Tommy Lee Royce im Mittelpunkt. Am Ende bleibt Catherine Cawood. Diese Frau, die weitermacht, obwohl sie längst allen Grund hätte, sich hinzusetzen und die Welt vor die Tür zu setzen. Sie ist das Herz dieser Serie. Ein angeschlagenes Herz, gewiss. Aber eines, das schlägt. Stur. Warm. Unbestechlich.

Mehr zur Serie: Happy Valley bei IMDb

Happy Valley – In einer kleinen Stadt Episodenguide – fernsehserien.de

Horst Schulte
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@HorstSchulte@horstschulte.com

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt, wie man so sagt, in der Provinz. Großstädte sind mir ein Gräuel.

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Rentner, Autor, Blogger und Hobbyfotograf

Mein Bloggerleben reicht bis ins Jahr 2004 zurück. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und lebe seit meiner Geburt (aus Liebe) auf dem Land.

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